Infografik

Epidemie-Lage in Deutschland Alle Daten, alle Fakten zum Coronavirus

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Belastungsprobe für das Gesundheitssystem: Wie gut kann Deutschland mit dem Coronavirus-Ausbruch umgehen?

(Foto: picture alliance/dpa)

Ende November zeichnet sich Bewegung ab: Der Infektionsdruck lässt in Deutschland leicht nach. Bei der Zahl der Toten jedoch melden die Bundesländer die düsterste Wochenbilanz seit Pandemie-Beginn. Die aktuelle Lage im Überblick.

In den zurückliegenden sieben Tagen haben die Gesundheitsämter in Deutschland mehr Todesfälle im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion verzeichnet als jemals zuvor: Wie aus der Auswertung der Länderangaben am Sonntagabend hervorgeht, wurden in der letzten vollen Novemberwoche bundesweit insgesamt 2119 Tote verzeichnet. Das ist die schlimmste Wochenbilanz seit Beginn der Pandemie in Deutschland.

Und noch immer kommen Tag für Tag Tausende Neuinfektionen hinzu: Nach vier vollen Wochen im Teil-Lockdown sind in mehreren Regionen Deutschlands zwar Anzeichen für eine rückläufige Entwicklung im Infektionsgeschehen zu erkennen. Bundesweit geht die Sieben-Tage-Inzidenz weiter leicht zurück. Insgesamt jedoch bewegen sich die Fallzahlen weiterhin auf einem anhaltend hohen Niveau.

Hinweis: Karten und Infografiken werden laufend aktualisiert.

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In den von ntv.de ausgewerteten Meldedaten der Bundesländer ist die Gesamtzahl der seit Beginn des Coronavirus-Ausbruchs in Deutschland nachgewiesenen Infektionen am Sonntag auf insgesamt 1.047.318 laborbestätigte Ansteckungen gestiegen. Das sind 12.428 Fälle mehr als am Vorabend. Am Samstag waren 16.547 Corona-Fälle hinzugekommen.

Der Tageszuwachs beruht auf den Angaben aus 15 Bundesländern: Im Freistaat Sachsen halten die Behörden - trotz des deutlich zunehmenden Fallaufkommens - weiterhin an der Praxis fest, tagesaktuelle Meldedaten nur an Werktagen zu veröffentlichen. Die neu erfassten Ansteckungen vom Wochenende werden dort dann zu Wochenbeginn zusammen mit den Montagszahlen vorgelegt.

Der Rückgang bei den deutschlandweiten Corona-Zahlen im Vergleich zum Vortag ist für sich genommen noch nicht aussagekräftig. Am Wochenende und zu Wochenbeginn ist seit jeher ein deutlich verringertes Meldegeschehen zu beobachten: Die Zahl der gemeldeten Fälle fällt am Samstag und Sonntag regelmäßig erheblich niedriger aus als an den Werktagen der zweiten Wochenhälfte.

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Grund ist der so genannte Wochenendeffekt: Weniger Menschen gehen zum Arzt, viele Praxen haben geschlossen, und in Laboren, Ämtern und Landesbehörden wird im eingeschränkten Betrieb gearbeitet.

Erst im Wochenvergleich lassen sich Hinweise auf die Infektionslage in Deutschland erkennen. Der aktuelle Tageszuwachs liegt über dem Montagswert von vor sieben Tagen (23.11.: 13.634 Neuinfektionen) und ungefähr auf dem Niveau von vor 14 Tagen (16.11.: 14.290). Unter der Annahme, dass die übrigen Einflussgrößen wie Anzahl der Tests, Laborkapazitäten und Teststrategie unverändert geblieben sind, ergibt sich daraus keine klar rückläufige Entwicklung.

Für eine echte Trendwende sind die Fallzahlen noch immer viel zu hoch. Ob sich die Abschwächung in vollem Ausmaß fortsetzt oder sogar Fahrt aufnimmt, wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Das Meldeaufkommen dürfte wie üblich ab Dienstag wieder deutlich zunehmen. Im Sieben-Trend, also dem mehrtägigen Mittel der täglich registrierten Fälle, ist aktuell ebenfalls eine leichte Bewegung nach unten auszumachen.

Im Schnitt kommen derzeit pro Tag noch rund 17.700 erkannte Ansteckungen hinzu. Bundesweit treten in nahezu allen Regionen kleinere und größere Ausbrüche auf, die keinem erkennbaren Muster mehr folgen. Covid-19-Ansteckungen werden in Alten- und Pflegeheimen gemeldet, "aber auch in Schulen und im beruflichen Setting", wie das Robert-Koch-Institut (RKI) im aktuellen Lagebericht schreibt.

"Zusätzlich kommt es in zahlreichen Landkreisen zu einer zunehmend diffusen Ausbreitung von Sars-CoV-2-Infektionen in die Bevölkerung, ohne dass Infektionsketten eindeutig nachvollziehbar sind." Das "genaue Infektionsumfeld", räumt das RKI ein, lasse sich "häufig nicht ermitteln".

Wie ernst die Lage ist, zeigt der Blick auf die Sterbefälle. Erst am Donnerstag hatten die Bundesländer mit insgesamt 431 Todesfällen den bislang höchsten Tageszuwachs gemeldet. Am letzten Sonntag im November erhöhte sich die Gesamtzahl der Pandemie-Toten in Deutschland um weitere 110 Fälle (Vortag: +274) auf insgesamt 16.183 im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion verstorbene Menschen.

Solange die Fallzahlen so hoch bleiben, steht das deutsche Gesundheitssystem unvermindert unter Druck. Zwar nimmt eine Corona-Infektion nur bei einem Bruchteil der Infizierten einen schweren oder gar lebensbedrohlichen Verlauf. Doch die anhaltend hohe Zahl an neu aufgenommenen Covid-Patienten in deutschen Krankenhäusern reicht schon jetzt aus, die Intensivstationen und vor allem das Personal vielerorts an die Belastungsgrenze zu bringen.

"Zwischen Mitte Oktober und Mitte November stieg die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle stark an", fasste das RKI die Situation zusammen. Seitdem habe sich der Anstieg zwar etwas verlangsamt, doch der Zustrom an Intensivpatienten setzt sich fort. Zudem verweist das RKI auf demografische Faktoren: "Die Sieben-Tage-Inzidenz in der älteren Bevölkerung nimmt weiter zu", hieß es vergangene Woche. "Da diese häufiger einen schweren Verlauf durch Covid-19 aufweisen, steigt ebenso die Anzahl an schweren Fällen und Todesfällen."

Die verschärften Pandemie-Auflagen zeigen damit insgesamt noch immer zu wenig Wirkung, um zu einer spürbaren Entlastung im deutschen Gesundheitssystem beizutragen. Bisher konnte im November nur der rasante Anstieg der Fallzahlen gestoppt werden. Von einer deutlichen Absenkung der Neuinfektionen sind die meisten Regionen in Deutschland noch sehr weit entfernt.

Begleitet von diesen düsteren Erkenntnissen waren die Regierungschefs der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel am 25. November - also dreieinhalb Wochen nach Beginn der "Wellenbrecher-Strategie" - zum entscheidenden Corona-Krisengipfel zusammengekommen, um sich auf eine Ausrichtung der deutschen Pandemie-Strategie für Weihnachten und den Rest des Winters zu einigen.

Dabei beschlossen Bund und Länder eine Verlängerung der ursprünglich nur für den November geplanten Maßnahmen sowie eine weitere Verschärfung der Kontaktbeschränkungen - mit Ausnahmen für die Weihnachtsfeiertage und Silvester. Nach dem Treffen machte Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich, dass es in Deutschland "noch einmal eine Kraftanstrengung" brauche.

Seit dem 2. November sind in Deutschland Restaurants, Bars, Sportstätten und Kultureinrichtungen geschlossen. Erklärtes Ziel dieser sogenannten Wellenbrecher-Strategie war es, die Zahl der Ansteckungen durch eine drastische Reduzierung der Kontakte in der Bevölkerung zu senken.

Auf diese Weise sollte das Infektionsgeschehen so weit eingedämmt werden, dass es nicht zum befürchteten Versorgungskollaps in den Krankenhäusern kommt. Im Fall deutlich sinkender Fallzahlen könnten die Gesundheitsämter zudem wieder zur effektiven Kontaktnachverfolgung der Ansteckungsfälle zurückkehren.

Das Problem: Die durch die graduell verschärften Corona-Auflagen im Rahmen der so genannten Wellenbrecher-Strategie angestrebte "Trendumkehr", wie Merkel es nach der ersten "Zwischenbilanz" des November-Lockdowns formulierte, ist dringend erforderlich, um eine katastrophale Überlastung in den Kliniken in den kommenden Wochen zu vermeiden.

Wenige Wochen vor Weihnachten kämpft Deutschland jedoch noch immer gegen genau jenen Effekt, vor dem Experten seit Monaten warnen: Der Erreger dringt tiefer in die Bevölkerung vor und erreicht dabei zunehmend auch die besonders gefährdeten höheren Altersgruppen.

Mit dem steigenden Durchschnittsalter der Infizierten verzeichnen die Krankenhäuser mehr Covid-19-Patienten mit schwereren Krankheitsverläufen und beinahe zwangsläufig auch mehr Todesfälle. Daher sei man nicht in der Lage, "Einschränkungen aufzuheben", wie die Kanzlerin erklärte. Deshalb einigten sich die Gipfelteilnehmer auf eine Verlängerung des Teil-Lockdowns bis zum 20. Dezember.

Letztlich blieb der Bund-Länder-Runde keine andere Wahl: Solange es kein verlässliches Heilmittel und keine sichere Impfung gegen Sars-CoV-2 gibt, ist die Vermeidung von Neuansteckungen der einzige Weg, um weitere schwere Krankheitsverläufe und zwangsläufig steigende Totenzahlen zu verhindern.

Da die Entwicklung der Todesfälle der Zahl der Neuinfektionen um bis zu drei Wochen hinterherläuft, könnte es noch bis weit in den Dezember dauern, bis sich auch in den Krankenhäusern eine Entspannung der Lage bemerkbar macht - falls es überhaupt - wie erhofft - zu einer schnellen Trendwende bei den Fallzahlen kommt.

An Weihnachten und Silvester soll es demnach vorübergehende Lockerungen geben. Als entscheidende Kennziffer gilt demnach weiterhin die Sieben-Tage-Inzidenz, also das regionale Fallaufkommen aus dem Zeitraum der zurückliegenden sieben Tage je 100.000 Einwohner.

Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz am Stichtag 20. Dezember nicht unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern sinken, müssten die Maßnahmen verlängert werden, "bis das Ziel der signifikanten Senkung des Inzidenzwerts erreicht wird". Diese Vorgabe wirkt ehrgeizig: Deutschland liegt derzeit bundesweit bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 138 Fällen je 100.000 Einwohnern.

Weitere Ausnahmen sind zudem für jene Teile Deutschlands vorgesehen, in denen die zentrale Kennziffer niedriger liegt als anderswo: Ländern, die schon vor dem 20. Dezember eine Inzidenz von unter 35 aufweisen, heißt es, solle die Möglichkeit eröffnet werden, den Teil-Lockdown schon früher zu beenden und die Maßnahmen zu lockern. Länder wie Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein liegen knapp unter 50.

Wie, wo und ab wann die Corona-Auflagen wieder gelockert werden können, dürfte damit in erster Linie vom Infektionsgeschehen vor Ort abhängen. Bisher sind in den Daten keine sicheren Anzeichen für eine rückläufige Entwicklung zu erkennen. Im Gegenteil: Die Fallzahlen hätten sich auf hohem Niveau stabilisiert, hatte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Pandemie-Lage in Deutschland am 19. November erklärt.

Anlass für Lockerungen und eine etwaige Entwarnung sah Wieler ausdrücklich nicht. "Wir sind noch lange nicht über den Berg", betonte er. "Die Lage bezüglich Covid-19 ist weiterhin ernst, sehr ernst." Das RKI wertete die bisherige Entwicklung im November zunächst nur als Hinweis darauf, dass der exponentielle Anstieg der Fallzahlen zumindest gebremst werden konnte. Das Abflachen der Kurve deute demnach darauf hin, dass die Maßnahmen wirken. Aber, betonte Wieler: "Wir wissen nicht, ob das eine Trendwende ist."

"Die Fallzahlen sind insgesamt weiter sehr hoch", sagte Wieler. Immerhin zeige die aktuelle Entwicklung, dass sich die Ausbreitung des Virus durch das Verhalten der Öffentlichkeit tatsächlich beeinflussen lasse. "Wir sind diesem Virus nicht hilflos ausgeliefert", betonte Wieler. "Wir sind nicht machtlos."

In Deutschland muss weiter mit einer steigenden Zahl an Todesfällen gerechnet werden. Schwere Krankheitsverläufe zeigen sich bei Covid-19-Patienten in der Regel erst ein bis zwei Wochen nach der Infektion. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich die Situation in den kommenden Wochen verschärft", erklärte Wieler. "Wir müssen damit rechnen, dass Kliniken an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen."

Selbst wenn die Fallzahlen Maßnahmen des "Lockdown light" ihre volle Wirkung entfalten sollten, wäre Deutschland noch weit von einer Entwarnung oder etwaigen Lockerungen entfernt. Fast die Hälfte der Krankenhäuser meldete bereits Mitte November, dass die Verfügbarkeit an Intensivbetten eingeschränkt sei. Dies liege, so Wieler, vor allem an Infektionen beim Personal, das dann nicht mehr zur Verfügung stehe.

Der RKI-Chef begrüßte die Nachrichten über die Entwicklung eines Corona-Impfstoffes als "sehr, sehr ermutigend", aber auch vorläufig. Dies ändere ohnehin nichts daran, dass man den ganzen Winter über weiter versuchen müsse, die Zahl der Neuinfektionen nach unten zu drücken. "Wir müssen noch ein paar Monate die Pobacken zusammenkneifen", sagte Wieler.

Corona-Tests: Der Anteil positiver Befunde

Die Auswertung der übermittelten Meldedaten liefert den Epidemiologen wertvolle Hinweise zur Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung. Die aktuellen Testzahlen zeigen für die Kalenderwoche 47 (also die sieben Tage bis Sonntag, 22. November) einen weiteren Anstieg der Positivenquote (aktuell: 9,39 Prozent, Vorwoche: 8,99 Prozent). Neue Daten dazu veröffentlicht das RKI jeweils zur Wochenmitte.

Die Gesamtzahl der in der zurückliegenden Woche durchgeführten PCR-Tests ging auf 1,35 Millionen zurück. Das RKI weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass hier Einflüsse der neuen Testkriterien berücksichtigt werden müssen. Die Daten, insbesondere zur Positivenquote, seien daher "nicht direkt mit (den Angaben aus den) Vorwochen vergleichbar".

Seit dem 11. November sind die neuen RKI-Empfehlungen in Kraft, nach denen nur noch klare Verdachtsfälle und Personen mit Kontakt zu Risikogruppen getestet werden sollen. Ziel dieser Empfehlungen ist es, die Labore vor dem erwartbaren Ansturm von testwilligen Menschen mit den saisonüblichen Erkältungskrankheiten zu bewahren.

Getestet werden sollen seitdem nur noch Fälle, bei denen klare Hinweise auf eine mögliche Covid-19-Erkrankung vorliegen oder die mit Menschen aus gefährdeten Bevölkerungsgruppen in Kontakt stehen. Tatsächlich häufen sich bereits die Berichte über kritische Engpässe bei den Labormaterialien.

"Verbrauchsmaterialen und Reagenzien werden in Laboren nur für kurze Zeiträume bevorratet (u. a. wegen begrenzter Haltbarkeit bestimmter Reagenzien)", beschreibt das RKI die Problematik. "Bei steigender Anzahl durchgeführter Tests und aufgrund von Lieferengpässen bei weltweit steigender Nachfrage können sich die freien Kapazitäten in den nächsten Wochen reduzieren."

Der von den Labors gemeldete Probenrückstau konnte deutlich abgebaut werden. In der zurückliegenden Woche waren dort 17.037 Corona-Tests noch nicht ausgewertet. In der Woche davor hatten sich 23.654 Tests angestaut, in der vorvergangenen Woche waren es 60.113.

Das RKI spricht in diesem Zusammenhang von "Laboren, die sich stark an den Grenzen ihrer Auslastung befinden bzw. durch den Rückstau an Proben bereits überlastet sind". Die ausstehenden Befunde konnten demnach vor allem aufgrund mangelnder Kapazitäten bei den Materialien und/oder beim Personal noch nicht bearbeitet werden - viele Corona-Testergebnisse kommen damit viel zu spät, um zur Eindämmung des Erregers beizutragen.

Die Lage in den Kliniken laut DIVI-Register

Daten des Deutschen Intensivregisters (DIVI) liefern verschiedene Anhaltspunkte zur Lage in den deutschen Krankenhäusern. In den Zahlen zeichnet sich ein leichter Anstieg bei den intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten ab.

Ein freies Bett auf der Intensivstation garantiert dabei noch lange nicht die optimale Versorgung: Schon die Belegung mit wenigen Covid-19-Fällen kann ausreichen, das ohnehin bereits belastete Personal an die Kapazitätsgrenze zu bringen. Allein aufgrund der erforderlichen Schutzmaßnahmen für Fachkräfte und die übrigen Patienten im Krankenhaus ist die Betreuung sehr viel aufwändiger als im Regelbetrieb.

In den Krankenhäusern müssen sich die Planer und das medizinische Personal auf schwere Zeiten einstellen.

Bundesweit ist die Zahl der Corona-Fälle auf den Intensivstationen seit September deutlich angestiegen. Im Vergleich zur Lage im Frühjahr befinden sich mittlerweile deutlich mehr Covid-Patienten mit schweren Krankheitsverläufen in Behandlung. Damals waren phasenweise mehr als 2500 Intensivbetten mit Covid-Fällen belegt. Mittlerweile sind es bundesweit mehr als 3900. Aber: Das Wissen und die Erfahrung der Mediziner im Umgang mit Betroffen wächst weiterhin von Tag zu Tag.

Das Robert-Koch-Institut blickt bereits seit Wochen mit großer Sorge auf die Kennzahlen zur Pandemie-Entwicklung: Die Lage sei "sehr ernst", hatte RKI-Chef Lothar Wieler Mitte Oktober erklärt. Noch bestehe die Chance, die weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. "Wir sind nicht machtlos", betonte er mit Blick auf das Verhalten und die Einsicht der Bürger. Es müssten sich mehr Menschen an die sogenannten AHA-plus-L-Regeln halten.

Das RKI warnt vor einer "zunehmenden Beschleunigung der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland". Die Experte appellieren "dringend" an die Öffentlichkeit, "dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz" engagieren müsse.

RKI-Chef Wieler ging bei seinen Erläuterungen zur Lage im Oktober unter anderem auch auf Erkenntnisse zu den häufigsten Ansteckungsorten ein. Ein Teil des aktuellen Infektionsgeschehens spielt sich demnach im privaten Umfeld ab - wobei sich die mutmaßlichen Übertragungswege allerdings nur noch bei einem Fünftel aller Fälle überhaupt rekonstruieren lassen. Bundesweit sind die Ansteckungsumstände im Schnitt in rund 80 Prozent der Fälle "unklar".

Als wichtigen Bereich für die aktuellen Ausbrüche erwähnte Wieler vor allem den Einfluss privater Feiern auf das Infektionsgeschehen. Dort wo Menschen zusammen kommen und eine starke Interaktion etwa durch lautes Sprechen oder Lachen stattfinde, sei das Ansteckungsrisiko höher, sagte er. Deshalb spielten andere Bereiche des öffentlichen Lebens, wo weniger Interaktion stattfinde, bei den Infektionen nur eine geringere Rolle.

Ansteckungen im öffentlichen Nahverkehr, bei Übernachtungen in Hotels oder auf Reisen in der Bahn seien bisher kaum zu beobachten, erklärte er. Kritische Beobachter merkten daraufhin, dass sich die Infektionswege im privaten Umfeld leichter ermitteln ließen als etwa im öffentlichen Bereich. In privaten Haushalten nehme die Anzahl der Ausbrüche, so Wieler, deutlich zu. "Ansteckungen in Schulen (...) sind zwar bisher nicht sehr häufig und wesentlich seltener, als wir das zum Beispiel von Influenzaausbrüchen kennen, aber klar ist, je stärker die Fallzahlen steigen, desto höher werden auch Schulen betroffen sein."

Kamen die Anfang Oktober beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens diesmal zu spät? Lässt sich der weitere Anstieg der Fallzahlen jetzt überhaupt noch aufhalten? Beim ersten Corona-Gipfel zur Neuausrichtung der deutschen Pandemie-Abwehr im Kanzleramt im Oktober hatten Bund und Länder in Einzelfragen wie etwa dem umstrittenen Beherbergungsverbot keine Einigung erzielen können.

Beschlossen wurden angesichts der sich abzeichnenden Lage lediglich "erhebliche Einschränkungen", wie Merkel nach mehr als achtstündigen Beratungen des jüngsten Corona-Gipfels Mitte Oktober mitteilte.

"Was wir jetzt tun und nicht tun, wird entscheidend sein für die Frage, wie wir durch diese Pandemie kommen." Deutschland sei "bereits in der exponentiellen Phase" der Pandemieausbreitung, warnte Merkel, der die Ergebnisse von damals offensichtlich nicht weit genug gingen.

Die Kanzlerin verwies auf die enormen Belastungen der Corona-Krise für Bevölkerung, Wirtschaft, öffentliches Leben und auch für die Staatsfinanzen. In diesem Jahr mussten ihren Worten zufolge bereits 250 Milliarden Euro neue Schulden aufgenommen werden.

"Und deshalb können wir uns auch ökonomisch eine zweite Welle, wie wir sie im Frühjahr hatten, mit solchen Folgen nicht leisten." Es müsse alles getan werden, um die Infektionszahlen im Griff zu behalten und die Kontakte nachzuvollziehen.

Am 15. Oktober trat zudem die neue "Nationale Teststrategie" in Kraft, die unter anderem auch den verstärkten Einsatz von schnelleren und günstigeren Antigentests vorsieht. Mit Blick auf den rasch anwachsenden Bedarf an Corona-Tests sollen damit drohende Engpässe in den Laboren vermieden werden. Zuletzt war der gemeldete Probenrückstau wieder stark angestiegen.

Merkel sah nach dem Bund-Länder-Gipfel Mitte Oktober noch reichlich Handlungsbedarf. "Die Ansagen von uns sind nicht hart genug, um das Unheil von uns abzuwenden", soll sie beim letzten Treffen erklärt haben. Und prophezeite schon damals: Mit den damals festgelegten Maßnahmen würden Bund und Länder "in zwei Wochen eben wieder hier" sitzen. "Es reicht einfach nicht, was wir hier machen."

Die Grundstimmung sei, dass sich jedes Land ein kleines Schlupfloch suche. "Das ist das, was mich bekümmert. Und die Liste der Gesundheitsämter, die es nicht schafft, wird immer länger." Bereits im Vorfeld hatte Merkel von "entscheidenden Tagen" gesprochen, in denen sich zeige, "ob wir die Pandemie in Deutschland unter Kontrolle halten können, so wie uns das jetzt ja monatelang gelungen ist - oder ob uns diese Kontrolle entgleitet".

Das Robert-Koch-Institut spricht mit Blick auf die Lage unverändert von einem "beschleunigten Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung ". Die Experten appellieren "dringend" an die Öffentlichkeit, sich "für den Infektionsschutz zu engagieren", also die Abstandsregeln einzuhalten, die Hygieneempfehlungen zu beachten und in den gebotenen Situationen eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen sowie geschlossene Räume regelmäßig zu lüften.

Die Warnungen scheinen berechtigt: Die Zahl der Regionen, die den kritischen Grenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschreiten, liegt laut RKI-Daten bei 383. Davon liegen 270 Regionen mit einem Fallaufkommen von mehr als 100 sogar weit über der Alarmschwelle, in 63 Kreisen wird sogar der Wert von 200 überschritten.

Auffällig bleibt, wie viele Regionen inzwischen dauerhaft über der Obergrenze liegen. Der Stadtkreis Hamm in NRW verzeichnet laut RKI-Daten inzwischen 70 Tage in Folge einen Sieben-Tage-Inzidenz-Wert von mindestens 50. Beim Berliner Bezirk Mitte sind es bereits mehr als 50 Tage, drei weitere Hauptstadt-Bezirke liegen knapp vor dieser Marke.

Ansteckungsrate: Die beiden R-Werte des RKI

Der jüngste Anstieg der Fallzahlen spiegelt sich auch in den Bewegungen der bundesweiten Ansteckungsrate wider. Die beiden vom RKI ermittelten R-Werte - also die einfache Reproduktionszahl R und die etwas stabilere Variante, das 7-Tage-R - zeigen die Anzahl der Personen an, die im Durchschnitt von einem Fall angesteckt werden.

Für die Berechnung dieser beiden komplexen Kennziffern gibt es gute Gründe: Die vom RKI veröffentlichten Meldedaten aus den Gesundheitsämtern sagen zunächst wenig über das tatsächliche Infektionsgeschehen aus, da es in den einzelnen Fällen unterschiedlich lange dauern kann, bis es nach dem Erkrankungsbeginn zu einer Covid-19-Diagnose, zur Meldung und schließlich zur gesetzlich vorgeschriebenen Übermittlung der Daten ans RKI kommt.

Sobald es um die Frage geht, wann genau sich die Betroffenen angesteckt haben, sind die Meldedaten selbst demnach keine große Hilfe. Um ein klareres Bild von der Entwicklung zu bekommen versucht das RKI daher, die tatsächliche Entwicklung draußen im Land anhand eines speziellen Schätzverfahrens, das sogenannte Nowcasting, zu ermitteln.

Ziel ist es, anhand aller vorliegenden Hinweise zu den einzelnen Infektionsfällen vom jeweiligen Meldedatum aus anhand der übermittelten Zusatzinformationen auf den wahrscheinlichen Erkrankungsbeginn zurückzurechnen. Der eigentliche Moment der Ansteckung dürfte, so die Überlegung, im Schnitt noch einmal etwa vier Tage davor liegen.

Da die jüngsten Meldezahlen in der Regel noch nicht vollständig sind und erst in den kommenden Tagen durch Nachmeldungen vervollständigt werden, spart das RKI-Verfahren die aktuell zurückliegenden vier Tage zunächst aus. Im Prinzip wird dann die Anzahl der ermittelten Fälle aus einem früheren Viertageszeitraum mit der Anzahl der ermittelten Neuinfektionen aus dem späteren Viertageszeitraum ins Verhältnis gesetzt.

Damit beruht dieses sogenannte 4-Tage-R auf einer ausführlich dokumentierten Methode, hat aber einen gewichtigen Nachteil: Dieser Schätzwert zeigt ein Infektionsgeschehen, das bereits etwa eine bis zwei Wochen in der Vergangenheit liegt.

Bei einem R-Wert unter 1,0 geht das RKI davon aus, dass jeder Infizierte im Schnitt weniger als eine weitere Person ansteckt, die Fallzahlen also insgesamt zurückgehen und die exponentielle Ausbreitung des Virus verhindert werden kann. Ein Wert über 1,0 ist vor allem dann problematisch, wenn sich die Zahl der Neuinfektionen zugleich auch wieder auf einem höheren Niveau bewegt.

So würde ein Wert von 1,09 zum Beispiel darauf hinweisen, dass jeder Infizierte im Schnitt wieder mehr als eine weitere Person ansteckt. Oder, um ein anderes gängiges Rechenbeispiel zu verwenden: Jeweils 100 Infizierte würden in diesem Szenario insgesamt 109 weitere Menschen anstecken. Die Masse der zu erfassenden Kontaktpersonen würde entsprechend anschwellen. Bis zu einer überregionalen Ausbreitung wäre es dann schon nach wenigen Tagen kein großer Schritt mehr.

Ein Anstieg der beiden Ansteckungsraten kann somit im Zusammenhang mit weiteren Kennzahlen darauf hindeuten, dass es Probleme bei der erhofften Eindämmung des Erregers gibt. Allerdings weist das RKI ausdrücklich darauf hin, dass bei insgesamt niedrigen Fallzahlen schon einzelne lokale Ausbrüche stärkere Ausschläge bei der Ansteckungsrate auslösen können. Zudem werde die "Dynamik der verschiedenen Ausbruchgeschehen" zum Teil auch durch die eingeleiteten Reihentestungen vor Ort beeinflusst - schlicht, weil damit binnen kurzer Zeit viele neue Fälle nachgewiesen werden, die ansonsten aller Wahrscheinlichkeit über mehrere Tage verteilt in der Statistik sichtbar geworden wären.

Klar ist, dass unter den Bedingungen weiter schwelender Ansteckungsherde im Land jede größere Menschenansammlung - und theoretisch auch jede Nachlässigkeit im Umgang mit der Infektionsgefahr - dazu beitragen kann, dass sich der Erreger erneut ausbreiten kann. Die Öffentlichkeit muss sich auf dauerhaft geltende Vorsichtsmaßnahmen einstellen. Selbst wenn es gelingen sollte, überregionale Ansteckungswellen zu verhindern, dürfte es mit dem zunehmenden Austausch und internationalen Kontakten immer wieder zu neuen Infektionsereignissen kommen.

Solange es weder lebensrettende Medikamente für schwer erkrankte Covid-19-Patienten gibt noch einen verlässlichen Impfstoff, bleiben einfache Maßnahmen wie das Distanzgebot, die Maskenpflicht, die allgemeinen Hygieneregeln, die Vermeidung größerer Menschenansammlungen und das regelmäßige Lüften das einzige wirksame Mittel zur Vermeidung einer neuen Ansteckungswelle. Das Vorgehen bei lokal begrenzten Ausbrüche folgt in Deutschland weiterhin den Vorgaben des Infektionsschutzes. Unter der Leitung der zuständigen Gesundheitsämter vor Ort wird dabei versucht, eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern und mögliche Übertragungswege zu unterbrechen.

Dazu werden in Deutschland Infizierte und Verdachtsfälle isoliert sowie möglichst rasch auch alle Kontaktpersonen ermittelt. Die Gesundheitsämter ermitteln zusätzliche Informationen, bewerten den Fall und leiten die notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen ein. Bei Bedarf stehen Teams des Robert Koch-Instituts zur Verfügung, um vor Ort bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen zu helfen.

Das Coronavirus war in Deutschland auch im Frühsommer bestenfalls nur eingedämmt, aber noch lange nicht besiegt. Die verschiedenen lokalen Infektions-Vorfälle standen über Wochen hinweg in keinem erkennbaren Zusammenhang. Allem Anschein nach reicht es für eine Ansteckung schon aus, wenn einzelne Infizierte - die mitunter keine Symptome zeigen und nicht ahnen können, dass sie bereits ansteckend sind - für eine gewisse Zeit zusammen mit anderen Menschen in Kontakt kommen.

Unverändert zutreffend sind Merkels Worte aus ihrer Pfingstansprache, als sie betont hatte: Die Deutschen hätten in den zurückliegenden Monaten nicht nur "viel geschafft", sondern: "Ich könnte auch sagen: Wir haben uns viel erspart. Unsere gemeinsame Leistung ist nämlich das, was bei uns glücklicherweise nicht eingetreten ist." Von Anfang an sei es darum gegangen, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, erklärte die Kanzlerin damals. Jeder einzelne Erkrankte sollte eine "angemessene und würdige Behandlung" erhalten.

Schon damals hatte sie vor einem Trugschluss gewarnt, der während des Sommers auf Demonstrationen und in Argumentationen von Corona-Leugnern immer wieder vorgebracht wurde: "Mancher glaubt, weil das große massenhafte Leid nicht eingetreten ist, sei auch die Gefahr wohl nie so groß gewesen". Dies jedoch sei, so Merkel, ein "Irrtum".

Ein Blick in schwer getroffene Nachbarländer zeige, "was leicht hätte sein können". In europäischen Ländern wie Spanien, Großbritannien, Italien oder Frankreich sind die Todeszahlen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion deutlich höher als in Deutschland. Hierzulande lebten die Menschen seit dem 23. März unter den Bedingungen des Pandemie-Ernstfalls. In Teilen der Gesellschaft haben die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungswelle zeitweise erheblich an Rückhalt und Unterstützung verloren.

Das Lagebild, das sich aus den einzelnen Pandemie-Parametern ergibt, zeigt selbst den Experten nur eine Momentaufnahme. Das tatsächliche Infektionsgeschehen ist darin nur eingeschränkt und mit der beschriebenen zeitlichen Verzögerung zu erkennen. Als wichtigste Gegenmaßnahmen pocht das RKI weiterhin auf die frühzeitige Entdeckung und Isolierung aller infizierten Personen, die strikte Quarantäne aller betroffenen Kontaktpersonen sowie die soziale Distanzierung in der übrigen Bevölkerung.

Nur auf diese Weise, sagen die Experten könne die "Infektionsketten" unterbrochen werden und die weitere Ausbreitung des Virus eingedämmt werden. Das Robert Koch-Institut empfiehlt dazu mittlerweile auch eine Ausweitung der Coronavirus-Tests. Auch bei leichten Symptomen solle sofort getestet werden, je früher desto besser, wie RKI-Präsident Lothar Wieler Anfang Mai erklärte. Eine generelle Testung der Bevölkerung ohne Symptome sei jedoch nicht ratsam.

Abhängig von der Situation sei es aber sinnvoll, Risikogruppen durch häufigere Tests besser zu schützen - zum Beispiel in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Denn Infizierte könnten das Virus ausscheiden, bevor sie Symptome spürten.

Dass die Fallzahlen bei ntv.de am Abend in der Regel über den vom RKI ausgewiesenen Werten liegen, hat leicht nachvollziehbare Gründe: Bei der Auswertung der Datenlage greift ntv.de auf die Angaben der Gesundheitsbehörden und Ministerien der Länder zurück. Dort werden die Zahlen - unabhängig von den formellen Meldewegen des Infektionsschutzgesetzes - im Tagesverlauf aktualisiert und erreichen die Öffentlichkeit so schneller als über die amtliche RKI-Statistik.

Diese Angaben wertet ntv.de aus, gleicht sie mit den Zahlen des RKI ab und bezieht im Fall aktueller Entwicklungen auch einzelne Mitteilungen von Landesregierungen oder Ministerien mit ein. Auf dieser Basis entsteht ein aktuelles Gesamtbild, das die tagesaktuelle Entwicklung schneller abbildet als die Veröffentlichungen des RKI.

Ausschlaggebend für die medizinische und politische Beurteilung der Lage sind jedoch allein die amtlich bestätigten RKI-Zahlen. Dort werden die täglich bis Mitternacht eingehenden Meldungen überprüft und, so weit möglich, den jeweiligen Vortagen zugeordnet.

Im RKI ist man sich sehr wohl bewusst, dass es auf dem Weg vom Gesundheitsamt vor Ort bis nach Berlin Verzögerungen gibt, insbesondere an und nach den Wochenenden. Die Experten dort gehen aber davon aus, dass es sich lediglich um einen zeitlichen Verzug handelt, der allein der Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Meldeverfahren geschuldet ist.

In der Datenübersicht bei ntv.de ergibt sich die Angabe der "aktuell Infizierten" aus der Summe der über den gesamten Zeitverlauf bestätigten Infektionen abzüglich der Anzahl der Verstorbenen und der Menge jener Personen, die ihre Erkrankung als geheilt und nicht mehr ansteckend überstanden haben. Wenn Bundesländer eigene Schätzungen zur Zahl der Genesenen veröffentlichen, werden diese Daten berücksichtigt. Dies ist derzeit bei 14 der 16 Bundesländer der Fall.

Die beiden Ausnahmen stellen Hessen und Schleswig-Holstein. Dort übernehmen die Behörden die aus Berlin für ihr Land ermittelte Schätzung, während die übrigen Länder bei der Schätzung per RKI-Methode auf einen jeweils niedrigeren Wert kommen als das Robert Koch-Institut selbst. Das RKI stellt seit 22. März auch eine eigene amtliche Schätzung zur Gesamtzahl der Genesenen in Deutschland zur Verfügung.

Für Länder wie zum Beispiel China oder Südkorea liegen dazu detaillierte Angaben vor, was wichtige Hinweise zum tatsächlichen Stand des Infektionsgeschehens ermöglicht. In Deutschland dagegen werden die geheilten Covid-19-Patienten in der amtlichen Statistik nicht zentral erfasst.

"Daten darüber, ob ein Patient wieder genesen ist, werden nicht offiziell erhoben", heißt es dazu beim RKI. "Die Erhebung ist auch nicht gesetzlich vorgesehen. Das würde die ohnehin knappen Ressourcen unnötigerweise belasten, da sie dafür jeden Fall über Wochen verfolgen müssten und daraus keine weiteren Maßnahmen erfolgen."

Umfangreichere Daten zur Anzahl der Genesenen und Geheilten gibt es aus den meisten Bundesländern bisher überdies nur für die klinisch erfassten Fälle. Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, sich aber mit milden Symptomen zu Hause in Quarantäne befinden, werden nach Ablauf der Isolationsfrist bisher nicht an das RKI gemeldet. Sie gelten in den Schätzungen bisher nach 14 Tagen als genesen.

Für die Darstellung in Karten und Infografiken zur Lage außerhalb Deutschlands wertet ntv.de neben den Zahlen des RKI und den offiziell gemeldeten Fällen der Landesbehörden auch überregionale Datenbestände aus.

Die aktuellen Fallzahlen aus China und den übrigen Teilen der Welt etwa verzeichnet unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO. Auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), eine Agentur der EU, sowie das US-Pendant CDC bieten jeweils eigene Überblicke zur Verbreitung des neuen Coronavirus.

Hinweis: Karten, Daten und Infografiken werden weiterhin regelmäßig aktualisiert. Abweichungen zu älteren Angaben im Text sind möglich.

Die breite Öffentlichkeit steht den Risiken der Coronavirus-Pandemie nicht hilflos gegenüber: Mediziner raten grundsätzlich zur generellen Vorsorge - unabhängig vom individuellen Risiko. Wer die gängigen Hygieneratschläge beachte, heißt es, könne sich gleichermaßen vor einer Ansteckung mit der Grippe, dem Coronavirus und nahezu allen anderen ansteckenden Viren-Infektionen schützen.

Dazu zählen Gesundheitsexperten vor allem einfache Maßnahmen, die ohne aufwendige Desinfektionsmittel oder andere Vorkehrungen auskommen: Schon das regelmäßige Händewaschen, ausreichende Belüftung und die sogenannte Husten- und Nies-Etikette, heißt es, können das generelle Ansteckungsrisiko erheblich verringern.

Quelle: ntv.de, mit Material von dpa, rts und AFP