Infografik

Epidemie-Lage in Deutschland Alle Daten, alle Fakten zum Coronavirus

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Belastungsprobe für das Gesundheitssystem: Wie gut kann Deutschland mit dem Coronavirus-Ausbruch umgehen?

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland muss sich auf anhaltende Probleme einstellen: Die Fallzahlen ziehen in der vorletzten Septemberwoche wieder etwas kräftiger an. Bundesweit melden die Behörden mehr als 2000 Neuinfektionen. Die aktuelle Lage im Überblick.

Im Kampf gegen das Coronavirus beginnt der Herbst des Pandemiejahres 2020 mit einer Phase eines wieder aufflammenden Infektionsgeschehens. Nach den "zerbrechlichen Zwischenerfolgen" des Frühjahrs und dem vergleichsweise niedrigen Fallaufkommen zu Beginn des Sommers breitet sich der Erreger Sars-CoV-2 derzeit wieder stärker aus. Lokale Ausbrüche und Ansteckungen gibt es fast allen Regionen. In den Bundesländern Bayern, Hamburg und Berlin bewegt sich das gemeldete Fallaufkommen aktuell "sehr deutlich" über dem bundesweiten Durchschnitt, heißt es beim Robert-Koch-Institut (RKI). Ein stärkeres Infektionsgeschehen verzeichnen jedoch auch in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Das Land Berlin meldete zuletzt 238 neue Fälle - so viele binnen eines Tages wie seit Anfang April nicht mehr.

Hinweis: Karten und Infografiken werden laufend aktualisiert.

In den von ntv.de ausgewerteten Meldedaten der Bundesländer ist die Gesamtzahl der seit Beginn der Coronavirus-Pandemie nachgewiesenen Infektionen bis Donnerstagabend auf 278.997 gestiegen. Das sind 2070 Neuinfektionen mehr als am Vorabend. Mitte der Woche waren 1911 Ansteckungen hinzugekommen. Am Dienstag waren es 1851 neu erkannte Fälle.

Dass der Tageszuwachs in Deutschland über der Schwelle von 2000 Neuinfektionen liegt, ist seit dem Frühjahr erst drei Mal vorgekommen: Das erste Mal am vergangenen Donnerstag, als die Länder 2094 neu erkannte Fälle meldeten. Das zweite Mal am darauf folgenden Freitag, an dem ein Mehrmonatshoch von 2219 Fällen erreicht wurde. Das war der mit Abstand höchste Tageszuwachs der vergangenen viereinhalb Monate.

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Der Freitag zählt regelmäßig zu den stärksten Meldetagen im Wochenverlauf. Zu Wochenbeginn dagegen lag der Tageszuwachs bei 1160 Fällen. Seit fast eineinhalb Wochen liegt die Zahl der bundesweit gemeldeten Coronavirus-Infektionen über der Marke von 1000 Fällen pro Tag.

Die Lage entwickelt sich in Deutschland trotzdem noch deutlich weniger dramatisch als etwa in Spanien, wo die Behörden mittlerweile deutlich mehr als 10.000 neue Ansteckungen pro Tag verzeichnen. In Frankreich wurden an diesem Donnerstag sogar mehr als 16.000 Infektionen registriert.

In den europäischen Nachbarländern Dänemark, Tschechien, Österreich oder den Niederländern liegt die landesweit Sieben-Tage-Inzidenz über der kritischen Marke von 50 Neuinfektionen binnen sieben Tagen je 100.000 Einwohnern. Für  Deutschland weist das RKI derzeit einen Wert von 13,2 aus, bei leicht fallender Tendenz.

Der rückläufige Trend aus den letzten Augusttagen ist jedoch auch hierzulande längst Geschichte: Nach einer kurzen Entspannung rund um den zurückliegenden Monatswechsel war es bereits im ersten Septemberdrittel erneut zu jenem diffusen Anstieg der Fallzahlen in der Fläche gekommen, der die Experten im RKI bereits ab Ende Juli so alarmiert hatte. "Die Lage muss weiterhin sorgfältig beobachtet werden", fasst das RKI die Situation zusammen.

Noch ist unklar, in welche Richtung sich die Daten in den kommenden Tagen entwickeln werden. Denkbar wäre, dass es sich bei dem jüngsten Anstieg nur um kleinere Schwankungen oder den Beginn einer längeren Plateau-Phase handelt. Ebenso könnte sich in den Daten bereits der Anfang eines steilen Anstiegs wie in Frankreich, Dänemark oder Österreich verbergen.

Die verschärfte Pandemie-Dynamik im europäischen Ausland jedenfalls verheißt für eine so zentral gelegene und eng über alle Grenzen hinweg verknüpfte Nation wie Deutschland nichts Gutes. Abgesehen vom möglichen Ansteckungsrisiko im Ausland ist zudem auch offensichtlich, dass das Virus längst auch im Inland innerhalb der Bevölkerung kursiert. Der Anteil der Infektionen im Ausland geht zurück, die Masse der Deutschen steckt sich im Inland an. Anders als in der Frühphase der Pandemie bleiben die Klinikquoten und die Anzahl der täglich gemeldeten Todesfälle jedoch überall in Europa auffallend niedrig.

Die sogenannte Fall/Verstorbenen-Quote, die den Anteil der tödlichen Covid-19-Verläufe an der Gesamtzahl der Infektionsfälle misst, ist in den letzten Monaten deutlich gesunken. Zuletzt lag diese Kennzahl sogar unter 1,0 Prozent. In der Spitze hatte Deutschland in der düsteren Frühphase der Pandemie Werte von rund sieben Prozent erreicht.

Aus der Sicht des Robert-Koch-Instituts gibt es für den auffälligen Rückgang eine einfache Erklärung: "Erstens ist das durchschnittliche Alter der Fälle seit der ersten Hochphase im April deutlich gesunken. Jüngere Menschen haben ein durchschnittlich geringeres Risiko als ältere Menschen, nach einer Sars-CoV-2-Infektion einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln und zu versterben."

Zweitens seien auch die Testkapazitäten deutlich erweitert worden. "Es werden zunehmend nicht nur Menschen getestet, die entweder durch die Schwere der Symptomatik auffielen oder im Umfeld eines schwer verlaufenden Falls dem Virus ausgesetzt waren", erläutern die RKI-Experten. Damit werden nun naturgemäß auch mehr Infizierte und Erkrankte identifiziert. Auch in den höheren Altersgruppen werden dabei mehr Menschen getestet und zunehmend dadurch auch Fälle entdeckt. Der Anteil Verstorbener an den Klinikfällen sowie an den Fällen, bei denen eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich war, sei dagegen relativ stabil geblieben.

Hinweise für eine Veränderung des Virus - wie etwa eine abnehmende Infektiösität oder geringere Aggressivität - gibt es nach Einschätzung des RKI bisher nicht. "Die therapeutischen Möglichkeiten bei einem schweren Krankheitsverlauf sind weiterhin begrenzt", warnen die Experten. "Bei stärkerer Verbreitung in höheren Altersgruppen muss weiterhin mit vermehrten schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen gerechnet werden". Die Eindämmung des Erregers ist demnach die "einzige Möglichkeit (...), schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu vermeiden".

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Unabhängig von den kurzfristigen Schwankungen durch starke und schwache Meldetage im Wochenverlauf lässt sich in der Entwicklung bei den Neuinfektionen anhand des mehrtägigen Mittels mit einem Blick erfassen: Im Sieben-Tage-Trend bewegen sich die durchschnittlichen Tageszuwächse seit Mitte August über der 1000er-Marke. Am Donnerstag gab der Schnitt leicht nach auf 1752 (Vortag: 1756).

Wie stark sich die Lage zum Herbstbeginn in Deutschland verändert hat, zeigt ein Blick zurück: Während des Sommers lagen die Neuinfektionen im Schnitt zeitweise im niedrigen dreistelligen Bereich. Das bisher niedrigste Niveau hatte das Sieben-Tage-Mittel am 14. Juni mit 315 Neuinfektionen markiert. Schwer einzuschätzen blieb, ob es sich bei den jüngsten Bewegungen nur um ein flächendeckendes Aufflackern vereinzelter Infektionsherde handelt oder um den schleichenden Beginn einer zweiten Pandemiewelle.

Die vergleichsweise hohe Anzahl der Ansteckungen belegt, dass auch in Deutschland noch immer ein unvermindertes hohes Infektionsrisiko besteht. Das Virus kann sich jederzeit neue Wege zurück in die ungeschützte Öffentlichkeit suchen. Seit der vorvergangenen Woche zeigt sich in den Daten des RKI zudem ein leichter Anstieg des Anteils Infizierter in den höheren Altersgruppen. Das Durchschnittsalter der neu erfassten Betroffenen bewegt sich nach dem sommerlichen Tief wieder nach oben. Mitte August lag dieser Wert noch bei rund 32 Jahren. In der letzten Woche stieg das Alter der Infizierten im Mittel auf 36 Jahre an. Das heißt: Unter den Infizierten befinden sich auch wieder mehr Personen im höheren Alter.

Bundesweit gibt es laut RKI derzeit in verschiedenen Landkreisen Ausbrüche, die "mit unterschiedlichen Situationen in Zusammenhang stehen". Genannt werden zum Beispiel "größere Feiern im Familien- und Freundeskreis". Insbesondere bei Fällen unter jüngeren Personen lässt sich das Infektionsgeschehen teilweise noch auf Reiserückkehrer zurückführen. Der Anteil der Covid-19 Fälle unter Reiserückkehrern nimmt jedoch seit Kalenderwoche 34 (also seit der vorletzten Augustwoche) rapide ab. Zuletzt lag der Anteil der Fälle mit mutmaßlichem Ansteckungsort im Ausland bei nur noch 12 Prozent.

Bei den Sterbefällen bleibt die Entwicklung unterdessen auffallend konstant: Die bislang schwersten Wochen, in denen in Deutschland zeitweise mehr als 200 Todesfälle pro Tag gemeldet wurden, liegen weit zurück. Die Zahl der im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion Verstorbenen steigt seitdem nur in deutlich kleineren Schritten an. Am 2. Juli wurde die Marke von 9000 Pandemie-Toten in Deutschland überschritten.

Seitdem bewegt sich der tägliche Zuwachs in der Sterbefall-Statistik meist im niedrigen einstelligen Bereich. An einzelnen Tagen kam sogar kein einziger Todesfall hinzu. Am Donnerstag wurden bundesweit 12 weitere Todesfälle vermeldet (Mittwoch: 20, Dienstag: 9, Montag: 2). Die Gesamtzahl der Menschen, die laut amtlicher Statistik in Deutschland im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben sind, erhöhte sich damit auf insgesamt 9434.

Das Übergreifen der aktuellen Infektionen auf die älteren Bevölkerungsschichten in Deutschland kann nach Einschätzung des RKI nur verhindert werden, "wenn sich die gesamte Bevölkerung weiterhin im Sinne des Infektionsschutzes engagiert, zum Beispiel indem sie Abstands- und Hygieneregeln konsequent - auch im Freien - einhält, Innenräume lüftet und, wo geboten, eine Mund-Nasen-Bedeckung korrekt trägt. Menschenansammlungen - besonders in Innenräumen - sollten möglichst gemieden und Feiern auf den engsten Familien- und Freundeskreis beschränkt bleiben."

"Nach wie vor gibt es keine zugelassenen Impfstoffe", warnt das RKI. Die Therapie schwerer Krankheitsverläufe sei "komplex und langwierig". Die Auswertung der übermittelten Meldedaten liefert den Epidemiologen immerhin wertvolle Hinweise zu möglichen Verbreitungswegen des Virus. In den letzten Wochen, heißt es, sei das steigende Fallaufkommen in "vielen, vor allem westlichen Bundesländern zu beobachten".

Neuinfektionen: Die Lage in den Bundesländern

Dünner besiedelte Regionen abseits der Großstädte und der wirtschaftsstarken Ballungszentren kommen bislang sehr viel besser durch die Pandemie, sowohl in absoluten Zahlen als auch bei den besser vergleichbaren Werten in Bezug auf eine fixe Bevölkerungsgröße wie etwa 100.000 Einwohner. Abgesehen von der höheren Bevölkerungsdichte in den Stadtstaaten und den bevölkerungsreichen Flächenländern dürfte dabei auch der intensivere Austausch aufgrund stärkerer wirtschaftlicher Aktivitäten eine Rolle spielen.

Mit dem Herbstbeginn rücken zunehmend weitere Faktoren ins Blickfeld, darunter auch die Frage, wie stark der laufende Schulbetrieb auf das Infektionsgeschehen einwirkt. In einigen Bundesländern stehen bald auch schon wieder Herbstferien an. Damit könnte auch der Einfluss etwaiger Reiserückkehrer wieder stärker ins Gewicht fallen.

Ein klar erkennbarer Einfluss des neuen Schuljahrs auf die Fallzahlen ist in den Meldedaten bisher jedoch noch nicht zu erkennen. Laut RKI-Analyse hat der Wiedereinstieg in den Schulbetrieb bislang nicht zu vermehrten Ansteckungen geführt. Abzuwarten bleibt auch, ob die Testphase zum Saisonstart der Fußball-Bundesliga in größerem Umfang zu Infektionsereignissen unter Zuschauern im Stadion führt.

Noch hat die kühlere Jahreszeit nicht begonnen, in der sich zwangsläufig wieder mehr Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten und einander begegnen werden. Die verschiedenen Entwicklungen und Vorfälle der vergangenen Wochen wie etwa in München, Friedrichshain-Kreuzberg, Würzburg, im Landkreis Cloppenburg, in Garmisch-Partenkirchen, in der Stadt Rosenheim, in Offenbach, in Hagenau, im Kreis Dithmarschen, im Landkreis Dingolfing-Landau, im Landkreis Hof, in Weimar, Berlin, Schwäbisch-Gmünd, Kiel oder im Kreis Gütersloh rund um den "Fall Tönnies" führten vor Augen, wie rasch es unter Corona-Bedingungen zu neuen Ausbrüchen kommen kann.

Corona-Tests: Der Anteil positiver Befunde

Teilweise führten einzelne Vorkommnisse dazu, dass in manchen Regionen Warn- oder sogar auch Alarmschwellen überschritten wurden. Großes Aufsehen lösten die Vorkommnisse in Nordrhein-Westfalen aus: Dort mussten die Corona-Auflagen im Sommer im Kreis Gütersloh zeitweise in einer kompletten Region wieder verschärft werden, ein Novum in der deutschen Pandemie-Abwehr. Bei den übrigen Vorfällen konnten die Ansteckungsherde bislang vergleichsweise rasch lokalisiert und eingegrenzt werden.

Das energische Eingreifen der Behörden vor Ort erwies sich bislang als erfolgreich: Anzeichen für eine überregionale Ausbreitung ausgehend von diesen Infektionsereignissen gab es nicht. Sorgen bereitete dem Robert Koch-Institut derzeit vielmehr, dass gleich mehrere Bundesländer ein "diffus" steigendes Fallaufkommen verzeichnen.

Aktuell zeigt sich in 30 Regionen in Deutschland eine erhöhte Sieben-Tage-Inzidenz mit mindestens 25 Fällen je 100.000 Einwohnern. Über der Obergrenze von 50 neuen Fällen je 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen liegen laut RKI-Daten derzeit zwei Regionen: Die Stadt Hamm in Nordrhein-Westfalen und der bayerische Landkreis Dingolfing-Landau. Mehrere weitere Regionen rangierten zuletzt nah an der kritischen Marke, darunter auch die Berliner Innenstadtbezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf.

Die Zahl der Regionen mit einer 7-Tage-Inzidenz von Null war am Dienstag auf einen neuen Tiefstand gefallen: Deutschlandweit waren laut RKI-Datenstand nur sechs Kreise in den letzten sieben Tagen frei von (erkannten) Neuinfektionen geblieben. Das war der niedrigste Wert seit mindestens dem 6. Mai, dem Tag der Bund/Länder-Vereinbarung zur Obergrenze, an dem ntv.de mit Auswertung des Fallaufkommens auf Kreisebene begann. Am Donnerstag lag diese Zahl der Regionen mit null Neuinfektionen bei neun.

Im Landkreis Dingolfing-Landau waren Covid-19-Fälle im Rahmen eines Ausbruchsgeschehens in einem Industrieunternehmen und dessen Logistikdienstleistern aufgetreten. "Reihentestungen wurden durchgeführt", fasst das RKI die Lage zusammen. Zunächst wurden dort mehr als 30 Fälle diagnostiziert. In Remscheid sank die Sieben-Tage-Inzidenz wieder leicht unter die kritische Marke. Dort handelte es sich nach Ansicht des RKI zum "größten Teil" um Kontaktpersonen von bereits bekannten Fällen aus dem Umfeld von Reiserückkehrern. Da es sich dabei teils um Familien mit Kindern handelt, sind in Remscheid auch mehrere Schulen und Kindertagesstätten betroffen. "Ein umfassendes Maßnahmenpaket inklusive entsprechender Quarantänemaßnahmen wird umgesetzt", heißt es.

Das Infektionsgeschehen in Hamm dagegen geht nach Einschätzung des RKI zu "einem großen Teil" auf mehr als 80 Covid-19-Fälle im Umfeld einer größeren Hochzeitsfeier zurück. Mehr als 200 identifizierte Gäste müssen sich derzeit in Quarantäne aufhalten und werden unter Aufsicht des örtlichen Gesundheitsamtes verpflichtend getestet. Die Eindämmungsmaßnahmen in Hamm wurden verschärft. In München haben nach Einschätzung des RKI gleich mehrere Ausbruchsgeschehen zur erhöhten Sieben-Tage-Inzidenz beigetragen. Betroffen sind dort zum Beispiel Infektionen im ambulanten Pflegedienst und der Tagespflege, im Krankenhaus, in Asylbewerberunterkünften, in Kindertagesstätten, in Schulen, in Restaurants und Bars sowie unter Reiserückkehrer. In der bayerischen Landeshauptstadt traten zuletzt verschärfte Corona-Auflagen in Kraft.

Im Landkreis Cloppenburg sieht das RKI dagegen Verbindungen zwischen mehreren, miteinander zusammenhängenden Ausbrüchen in Sportvereinen, Familien, Kindergemeinschaftseinrichtungen und religiösen Gemeinschaften. "Die Behörden haben umfangreiche, regional gezielte Maßnahmen veranlasst, zum Beispiel (Teil-)Schließung von betroffenen Schulen und Sportvereinen, Schließung beziehungsweise verstärkte Kontrollen von Gaststätten und Veranstaltungsorten sowie vorsorgliche Reihentestungen in Kindergemeinschaftseinrichtungen und Pflegeheimen", heißt es beim RKI.

In einem etwas anders gelagerten Fall im Süden Bayerns löste eine mittlerweile identifizierte Reiserückkehrerin einen sprunghaften Anstieg der Covid-19-Fälle aus. Die Amerikanerin soll sich an ihrem Wohnort im Landkreis Garmisch-Partenkirchen trotz Symptomen und angeordneter Quarantäne in Bars und Kneipen aufgehalten haben.

Deutschland-Karte der aktiven Infektionen

Berichte über weitere Ausbrüche erreichen das RKI zudem aus Alters- und Pflegeheimen sowie aus Krankenhäusern, Asyl- und Flüchtlingseinrichtungen, verschiedenen Betrieben, Kindertagesstätten und religiösen Gemeinschaften.

Auffällig ist laut RKI-Einschätzung, dass sich vermehrt jüngere Personen infizieren und die Inzidenz bei jüngeren Altersgruppen vielfach höher ist als in höheren Altersgruppen. Problematisch könnte dies schnell werden, wenn sich das Virus in diesen oft hochmobilen Bevölkerungsschichten in weiteren Regionen verbreitet und Infizierte dann womöglich auch in Kontakt mit Menschen aus den sogenannten Risikogruppen kommen.

Ansteckungsrate: Die beiden R-Werte des RKI

Der jüngste Anstieg der Fallzahlen spiegelt sich auch in den Bewegungen der bundesweiten Ansteckungsrate wider. Die beiden vom RKI ermittelten R-Werte - also die einfache Reproduktionszahl R und die etwas stabilere Variante, das 7-Tage-R - zeigen die Anzahl der Personen an, die im Durchschnitt von einem Fall angesteckt werden.

Für die Berechnung dieser beiden komplexen Kennziffern gibt es gute Gründe: Die vom RKI veröffentlichten Meldedaten aus den Gesundheitsämtern sagen zunächst wenig über das tatsächliche Infektionsgeschehen aus, da es in den einzelnen Fällen unterschiedlich lange dauern kann, bis es nach dem Erkrankungsbeginn zu einer Covid-19-Diagnose, zur Meldung und schließlich zur gesetzlich vorgeschriebenen Übermittlung der Daten ans RKI kommt.

Sobald es um die Frage geht, wann genau sich die Betroffenen angesteckt haben, sind die Meldedaten selbst demnach keine große Hilfe. Um ein klareres Bild von der Entwicklung zu bekommen versucht das RKI daher, die tatsächliche Entwicklung draußen im Land anhand eines speziellen Schätzverfahrens, das sogenannte Nowcasting, zu ermitteln.

Ziel ist es, anhand aller vorliegenden Hinweise zu den einzelnen Infektionsfällen vom jeweiligen Meldedatum aus anhand der übermittelten Zusatzinformationen auf den wahrscheinlichen Erkrankungsbeginn zurückzurechnen. Der eigentliche Moment der Ansteckung dürfte, so die Überlegung, im Schnitt noch einmal etwa vier Tage davor liegen.

Da die jüngsten Meldezahlen in der Regel noch nicht vollständig sind und erst in den kommenden Tagen durch Nachmeldungen vervollständigt werden, spart das RKI-Verfahren die aktuell zurückliegenden vier Tage zunächst aus. Im Prinzip wird dann die Anzahl der ermittelten Fälle aus einem früheren Viertageszeitraum mit der Anzahl der ermittelten Neuinfektionen aus dem späteren Viertageszeitraum ins Verhältnis gesetzt.

Damit beruht dieses sogenannte 4-Tage-R auf einer ausführlich dokumentierten Methode, hat aber einen gewichtigen Nachteil: Dieser Schätzwert zeigt ein Infektionsgeschehen, das bereits etwa eine bis zwei Wochen in der Vergangenheit liegt.

Bei einem R-Wert unter 1,0 geht das RKI davon aus, dass jeder Infizierte im Schnitt weniger als eine weitere Person ansteckt, die Fallzahlen also insgesamt zurückgehen und die exponentielle Ausbreitung des Virus verhindert werden kann. Ein Wert über 1,0 ist vor allem dann problematisch, wenn sich die Zahl der Neuinfektionen zugleich auch wieder auf einem höheren Niveau bewegt.

So würde ein Wert von 1,15 zum Beispiel darauf hinweisen, dass jeder Infizierte im Schnitt wieder mehr als eine weitere Person ansteckt. Oder, um ein anderes gängiges Rechenbeispiel zu verwenden: Jeweils 100 Infizierte würden in diesem Szenario insgesamt 115 weitere Menschen anstecken. Die Masse der zu erfassenden Kontaktpersonen würde entsprechend anschwellen. Bis zu einer überregionalen Ausbreitung wäre es dann schon nach wenigen Tagen kein großer Schritt mehr.

Ein Anstieg der beiden Ansteckungsraten kann somit im Zusammenhang mit weiteren Kennzahlen darauf hindeuten, dass es Probleme bei der erhofften Eindämmung des Erregers gibt. Allerdings weist das RKI ausdrücklich darauf hin, dass bei insgesamt niedrigen Fallzahlen schon einzelne lokale Ausbrüche stärkere Ausschläge bei der Ansteckungsrate auslösen können.

Zudem werde die "Dynamik der verschiedenen Ausbruchgeschehen" zum Teil auch durch die eingeleiteten Reihentestungen vor Ort beeinflusst - schlicht, weil damit binnen kurzer Zeit viele neue Fälle nachgewiesen werden, die ansonsten aller Wahrscheinlichkeit über mehrere Tage verteilt in der Statistik sichtbar geworden wären. Im Fall Tönnies zum Beispiel lagen binnen weniger Tage positive Testergebnisse von mehreren hundert Betroffenen vor.

Um künftig zielgenauer auf lokale Ausbrüche der Corona-Pandemie reagieren zu können, einigten sich Bund und Länder Mitte Juli auf Ausreisesperren für betroffene Regionen. Diese können demnach verhängt werden, wenn die Zahl der Infektionen lokal weiter steigt oder es keine Gewissheit gibt, dass die Infektionsketten unterbrochen sind. Reiserückkehrer wurden zudem gezielt über Tests noch am Flughafen, an den Bahnhöfen oder auch an Stationen entlang der Autobahnen überprüft.

Diese und weitere Maßnahmen sollen es ermöglichen, dass mögliche Überträger des Erregers möglichst frühzeitig identifiziert werden, bevor es zu einem neuen größeren Ausbruch kommt. Infektionsketten sollen so gestoppt werden, ohne dass ein gesamter Landkreis oder eine gesamte Stadt unter verschärfte Corona-Auflagen gestellt werden muss.

Mit sogenannten Fieberambulanzen und besonderen Schutzvorkehrungen für Risikogruppen will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn das Land für den befürchteten Anstieg der Corona-Infektionszahlen in der kühleren Jahreszeit wappnen. Für Patienten mit klassischen Atemwegssymptomen, die auf eine Corona- oder Grippeinfektion hindeuten, solle es zentrale Anlaufstellen geben, kündigte Spahn an.

Um Gefahren für Risikogruppen zu minimieren, soll es Spahn zufolge spezielle Maßnahmen geben. "Wichtig ist, dass wir die besonders betroffenen Risikogruppen weiter besonders schützen und die Konzepte dafür im Alltag wieder schärfen", sagte er. "Deshalb werden präventive Reihentests in den sensiblen Bereichen wie zum Beispiel Pflegeheime ein fester Bestandteil der Teststrategie für Herbst und Winter. Dort müssen wir den Eintrag des Virus verhindern. Es gilt weiter höchste Wachsamkeit."

Bei der Sieben-Tage-Inzidenz, also der Kennziffer, die das aktuelle Fallgeschehen im Verhältnis zu Bevölkerung beschreibt, leuchten mittlerweile nur noch wenige Teile Deutschlands in Grün: Die Zahl der Regionen mit null Neuinfektionen liegt immer noch nah an ihrem bisherigen Tiefpunkt. Immer wieder rutschen einzelne Regionen nach lokalen Ausbrüchen über der Alarmschwelle, die laut Vereinbarung zwischen Bund und Ländern bei 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen liegt.

Die Zahl der täglich neu übermittelten Fälle stieg seit Anfang Juli jedoch auch in einer Reihe anderer Regionen tendenziell an. Nicht nur in Nordrhein-Westfalen gab es mehr und mehr Landstriche, die sich auf der Deutschland-Karte in dunkleren Grautönen einfärbten.

In jenen Regionen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei Werten zwischen 2,0 und 24,9 Fällen je 100.000 Einwohnern. Bundesweit bewegt sich das Fallaufkommen jedoch noch immer weit unterhalb jener Größenordnungen, in denen in den Wochen um Ostern herum neue Coronavirus-Fälle aufgetreten waren.

Es werden wieder vermehrt Covid-19-bedingte Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen gemeldet, betont das RKI. Weitere Ausbrüche gibt es in Krankenhäusern, Einrichtungen für Asylbewerber und Geflüchtete, Gemeinschaftseinrichtungen, verschiedenen beruflichen Settings sowie in Zusammenhang mit religiösen Veranstaltungen.

Anfang des Sommers war die Zahl der "neuinfektionsfreien" Regionen zeitweise bis auf 158 gestiegen. Auch das deutet darauf hin, dass der aktuelle Anstieg der Neuinfektionen in der Fläche stattfindet und nicht nur auf wenige lokale Hotspots begrenzt ist. Die Bundesländer sind in unterschiedlichen Ausmaßen betroffen: Wieder normalisiert hat sich die Sieben-Tage-Inzidenz in Nordrhein-Westfalen, wobei die bevölkerungsreichste Region Deutschlands inzwischen Bayern als absolut am stärksten betroffenes Bundesland überholt hat.

Mit Mecklenburg-Vorpommern gab es zeitweise ein ganzes Bundesland, in dem das Fallaufkommen bis auf 0,0 gedrückt werden konnte - Anfang Juli, als zwischenzeitlich elf Tage in Folge kein neuer Corona-Fall in Mecklenburg-Vorpommern registriert wurde. Weiterhin muss auch mit steigenden Totenzahlen gerechnet werden. Noch immer befinden sich vielerorts Covid-19-Patienten stationär in Behandlung. Immerhin konnte die Gefahr einer flächendeckend drohenden Überlastung im Gesundheitssystem vorerst abgewendet werden. Im Vergleich zu anderen schwer getroffenen Staaten konnte in Deutschland die Kurve der Neuansteckungen wirkungsvoll abgeflacht werden.

Als besonders wirkungsvoll erwies sich dabei neben den Maßnahmen zur sozialen Distanzierung offenbar auch die Absage von Veranstaltungen aller Art. Schließlich haben alle Ausbrüche der vergangenen Tage und Wochen gemein, dass eine größere Zahl an Personen in geschlossenen Räumen in engeren Kontakt kam, sei es bei der Arbeit, während eines Gottesdienstes, in Heim- und Pflegeeinrichtungen oder im eigenen Wohnumfeld.

Die durch die Corona-Auflagen gewonnene Zeit konnte nach Angaben der Behördengenutzt werden, um die Kapazitäten im Gesundheitssystem auszuweiten. Trotz all dieser Erfolge in der Pandemie-Abwehr muss sich die Öffentlichkeit auch in Deutschland weiter auf die "neue Normalität" einstellen. Das öffentliche Leben und die Wirtschaft sind vielerorts wieder angelaufen, und auch die Schutzmaßnahmen werden längst nicht mehr überall so gewissenhaft befolgt, wie von Medizinern und Virologen empfohlen.

Klar ist, dass unter den Bedingungen weiter schwelender Ansteckungsherde im Land jede größere Menschenansammlung - und theoretisch auch jede Nachlässigkeit im Umgang mit der Infektionsgefahr - dazu beitragen kann, dass sich der Erreger erneut ausbreiten kann. Die Öffentlichkeit muss sich auf dauerhaft geltende Vorsichtsmaßnahmen einstellen. Selbst wenn es gelingen sollte, überregionale Ansteckungswellen zu verhindern, dürfte es mit dem zunehmenden Austausch und internationalen Kontakten immer wieder zu neuen Infektionsereignissen kommen.

Solange es weder lebensrettende Medikamente für schwer erkrankte Covid-19-Patienten gibt noch einen verlässlichen Impfstoff, bleiben einfache Maßnahmen wie das Distanzgebot, die Maskenpflicht und die allgemeinen Hygieneregeln das einzige wirksame Mittel zur Vermeidung einer neuen Ansteckungswelle.

Ob es bis zur erhofften Massenimmunisierung eine zweite Pandemie-Welle in Deutschland geben wird, ist noch vollkommen offen. Sicher ist bislang nur, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland und der Welt dem Coronavirus noch weitgehend schutzlos ausgesetzt ist. Entsprechend besorgt zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt darüber, dass manche Bürger die Verhaltensregeln in der Corona-Pandemie nicht mehr ernstnehmen.

In ihrer Sommerpressekonferenz Ende August schwor die Kanzlerin die Menschen auf weitere schwere Monate durch die Corona-Pandemie ein, die "nie dagewesene Herausforderungen" hervorrufe. "Man muss damit rechnen, dass manches in den nächsten Monaten noch schwieriger sein wird als jetzt im Sommer", warnte Merkel, da niemand abschätzen könne, wie der Winter ablaufen werde.

Eine Prognose für die Rückkehr zur Normalität sei ohne Medikamente oder Impfstoffe gegen das Virus nicht möglich. Wichtig sei deshalb: "In den nächsten Monaten wird es darauf ankommen, die Infektionszahlen niedrig zu halten, wenn wir uns wieder drinnen aufhalten" - nachdem die Menschen im Sommer viel Zeit im Freien verbracht und dadurch einen besseren Schutz vor den Aerosolen gehabt hätten. Der Aufenthalt in Innenräumen scheint bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge das Ansteckungsrisiko zu erhöhen - was eine ungünstige Perspektive im Hinblick auf die anstehenden Herbst und Wintermonate eröffnet.

Merkel bezeichnete das Virus erneut als "demokratische Zumutung", appellierte aber gerade deshalb an den Gemeinschaftssinn und den gesellschaftlichen Schutz Schwächerer.

Ihre Hoffnung für die nächsten Monate sei, dass man mit der Corona-Krise so umgeht, "dass sie uns nicht gefährdet und dass sie die Risikogruppen nicht gefährdet". Deshalb betonte die Kanzlerin: "Es ist ernst, es ist unverändert ernst. Nehmen Sie es auch weiter ernst."

Das Vorgehen bei lokal begrenzten Ausbrüche folgt in Deutschland weiterhin den Vorgaben des Infektionsschutzes. Unter der Leitung der zuständigen Gesundheitsämter vor Ort wird dabei versucht, eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern und mögliche Übertragungswege zu unterbrechen.

Dazu werden in Deutschland Infizierte und Verdachtsfälle isoliert sowie möglichst rasch auch alle Kontaktpersonen ermittelt. Die Gesundheitsämter ermitteln zusätzliche Informationen, bewerten den Fall und leiten die notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen ein. Bei Bedarf stehen Teams des Robert Koch-Instituts zur Verfügung, um vor Ort bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen zu helfen.

Das Coronavirus ist in Deutschland bestenfalls eingedämmt, aber noch lange nicht besiegt. Die verschiedenen lokalen Infektions-Vorfälle stehen weiter in keinem erkennbaren Zusammenhang.

Allem Anschein nach reicht es für eine Ansteckung schon aus, wenn einzelne Infizierte - die mitunter keine Symptome zeigen und nicht ahnen können, dass sie bereits ansteckend sind - für eine gewisse Zeit zusammen mit anderen Menschen in Kontakt kommen.

Unverändert zutreffend sind Merkels Worte aus ihrer Pfingstansprache, als sie betont hatte: Die Deutschen hätten in den zurückliegenden Monaten nicht nur "viel geschafft", sondern: "Ich könnte auch sagen: Wir haben uns viel erspart. Unsere gemeinsame Leistung ist nämlich das, was bei uns glücklicherweise nicht eingetreten ist."

Von Anfang an sei es darum gegangen, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, erklärte die Kanzlerin damals. Jeder einzelne Erkrankte sollte eine "angemessene und würdige Behandlung" erhalten. "Und auch das haben wir bis heute erreicht."

Schon damals hatte sie vor einem Trugschluss gewarnt, der auch jetzt auf Demonstrationen und in Argumentationen von Corona-Leugnern immer wieder vorgebracht wird: "Mancher glaubt jetzt, weil das große massenhafte Leid nicht eingetreten ist, sei auch die Gefahr wohl nie so groß gewesen". Dies jedoch sei, so Merkel, ein "Irrtum".

Ein Blick in schwer getroffene Nachbarländer zeige, "was leicht hätte sein können". In europäischen Ländern wie Spanien, Großbritannien, Italien oder Frankreich sind die Todeszahlen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion noch immer deutlich höher als in Deutschland.

Hierzulande leben die Menschen mittlerweile seit dem 23. März unter den Bedingungen des Pandemie-Ernstfalls. In Teilen der Gesellschaft drohen die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungswelle an Rückhalt und Unterstützung zu verlieren.

Das Lagebild, das sich aus den einzelnen Pandemie-Parametern ergibt, zeigt selbst den Experten nur eine Momentaufnahme. Das tatsächliche Infektionsgeschehen ist darin nur eingeschränkt und mit der beschriebenen zeitlichen Verzögerung zu erkennen.

Als wichtigste Gegenmaßnahmen pocht das RKI weiterhin auf die frühzeitige Entdeckung und Isolierung aller infizierten Personen, die strikte Quarantäne aller betroffenen Kontaktpersonen sowie die soziale Distanzierung in der übrigen Bevölkerung.

Nur auf diese Weise, sagen die Experten könne die "Infektionsketten" unterbrochen werden und die weitere Ausbreitung des Virus eingedämmt werden. Das Robert Koch-Institut empfiehlt dazu mittlerweile auch eine Ausweitung der Coronavirus-Tests. Auch bei leichten Symptomen solle sofort getestet werden, je früher desto besser, wie RKI-Präsident Lothar Wieler Anfang Mai erklärte. Eine generelle Testung der Bevölkerung ohne Symptome sei jedoch nicht ratsam.

Abhängig von der Situation sei es aber sinnvoll, Risikogruppen durch häufigere Tests besser zu schützen - zum Beispiel in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Denn Infizierte könnten das Virus ausscheiden, bevor sie Symptome spürten.

Dass die Fallzahlen bei ntv.de am Abend in der Regel über den vom RKI ausgewiesenen Werten liegen, hat leicht nachvollziehbare Gründe: Bei der Auswertung der Datenlage greift ntv.de auf die Angaben der Gesundheitsbehörden und Ministerien der Länder zurück. Dort werden die Zahlen - unabhängig von den formellen Meldewegen des Infektionsschutzgesetzes - teils mehrfach täglich aktualisiert und erreichen die Öffentlichkeit so schneller als über die amtliche RKI-Statistik.

Diese Angaben wertet ntv.de aus, gleicht sie mit den Zahlen des RKI ab und bezieht im Fall aktueller Entwicklungen auch einzelne Mitteilungen von Landesregierungen oder Ministerien mit ein. Auf dieser Basis entsteht ein aktuelles Gesamtbild, das die tagesaktuelle Entwicklung schneller abbildet als die Veröffentlichungen des RKI.

Ausschlaggebend für die medizinische und politische Beurteilung der Lage sind jedoch allein die amtlich bestätigten RKI-Zahlen. Dort werden die täglich bis Mitternacht eingehenden Meldungen überprüft und, so weit möglich, den jeweiligen Vortagen zugeordnet.

Hinweis: Die aktuellen Fallzahlen aus den USA finden Sie hier.

Im RKI ist man sich sehr wohl bewusst, dass es auf dem Weg vom Gesundheitsamt vor Ort bis nach Berlin Verzögerungen gibt, insbesondere an und nach den Wochenenden. Die Experten dort gehen aber davon aus, dass es sich lediglich um einen zeitlichen Verzug handelt, der allein der Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Meldeverfahren geschuldet ist.

In der Datenübersicht bei ntv.de ergibt sich die Angabe der "aktuell Infizierten" aus der Summe der über den gesamten Zeitverlauf bestätigten Infektionen abzüglich der Anzahl der Verstorbenen und der Menge jener Personen, die ihre Erkrankung als geheilt und nicht mehr ansteckend überstanden haben. Wenn Bundesländer eigene Schätzungen zur Zahl der Genesenen veröffentlichen, werden diese Daten berücksichtigt. Dies ist derzeit bei 14 der 16 Bundesländer der Fall.

Die beiden Ausnahmen stellen Hessen und Schleswig-Holstein. Dort übernehmen die Behörden die aus Berlin für ihr Land ermittelte Schätzung, während die übrigen Länder bei der Schätzung per RKI-Methode auf einen jeweils niedrigeren Wert kommen als das Robert Koch-Institut selbst. Das RKI stellt seit 22. März auch eine eigene amtliche Schätzung zur Gesamtzahl der Genesenen in Deutschland zur Verfügung.

Für Länder wie zum Beispiel China oder Südkorea liegen dazu detaillierte Angaben vor, was wichtige Hinweise zum tatsächlichen Stand des Infektionsgeschehens ermöglicht. In Deutschland dagegen werden die geheilten Covid-19-Patienten in der amtlichen Statistik nicht zentral erfasst.

Daten darüber, ob ein Patient wieder genesen ist, werden nicht offiziell erhoben", heißt es dazu beim RKI. "Die Erhebung ist auch nicht gesetzlich vorgesehen. Das würde die ohnehin knappen Ressourcen unnötigerweise belasten, da sie dafür jeden Fall über Wochen verfolgen müssten und daraus keine weiteren Maßnahmen erfolgen."

Umfangreichere Daten zur Anzahl der Genesenen und Geheilten gibt es aus den meisten Bundesländern bisher überdies nur für die klinisch erfassten Fälle. Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, sich aber mit milden Symptomen zu Hause in Quarantäne befinden, werden nach Ablauf der Isolationsfrist bisher nicht an das RKI gemeldet. Sie gelten in den Schätzungen bisher nach 14 Tagen als genesen.

Für die Darstellung in Karten und Infografiken zur Lage außerhalb Deutschlands wertet ntv.de neben den Zahlen des RKI und den offiziell gemeldeten Fällen der Landesbehörden auch überregionale Datenbestände aus.

Die aktuellen Fallzahlen aus China und den übrigen Teilen der Welt etwa verzeichnet unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO. Auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), eine Agentur der EU, sowie das US-Pendant CDC bieten jeweils eigene Überblicke zur Verbreitung des neuen Coronavirus.

Hinweis: Karten, Daten und Infografiken werden weiterhin regelmäßig aktualisiert. Abweichungen zu älteren Angaben im Text sind möglich.

Die breite Öffentlichkeit steht den Risiken der Coronavirus-Pandemie nicht hilflos gegenüber: Mediziner raten grundsätzlich zur generellen Vorsorge - unabhängig vom individuellen Risiko. Wer die gängigen Hygieneratschläge beachte, heißt es, könne sich gleichermaßen vor einer Ansteckung mit der Grippe, dem Coronavirus und nahezu allen anderen ansteckenden Viren-Infektionen schützen.

Dazu zählen Gesundheitsexperten vor allem einfache Maßnahmen, die ohne aufwendige Desinfektionsmittel oder andere Vorkehrungen auskommen: Schon das regelmäßige Händewaschen, ausreichende Belüftung und die sogenannte Husten- und Nies-Etikette, heißt es, können das generelle Ansteckungsrisiko erheblich verringern.

Quelle: ntv.de, mit Material von dpa, rts und AFP