Infografik

Epidemie-Lage in Deutschland Alle Daten, alle Fakten zum Coronavirus

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Belastungsprobe für das Gesundheitssystem: Wie gut kann Deutschland mit dem Coronavirus-Ausbruch umgehen?

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Lage in der Coronavirus-Krise bleibt ernst: Die Fallzahlen steigen weiter an, die Zuwachsraten schwächen sich jedoch erkennbar ab. Ist es ein Wochenendeffekt? Oder zeigt die Vollbremsung in Wirtschaft und Gesellschaft Wirkung? Die aktuellen Daten im Überblick.

Im Kampf gegen das Coronavirus gibt es Anzeichen der Hoffnung: Den dritten Tag in Folge hat sich die Zahl der täglich neu gemeldeten Infektionsfälle in Deutschland leicht abgeschwächt. In den 24 Stunden bis Sonntagabend haben die Behörden in Deutschland rund 4400 neu gemeldete Infektionen mit Sars-CoV-2 verzeichnet.

Hinweis: Karten und Infografiken werden laufend aktualisiert.

Die Gesamtzahl der bisher bekannten Coronavirus-Fälle stieg damit auf Basis der von ntv.de ermittelten Daten aus den Gesundheitsbehörden und Ministerien der Länder auf 58.639 infizierte Menschen. Laut der jüngsten Schätzung aus dem Robert-Koch-Institut (RKI) von vergangener Woche sind davon "mindestens" 5600 Personen bereits wieder genesen. Da diese Zahl in Deutschland nicht zentral erfasst wird, könnte sie durchaus bereits sehr viel höher liegen.

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Die steigende Zahl der Todesopfer belegt, wie gefährlich eine Coronavirus-Infektion mitunter sein kann: 455 Menschen sind in Deutschland bisher im Zusammenhang mit der von dem Erreger ausgelösten Atemwegserkrankung Covid-19 gestorben. Am Sonntag kamen 58 Tote hinzu. Am Samstag wurden insgesamt 81 neu erfasste Coronavirus-Tote gemeldet - so viele binnen eines Tages wie noch nie zuvor.

Das Infektionsgeschehen entwickelt sich in Deutschland weniger dynamisch als in anderen Brennpunkten der Coronavirus-Krise. Tatsächlich sinken die täglichen Zuwachsraten erkennbar. Zum Vergleich: Am Samstag waren noch 5300 neu entdeckte Ansteckungen hinzugekommen. Im Lauf des Freitags waren es - inklusive der nachgemeldeten Infektionen - rund 5700, und am Donnerstag sogar noch 5900.

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Ob sich aus dieser Entwicklung eine Abschwächung der Epidemie-Dynamik herauslesen lässt, steht jedoch noch längst nicht fest. Aufgrund der ausgedünnten Personallage in den Gesundheitsämtern könnte es zu Wochenbeginn wieder zu einem vermehrten Aufkommen nachgemeldeter Fälle kommen.

"Es handelt sich weltweit um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation", heißt es in der aktuellen Risikobewertung des RKI. "Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als hoch eingeschätzt, für Risikogruppen als sehr hoch."

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Seit mittlerweile sieben Tagen sind bundesweit massive Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes in Kraft, um die weitere Ausbreitung des Erregers einzudämmen. Schulen, Universitäten und Kinderbetreuungsstätten sind bereits seit zwei Wochen geschlossen. Im ganzen Land gilt ein "Kontaktverbot".

Immerhin: Die Zahl der Infizierten stieg am Sonntag in Deutschland nur noch um 8,1 Prozent. Über den Zeitraum der vergangenen sieben Tage (Samstag bis Samstag) hinweg lag die tägliche Zuwachsrate im Schnitt noch bei 13,6 Prozent. In der Woche davor waren die Fallzahlen deutlicher steiler angezogen.

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Ob diese Entwicklung - insbesondere bei der täglichen Zuwachsrate - jedoch bereits Ergebnis der Eindämmungsmaßnahmen ist, lässt sich nicht sagen. Experten gehen davon aus, dass sich Effekte der verhängten Einschränkungen erst mit mehreren Tagen Verzögerung zeigen werden. Deutschland stehe "immer noch am Anfang der Welle", sagte RKI-Chef Lothar Wieler der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Dynamik des Ansteckungsgeschehens könnte sich demnach womöglich wieder beschleunigen.

Mit Abstand am schwersten betroffen von der laufenden Pandemie ist - in absoluten Zahlen gerechnet - weiterhin Nordrhein-Westfalen. Dort lag die Zahl aller bisher nachgewiesenen Coronavirus-Fälle bis Sonntagabend bei mehr als 13.600.

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Relativ betrachtet ist das Fallaufkommen in Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg deutlich höher: Die Zahl der Infizierten bezogen auf die Bevölkerung (Inzidenz) liegt dort in einer Spanne von 101,4 (Bayern) bis 112,9 (Hamburg). In NRW sind es aktuell dagegen rein rechnerisch 76,0 Fälle je 100.000 Einwohner.

Im Süden Deutschlands ziehen auch die absoluten Zahlen weiter an: In Bayern gibt es mittlerweile mehr als 13.200 bestätigte Infektionen, in Baden-Württemberg mehr als 11.500. Doch auch der Norden verzeichnet weiter ein deutliches Wachstum der amtlich erfassten Ansteckungen: In Niedersachsen sind es mittlerweile mehr als 3700 Infizierte, in Schleswig-Holstein mehr 1000.

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In drei der 16 Bundesländer gibt es derzeit mehr als 10.000 Infizierte, fünf weitere Länder liegen über der 2000er-Marke, und nur noch sechs Länder zählen weniger als 1000 Infizierte. Im Freistaat Sachsen, dem bisher am schwersten betroffenen Bundesland im Osten, weist die Landesstatistik bereits mehr als 1800 Coronavirus-Fälle auf.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte die Öffentlichkeit bereits vor Tagen auf einen weiteren Anstieg der Fallzahlen und erhebliche Belastungen für Ärzte und Pfleger eingestimmt. "Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm", sagte Spahn mit Blick auf die Entwicklung.

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"Keiner kann genau sagen, was in den nächsten Wochen kommt." Daher sei es weiterhin erforderlich, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Neue Maßnahmen gibt es vorerst nicht - stattdessen laufen in der Regierung erste Planungen für die Zeit nach dem weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens. Trotzdem wird davor gewarnt, verfrüht eine Lockerung der Kontaktsperren zu fordern.

"Es ist noch völlig offen, wie sich diese Epidemie weiter entwickelt", hatte RKI-Chef Wieler bereits in der zurückliegenden Woche erklärt. Dabei warnte er, dass auch jüngere und gesunde Menschen "sehr schwer" erkranken können - "es können auch Jüngere daran sterben".

Eine Analyse der Fälle in China deutet darauf hin, dass eine Infektion mit dem Coronavirus in rund 80 Prozent der Fälle lediglich milde bis moderate Erkrankungen auslöst. 14 Prozent verliefen dort schwer, aber nicht lebensbedrohlich. Und in rund 6 Prozent der Fälle war der klinische Verlauf kritisch bis lebensbedrohlich.

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Die Fallzahlen bei ntv.de liegen bereits seit Tagen deutlich über den vom RKI ausgewiesenen Werten. Das hat einen guten Grund: Bei der Auswertung der Datenlage greift ntv.de auf die Angaben aus den Gesundheitsbehörden und Ministerien der Länder zurück.

Dort werden die Zahlen - unabhängig von den formellen Meldewegen des Infektionsschutzgesetzes - teils mehrfach täglich aktualisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. ntv.de wertet diese Angaben aus, gleicht sie mit den Angaben des RKI ab und bezieht im Fall aktueller Entwicklungen auch einzelne Mitteilungen von Landesregierungen oder Ministerien mit ein. Auf dieser Basis entsteht ein aktuelles Gesamtbild, das der tatsächlichen Entwicklung näher kommt als die offizielle Statistik des RKI.

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Das RKI selbst räumt ein, dass der "berichtete Anstieg der Fallzahlen nicht dem tatsächlichen Anstieg der Fallzahlen entspricht". Die Experten dort gehen aber davon aus, dass es sich lediglich um einen zeitlichen Verzug handelt, der allein der Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Meldeverfahren geschuldet ist.

Beim RKI werden die aus den Ämtern übermittelten Daten in der Regel um ein bis drei Tage verzögert ausgewiesen. Auch dort war bereits am vergangenen Wochenende von einem erkennbar schwächeren Anstieg der neu gemeldeten Infektionsfälle die Rede.

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In der Datenübersicht bei ntv.de gab es zuletzt eine Veränderung: Die Angaben der "aktuell Infizierten" kann vorerst nicht mehr für alle Länder ausgewiesen werden. Die Anzahl dieser Personengruppe errechnete sich bislang aus der Summe der über den gesamten Zeitverlauf bestätigten Infektionen abzüglich der Anzahl der Verstorbenen und der Menge jener Personen, die ihre Erkrankung als geheilt und nicht mehr ansteckend überstanden haben.

Für Länder wie zum Beispiel China oder Südkorea liegen dazu detaillierte Angaben vor, was wichtige Hinweise zum tatsächlichen Stand des Infektionsgeschehens ermöglicht. In Deutschland dagegen werden die geheilten Covid-19-Patienten in der amtlichen Statistik derzeit noch nicht zentral erfasst.

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"Daten darüber, ob ein Patient wieder genesen ist, werden nicht offiziell erhoben", heißt es dazu beim RKI. "Die Erhebung ist auch nicht gesetzlich vorgesehen. Das würde die ohnehin knappen Ressourcen des ÖGD unnötigerweise belasten, da sie dafür jeden Fall über Wochen verfolgen müssten und daraus keine weiteren Maßnahmen erfolgen."

Belastbare Daten zur Anzahl der Genesenen und Geheilten gibt es aus den meisten Bundesländern bisher nur für die klinisch erfassten Fällen. Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, sich aber mit milden Symptomen zu Hause in Quarantäne befinden, werden nach Ablauf der Isolationsfrist bisher nicht an das RKI gemeldet. Sie gelten in den Schätzungen nach 14 Tagen als genesen.

Für die Darstellung in Karten und Infografiken wertet ntv.de neben den Zahlen des RKI und den offiziell gemeldeten Fällen der Landesbehörden auch überregionale Datenbestände aus. Die aktuellen Fallzahlen aus China und den übrigen Teilen der Welt etwa verzeichnet unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO. Auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), eine Agentur der EU, sowie das US-Pendant CDC bieten jeweils eigene Überblicke zur Verbreitung des neuen Coronavirus.

Wie hoch die Dunkelziffern jeweils angesetzt werden muss, ist unklar. Längst nicht alle Infizierten entwickeln auch Symptome einer von dem Erreger ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Ansteckend können solche sogenannten asymptomatischen Fälle bisherigen Erkenntnissen zufolge trotzdem sein. Das macht diesen Personenkreis zur Gefahr für ihre Mitmenschen.

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Auch die Angaben zur Letalitätsrate - die in der ntv.de Berichterstattung in der Regel vereinfacht als Verhältnis der Virus-Toten zur Gesamtzahl der Infizierten wiedergegeben wird - sind ausdrücklich als vorläufige Angaben zu verstehen. Die Werte können sich im Verlauf der Entwicklung noch nach oben oder unten bewegen. Das Science Media Center (SMC) in Köln bietet dazu ein ausführliches Factsheet mit Hinweisen zur Letalitätsberechnung.

Die breite Öffentlichkeit stehen den Risiken der Coronavirus-Pandemie nicht hilflos gegenüber: Mediziner raten grundsätzlich zur generellen Vorsorge - unabhängig vom individuellen Risiko. Wer die gängigen Hygieneratschläge beachte, heißt es, könne sich gleichermaßen vor einer Ansteckung mit der Grippe, dem Coronavirus und nahezu allen anderen ansteckenden Viren-Infektionen schützen.

Dazu zählen Gesundheitsexperten vor allem einfache Maßnahmen, die ohne aufwendige Desinfektionsmittel auskommen: Schon das regelmäßige Händewaschen und die sogenannte Husten- und Nies-Etikette, heißt es, können das generelle Ansteckungsrisiko erheblich verringern.

Quelle: ntv.de, mit Material von dpa, rts und AFP