Infografik

Epidemie-Lage in Deutschland Alle Daten, alle Fakten zum Coronavirus

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Belastungsprobe für das Gesundheitssystem: Wie gut kann Deutschland mit dem Coronavirus-Ausbruch umgehen?

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Ansteckungswelle setzt sich ungebremst fort. Anzeichen einer Abschwächung sind nicht in Sicht. Ungewöhnlich früh in der Woche melden die Länder einen neuen Höchstwert mit mehr als 12.900 Fällen. Die aktuelle Lage im Überblick.

Die kalte Jahreszeit hat mit frostigen Temperaturen hat noch nicht einmal begonnen, und dennoch sieht sich Deutschland mit einem massiven und beinahe flächendeckenden Coronavirus-Ausbruch konfrontiert. Knapp sieben Monate nach dem Höhepunkt der ersten Ansteckungswelle in Deutschland drängt sich die Pandemie mit aller Macht zurück in das tägliche Leben. Noch bleibt die Zahl der schweren und schwersten Krankheitsverläufe deutlich unter dem Niveau des Frühjahrs.

Hinweis: Karten und Infografiken werden laufend aktualisiert.

In den von ntv.de ausgewerteten Meldedaten der Bundesländer ist die Gesamtzahl der seit Beginn der Coronavirus-Pandemie nachgewiesenen Infektionen bis Dienstagabend auf 455.959 gestiegen. Das sind 12.929 neu gemeldete Fälle mehr als am Vorabend - und so viele binnen eines Tages wie noch nie zuvor seit Beginn der Pandemie in Deutschland.

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Damit erreichen die Fallzahlen ungewöhnlich früh in der Woche einen neuen Höchstwert. Zu Wochenbeginn waren 11.012 neue Fälle hinzugekommen. Am Sonntag waren es 9432 Neuinfektionen. Der bisher höchste verzeichnete Tageszuwachs ist erst wenige Tage alt: Im Lauf des Samstags hatten die Länderbehörden in der Summe insgesamt 12.754 Neuinfektionen gemeldet. Üblicherweise steigt das Meldeaufkommen in der zweiten Wochenhälfte deutlich an.

Deutschland sieht sich mit einem Infektionsgeschehen konfrontiert, dass in einigen Regionen außer Kontrolle zu geraten droht. Schon jetzt sind die Fallzahlen nicht mehr weit von jenem Niveau im fünfstelligen Bereich entfernt, vor dem Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende September in einer viel beachteten Beispielrechnung gewarnt hatte - falls nicht rasch Gegenmaßnahmen getroffen würden. Wenige Wochen später stehen alle Warnsignale auf Rot: Die Zahl der Covid-19-Patienten in den Kliniken steigt, das Durchschnittsalter der Infizierten bewegt sich nach oben, immer mehr Regionen müssen die Corona-Auflagen verschärfen.

Um nachzusteuern und einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen zu verhindern, ruft Merkel dem Vernehmen nach in immer dringlicheren Tönen dazu auf, mehr zur Eindämmung des Erregers zu unternehmen. In einer Bund-Länder-Schaltkonferenz mit den Regierenden aus allen 16 Bundesländern will die Kanzlerin erneut dafür werben, den drohenden Kontrollverlust im Ansteckungsgeschehen durch neue Kontaktbeschränkungen zu verhindern. Wirtschaftsminister Peter Altmaier geht davon aus, dass Deutschland schon Ende der Woche 20.000 Neuinfektionen am Tag verzeichnen wird.

Unabhängig von diesen kurzfristigen Meldeproblemen sieht sich Deutschland bereits die vierte Woche in Folge mit einem rapiden Anstieg der Neuansteckungen konfrontiert. Merkel geht früheren Angaben davon aus, dass mindestens bis Februar in Deutschland keine größeren Veranstaltungen - drinnen oder draußen - mehr möglich sein werden.

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Wie ntv aus Regierungskreisen erfuhr, will sich die Kanzlerin bei der nächsten Corona-Krisenrunde am Mittwoch für "eine drastische Beschränkung der sozialen Kontakte" einsetzen, sollten die Infektionszahlen weiterhin so schnell steigen. Demnach könnte ein "Social Lockdown" beschlossen werden, bei dem Schulen und Kitas anders als im Frühjahr weiter geöffnet bleiben sollen.

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) blickt mit großer Sorge auf die aktuellen Kennzahlen zur Pandemie-Entwicklung: Die Lage sei "sehr ernst", hatte RKI-Chef Lothar Wieler am vergangenen Donnerstag erklärt. Es bestehe jedoch die Chance, die weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, betonte er. "Wir sind nicht machtlos", sagte Wieler mit Blick auf das Verhalten und die Einsicht der Bürger. Es müssten sich mehr Menschen an die sogenannten AHA-plus-L-Regeln halten.

Das RKI warnt seit Wochen vor einer "zunehmenden Beschleunigung der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland". Die Experte appellieren "dringend" an die Öffentlichkeit, "dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert." Denn die Fallzahlen steigen inzwischen schon seit Anfang September, und sie täten das laut Wieler nun "immer schneller". Es sei ein "sehr dynamisches Geschehen". Momentan seien noch immer eher jüngere Menschen betroffen, sagte der RKI-Präsident. Es gebe deshalb mehr leichte Erkrankungen.

Es steige aber der Anteil bei älteren Menschen; auch die Zahl der Covid-19-Patienten in Krankenhäusern wachse, wie Wieler betonte. Die Zahl der Patienten auf Intensivstationen habe sich innerhalb von zwei Wochen verdoppelt. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahl der schweren Fälle zunimmt." Die Gesamtzahl der Menschen, die laut amtlicher Statistik in Deutschland im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben sind, stieg am Dienstag um 48 weitere Fälle (Vortag: +35) auf insgesamt 10.121 verstorbene Personen.

Am vergangenen Dienstag hatte die Zahl der neu gemeldeten Corona-Toten mit 56 den höchsten Tageswert seit Ende Mai erreicht. Die zuletzt sichtlich erhöhten Zahlen mit deutlich zweistelligen Zuwächsen bestätigen die Befürchtungen, dass sich die Auswirkungen des erweiterten Infektionsgeschehens auch wieder in den Todesfallstatistiken zeigen wird.

Das RKI warnt seit Wochen klar und deutlich vor einer absehbaren Entwicklung: Da ältere Covid-19-Patienten "häufiger einen schweren Verlauf" aufwiesen, steige "ebenso die Anzahl an schweren Fällen und Todesfällen". Ein weiterer Anstieg bei den Todesfällen könnte demnach nur vermieden werden, "wenn wir mit Hilfe der Infektionsschutzmaßnahmen die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus verhindern".

Wie ernst die Lage aus der Sicht der Experten ist, zeigten vergangene auch bislang fast undenkbare Überlegungen, die seit Mitte Oktober offen diskutiert werden. RKI-Chef Wieler zog öffentlich die etwaig erforderliche Abriegelung von Risikogebieten in Betracht. In Bayern war als erste Region in Deutschland im Herbst das Berchtesgadener Land von einer solchen Maßnahme betroffen.

"Wir müssen aufpassen, dass wir die Kontrolle über das Geschehen behalten und die Zahlen in den Griff bekommen", hieß es. RKI-Chef Wieler ging bei seinen Erläuterungen zur Lage unter anderem auch auf die neuesten Erkenntnisse zu den häufigsten Ansteckungsorten ein. Ein Großteil des aktuellen Infektionsgeschehens spielt sich demnach im privaten Umfeld ab.

Als wichtigen Bereich für die aktuellen Ausbrüche erwähnte Wieler vor allem den Einfluss privater Feiern auf das Infektionsgeschehen. Dort wo Menschen zusammen kommen und eine starke Interaktion etwa durch lautes Sprechen oder Lachen stattfinde, sei das Ansteckungsrisiko höher, sagte er. Deshalb spielten andere Bereiche des öffentlichen Lebens, wo weniger Interaktion stattfinde, bei den Infektionen nur eine geringere Rolle.

Ansteckungen im öffentlichen Nahverkehr, bei Übernachtungen in Hotels oder auf Reisen in der Bahn seien bisher kaum zu beobachten, erklärte er. In privaten Haushalten dagegen nehme die Anzahl der Ausbrüche deutlich zu. "Ansteckungen in Schulen (...) sind zwar bisher nicht sehr häufig und wesentlich seltener, als wir das zum Beispiel von Influenzaausbrüchen kennen, aber klar ist, je stärker die Fallzahlen steigen, desto höher werden auch Schulen betroffen sein."

Die Anzeichen für eine erhebliche Verschlechterung der Gesamtsituation sind nicht mehr zu übersehen: Das Virus breitet sich derzeit "diffus" in allen Gesellschaftsschichten aus. Überall im Land steigt das Fallaufkommen an. In Bayern, Berlin, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über der bundesweiten Gesamtinzidenz.

In ihrem wöchentlichen Podcast wiederholte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonnabend ihre eindringlichen Appelle an die Bürger, sich an die Corona-Regeln zu halten und zur Eindämmung der Pandemie beizutragen: "Das Gebot der Stunde heißt für uns alle: Kontakte reduzieren, viel weniger Menschen treffen."

Das, was sie letzte Woche gesagt habe, gelte noch "Wort für Wort", sagte sie und leitete damit über zu einer Wiederholung der Aufzeichnung von vergangenem Samstag, als sie erklärt hatte: "Wir müssen jetzt alles tun, damit das Virus sich nicht unkontrolliert ausbreitet. Dabei zählt jetzt jeder Tag. (...) Ich bitte Sie: Verzichten Sie auf jede Reise, die nicht wirklich zwingend notwendig ist, auf jede Feier, die nicht wirklich zwingend notwendig ist. Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause, an Ihrem Wohnort."

Auch wenn das im Einzelfall nicht nur hart sei, sondern einen schweren Verzicht darstelle, gebe es laut Merkel keine andere Wahl, denn: "Wir müssen (diesen Verzicht) nur zeitweilig leisten und wir leisten ihn letztlich für uns selbst: Für die eigene Gesundheit und die all derer, denen wir eine Erkrankung ersparen können. Dafür, dass unser Gesundheitswesen nicht überfordert wird, dass die Schulen und Kitas unserer Kinder geöffnet bleiben. Für unsere Wirtschaft und unsere Arbeitsplätze."

Mit dem aktuellen Anstieg haben die Fallzahlen im Herbst die bisherigen Höchstwerte aus dem Frühjahr, als allerdings noch deutlich weniger getestet wurde, bereits weit übertroffen: Anfang April lag die Masse der aus den Ländern gemeldeten Corona-Fälle nur an einem einzigen Tag über 6000. Damals, am 2. April hatten die Behörden der Bundesländer in der Summe 6494 Neuinfektionen verzeichnet. Kurz darauf schwächten sich die Zahlen wieder ab. Allerdings waren damals die am 23. März verschärften Corona-Auflagen bereits seit gut eineinhalb Wochen in Kraft.

Kommen die jüngst beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens diesmal zu spät? Lässt sich der weitere Anstieg der Fallzahlen überhaupt noch aufhalten? Beim Anfang Oktober im Kanzleramt einberufenen Corona-Gipfel zur Neuausrichtung der deutschen Pandemie-Abwehr konnten Bund und Länder in Einzelfragen wie etwa dem umstrittenen Beherbergungsverbot keine Einigung erzielen.

Beschlossen wurden angesichts der sich abzeichnenden Lage "erhebliche Einschränkungen", wie Merkel nach mehr als achtstündigen Beratungen des jüngsten Corona-Gipfels am mitteilte. "Was wir jetzt tun und nicht tun, wird entscheidend sein für die Frage, wie wir durch diese Pandemie kommen." Deutschland sei "bereits in der exponentiellen Phase" der Pandemieausbreitung, warnte Merkel.

Zugleich erläuterte sie das neue Maßnahmenbündel, das sich anders als bei einigen europäischen Nachbarstaaten ausschließlich am amtlich erfassten Fallaufkommen orientiert. Gemessen wird das Fallaufkommen in den Regionen an der so genannten Sieben-Tage-Inzidenz, also der Anzahl der Coronavirus-Fälle vor Ort aus dem Zeitraum der zurückliegenden sieben Tage, der Vergleichbarkeit halber bezogen auf 100.000 Einwohner.

Die neuen Kontaktbeschränkungen sollen laut Merkel greifen, wenn dieser Inzidenzwert die Schwelle von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschreitet. Die Warnschwelle liegt bei einem Wert von 35. Bewegt sich eine Region für mehr als zehn Tage über der Obergrenze von 50, greift dem jüngsten Bund-Länder-Beschluss eine Art Notbremse: Dann seien, so heißt es in der Vereinbarung aus dem Kanzleramt, "weitere gezielte Beschränkungsschritte unvermeidlich".

Die Kanzlerin verwies auf die enormen Belastungen der Corona-Krise für Bevölkerung, Wirtschaft, öffentliches Leben und auch für die Staatsfinanzen. In diesem Jahr mussten ihren Worten zufolge bereits 250 Milliarden Euro neue Schulden aufgenommen werden. "Und deshalb können wir uns auch ökonomisch eine zweite Welle, wie wir sie im Frühjahr hatten, mit solchen Folgen nicht leisten." Es müsse alles getan werden, um die Infektionszahlen im Griff zu behalten und die Kontakte nachzuvollziehen.

Am 15. Oktober trat zudem die neue "Nationale Teststrategie" in Kraft, die unter anderem auch den verstärkten Einsatz von schnelleren und günstigeren Antigentests vorsieht. Mit Blick auf den rasch anwachsenden Bedarf an Corona-Tests sollen damit drohende Engpässe in den Laboren vermieden werden. Zuletzt war der gemeldete Probenrückstau wieder stark angestiegen.

Merkel sah nach dem jüngsten Bund-Länder-Gipfel offenbar noch Handlungsbedarf, auch deshalb ist für diese Woche bereits das nächste Treffen angesetzt. "Die Ansagen von uns sind nicht hart genug, um das Unheil von uns abzuwenden", soll sie beim letzten Treffen erklärt haben. Und prophezeite schon damals: Mit den nun festgelegten Maßnahmen würden Bund und Länder "in zwei Wochen eben wieder hier" sitzen. Nun wird gerade einmal eine Woche zwischen den Krisengipfeln liegen.

"Es reicht einfach nicht, was wir hier machen." Die Grundstimmung sei, dass sich jedes Land ein kleines Schlupfloch suche. "Das ist das, was mich bekümmert. Und die Liste der Gesundheitsämter, die es nicht schafft, wird immer länger." Bereits im Vorfeld hatte Merkel von "entscheidenden Tagen" gesprochen, in denen sich zeige, "ob wir die Pandemie in Deutschland unter Kontrolle halten können, so wie uns das jetzt ja monatelang gelungen ist - oder ob uns diese Kontrolle entgleitet".

Corona-Tests: Der Anteil positiver Befunde

Die Auswertung der übermittelten Meldedaten liefert den Epidemiologen wertvolle Hinweise zu möglichen Verbreitungswegen des Virus. Die aktuellen Testzahlen zeigen für die Kalenderwoche 42 einen neuerlichen deutlichen Anstieg der Positivenquote (aktuell: 3,62 Prozent, Vorwoche: 2,48 Prozent). Zudem wuchs der von den Labors gemeldete Probenrückstau auf über 20.000 Tests an, die aufgrund mangelnder Kapazitäten noch nicht bearbeitet werden konnten.

Zugleich blieb die Anzahl der durchgeführten Tests im Vergleich zur Vorwoche weitgehend stabil. Der Anstieg der bestätigten Infektionsfälle lässt sich damit nicht mit einer höheren Test-Anzahl erklären. Der Anteil der positiven Resultate an der Gesamtzahl der durchgeführten Corona-Tests beunruhigt auch das RKI. Nach Angaben von RKI-Chef Wieler lag die Positivenquote zu Beginn der Pandemie bei rund neun Prozent und sank im Sommer zeitweise bis auf rund ein Prozent ab.

Die Lage in den Kliniken laut DIVI-Register

Daten des Deutschen Intensivregisters (DIVI) liefern verschiedene Anhaltspunkte zur Lage in den deutschen Krankenhäusern. In den Zahlen zeichnet sich ein leichter Anstieg bei den intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten ab.

Ein freies Bett auf der Intensivstation garantiert dabei noch lange nicht die optimale Versorgung: Schon die Belegung mit wenigen Covid-19-Fällen kann ausreichen, das ohnehin bereits belastete Personal an die Kapazitätsgrenze zu bringen. Allein aufgrund der erforderlichen Schutzmaßnahmen für Fachkräfte und die übrigen Patienten im Krankenhaus ist die Betreuung sehr viel aufwändiger als im Regelbetrieb.

In den Krankenhäusern müssen sich die Planer und das medizinische Personal auf schwere Zeiten einstellen. "Die Zahl der intensivmedizinisch Behandelten hat seit Ende September leicht zugenommen, dieser Anstieg hat sich in den letzten Tagen etwas beschleunigt", heißt es im RKI-Lagebericht.

Bundesweit hat sich die Zahl der Corona-Fälle auf den Intensivstationen in den vier Wochen bis Mitte Oktober mehr als verdoppelt. Im Vergleich zur Lage im Frühjahr befinden sich jedoch weiterhin sehr viel weniger Covid-Patienten mit schweren Krankheitsverläufen in Behandlung, damals waren phasenweise mehr als 2500 Intensivbetten mit Covid-Fällen belegt. Und: Das Wissen und die Erfahrung der Mediziner im Umgang mit Betroffen wächst weiterhin von Tag zu Tag.

Das Robert-Koch-Institut spricht mit Blick auf die Lage unverändert von einem "beschleunigten Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung ". Die Experten appellieren "dringend" an die Öffentlichkeit, sich "für den Infektionsschutz zu engagieren", also die Abstandsregeln einzuhalten, die Hygieneempfehlungen zu beachten und in den gebotenen Situationen eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen sowie geschlossene Räume regelmäßig zu lüften.

Die Warnungen scheinen berechtigt: Die Zahl der Regionen, die den kritischen Grenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschreiten, ist laut RKI-Daten zufolge am Dienstag auf 285 gestiegen - noch nie zuvor lagen so viele der 412 Regionen in Deutschland gleichzeitig über der Obergrenze. Von diesen 285 Regionen überschreiten 113 sogar einen Sieben-Tage-Inzidenz-Wert von 100. Acht Regionen überschreiten sogar den Wert von 200.

Der "beschleunigte Anstieg" bei den gemeldeten Coronavirus-Infektionen bereitet den Experten in Bund und Ländern schon länger ernste Sorgen. Das Szenario, vor dem RKI-Chef Wieler vor Medienvertretern am 8. Oktober gewarnt hatte, es sei "möglich, dass wir mehr als zehntausend neue Fälle pro Tag sehen und dass sich das Virus unkontrolliert verbreitet", ist zumindest in Bezug auf die Fallzahlhöhe bereits eingetreten.

Auch Gesundheitsminister Spahn zeigte sich auf jener Pressekonferenz besorgt und rief eindringlich zur Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln sowie der neueren Handlungsempfehlungen wie das regelmäßige Lüften geschlossener Räume auf: "Wenn 80 Millionen mitmachen, sinken die Chancen des Virus gewaltig."

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland mittlerweile längst nicht mehr so gut ab wie noch im Spätsommer. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz hat Wochen nach den Nachbarländern ebenfalls die Alarmschwelle überschritten und liegt derzeit bei 87 (RKI-Berechnung). In den Daten auf europaweit vergleichbarer Basis bewegt sich Deutschland bereits seit Anfang der Woche über dieser Marke. Ganz Europa steckt Monate nach der ersten Welle wieder bis zum Hals in der Pandemie-Krise. Rapide steigende Fallzahlen melden die Behörden auch aus den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, Polen, Tschechien und selbst aus Schweden.

Damit zeichnet sich ab, dass die kommenden Monate wohl alles andere als einfach werden: Die kühlere Jahreszeit hat gerade erst begonnen. Mit Blick auf den anstehenden Winter warnte Merkel Anfang Oktober bereits offen vor Verhältnissen wie in Frankreich. Dort wurden zeitweise mehr als 52.000 neue Fälle pro Tag gemeldet. Unter dem Eindruck der erkennbaren Dynamik im Infektionsgeschehen hält Merkel solche Zahlen mittelfristig auch in Deutschland für möglich. In einer viel beachteten Beispielrechnung warnte sie vor deutlich fünfstelligen Tageszuwächsen bei den Neuinfektionen bis Weihnachten. Die jüngsten Entwicklungen müssten unbedingt durchbrochen werden, betonte sie.

Vor diesem Hintergrund hatten sich Bund und Länder Anfang Oktober auf erweiterte Regelungen im Kampf gegen die Pandemie. So sollen Falschangaben in Restaurants bestraft und Feiern begrenzt werden. Ob und wie genau die Maßnahmen durchgesetzt und kontrolliert werden können, ist aber weiter umstritten. "Ein Shutdown für das ganze Land muss unbedingt verhindert werden", erklärte Merkel. Der Betrieb in der Wirtschaft, in den Schulen und den Kitas sollten möglichst ungehindert weiter laufen.

Die verschärfte Pandemie-Dynamik im europäischen Ausland verheißt für eine so zentral gelegene und eng über alle Grenzen hinweg verknüpfte Nation wie Deutschland nichts Gutes. Abgesehen vom möglichen Ansteckungsrisiko im Ausland ist zudem auch offensichtlich, dass das Virus längst auch im Inland innerhalb der Bevölkerung kursiert und sich wieder mehr ältere Personen infizieren. "Wenn sich wieder vermehrt ältere Menschen anstecken, werden wieder mehr schwere Fälle und Todesfälle auftreten", warnt das RKI.

Anders als in der Frühphase der Pandemie blieben die Klinikquoten und die Anzahl der täglich gemeldeten Todesfälle in Europa während des Sommers auffallend niedrig. Die sogenannte Fall/Verstorbenen-Quote, die den Anteil der tödlichen Covid-19-Verläufe an der Gesamtzahl der Infektionsfälle angibt, ist in den letzten Monaten deutlich gesunken. Zuletzt lag diese Kennzahl in Deutschland insgesamt bei 2,2 Prozent - was im internationalen Vergleich einer beachtlich niedrigen Quote entspricht. In der Spitze hatte Deutschland Werte von rund sieben Prozent erreicht.

Aus der Sicht des Robert-Koch-Instituts gibt es für den auffälligen Rückgang eine einfache Erklärung: "Erstens ist das durchschnittliche Alter der Fälle seit der ersten Hochphase im April deutlich gesunken. Jüngere Menschen haben ein durchschnittlich geringeres Risiko als ältere Menschen, nach einer Sars-CoV-2-Infektion einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln und zu versterben." Zweitens seien auch die Testkapazitäten deutlich erweitert worden.

"Es werden zunehmend nicht nur Menschen getestet, die entweder durch die Schwere der Symptomatik auffielen oder im Umfeld eines schwer verlaufenden Falls dem Virus ausgesetzt waren", erläutern die RKI-Experten. Damit werden nun naturgemäß auch mehr Infizierte und Erkrankte identifiziert.

Auch in den höheren Altersgruppen werden dabei mehr Menschen getestet und zunehmend dadurch auch Fälle entdeckt. Der Anteil Verstorbener an den Klinikfällen sowie an den Fällen, bei denen eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich war, sei dagegen relativ stabil geblieben.

Hinweise für eine Veränderung des Virus - wie etwa eine abnehmende Infektiösität oder geringere Aggressivität - gibt es nach Einschätzung des RKI weiterhin nicht. Dies sei "unwahrscheinlich", weshalb die Experten warnen: "Die therapeutischen Möglichkeiten bei einem schweren Krankheitsverlauf sind weiterhin begrenzt. (...) Bei stärkerer Verbreitung in höheren Altersgruppen muss weiterhin mit vermehrten schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen gerechnet werden". Die Eindämmung des Erregers ist demnach die "einzige Möglichkeit (...), schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu vermeiden".

Seit der vorvergangenen Woche zeigt sich in den Daten des RKI zudem ein leichter Anstieg des Anteils Infizierter in den höheren Altersgruppen. Das Durchschnittsalter der neu erfassten Betroffenen bewegt sich nach dem sommerlichen Tief wieder nach oben. Mitte August lag dieser Wert noch bei rund 32 Jahren. In der letzten Woche stieg das Alter der Infizierten im Mittel auf 40 Jahre an (Stand: KW 43). Das heißt: Unter den Infizierten befinden sich auch wieder mehr Personen im höheren Alter.

Das Übergreifen der aktuellen Infektionen auf die älteren Bevölkerungsschichten in Deutschland kann nach Einschätzung des RKI nur verhindert werden, "wenn sich die gesamte Bevölkerung weiterhin im Sinne des Infektionsschutzes engagiert, zum Beispiel indem sie Abstands- und Hygieneregeln konsequent - auch im Freien - einhält, Innenräume lüftet und, wo geboten, eine Mund-Nasen-Bedeckung korrekt trägt. Menschenansammlungen - besonders in Innenräumen - sollten möglichst gemieden und Feiern auf den engsten Familien- und Freundeskreis beschränkt bleiben."

"Nach wie vor gibt es keine zugelassenen Impfstoffe", warnt das RKI. Die Therapie schwerer Krankheitsverläufe sei "komplex und langwierig". Inzwischen hat die kühlere Jahreszeit begonnen, in der sich wieder mehr Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten. Die verschiedenen Entwicklungen und Vorfälle der vergangenen Wochen führen vor Augen, wie rasch es unter Corona-Bedingungen zu neuen Ausbrüchen kommen kann.

Ansteckungsrate: Die beiden R-Werte des RKI

Der jüngste Anstieg der Fallzahlen spiegelt sich auch in den Bewegungen der bundesweiten Ansteckungsrate wider. Die beiden vom RKI ermittelten R-Werte - also die einfache Reproduktionszahl R und die etwas stabilere Variante, das 7-Tage-R - zeigen die Anzahl der Personen an, die im Durchschnitt von einem Fall angesteckt werden.

Für die Berechnung dieser beiden komplexen Kennziffern gibt es gute Gründe: Die vom RKI veröffentlichten Meldedaten aus den Gesundheitsämtern sagen zunächst wenig über das tatsächliche Infektionsgeschehen aus, da es in den einzelnen Fällen unterschiedlich lange dauern kann, bis es nach dem Erkrankungsbeginn zu einer Covid-19-Diagnose, zur Meldung und schließlich zur gesetzlich vorgeschriebenen Übermittlung der Daten ans RKI kommt.

Sobald es um die Frage geht, wann genau sich die Betroffenen angesteckt haben, sind die Meldedaten selbst demnach keine große Hilfe. Um ein klareres Bild von der Entwicklung zu bekommen versucht das RKI daher, die tatsächliche Entwicklung draußen im Land anhand eines speziellen Schätzverfahrens, das sogenannte Nowcasting, zu ermitteln.

Ziel ist es, anhand aller vorliegenden Hinweise zu den einzelnen Infektionsfällen vom jeweiligen Meldedatum aus anhand der übermittelten Zusatzinformationen auf den wahrscheinlichen Erkrankungsbeginn zurückzurechnen. Der eigentliche Moment der Ansteckung dürfte, so die Überlegung, im Schnitt noch einmal etwa vier Tage davor liegen.

Da die jüngsten Meldezahlen in der Regel noch nicht vollständig sind und erst in den kommenden Tagen durch Nachmeldungen vervollständigt werden, spart das RKI-Verfahren die aktuell zurückliegenden vier Tage zunächst aus. Im Prinzip wird dann die Anzahl der ermittelten Fälle aus einem früheren Viertageszeitraum mit der Anzahl der ermittelten Neuinfektionen aus dem späteren Viertageszeitraum ins Verhältnis gesetzt.

Damit beruht dieses sogenannte 4-Tage-R auf einer ausführlich dokumentierten Methode, hat aber einen gewichtigen Nachteil: Dieser Schätzwert zeigt ein Infektionsgeschehen, das bereits etwa eine bis zwei Wochen in der Vergangenheit liegt.

Bei einem R-Wert unter 1,0 geht das RKI davon aus, dass jeder Infizierte im Schnitt weniger als eine weitere Person ansteckt, die Fallzahlen also insgesamt zurückgehen und die exponentielle Ausbreitung des Virus verhindert werden kann. Ein Wert über 1,0 ist vor allem dann problematisch, wenn sich die Zahl der Neuinfektionen zugleich auch wieder auf einem höheren Niveau bewegt.

So würde ein Wert von 1,09 zum Beispiel darauf hinweisen, dass jeder Infizierte im Schnitt wieder mehr als eine weitere Person ansteckt. Oder, um ein anderes gängiges Rechenbeispiel zu verwenden: Jeweils 100 Infizierte würden in diesem Szenario insgesamt 109 weitere Menschen anstecken. Die Masse der zu erfassenden Kontaktpersonen würde entsprechend anschwellen. Bis zu einer überregionalen Ausbreitung wäre es dann schon nach wenigen Tagen kein großer Schritt mehr.

Ein Anstieg der beiden Ansteckungsraten kann somit im Zusammenhang mit weiteren Kennzahlen darauf hindeuten, dass es Probleme bei der erhofften Eindämmung des Erregers gibt. Allerdings weist das RKI ausdrücklich darauf hin, dass bei insgesamt niedrigen Fallzahlen schon einzelne lokale Ausbrüche stärkere Ausschläge bei der Ansteckungsrate auslösen können. Zudem werde die "Dynamik der verschiedenen Ausbruchgeschehen" zum Teil auch durch die eingeleiteten Reihentestungen vor Ort beeinflusst - schlicht, weil damit binnen kurzer Zeit viele neue Fälle nachgewiesen werden, die ansonsten aller Wahrscheinlichkeit über mehrere Tage verteilt in der Statistik sichtbar geworden wären. Im Fall Tönnies zum Beispiel lagen binnen weniger Tage positive Testergebnisse von mehreren hundert Betroffenen vor.

Klar ist, dass unter den Bedingungen weiter schwelender Ansteckungsherde im Land jede größere Menschenansammlung - und theoretisch auch jede Nachlässigkeit im Umgang mit der Infektionsgefahr - dazu beitragen kann, dass sich der Erreger erneut ausbreiten kann. Die Öffentlichkeit muss sich auf dauerhaft geltende Vorsichtsmaßnahmen einstellen. Selbst wenn es gelingen sollte, überregionale Ansteckungswellen zu verhindern, dürfte es mit dem zunehmenden Austausch und internationalen Kontakten immer wieder zu neuen Infektionsereignissen kommen.

*Datenschutz

Solange es weder lebensrettende Medikamente für schwer erkrankte Covid-19-Patienten gibt noch einen verlässlichen Impfstoff, bleiben einfache Maßnahmen wie das Distanzgebot, die Maskenpflicht, die allgemeinen Hygieneregeln, die Vermeidung größerer Menschenansammlungen und das regelmäßige Lüften das einzige wirksame Mittel zur Vermeidung einer neuen Ansteckungswelle. Das Vorgehen bei lokal begrenzten Ausbrüche folgt in Deutschland weiterhin den Vorgaben des Infektionsschutzes. Unter der Leitung der zuständigen Gesundheitsämter vor Ort wird dabei versucht, eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern und mögliche Übertragungswege zu unterbrechen.

Dazu werden in Deutschland Infizierte und Verdachtsfälle isoliert sowie möglichst rasch auch alle Kontaktpersonen ermittelt. Die Gesundheitsämter ermitteln zusätzliche Informationen, bewerten den Fall und leiten die notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen ein. Bei Bedarf stehen Teams des Robert Koch-Instituts zur Verfügung, um vor Ort bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen zu helfen.

Das Coronavirus war in Deutschland auch im Frühsommer bestenfalls nur eingedämmt, aber noch lange nicht besiegt. Die verschiedenen lokalen Infektions-Vorfälle standen über Wochen hinweg in keinem erkennbaren Zusammenhang.

Allem Anschein nach reicht es für eine Ansteckung schon aus, wenn einzelne Infizierte - die mitunter keine Symptome zeigen und nicht ahnen können, dass sie bereits ansteckend sind - für eine gewisse Zeit zusammen mit anderen Menschen in Kontakt kommen.

Unverändert zutreffend sind Merkels Worte aus ihrer Pfingstansprache, als sie betont hatte: Die Deutschen hätten in den zurückliegenden Monaten nicht nur "viel geschafft", sondern: "Ich könnte auch sagen: Wir haben uns viel erspart. Unsere gemeinsame Leistung ist nämlich das, was bei uns glücklicherweise nicht eingetreten ist." Von Anfang an sei es darum gegangen, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, erklärte die Kanzlerin damals. Jeder einzelne Erkrankte sollte eine "angemessene und würdige Behandlung" erhalten. "Und auch das haben wir bis heute erreicht."

Schon damals hatte sie vor einem Trugschluss gewarnt, der während des Sommers auf Demonstrationen und in Argumentationen von Corona-Leugnern immer wieder vorgebracht wurde: "Mancher glaubt, weil das große massenhafte Leid nicht eingetreten ist, sei auch die Gefahr wohl nie so groß gewesen". Dies jedoch sei, so Merkel, ein "Irrtum". Ein Blick in schwer getroffene Nachbarländer zeige, "was leicht hätte sein können". In europäischen Ländern wie Spanien, Großbritannien, Italien oder Frankreich sind die Todeszahlen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion deutlich höher als in Deutschland.

Hierzulande leben die Menschen seit dem 23. März unter den Bedingungen des Pandemie-Ernstfalls. In Teilen der Gesellschaft haben die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungswelle zeitweise erheblich an Rückhalt und Unterstützung verloren.

Das Lagebild, das sich aus den einzelnen Pandemie-Parametern ergibt, zeigt selbst den Experten nur eine Momentaufnahme. Das tatsächliche Infektionsgeschehen ist darin nur eingeschränkt und mit der beschriebenen zeitlichen Verzögerung zu erkennen.

Als wichtigste Gegenmaßnahmen pocht das RKI weiterhin auf die frühzeitige Entdeckung und Isolierung aller infizierten Personen, die strikte Quarantäne aller betroffenen Kontaktpersonen sowie die soziale Distanzierung in der übrigen Bevölkerung.

Nur auf diese Weise, sagen die Experten könne die "Infektionsketten" unterbrochen werden und die weitere Ausbreitung des Virus eingedämmt werden. Das Robert Koch-Institut empfiehlt dazu mittlerweile auch eine Ausweitung der Coronavirus-Tests. Auch bei leichten Symptomen solle sofort getestet werden, je früher desto besser, wie RKI-Präsident Lothar Wieler Anfang Mai erklärte. Eine generelle Testung der Bevölkerung ohne Symptome sei jedoch nicht ratsam.

Abhängig von der Situation sei es aber sinnvoll, Risikogruppen durch häufigere Tests besser zu schützen - zum Beispiel in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Denn Infizierte könnten das Virus ausscheiden, bevor sie Symptome spürten.

Dass die Fallzahlen bei ntv.de am Abend in der Regel über den vom RKI ausgewiesenen Werten liegen, hat leicht nachvollziehbare Gründe: Bei der Auswertung der Datenlage greift ntv.de auf die Angaben der Gesundheitsbehörden und Ministerien der Länder zurück. Dort werden die Zahlen - unabhängig von den formellen Meldewegen des Infektionsschutzgesetzes - im Tagesverlauf aktualisiert und erreichen die Öffentlichkeit so schneller als über die amtliche RKI-Statistik.

Diese Angaben wertet ntv.de aus, gleicht sie mit den Zahlen des RKI ab und bezieht im Fall aktueller Entwicklungen auch einzelne Mitteilungen von Landesregierungen oder Ministerien mit ein. Auf dieser Basis entsteht ein aktuelles Gesamtbild, das die tagesaktuelle Entwicklung schneller abbildet als die Veröffentlichungen des RKI.

Ausschlaggebend für die medizinische und politische Beurteilung der Lage sind jedoch allein die amtlich bestätigten RKI-Zahlen. Dort werden die täglich bis Mitternacht eingehenden Meldungen überprüft und, so weit möglich, den jeweiligen Vortagen zugeordnet.

Im RKI ist man sich sehr wohl bewusst, dass es auf dem Weg vom Gesundheitsamt vor Ort bis nach Berlin Verzögerungen gibt, insbesondere an und nach den Wochenenden. Die Experten dort gehen aber davon aus, dass es sich lediglich um einen zeitlichen Verzug handelt, der allein der Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Meldeverfahren geschuldet ist.

In der Datenübersicht bei ntv.de ergibt sich die Angabe der "aktuell Infizierten" aus der Summe der über den gesamten Zeitverlauf bestätigten Infektionen abzüglich der Anzahl der Verstorbenen und der Menge jener Personen, die ihre Erkrankung als geheilt und nicht mehr ansteckend überstanden haben. Wenn Bundesländer eigene Schätzungen zur Zahl der Genesenen veröffentlichen, werden diese Daten berücksichtigt. Dies ist derzeit bei 14 der 16 Bundesländer der Fall.

Die beiden Ausnahmen stellen Hessen und Schleswig-Holstein. Dort übernehmen die Behörden die aus Berlin für ihr Land ermittelte Schätzung, während die übrigen Länder bei der Schätzung per RKI-Methode auf einen jeweils niedrigeren Wert kommen als das Robert Koch-Institut selbst. Das RKI stellt seit 22. März auch eine eigene amtliche Schätzung zur Gesamtzahl der Genesenen in Deutschland zur Verfügung.

Für Länder wie zum Beispiel China oder Südkorea liegen dazu detaillierte Angaben vor, was wichtige Hinweise zum tatsächlichen Stand des Infektionsgeschehens ermöglicht. In Deutschland dagegen werden die geheilten Covid-19-Patienten in der amtlichen Statistik nicht zentral erfasst.

Daten darüber, ob ein Patient wieder genesen ist, werden nicht offiziell erhoben", heißt es dazu beim RKI. "Die Erhebung ist auch nicht gesetzlich vorgesehen. Das würde die ohnehin knappen Ressourcen unnötigerweise belasten, da sie dafür jeden Fall über Wochen verfolgen müssten und daraus keine weiteren Maßnahmen erfolgen."

Umfangreichere Daten zur Anzahl der Genesenen und Geheilten gibt es aus den meisten Bundesländern bisher überdies nur für die klinisch erfassten Fälle. Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, sich aber mit milden Symptomen zu Hause in Quarantäne befinden, werden nach Ablauf der Isolationsfrist bisher nicht an das RKI gemeldet. Sie gelten in den Schätzungen bisher nach 14 Tagen als genesen.

Für die Darstellung in Karten und Infografiken zur Lage außerhalb Deutschlands wertet ntv.de neben den Zahlen des RKI und den offiziell gemeldeten Fällen der Landesbehörden auch überregionale Datenbestände aus.

Die aktuellen Fallzahlen aus China und den übrigen Teilen der Welt etwa verzeichnet unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO. Auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), eine Agentur der EU, sowie das US-Pendant CDC bieten jeweils eigene Überblicke zur Verbreitung des neuen Coronavirus.

Hinweis: Karten, Daten und Infografiken werden weiterhin regelmäßig aktualisiert. Abweichungen zu älteren Angaben im Text sind möglich.

Die breite Öffentlichkeit steht den Risiken der Coronavirus-Pandemie nicht hilflos gegenüber: Mediziner raten grundsätzlich zur generellen Vorsorge - unabhängig vom individuellen Risiko. Wer die gängigen Hygieneratschläge beachte, heißt es, könne sich gleichermaßen vor einer Ansteckung mit der Grippe, dem Coronavirus und nahezu allen anderen ansteckenden Viren-Infektionen schützen.

Dazu zählen Gesundheitsexperten vor allem einfache Maßnahmen, die ohne aufwendige Desinfektionsmittel oder andere Vorkehrungen auskommen: Schon das regelmäßige Händewaschen, ausreichende Belüftung und die sogenannte Husten- und Nies-Etikette, heißt es, können das generelle Ansteckungsrisiko erheblich verringern.

Quelle: ntv.de, mit Material von dpa, rts und AFP