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Epidemie-Lage in Deutschland Alle Daten, alle Fakten zum Coronavirus

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Belastungsprobe für das Gesundheitssystem: Wie gut kann Deutschland mit dem Coronavirus-Ausbruch umgehen?

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland blickt einem Lockdown bis kurz vor Ostern entgegen: Die Fallzahlen steigen, die Corona-Auflagen werden wohl verlängert. Welche Lockerungen sind unter diesen Umständen möglich? Die aktuelle Lage im Überblick.

Der vor drei Wochen vereinbarte Stichtag ist da, das Fallaufkommen jedoch liegt vielerorts noch immer weit über der Lockerungsschwelle: Vier Monate unter stufenweise verschärften Corona-Auflagen haben nicht ausgereicht, die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland in einer Mehrheit der Regionen unter die angestrebte Zielmarke von 35 Neuinfektionen aus sieben Tagen je 100.000 Einwohnern zu drücken.

Im Kampf gegen das Coronavirus muss sich die Öffentlichkeit auf anhaltende Einschränkungen einstellen. Wie aus einem Entwurf für den anstehenden Corona-Gipfel mit Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder hervorgeht, soll der Lockdown grundsätzlich bis zum 28. März verlängert werden. Damit könnten die seit dem 2. November geltenden Beschränkungen bis kurz vor Ostern ausgedehnt werden (der Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 4. April).

Eine Entscheidung darüber soll bei der Videokonferenz der Bund/Länder-Runde am 3. März fallen. Gleichzeitig soll es dem Entwurf zufolge einen Vierstufenplan für Lockerungen geben. Vorgesehen ist unter anderem eine vorsichtige Rücknahme der geltenden Kontaktbeschränkungen. Wenn sich die Länderchefs diesen Vorschlägen anschließen, dann könnten private Begegnungen ab 8. März wieder für bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten möglich sein. Kommen solche und weitere Lockerungen zur Unzeit?

Hinweis: Karten und Infografiken werden laufend aktualisiert.

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Die Corona-Zahlen deuten aktuell eher auf eine Verschärfung des Infektionsgeschehens hin: Wie aus den von ntv.de ausgewerteten Meldedaten der Bundesländer hervorgeht, ist die Gesamtzahl der seit Beginn der Pandemie erfassten Infektionsfälle bis Dienstagabend auf insgesamt 2.454.612 laborbestätigte Ansteckungen gestiegen.

Das sind 5581 Fälle mehr als am Vortag. Im Wochenvergleich wird die steigende Tendenz sichtbar: Die rückläufige Entwicklung der vergangenen Wochen ist vorbei. Der aktuelle Tageszuwachs der Neuinfektionen liegt um 708 Fälle über dem Niveau von Dienstag vergangener Woche. Zu Wochenbeginn hatten die Behörden der Länder in der Summe 4335 neue Fälle gemeldet. Auch diese Zahl lag leicht über dem Meldeaufkommen von Montag vor einer Woche.

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Es steht zu befürchten, dass die Fallmeldungen in den kommenden Tagen wieder ansteigen: Die stärksten Meldetage sind in der Regel in der zweiten Wochenhälfte zu beobachten. Am Sonntag waren 6772 Ansteckungen hinzugekommen, am Samstag waren es 8909 und am Freitag davor 9886. Am vergangenen Donnerstag hatten die Länder mit 11.173 Fällen sogar erstmals seit Anfang Februar wieder Fallzahlen im fünfstelligen Bereich verzeichnet.

Die Fallzahlen steigen in einzelnen Altersgruppen bereits wieder deutlich an. Einzelne Bundesländer stecken noch immer in den Ausläufern der zweiten Ansteckungswelle fest.

Die breite Öffentlichkeit jedoch hofft auf Erleichterungen, die Erwartungen nach vier Monaten im Lockdown sind groß, die Debatte um weitere Öffnungsschritte ist längst bereits voll entbrannt. Welche Lockerungen sind angesichts der aktuellen Fallzahlen und neuen Mutanten-Risiken überhaupt vertretbar?

Die erste Stufe des in dem Bund/Länder-Entwurf skizzierten Vier-Stufen-Plans bezieht sich auf die bereits erfolgte Öffnung für Schulen, Kitas und Friseure. In einem zweiten Schritt sollen auch Buchhandlungen, Gartenmärkte und Blumenläden wieder öffnen dürfen. In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 könnten demnach in einem dritten Schritt auch Beschränkungen für den Einzelhandel sowie für Museen und den Sport gelockert werden. Erst im vierten Schritt wäre dann die Öffnung für die Gastronomie vorgesehen.

Noch sind wichtige Details offen. Ungeklärt sind etwa die genauen Schwellenwerte, ab denen vor Ort mit weiteren Lockerungen begonnen werden kann - oder ab denen Lockerungen wieder zurückgenommen werden müssten. Näheres dürfte erst nach Abschluss der Bund/Länder-Videokonferenz am Mittwochabend feststehen.

Sicher ist jedoch schon jetzt, dass die deutsche Pandemie-Abwehr künftig verstärkt auch die sogenannten Schnelltests setzt. "Regelmäßige Corona-Tests" stellten einen "wichtigen Baustein" dar, heißt es in den Papier, um "mehr Normalität und sichere Kontakte zu ermöglichen". Die Länder sichern dem Entwurf zufolge zu, das Personal in Schulen und Kitas sowie "alle Schülerinnen und Schüler" wöchentlich ein oder zwei Mal kostenlos mit Schnelltests zu testen.

Zudem sollen die Unternehmen in Deutschland verpflichtet werden, "ihren in Präsenz Beschäftigten" ebenfalls wöchentlich ein oder zwei Schnelltests "einschließlich einer Bescheinigung über das Testergebnis" anzubieten. Reicht das aus, um die drohende dritte Ansteckungswelle noch abzuwenden?

Gemessen an der regionalen Sieben-Tage-Inzidenz bewegt sich das Fallaufkommen noch immer weit jenseits jener Schwellenwerte, ab denen eine umfassende Kontaktnachverfolgung und damit eine effektive Unterbrechung der Infektionsketten möglich wären. Nur 51 der 412 deutschen Regionen liegen aktuell unter der Zielmarke von 35 Neuinfektionen aus sieben Tagen je 100.000 Einwohnern.

Insgesamt 98 Regionen bewegen sich mit ihrer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 35 und 50. Die große Mehrheit der Städte, Stadtbezirke und Landkreise - aktuell 63,8 Prozent - verzeichnet eine sehr viel höhere Sieben-Tage-Inzidenz mit einem Fallaufkommen von mehr als 50.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz - also die Anzahl der gemeldeten Infektionsfälle aus sieben Tagen je 100.000 Einwohner - liegt den RKI-Angaben zufolge bei 65,4 (Stand: 2. März 2021, Vortag: 65,8). Auf Basis der Länderdaten liegen derzeit nur Rheinland-Pfalz und - neu - Schleswig-Holstein unter der Inzidenzschwelle von 50. In Baden-Württemberg stieg die Sieben-Tage-Inzidenz nach 14 Tagen unterhalb dieser Marke am vergangenen Samstag wieder drüber und liegt aktuelle bei 52,0.

Im Sieben-Tage-Trend, also dem Durchschnitt der täglich gemeldeten Infektionsfälle aus dem Zeitraum der zurückliegenden sieben Tage, ist der kontinuierliche Anstieg der Fallzahlen unabhängig von den Schwankungen im Wochenverlauf gut zu erkennen. Derzeit kommen im Schnitt 8092 Coronavirus-Fälle pro Tag hinzu, Tendenz leicht steigend. Sind es die neuen Virus-Varianten, die bereits die Oberhand gewinnen und das Infektionsgeschehen beeinflussen?

Durch die seit 2. November geltenden Lockdown-Maßnahmen ist es in Deutschland zwar gelungen, die exponentielle Virus-Ausbreitung zu stoppen und die zweite Ansteckungswelle zu brechen. Deutlich verfehlt wurde das Ziel, die Zahl der gemeldeten Ansteckungen weitergehend einzudämmen. Tatsächlich rückte die viel diskutierte neue Zielmarke Ende Februar wieder in weite Ferne.

Liebe Leser,

vor einem Jahr, am 27. Februar 2020, ist auf ntv.de erstmals "Alle Daten, alle Fakten zum Coronavirus" erschienen. Damals war nicht absehbar, dass dieser Sammelüberblick zur Pandemie-Lage Ihnen und uns über ein Jahr erhalten bleiben sollte - und wohl noch eine geraume Zeit erhalten bleiben wird. Seit Erscheinen zählt dieser Beitrag fast durchgehend zu den zehn meistgelesenen ntv.de-Beiträgen des Tages. Nach einem Jahr täglicher Aktualisierung möchten wir Ihnen für Ihre zahlreichen kritischen und konstruktiven Mails danken, für Ihre Zuschriften mit inhaltlichen Ergänzungen, für Ihre Hinweise auf etwaige Fehler und für Ihre Anregungen zur besseren Verständlichkeit von Texten und Grafiken. Wir danken für Ihr Interesse an unserer Berichterstattung: Wir bleiben dran.

Herzlich,
Martin Morcinek, Christoph Rieke, Christoph Wolf

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Wochenlang seien die Infektionszahlen zurückgegangen - doch nun gebe es "deutliche Signale einer Trendumkehr", hatte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, gegen Ende der letzten Februarwoche gewarnt.

Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens bedürfe es weiter großer Vorsicht und müssten die Schutzmaßnahmen weiter beachtet werden, "ansonsten steuern wir in eine weitere, in eine dritte Welle hinein".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mahnte bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Wieler am 26. Februar mit Blick auf die Debatte um weitere Öffnungsschritte "größtmögliche Umsicht und Vorsicht" an.

Spahn erwähnte dabei ausdrücklich auch die Zielmarke einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35. Diesen Wert hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Bundesländer in ihren Beratungen vor drei Wochen als Schwelle für umfassendere Öffnungsschritte vereinbart.

Er sehe nicht, "dass die 35 in naher Nähe bundesweit und in vielen Bundesländern erreichbar ist", sagte Spahn. Die Diskussion über diesen Wert "muss man führen". Rücken die erhofften Lockerungen damit wieder in weitere Ferne?

Die beim letzten Corona-Gipfel ausgerufene Zielmarke von 35 aktuellen Neuinfektionen wurde in diesem Winter bisher in keinem Bundesland erreicht. Sollte die sogenannte Lockerungsschwelle als Maßstab weiter von Bedeutung sein, dann wären pauschale Öffnungsschritte ab März nur in einem kleinen Teil des Landes möglich.

Kernfragen des anstehenden Corona-Krisengipfels am Mittwoch werden sein: Hat die dritte Welle bereits begonnen, wie Kanzlerin Merkel befürchtet? Lässt sich die drohende Ausweitung des Infektionsgeschehens durch die neuen Schnelltests in den Griff bekommen? Welcher Spielraum für konkrete Öffnungsperspektiven bleibt der Politik im Frühjahr?

Die Zahl der täglich übermittelten Todesfälle ist im Vergleich zur Lage rund um den Jahresbeginn deutlich zurückgegangen. Im Lauf des Dienstags registrierten die Landesbehörden 422 Todesfälle (Vortag: 174). Am vergangenen Sonntag war diese Kennzahl zum ersten Mal seit Mitte November unter die Schwelle von 100 Todesfällen am Tag gefallen. Am Dienstag vor einer Woche wurden 444 neue Todesfälle registriert.

In Deutschland sind seit Pandemie-Beginn nach amtlicher Zählung insgesamt 70.677 Menschen im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gestorben. Bedrückend dabei: Mehr als 54.000 dieser Todesfälle wurden seit dem 1. Dezember 2020 registriert.

In den vergangenen drei Monaten hat sich die Gesamtzahl der Todesfälle damit mehr als vervierfacht. Als Lichtblick inmitten katastrophaler Zahlen mag gelten, dass der tägliche Zuwachs in der Todesfallstatistik zumindest an den schwächeren Meldetagen wieder bis in den zweistelligen Bereich sinkt. Die Zahl der Sterbefälle folgt den Infektionen allerdings mit einem Abstand von rund drei Wochen folgt. Sollten die Ansteckungen in Deutschland wieder zunehmen, dann dürften mit der entsprechenden Verzögerungen auch die Todesmeldungen zunehmen.

Anfang Januar hatten die Landesämter zeitweise mehr als 1000 Verstorbene pro Tag verzeichnet. Die Mehrheit der Todesfälle betraf dabei Menschen aus älteren Bevölkerungsgruppen. Kann Deutschland eine dritte Ansteckungswelle durch Schnelltests und vorsichtiges Öffnungsschritte verhindern?

Im Kampf gegen die Pandemie sei das Land "auf einem wirklich guten Weg" gewesen - und dann seien die besonders ansteckenden Virusmutanten hinzugekommen, fasste Spahn die Lage in der Bundespressekonferenz zusammen.

RKI-Chef Wieler erklärte, gerade die britische Variante sei "deutlich gefährlicher - und zwar in allen Altersgruppen". Die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen gehe insgesamt zwar leicht zurück. In zwei Bundesländern steige sie aktuell aber wieder.

Es gibt es aber auch ermutigende Anzeichen. Die Fallzahlen bei den über 80-Jährigen nähmen weiter ab, obwohl es nach wie vor Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern gebe, betonte RKI-Chef Wieler. "Das ist wahrscheinlich schon ein Effekt der Impfung."

Rund zwei Monate nach dem Start der Impfkampagne in Deutschland hat die große Mehrheit der besonders anfälligen Pflegeheimbewohner in Deutschland eine Corona-Impfung erhalten. Mehr als 795.000 von ihnen wurde eine erste Dosis gespritzt, mehr als 550.000 auch schon die zweite, wie aus Daten des Robert-Koch-Instituts (Stand: Freitag, 26. März) hervorgeht.

Insgesamt wird von rund 900.000 Menschen in solchen Einrichtungen ausgegangen. Senioren in Gemeinschaftsunterkünften gelten als besonders gefährdet für schwere und tödliche Verläufe. Mit den Fortschritten der Impfkampagne in diesen Risikogruppen bestehen Chancen, dass die Zahl der schwer Erkrankten und auch die Zahl der Todesfälle - sollte es zu einer dritten Welle kommen - nicht mehr ganz so stark ansteigen dürfte.

"Das Risiko, an Corona zu erkranken, hat sich für unsere höchstbetagten Bürgerinnen und Bürger deutlich reduziert", betonte Gesundheitsminister Spahn. Die allermeisten Pflegeheimbewohner hätten das Impfangebot angenommen, mehr als 40 Prozent der bisher eingesetzten Dosen seien Menschen über 80 Jahren verabreicht worden.

Spahn bemühte sich, das deutsche Vorgehen bei der Corona-Schutzimpfung zu verteidigen. Die Strategie, die besonders Verwundbaren zuerst zu impfen, sei aufwendiger und dauere zu Beginn länger, rette aber Leben, erklärte er.

Sind damit im März doch bereits weitere bundesweite Öffnungsschritte möglich? Die vom RKI ermittelten Ansteckungsraten bewegen sich aktuell wieder über der kritischen Marke. Die stark rückläufige Entwicklung der Fallzahlen jedoch scheint gestoppt, die seit dem Herbst laufende Ansteckungswelle ebbt Ende Februar nicht mehr weiter ab. Spahn wies in der Pressekonferenz am 26. Februar darauf hin, dass die Länder unabhängig von Inzidenz-Werten bereits mit der Öffnung von Schulen und einzelnen Läden begonnen hätten.

RKI: Mutanten-Anteil steigt über 30 Prozent

Bisher galt ein möglichst überschaubares Fallaufkommen als wichtigste Voraussetzung, um die für Anfang März in Aussicht gestellten Lockerungen in kleinen Schritten angehen zu können. Bereits im Vorfeld des anstehenden Corona-Gipfels positionierten sich Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur mit Warnungen oder Forderungen nach Lockerungen oder mindestens einer Perspektive für Öffnungen. "Wir müssen aus dem Shutdown so schnell wie möglich heraus", sagte etwa SPD-Chef Norbert Walter-Borjans. Auch Arbeitgeberverbände verlangten Lockerungen.

Sind solche Schritte angesichts der Infektionslage im Land zu verantworten? Mit der weiteren Ausbreitung der ansteckenderen Coronavirus-Mutationen dürfte es überall im Land bald schwerer werden, die Ansteckungsraten wie geplant zu drücken oder die erreichte Eindämmung auch nur zu halten.

In der RKI-Auswertung vom 24. Februar geht das RKI mit Blick auf die Zahlen aus der siebten Kalenderwoche davon aus, dass schon fast jede dritte Infektion in Deutschland auf die deutlich ansteckendere Virus-Variante B.1.1.7 zurückgehen dürfte, Tendenz steigend. Die neuen Zahlen zur VOC-Lage in Deutschland werden am Mittwochabend erwartet.

Vor wenigen Wochen lag der Anteil noch knapp unter sechs Prozent. Vergangene Woche wurde der Anteil noch mit 22,8 Prozent angegeben, aktuell sind es 30,9 Prozent. In einigen besonders stark betroffenen Regionen wie etwa Flensburg dürfte der Anteil bereits deutlich höher liegen.

Die neuen Varianten dürften nach Einschätzung von Epidemiologe Timo Ulrichs jedoch nicht allein für die Bewegungen der Fallzahlen verantwortlich sein. Es komme "weiterhin darauf an, wie wir unsere Kontakte beschränken, Abstände einhalten, Masken tragen - wenn wir da nachlässig werden, dann kann das schon dafür sorgen, dass die Entwicklung nicht mehr so stringent nach unten geht", erklärte er im Interview bei ntv.de.

Die vorliegenden Daten zeigen bisher vor allem auf, dass sich der Anteil der neuen Virus-Variante am Infektionsgeschehen insgesamt erhöht. Da bisher die Kontaktbeschränkungen bisher weitgehend unverändert in Kraft sind, könnte die Ausbreitung des Erregers - ob mutiert oder nicht - dennoch weiter eingedämmt werden.

Von kurzfristigen Schwankungen sollte sich niemand "ins Bockshorn jagen lassen", sagte Ulrichs: "Es kann durchaus sein, dass diese leichte Veränderung, die wir derzeit sehen, nur ein Ausreißer nach oben ist, aber dass der generelle Trend immer noch nach unten zeigt."

Das RKI warnt vor den möglichen Folgen einer zunehmenden Ausbreitung der Mutationen. "Es besteht durch das Auftreten verschiedener Virusvarianten ein erhöhtes Risiko einer erneuten Zunahme der Fallzahlen." Die Rede ist von einem "deutlich zunehmenden Trend (...) in allen Bundesländern". Lässt sich diese Entwicklung noch aufhalten?

Die Meldedaten liefern naturgemäß nur ein sehr eingeschränktes Bild der Lage. Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Mutationen scheint derzeit - trotz ihres wachsenden Anteils - noch immer zu gering, um das überregionale Meldegeschehen in größerem Ausmaß beeinflussen zu können. Allerdings wird noch längst nicht überall flächendeckend nach den besorgniserregenden Sars-CoV-2-Varianten gefahndet.

Der leichte Anstieg der Fallzahlen könnte, wie Ulrichs befürchtet, auch auf ganz andere Faktoren zurückgehen. So könnte schon allein die Aussicht auf baldige Lockerungen, das winterliche Rodelvergnügen der vergangenen Wochen oder das einsetzende Frühlingswetter dazu geführt haben, dass die Vorsicht in der Bevölkerung nachlässt und es wieder zu mehr und engeren Kontakten kommt, gerade weil sich mehr Menschen im Freien aufhalten und dort in Gruppen treffen.

Die Ausbreitung der neuen Virus-Varianten hat allen Hoffnungen auf ein baldiges Lockdown-Ende zum Trotz eine veränderte Ausgangslage geschaffen, auf die die deutsche Pandemie-Abwehr reagieren muss. In Thüringen, dem Bundesland mit dem deutschlandweit höchsten aktuellen Fallaufkommen, wurde der der Lockdown vorsorglich bereits bis Mitte März verlängert. In einzelnen Regionen des Bundeslands musste die geplante Rückkehr in den halbwegs regulären Schulbetrieb kurzfristig verschoben werden.

Schnelltests für Schulen, Heime und den Privatgebrauch sollen künftig die Suche nach Infektionsherden erleichtern und die Eindämmung des Erregers beschleunigen, auch wenn das Corona-Kabinett die von Gesundheitsminister Spahn mehrfach für den 1. März angekündigte allgemeine Verfügbarkeit von Schnelltests wieder einkassierte.

RKI-Chef Wieler warnte vor einer Überschätzung von Selbsttests in der Pandemie-Bekämpfung. "Selbsttests sind keine Wunderwaffe", sagte er bei dem gemeinsamen Auftritt mit Spahn in der Bundespressekonferenz. Die Erwartung, dass man sich für bestimmte Situationen "freitesten" könne, sei nicht hundertprozentig zu erfüllen.

Ein negatives Ergebnis sei immer eine Momentaufnahme und schließe eine Infektion nicht aus. "Man kann trotzdem infiziert sein und andere anstecken", betonte er. Deshalb sei es wichtig, sich und andere auch weiter durch Abstandhalten, Maskentragen, Hygiene und Lüften zu schützen. Schnelltests seien aber ein Werkzeug bei der Eindämmung der Pandemie, sagte Wieler. Positiv sei, dass sie mehr Infektionen aufdecken würden. "Das mächtigste Werkzeug neben uns selbst sind die Impfungen", sagte Wieler. Sie seien der direkte, gemeinsame Weg aus der Pandemie.

Im Hintergrund weiten Speziallabore unterdessen die Fahndung nach mutierten Erregerformen aus. Gemäß der neuen Testkriterien sollen nun auch wieder Verdachtsfälle mit Symptomen jeder Schwere einem PCR-Test unterziehen. Noch ist diese Neuausrichtung der Testkriterien in den Fallzahlen nicht erkennbar. Ab kommender Woche jedoch dürfte sich ein verändertes Testaufkommen aber zumindest in den Labordaten zeigen. Zuletzt waren die Testkapazitäten der Labore in Deutschland jeweils nur ungefähr zur Hälfte ausgeschöpft worden.

Mit der erweiterten Teststrategie bekomme die Pandemie-Abwehr in Deutschland ein zusätzliches Hilfsmittel, wie Spahn erklärte. Deutlich mehr Antigen-Schnelltests seien mittlerweile verfügbar. Diese Schnelltests gebe es nun "in ausreichender Zahl und in ausreichender Qualität". Daher sei es nun möglich, die Teststrategie auszubauen und mehr Tests mit rasch verfügbaren Ergebnissen zur Verfügung zu stellen.

Ab März wollte Spahn kostenlose Tests für jedermann ermöglichen, beispielsweise in kommunalen Testzentren oder Apotheken - allerdings verkündete er diesen ambitionierten Zeitplan in der Vorwoche offenbar im Alleingang und ohne ausreichende Koordinierung mit Kabinett und Bundesländern, weshalb nun nachjustiert werden muss und sich der allgemeine Start verschiebt.

Derzeit kommen Schnelltests vorrangig nur in Alten- und Pflegeheimen, in Kliniken zum Einsatz. Künftig könnten sie auch nach Infektionsfällen in Schulen verwendet werden. Bisher durften die Proben allerdings nur von geschultem Personal genommen werden, was ihre Anwendung in der Praxis stark einschränkt. Daher sollen nun möglichst schnell auch Laien-Selbsttests verfügbar sein.

Die einfachen Schnelltests gelten als weniger zuverlässig als die bisher als "Goldstandard" bezeichneten PCR-Tests. Da sie weniger sensibel reagieren, dürften sie vor allem bei akut infizierten Personen mit hoher Viruslast anschlagen. Da in solchen Fällen das Ansteckungsrisiko auch besonders hoch ist, könnten die Schnelltests einen wertvollen Beitrag zur Eindämmung leisten.

Ein positiver Schnelltest wiederum zieht in jedem Fall einen regulären PCR-Test nach sich und eine erste Verdachtsmeldung an das zuständige Gesundheitsamt. Erst im Fall einer laborbestätigten Infektion wird die Infektion auch in der Pandemie-Statistik als nachgewiesene Ansteckung erfasst. Für die Betroffenen folgt eine behördlich angeordnete Quarantänepflicht. Im Idealfall beginnt umgehend die Kontaktnachverfolgung, um möglichst schnell die Ansteckungsherde zu identifizieren.

Inmitten der Debatte um die Anpassung der deutschen Pandemie-Abwehr hatten sich Bundeskanzlerin Merkel und die Regierenden der Länder nach ihrer Videokonferenz vom 10. Februar um ermutigende Perspektiven für die massiv belastete Öffentlichkeit bemüht. In den kommenden Wochen sollten, so hieß es, ausdrücklich auch konkrete Exit-Strategien besprochen werden.

"Der nächste Öffnungsschritt kann durch die Länder bei einer stabilen Inzidenz von maximal 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner erfolgen", hieß es. Die Zeitspanne bis Mitte März sei "existenziell". Lockerungen könnte es demnach zunächst vor allem in jenen Bundesländern und Regionen geben, in denen sich die Sieben-Tage-Inzidenz "stabil" - also für "mindestens drei Tage", wie die Kanzlerin sagte - unterhalb der neuen Zielmarke von 35 aktuellen Neuinfektionen bewegt.

Die geplanten Öffnungsschritte müssten vor dem Hintergrund der Virusmutanten jedoch "vorsichtig und schrittweise" erfolgen, betonten Merkel und die Länderchefs am 10. Februar, um die "erfolgreiche Eindämmung des Infektionsgeschehens nicht durch ein erneutes exponentielles Wachstum der Fallzahlen zu riskieren".

Ausdrücklich hieß es in den Beschlüssen aber auch: "Niemandem wäre geholfen, wenn durch zu weitgehende oder zu schnelle Öffnungen erneute umfassende Einschränkungen des öffentlichen Lebens notwendig würden, weil das Infektionsgeschehen sich wieder beschleunigt.

Von der Laborfront kann das RKI unterdessen ermutigende Signale vermelden: In der zurückliegenden dritten Februarwoche ist der Anteil der positiven Virus-Befunde an der Gesamtzahl der durchgeführten Coronatests weiter gesunken, wobei insgesamt weiterhin knapp 1,1 Million Proben genommen wurden.

Die Viruslast ist derzeit offenbar deutlich geringer als in der Vorweihnachtszeit, bei der Auswertung der Tests ergeben sich weniger Treffer. Für Aufsehen sorgte zuletzt, dass die Labore derzeit weit unterhalb ihrer theoretischen Kapazitätsgrenzen arbeiten. In Deutschland könnten also theoretisch sehr viel Menschen getestet werden - was Raum für eine neuerliche Ausweitung der Teststrategie schuf.

Der große Impfgipfel mit der Bundeskanzlerin, Vertreten der Landespolitik und der EU-Kommission sowie den Abgesandten der Impfstoffhersteller hatte Anfang Februar keine grundlegend neuen Erkenntnisse erbracht. Kanzlerin Merkel bekräftigte im Anschluss an die Videokonferenz das Ziel, allen Bundesbürgern bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot machen zu können. Nach massivem Ärger über organisatorische Probleme wollen sich Bund und Länder künftig enger über die erwarteten Liefermengen abstimmen.

Ein "nationaler Impfplan" soll Planungsgrundlagen für die Vergabe der Impftermine schaffen und Auskunft über die anstehenden Mengen an Impfstoff geben. Um die Anzahl der voraussichtlich verfügbaren Impfdosen besser abschätzen zu können, sollen künftig auch Faktoren wie Liefermengen, Art des Impfstoffs und etwaige Alterseinschränkungen "modelliert" werden. Es gebe "gute Gründe", so Merkel, warum das Impfen in Deutschland langsamer als in anderen Staaten vorankomme. Mit Blick auf Staaten mit höheren Impfquoten räumte sie am Tag danach ein: "Das wurmt einen natürlich."

Bundesweit sind Ende Februar erst rund 2,4 Prozent der Bevölkerung komplett geimpft. Im regionalen Ranking liegt Rheinland-Pfalz vor Berlin, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Schlusslichter sind mittlerweile Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen mit Impfquoten zwischen 2,0 und 1,9 Prozent.

In einzelnen Bundesländern wird offenbar besonders umsichtig mit den Impfdosen gewirtschaftet - oder es geht dort besonders langsam voran: Angesichts der zeitweise stockenden Lieferung wurden und werden ausreichend große Bestände zurückgehalten, um allen Erstgeimpften nach Ablauf der dreiwöchigen Frist auch eine sichere Zweitimpfung garantieren zu können.

In Rheinland-Pfalz verfügen den amtlichen Daten zufolge bereits mehr als 3,3 Prozent der Einwohner über den vollständigen Impfschutz (1. und 2. Impfung). Zur Erinnerung: Um den Erreger wirksam in Schach zu halten, sind Impfquoten im Bereich von 60 bis 70 Prozent erforderlich.

Deutschland muss sich daher auf anhaltende Einschränkungen über eine längere Wegstrecke einstellen. Solange nur ein Bruchteil der Menschen im Land geimpft ist, bleibt die effektive Absenkung der Fallzahlen durch Kontaktreduzierung, Abstandhalten, Schul- und Kita-Schließungen und den allgemeinen AHA+L-Regeln der wirksamste Schutz vor einer weiteren Ausbreitung des Virus.

"Meilenstein in der Pandemiebekämpfung"

Inmitten der düsteren Gesamtlage gibt es dennoch eine Gewissheit: Das Virus lässt sich aufhalten. Das Verhalten der breiten Öffentlichkeit entscheidet, wie viele Chancen sich dem Erreger bieten. Das Virus ist auf den Kontakt zwischen Menschen angewiesen, es kann sich alleine nicht bewegen.

Der erfolgte Impfstart weckte zunächst große Hoffnungen, die zäh anlaufende Massenimpfung rückt die Einkaufsstrategie und die Planung des Bundes und der Länder zunehmend ins Zentrum der Kritik. Noch immer steht viel zu wenig Impfstoff zur Verfügung, um Menschen aus den besonders gefährdeten Risikogruppen und das medizinische Personal in direktem Kontakt zu Infizierten zügig impfen zu können. So oder so dürfte es noch Monate dauern, bis ausreichende Anteile der Bevölkerung über einen Immunschutz verfügen.

Die Verteilung der Impftermine orientiert sich dabei an der vorbereiten Impfreihenfolge, die eine Immunisierung der besonders gefährdeten Menschen vorsieht. Zuerst geimpft werden also etwa Pflegebedürftige, Hochbetagte und Personen aus den sogenannten Risikogruppen, bei denen etwa gravierende Vorerkrankungen vorliegen.

In den Tagen bis zum Jahreswechsel würden "über 1,3 Millionen Impfdosen an die Bundesländer ausgeliefert und von diesen an die Impfteams verteilt", hatte Spahn angekündigt. Im Januar sollten dann jede Woche mindestens 670.000 weitere Impfdosen ausgeliefert werden. Anfang Februar hinkte der Impffortschritt diesen Zahlen noch hinterher: Zuletzt kamen pro Tag jedoch wieder mehr als 130.000 Impfdosen zur Anwendung.

Immerhin stehen mittlerweile neben dem zuerst zugelassenen Impfstoff von Biontech/Pfizer zwei weitere Mittel zusätzlich zur Verfügung. Am 6. Januar erteilte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA eine vorläufige EU-Zulassung für den Impfstoff des US-Herstellers Moderna. Das Vakzin wird inzwischen auch in Deutschland verimpft. Am 29. Januar kam dann auch noch die EU-Zulassung für den Impfstoff der Uni Oxford und Astrazeneca hinzu, das bislang allerdings noch in deutlich geringerem Umfang verimpft wird - auch, weil es für die Menschen der höheren Altersgruppen über 65 nicht zugelassen ist.

Am 16. Februar wurde bekannt, dass der US-Konzern Johnson & Johnson (J&J) für den Impfstoff seiner europäischen Pharmatöchter Janssen und Cilag eine EU-Zulassung beantragt hat. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) kündigte Anfang März an, über die Zulassung des Corona-Impfstoffs des US-Herstellers am 11. März zu entscheiden.

Sollte es grünes Licht für J&J geben, könnte sich die Impfkampagne durch einen dann zur Verfügung stehenden vierten Impfstoff noch einmal deutlich beschleunigen. Die Ampullen mit dem J&J-Impfstoff erfordern keine aufwändige Kühlung. Die Impfdosen könnten damit auch regulär in Arztpraxen und Kliniken erfolgen. Zudem ist bei dieser Impfung nur eine Impfdosis vorgesehen.

Probleme könnte die Ausbreitung der neuen Corona-Mutanten bereiten. Für die Virus-Variante aus Großbritannien gibt es laut RKI "klinisch-diagnostische und epidemiologische Hinweise" auf eine erhöhte Übertragbarkeit. Zudem wird vermutet, dass Infektionen mit der Variante B.1.1.7 zu schwereren Krankheitsverläufen führen könnten. Aber: Erste Laboruntersuchungen deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit zumindest der zugelassenen mRNA-Impfstoffe durch die Varianten B.1.1.7 und B.1.351 offenbar nicht wesentlich beeinträchtigt wird.

Die Zahlen aus Südafrika, Großbritannien, Irland und aktuell Portugal scheinen die befürchtete höhere Infektiosität klar zu belegen: In den genannten Ländern erreichten die neu registrierten Infektionen binnen kurzem neue Höchststände, die Virus-Mutation scheint andere Varianten durch eine höhere Ausbreitungsgeschwindigkeit zu verdrängen. Der Lockdown-Effekt in Irland, mit dem die Sieben-Tage-Inzidenz bis unter 40 gedrückt werden konnte, war schnell verpufft. Mittlerweile musste die Politik dort nachsteuern.

Seit dem 16. Dezember des Jahres soll ein "harter Lockdown" die exponentielle Ausbreitung von Covid-19-Erkrankungen aufhalten. Das Ergebnis: Deutschland verbrachte die Weihnachtsfeiertage 2020 im pandemiebedingten Ausnahmezustand. Die bisherigen Maßnahmen hätten "nicht gereicht", erklärte Bundeskanzlerin Merkel. Es bestehe "dringender Handlungsbedarf" im Kampf gegen die sich aufbauende Ansteckungswelle.

Am 5. Januar wurden die erwartete Verlängerung und die von Experten geforderte Verschärfung des Lockdowns beschlossen, am 10. Februar eine weitere Verlängerung bis 7. März. Nach massivem Druck von Verbänden, Ministerpräsidenten und auch aus der Bundespolitik hatten die Schul- und Bildungsminister der Länder schließlich eingelenkt und ihren Widerstand gegen eine befristete Verlängerung der Schulschließungen bereits kurz vor dem für den 5. Januar angesetzten Bund/Länder-Termin aufgegeben. Damit dürfte der schulische Ausnahmezustand mit Digitalunterricht noch weitere Wochen andauern.

Trotz des seit dem 16. Dezember geltenden Lockdowns steht zu befürchten, dass das Virus über den Jahreswechsel neue Gelegenheiten zur Ausbreitung gefunden haben könnte. Diese Befürchtungen wurden auch durch Bilder aus heillos überfüllt Wintersportgebieten befeuert.

Um die Nachverfolgung der Fälle steht es denkbar schlecht. Die Ausbrüche und Ansteckungen treten ohne erkennbare Muster auf. In zahlreichen Regionen sei eine "zunehmend diffusen Ausbreitung von Sars-CoV-2-Infektionen in die Bevölkerung" zu beobachten, wie das RKI seit Herbst betont. Die Infektionsketten seien in vielen Fällen gar nicht mehr eindeutig nachvollziehbar. Das "genaue Infektionsumfeld", räumte das RKI ein, lasse sich "häufig nicht ermitteln".

Covid-19-Ansteckungen werden demnach in privaten Haushalten ebenso wie in Alten- und Pflegeheimen gemeldet, dazu kommen die Ausbrüche in Betrieben, Büros und sonstigen Arbeitsstätten sowie in Schulen und Kitas.

Corona-Tests: Der Anteil positiver Befunde

Die Pandemie wird die Öffentlichkeit damit womöglich noch über das Frühjahr hinaus belasten. Die aktuellsten Labordaten deuten darauf hin, dass das Virus deutlich stärker in der Bevölkerung zirkuliert als noch im vergangenen Herbst. Die aktuellen Testzahlen zeigen für die sechst Kalenderwoche des neuen Jahres (KW 07 / 2021), also die sieben Tage bis Sonntag, 21. Februar, einen weiteren Rückgang der Positivenquote (aktuell: 6,12 Prozent, Vorwoche 6,46). Neue Daten dazu veröffentlicht das RKI jeweils am Mittwoch.

Die Gesamtzahl der in der zurückliegenden Woche durchgeführten PCR-Tests stieg von rund 1,047 Millionen auf 1,069 Millionen leicht an. Die im Herbst eingeführten neuen Testkriterien wurden mittlerweile angepasst. Die Daten, insbesondere zur Positivenquote, sind daher nur mit Einschränkungen aus der Zeit bis Herbst vergleichbar.

Aber: Je höher die Positivquote bei gleichzeitig hoher Fallzahl sei, heißt es beim RKI, desto höher wird die Anzahl unentdeckter Infektionen geschätzt. Im Klartext: Die Dunkelziffer könnte kurz vor, an und nach Weihnachten zeitweise erheblich angestiegen sein. Der aktuelle Rückgang der Positivenquote auf das Niveau von Ende Oktober gilt mittlerweile als Beleg, dass sich das Infektionsgeschehen in seiner Intensität abgeschwächt hat.

Seit dem 3. November waren die neuen RKI-Empfehlungen in Kraft, nach denen nur noch klare Verdachtsfälle und Personen mit Kontakt zu Risikogruppen und schweren Symptomen getestet werden sollten. Ziel dieser Empfehlungen war es, die Labore vor dem erwartbaren Ansturm von testwilligen Menschen mit den saisonüblichen Erkältungskrankheiten zu bewahren.

Gegen Ende des Winters hat sich die Situation verändert: Angesichts der ausgebliebenen Grippewelle und sinkender Corona-Zahlen gebe es wieder freie Kapazitäten in den Laboren, hieß es, so dass Ärzte bei Patienten mit Symptomen nun wieder PCR-Tests vornehmen können sollen.

Getestet wurden zeitweise nur noch Fälle, bei denen klare Hinweise auf eine mögliche Covid-19-Erkrankung vorliegen oder die mit Menschen aus gefährdeten Bevölkerungsgruppen in Kontakt stehen. Da damit während des Winters deutlich weniger Menschen - und sehr viel gezielter - getestet wurden als noch im Sommer, stieg die Trefferquote bei den Tests kräftig an.

Tatsächlich kletterte die Positivenquote im Herbst zeitweise kräftig nach oben. Das RKI äußerte sich zunächst sehr vorsichtig: "Eine eindeutige Bewertung über die Größe des Einflusses der geänderten Testkriterien (...) ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich." Die Experten sehen sich mit ihrer geänderten Teststrategie jedoch bestätigt. Die Kapazitäten sind weiterhin begrenzt. Noch gibt es Berichte über kritische Engpässe bei den Labormaterialien.

"Verbrauchsmaterialen und Reagenzien werden in Laboren nur für kurze Zeiträume bevorratet (u. a. wegen begrenzter Haltbarkeit bestimmter Reagenzien)", beschreibt das RKI die Problematik. "Bei steigender Anzahl durchgeführter Tests und aufgrund von Lieferengpässen bei weltweit steigender Nachfrage können sich die freien Kapazitäten in den nächsten Wochen reduzieren."

Der von den Labors gemeldete Probenrückstau legte nach der vorübergehend verringerten Testzahl wieder leicht zu. In der zurückliegenden Woche waren dort 5850 Corona-Tests noch nicht ausgewertet. In der Woche davor hatten sich 6202 Tests angestaut.

Das RKI sprach in diesem Zusammenhang von "Laboren, die sich stark an den Grenzen ihrer Auslastung befinden bzw. durch den Rückstau an Proben bereits überlastet sind". Die ausstehenden Befunde konnten demnach vor allem aufgrund mangelnder Kapazitäten bei den Materialien und/oder beim Personal noch nicht bearbeitet werden - viele Corona-Testergebnisse kommen damit viel zu spät, um zur Eindämmung des Erregers beizutragen.

Die Lage in den Kliniken laut DIVI-Register

Daten des Deutschen Intensivregisters (DIVI) liefern verschiedene Anhaltspunkte zur Lage in den deutschen Krankenhäusern. In den Zahlen zeichnet sich ein leichter Anstieg bei den intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten ab.

Ein freies Bett auf der Intensivstation garantiert dabei noch lange nicht die optimale Versorgung: Schon die Belegung mit wenigen Covid-19-Fällen kann ausreichen, das ohnehin bereits belastete Personal an die Kapazitätsgrenze zu bringen.

Allein aufgrund der erforderlichen Schutzmaßnahmen für Fachkräfte und die übrigen Patienten im Krankenhaus ist die Betreuung sehr viel aufwändiger als im Regelbetrieb. In den Krankenhäusern mussten sich die Planer und das medizinische Personal bereits im Herbst auf schwere Zeiten einstellen.

Bundesweit ist die Zahl der Corona-Fälle auf den Intensivstationen seit September deutlich angestiegen. Seit der ersten Januarwoche entwickeln sich die Zahlen rückläufig. Im Vergleich zur Lage im Frühjahr befinden sich noch immer deutlich mehr Covid-Patienten mit schweren Krankheitsverläufen in Behandlung. Damals waren phasenweise mehr als 2500 Intensivbetten mit Covid-Fällen belegt. Aktuell sind es bundesweit rund 3000, Tendenz fallend.

Das Robert-Koch-Institut blickte bereits seit Herbstbeginn mit großer Sorge auf die Kennzahlen zur Pandemie-Entwicklung: Die Lage sei "sehr ernst", hatte RKI-Chef Lothar Wieler Mitte Oktober erklärt - und diese Einschätzung nun noch einmal verschärft. Die von Wieler im Oktober genannte Chance, die weitere Ausbreitung des Virus durch konsequentes Einhalten der AHA-plus-L-Regeln zu verlangsamen, wurde vertan.

Zeitweise warnte das RKI vor einer "zunehmenden Beschleunigung der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland". Die Experte appellierten "dringend" an die Öffentlichkeit, "dass sich die gesamte Bevölkerung noch stärker als bisher für den Infektionsschutz" engagieren müsse.

RKI-Chef Wieler ging bei seinen Erläuterungen zur Lage im Oktober unter anderem auch auf Erkenntnisse zu den häufigsten Ansteckungsorten ein. Ein Teil des aktuellen Infektionsgeschehens spielt sich demnach im privaten Umfeld ab - wobei sich die mutmaßlichen Übertragungswege allerdings nur noch bei einem Fünftel aller Fälle überhaupt rekonstruieren lassen. Bundesweit sind die Ansteckungsumstände im Schnitt in rund 80 Prozent der Fälle "unklar".

Als wichtigen Bereich für die aktuellen Ausbrüche erwähnte Wieler vor allem den Einfluss privater Feiern auf das Infektionsgeschehen. Dort wo Menschen zusammen kommen und eine starke Interaktion etwa durch lautes Sprechen oder Lachen stattfinde, sei das Ansteckungsrisiko höher, sagte er. Deshalb spielten andere Bereiche des öffentlichen Lebens, wo weniger Interaktion stattfinde, bei den Infektionen nur eine geringere Rolle.

Ansteckungen im öffentlichen Nahverkehr, bei Übernachtungen in Hotels oder auf Reisen in der Bahn seien bisher kaum zu beobachten, erklärte er. Kritische Beobachter merkten daraufhin, dass sich die Infektionswege im privaten Umfeld leichter ermitteln ließen als etwa im öffentlichen Bereich.

In privaten Haushalten nehme die Anzahl der Ausbrüche, so Wieler, deutlich zu. "Ansteckungen in Schulen (...) sind zwar bisher nicht sehr häufig und wesentlich seltener, als wir das zum Beispiel von Influenzaausbrüchen kennen, aber klar ist, je stärker die Fallzahlen steigen, desto höher werden auch Schulen betroffen sein."

Kamen die Anfang Oktober beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens viel zu spät? Beim Corona-Gipfel zur Neuausrichtung der deutschen Pandemie-Abwehr im Kanzleramt im Oktober hatten Bund und Länder noch um Einzelfragen wie etwa dem umstrittenen Beherbergungsverbot gestritten.

Beschlossen wurden damals angesichts der sich abzeichnenden Lage lediglich "erhebliche Einschränkungen", wie Merkel nach mehr als achtstündigen Beratungen des jüngsten Corona-Gipfels Mitte Oktober mitteilte.

"Was wir jetzt tun und nicht tun, wird entscheidend sein für die Frage, wie wir durch diese Pandemie kommen." Deutschland sei "bereits in der exponentiellen Phase" der Pandemieausbreitung, warnte Merkel im Herbst. Die Ergebnisse der Corona-Gipfel im Oktober gingen ihr offensichtlich nicht weit genug gingen. Die Kanzlerin verwies auf die enormen Belastungen der Corona-Krise für Bevölkerung, Wirtschaft, öffentliches Leben und auch für die Staatsfinanzen. Im zurückliegenden Jahr mussten ihren Worten zufolge bereits 250 Milliarden Euro neue Schulden aufgenommen werden.

"Und deshalb können wir uns auch ökonomisch eine zweite Welle, wie wir sie im Frühjahr hatten, mit solchen Folgen nicht leisten", sagte Merkel im Herbst. Es müsse alles getan werden, um die Infektionszahlen im Griff zu behalten und die Kontakte nachzuvollziehen. Am 15. Oktober trat zudem die neue "Nationale Teststrategie" in Kraft, die unter anderem auch den verstärkten Einsatz von schnelleren und günstigeren Antigentests vorsieht. Mit Blick auf den rasch anwachsenden Bedarf an Corona-Tests sollen damit drohende Engpässe in den Laboren vermieden werden. Zuletzt war der gemeldete Probenrückstau wieder stark angestiegen.

Merkel sah nach dem Bund-Länder-Gipfel Mitte Oktober noch reichlich Handlungsbedarf. "Die Ansagen von uns sind nicht hart genug, um das Unheil von uns abzuwenden", soll sie beim letzten Treffen erklärt haben. Und prophezeite schon damals: Mit den damals festgelegten Maßnahmen würden Bund und Länder "in zwei Wochen eben wieder hier" sitzen. "Es reicht einfach nicht, was wir hier machen."

Ansteckungsrate, R-Wert, Reproduktionszahl

Der jüngste Anstieg der Fallzahlen spiegelt sich auch in den Bewegungen der bundesweiten Ansteckungsrate wider. Die beiden vom RKI ermittelten R-Werte - also die einfache Reproduktionszahl R und die etwas stabilere Variante, das Sieben-Tage-R - zeigen die Anzahl der Personen an, die im Durchschnitt von einem Fall angesteckt werden.

Für die Berechnung dieser beiden komplexen Kennziffern gibt es gute Gründe: Die vom RKI veröffentlichten Meldedaten aus den Gesundheitsämtern sagen zunächst wenig über das tatsächliche Infektionsgeschehen aus, da es in den einzelnen Fällen unterschiedlich lange dauern kann, bis es nach dem Erkrankungsbeginn zu einer Covid-19-Diagnose, zur Meldung und schließlich zur gesetzlich vorgeschriebenen Übermittlung der Daten ans RKI kommt.

Sobald es um die Frage geht, wann genau sich die Betroffenen angesteckt haben, sind die Meldedaten selbst demnach keine große Hilfe. Um ein klareres Bild von der Entwicklung zu bekommen versucht das RKI daher, die tatsächliche Entwicklung draußen im Land anhand eines speziellen Schätzverfahrens, das sogenannte Nowcasting, zu ermitteln.

Ziel ist es, anhand aller vorliegenden Hinweise zu den einzelnen Infektionsfällen vom jeweiligen Meldedatum aus anhand der übermittelten Zusatzinformationen auf den wahrscheinlichen Erkrankungsbeginn zurückzurechnen. Der eigentliche Moment der Ansteckung dürfte, so die Überlegung, im Schnitt noch einmal etwa vier Tage davor liegen.

Da die jüngsten Meldezahlen in der Regel noch nicht vollständig sind und erst in den kommenden Tagen durch Nachmeldungen vervollständigt werden, spart das RKI-Verfahren die aktuell zurückliegenden vier Tage zunächst aus. Im Prinzip wird dann die Anzahl der ermittelten Fälle aus einem früheren Viertageszeitraum mit der Anzahl der ermittelten Neuinfektionen aus dem späteren Viertageszeitraum ins Verhältnis gesetzt.

Damit beruht dieses sogenannte 4-Tage-R auf einer ausführlich dokumentierten Methode, hat aber einen gewichtigen Nachteil: Dieser Schätzwert zeigt ein Infektionsgeschehen, das bereits etwa eine bis zwei Wochen in der Vergangenheit liegt.

Bei einem R-Wert unter 1,0 geht das RKI davon aus, dass jeder Infizierte im Schnitt weniger als eine weitere Person ansteckt, die Fallzahlen also insgesamt zurückgehen und die exponentielle Ausbreitung des Virus verhindert werden kann. Ein Wert über 1,0 ist vor allem dann problematisch, wenn sich die Zahl der Neuinfektionen zugleich auch wieder auf einem höheren Niveau bewegt.

So würde ein Wert von 1,09 zum Beispiel darauf hinweisen, dass jeder Infizierte im Schnitt wieder mehr als eine weitere Person ansteckt. Oder, um ein anderes gängiges Rechenbeispiel zu verwenden: Jeweils 100 Infizierte würden in diesem Szenario insgesamt 109 weitere Menschen anstecken. Die Masse der zu erfassenden Kontaktpersonen würde entsprechend anschwellen. Bis zu einer überregionalen Ausbreitung wäre es dann schon nach wenigen Tagen kein großer Schritt mehr.

Ein Anstieg der beiden Ansteckungsraten kann somit im Zusammenhang mit weiteren Kennzahlen darauf hindeuten, dass es Probleme bei der erhofften Eindämmung des Erregers gibt. Allerdings weist das RKI ausdrücklich darauf hin, dass bei insgesamt niedrigen Fallzahlen schon einzelne lokale Ausbrüche stärkere Ausschläge bei der Ansteckungsrate auslösen können.

Das Lagebild, das sich aus den einzelnen Pandemie-Parametern ergibt, zeigt selbst den Experten nur eine Momentaufnahme. Das tatsächliche Infektionsgeschehen ist darin nur eingeschränkt und mit der beschriebenen zeitlichen Verzögerung zu erkennen.

Hinweis: Alle Karten, Daten und Infografiken zur internationalen Pandemie-Lage finden Sie ab sofort in diesem separaten Überblicksbeitrag.

Als wichtigste Gegenmaßnahmen pocht das RKI weiterhin auf die frühzeitige Entdeckung und Isolierung aller infizierten Personen, die strikte Quarantäne aller betroffenen Kontaktpersonen sowie die soziale Distanzierung in der übrigen Bevölkerung. Nur auf diese Weise, sagen die Experten könne die "Infektionsketten" unterbrochen werden und die weitere Ausbreitung des Virus eingedämmt werden.

Dass die Fallzahlen bei ntv.de am Abend in der Regel über den vom RKI ausgewiesenen Werten liegen, hat leicht nachvollziehbare Gründe: Bei der Auswertung der Datenlage greift ntv.de auf die Angaben der Gesundheitsbehörden und Ministerien der Länder zurück. Dort werden die Zahlen - unabhängig von den formellen Meldewegen des Infektionsschutzgesetzes - im Tagesverlauf aktualisiert und erreichen die Öffentlichkeit so schneller als über die amtliche RKI-Statistik.

Diese Angaben wertet ntv.de aus, gleicht sie mit den Zahlen des RKI ab und bezieht im Fall aktueller Entwicklungen auch einzelne Mitteilungen von Landesregierungen oder Ministerien mit ein. Auf dieser Basis entsteht ein aktuelles Gesamtbild, das die tagesaktuelle Entwicklung schneller abbildet als die Veröffentlichungen des RKI.

Quelle: ntv.de, mit Material von dpa, rts und AFP