Infografik

Epidemie-Lage in Deutschland Alle Daten, alle Fakten zum Coronavirus

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Belastungsprobe für das Gesundheitssystem: Wie gut kann Deutschland mit dem Coronavirus-Ausbruch umgehen?

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland erlebt einen Pandemie-Sommer mit unsicheren Aussichten. Nach Monaten im Ausnahmezustand schien der Erreger fast schon eingedämmt. Doch Ausbrüche überall im Land treiben die Fallzahlen wieder in die Höhe. Die aktuelle Lage im Überblick.

Im Kampf gegen das Coronavirus hat Deutschland eine neue Phase erreicht. Der Erreger Sars-CoV-2 breitet sich in vielen Teilen der Welt immer weiter aus. Nach mehreren Wochen trügerischer Ruhe zieht die Zahl der neu entdeckten Fälle auch in vielen deutschen Regionen wieder an. Die Serie an Ausbrüchen zeigt: Überwunden ist die Corona-Krise noch lange nicht. Die wachsende Anzahl an Ansteckungen im Inland belegt, dass weiterhin ein unvermindert hohes Infektionsrisiko besteht. Der Erreger Sars-Cov-2 kann sich jederzeit neue Wege zurück in die ungeschützte Öffentlichkeit suchen.

Hinweis: Karten und Infografiken werden laufend aktualisiert.

In den von ntv.de ausgewerteten Meldedaten der Bundesländer ist die Gesamtzahl der seit Beginn der Coronavirus-Pandemie nachgewiesenen Infektionen bis Mittwochabend auf 212.379 gestiegen. Das sind 940 Infektionsfälle mehr als am Vorabend und der höchste Zuwachs seit dem 13. Mai 2020, als es 944 neue Fälle gewesen waren. Am Dienstagabend hatte der Zuwachs im Vergleich zum Vortag bei 715 Neuinfektionen gelegen.

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Der 7-Tage-Schnitt bleibt auf sehr hohem Niveau: Bei den Neuinfektionen bewegt sich der aktuelle Durchschnitt der vergangenen sieben Tage mittlerweile auf dem höchsten Stand seit 15. Mai, als letztmals ein Wert über 700 erreicht worden war. Unabhängig von kurzfristigen Schwankungen im Wochenverlauf lässt sich anhand des Sieben-Tage-Schnitts die Tendenz bei den Neuinfektionen ermitteln.

Mit Stand Mittwoch liegt diese Zahl bei 739,0 Fällen (Dienstag: 711 - Montag: 711 - Sonntag: 672 [korrigiert um fehlende Fälle: 692]). Mitte Juli lag der Schnitt noch bei rund 336 Fällen. Vor gut sechseinhalb Wochen, am 14. Juni, hatte der Sieben-Tage-Schnitt mit 315 sogar sein bisher niedrigstes Niveau markiert. Anzeichen für ein rasches Absinken der Neuinfektionszahlen sind nicht in Sicht.

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Auf den Anstieg der Fallzahlen reagierte das Robert-Koch-Institut (RKI) alarmiert und rief in einer eigens angesetzten Pressekonferenz am 28. Juli eindringlich zur Einhaltung grundlegender Schutzregeln auf. Die Entwicklung sei "sehr beunruhigend", betonte RKI-Präsident Lothar Wieler. Menschen und Unternehmen seien inzwischen "nachlässig" geworden. Es bestehe die Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung.

Bei den Sterbefällen zeichnete sich unterdessen zuletzt eine konstante Entwicklung ab: Die schwersten Wochen, in denen in Deutschland zeitweise mehr als 200 Todesfälle pro Tag gemeldet wurden, liegen weit zurück. Die Zahl der im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion Verstorbenen wächst bislang nur in kleinen Schritten weiter an. Am 2. Juli wurde die Marke von 9000 Pandemie-Toten in Deutschland überschritten.

Seitdem bewegt sich der tägliche Zuwachs in der Sterbefall-Statistik meist im niedrigen einstelligen Bereich. An vier einzelnen Tagen kam bisher sogar kein einziger Todesfall hinzu. Im Vergleich zum Dienstag stieg die Gesamtzahl der Todesfälle in Deutschland aber vergleichsweise deutlich um 16 auf 9176. Ein höherer Zuwachs im Vergleich zum Vortag war zuletzt am 26. Juni registriert worden. Von Montag auf Dienstag waren 9 neue Todesfälle registriert worden.

Weiterhin gibt es weder einen verlässlichen Impfstoff noch ein wirksames Medikament zur Behandlung von Covid-19-Patienten. Die verschiedenen Vorfälle der vergangenen Wochen wie etwa in Hagenau, im Kreis Dithmarschen, im Landkreis Dingolfing-Landau, im Landkreis Hof, in Weimar, Berlin, Schwäbisch-Gmünd, Kiel oder im Kreis Gütersloh rund um den "Fall Tönnies" führen deutlich vor Augen, wie rasch es unter Corona-Bedingungen zu neuen Ausbrüchen kommen kann.

Teilweise führten einzelne Vorkommnisse dazu, dass in manchen Regionen Warn- oder sogar auch Alarmschwellen überschritten wurden. Bisher einmalig in Deutschland waren die Vorkommnisse in Nordrhein-Westfalen. Dort mussten die Corona-Auflagen im Kreis Gütersloh zeitweise regional wieder verschärft werden. Bei den übrigen Vorfällen konnten die Ansteckungsherde dagegen rasch lokalisiert und eingegrenzt werden.

Im Kreis Dithmarschen wurden bislang nur für einzelne Ort neue Vorgaben zur Pandemieabwehr verhängt. Das energische Eingreifen der Behörden vor Ort erwies sich bislang stets als erfolgreich: Anzeichen für eine überregionale Ausbreitung gibt es bislang nicht. Sorgen bereitet dem Robert-Koch-Institut derzeit vielmehr, dass gleich mehrere Bundesländer ein "diffus" steigendes Fallaufkommen verzeichnen.

"Bundesweit gibt es viele kleinere Geschehen in verschiedenen Landkreisen, die in unterschiedlichen Zusammenhängen stehen, zum Beispiel größeren Feiern im Familien- und im Freundeskreis, Freizeitaktivitäten, Arbeitsplätzen, aber auch in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen", heißt es im RKI-Lagebericht. "Hinzu kommt, dass Covid-19-Fälle zunehmend unter Reiserückkehrern identifiziert werden."

Berichte über weitere Ausbrüche erreichen das RKI zudem aus Alters- und Pflegeheimen sowie aus Krankenhäusern, Flüchtlingseinrichtungen, Kindertagesstätten und religiösen Gemeinschaften. "Es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation", betont das RKI. "Die Anzahl der neu übermittelten Fälle war in Deutschland seit etwa Mitte März bis Anfang Juli rückläufig, seitdem nimmt die Fallzahl stetig zu."

Ansteckungsrate: Die beiden R-Werte des RKI

Der jüngste Anstieg der Fallzahlen spiegelt sich auch in den Bewegungen der bundesweiten Ansteckungsrate wider. Die beiden vom RKI ermittelten R-Werte - also die einfache Reproduktionszahl R und die etwas stabilere Variante, das 7-Tage-R - zeigen die Anzahl der Personen an, die im Durchschnitt von einem Fall angesteckt werden.

Für die Berechnung dieser beiden komplexen Kennziffern gibt es gute Gründe: Die vom RKI veröffentlichten Meldedaten aus den Gesundheitsämtern sagen zunächst wenig über das tatsächliche Infektionsgeschehen aus, da es in den einzelnen Fällen unterschiedlich lange dauern kann, bis es nach dem Erkrankungsbeginn zu einer Covid-19-Diagnose, zur Meldung und schließlich zur gesetzlich vorgeschriebenen Übermittlung der Daten ans RKI kommt.

Sobald es um die Frage geht, wann genau sich die Betroffenen angesteckt haben, sind die Meldedaten selbst demnach keine große Hilfe. Um ein klareres Bild von der Entwicklung zu bekommen versucht das RKI daher, die tatsächliche Entwicklung draußen im Land anhand eines speziellen Schätzverfahrens, das sogenannte Nowcasting, zu ermitteln.

Ziel ist es, anhand aller vorliegenden Hinweise zu den einzelnen Infektionsfällen vom jeweiligen Meldedatum aus anhand der übermittelten Zusatzinformationen auf den wahrscheinlichen Erkrankungsbeginn zurückzurechnen. Der eigentliche Moment der Ansteckung dürfte, so die Überlegung, im Schnitt noch einmal etwa vier Tage davor liegen.

Da die jüngsten Meldezahlen in der Regel noch nicht vollständig sind und erst in den kommenden Tagen durch Nachmeldungen vervollständigt werden, spart das RKI-Verfahren die aktuell zurückliegenden vier Tage zunächst aus. Im Prinzip wird dann die Anzahl der ermittelten Fälle aus einem früheren Viertageszeitraum mit der Anzahl der ermittelten Neuinfektionen aus dem späteren Viertageszeitraum ins Verhältnis gesetzt.

Damit beruht dieses sogenannte 4-Tage-R auf einer ausführlich dokumentierten Methode, hat aber einen gewichtigen Nachteil: Dieser Schätzwert zeigt ein Infektionsgeschehen, das bereits etwa eine bis zwei Wochen in der Vergangenheit liegt.

Bei einem R-Wert unter 1,0 geht das RKI davon aus, dass jeder Infizierte im Schnitt weniger als eine weitere Person ansteckt, die Fallzahlen also insgesamt zurückgehen und die exponentielle Ausbreitung des Virus verhindert werden kann. Ein Wert über 1,0 ist vor allem dann problematisch, wenn sich die Zahl der Neuinfektionen zugleich auch wieder auf einem höheren Niveau bewegt.

So würde ein Wert von 1,15 zum Beispiel darauf hinweisen, dass jeder Infizierte im Schnitt wieder mehr als eine weitere Person ansteckt. Oder, um ein anderes gängiges Rechenbeispiel zu verwenden: Jeweils 100 Infizierte würden in diesem Szenario insgesamt 115 weitere Menschen anstecken. Die Masse der zu erfassenden Kontaktpersonen würde entsprechend anschwellen. Bis zu einer überregionalen Ausbreitung wäre es dann schon nach wenigen Tagen kein großer Schritt mehr.

Ein Anstieg der beiden Ansteckungsraten kann somit im Zusammenhang mit weiteren Kennzahlen darauf hindeuten, dass es Probleme bei der erhofften Eindämmung des Erregers gibt. Allerdings weist das RKI ausdrücklich darauf hin, dass bei insgesamt niedrigen Fallzahlen schon einzelne lokale Ausbrüche stärkere Ausschläge bei der Ansteckungsrate auslösen können.

Zudem werde die "Dynamik der verschiedenen Ausbruchgeschehen" zum Teil auch durch die eingeleiteten Reihentestungen vor Ort beeinflusst - schlicht, weil damit binnen kurzer Zeit viele neue Fälle nachgewiesen werden, die ansonsten aller Wahrscheinlichkeit über mehrere Tage verteilt in der Statistik sichtbar geworden wären. Im Fall Tönnies zum Beispiel lagen binnen weniger Tage positive Testergebnisse von mehreren hundert Betroffenen vor.

Um künftig zielgenauer auf lokale Ausbrüche der Corona-Pandemie reagieren zu können, einigten sich Bund und Länder Mitte Juli auf Ausreisesperren für betroffene Regionen. Diese können künftig verhängt werden, wenn die Zahl der Infektionen lokal weiter steigt oder es keine Gewissheit gibt, dass die Infektionsketten unterbrochen sind. Reiserückkehrer sollen zudem gezielt über Tests noch am Flughafen überprüft werden.

Deutschland-Karte der aktiven Infektionen

Diese und weitere Maßnahmen sollen es ermöglichen, dass mögliche Überträger des Erregers möglichst frühzeitig identifiziert werden, bevor es zu einem neuen größeren Ausbruch kommt. Infektionsketten sollen so gestoppt werden, ohne dass ein gesamter Landkreis oder eine gesamte Stadt unter verschärfte Corona-Auflagen gestellt werden muss.

Seit der zweiten Juli-Hälfte werden aus Deutschland vermehrt kleinere Infektionsereignissen gemeldet. "Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden", warnt das RKI. "Das gelingt nur, wenn sich die gesamte Bevölkerung weiterhin engagiert, zum Beispiel indem sie Abstands- und Hygieneregeln konsequent einhält – auch im Freien, Innenräume lüftet und, wo geboten, eine Mund-Nasen-Bedeckung korrekt trägt."

Mit dem anlaufenden Rückreiseverkehr rückt das Augenmerk zunehmend auch auf die Risiken, die sich aus möglichen Ansteckungen im Ausland ergeben. Einer Auswertung des RKI zufolge geht die überwiegende Mehrheit der Infektionsfälle derzeit auf Ansteckungen im Inland zurück.

Bei den mutmaßlichen Ansteckungen im Ausland werden am häufigsten Länder der Balkan-Region genannt. Dies betraf einer RKI-Auswertung von Anfang Juli zufolge jedoch nur einen Bruchteil der insgesamt erfassten Fälle. In Luxemburg - wo die in Deutschland gültige Alarmschwelle von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern seit Wochen überschritten wird - steckten sich den Erkenntnissen des RKI zufolge im gleichen Zeitraum deutlich weniger Personen an.

Steigende Fallzahlen gibt es jedoch nicht nur am Balkan, sondern auch in Urlaubsländern wie Spanien. Angesichts der anlaufenden Rückreisewelle arbeitet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zudem mit den Ländern an einer "nationalen Teststrategie", um den Umgang mit Reiserückkehrern zu vereinheitlichen. Festgelegt werden sollen dabei auch klare Kriterien, ob, wann und in welchem Umfang Tests für Rückkehrer sinnvoll sind.

Dies könne etwa der Fall sein, heißt es, "wenn eine Urlaubsregion eine deutlich höhere Zahl aktiver Fälle aufweist als Deutschland im Durchschnitt" - auch wenn die Kriterien für ein Risikogebiet noch nicht erreicht seien. Geprüft werden soll laut Spahn auch, ob für Rückkehrer aus Risikogebieten eine Test-Pflicht eingeführt wird.

Beschlossen wurden ferner Regeln für Corona-Ausbrüche in lokal eingrenzbarem Umfeld wie etwa Unternehmen, Einrichtungen, Freizeitgruppen, Glaubensgemeinschaften oder bei Familienfeiern. Hier sollten "die bewährten Maßnahmen Quarantäne, Kontaktnachverfolgung und Testung" angewendet werden.

Für die Umgebung betroffener Arbeitsplätze oder Freizeitgruppen soll es rasch Quarantäneanordnungen geben - auch ohne positive Corona-Tests. "Mit Blick auf die Verhältnismäßigkeit" sei die Isolierung von Kontaktpersonen und des eigentlichen Ausbruchs-Clusters "im Vergleich zu regionalen Beschränkungsmaßnahmen ein milderes Mittel", heißt es.

Bei der 7-Tage-Inzidenz, also der Kennziffer, die das aktuelle Fallgeschehen im Verhältnis zu Bevölkerung beschreibt, leuchten weiterhin weite Teile Deutschlands in Grün: Immer wieder jedoch rutschen einzelne Regionen nach lokalen Ausbrüchen über der Alarmschwelle, die laut Vereinbarung zwischen Bund und Ländern bei 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen liegt.

Die Zahl der täglich neu übermittelten Fälle steigt seit Anfang Juli jedoch auch in einer Reihe anderer Regionen tendenziell an. Nicht nur in Nordrhein-Westfalen gibt es mehr und mehr Landstriche, die auf der Deutschland-Karte zur Virus-Lage in dunkleren Grautönen auftauchen.

In jenen Regionen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei Werten zwischen 2,0 und 24,9 Fällen je 100.000 Einwohnern. Bundesweit bewegt sich das Fallaufkommen jedoch noch immer weit unterhalb jener Größenordnungen, in denen in den Wochen um Ostern herum neue Coronavirus-Fälle aufgetreten waren.

Die Anzahl der Kreise und kreisfreien Städten, die eine aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz von null Neuinfektionen vorweisen können, sinkt weiterhin - eine Entwicklung, die das RKI in seinen Situationsberichten "beunruhigend" nennt. Denn zwischenzeitlich war diese Zahl bis auf 158 Regionen gestiegen. Auch das deutet darauf hin, dass der aktuelle Anstieg der Neuinfektionen in der Fläche stattfindet und nicht nur auf wenige lokale Hotspots begrenzt ist.

Die Bundesländer sind in unterschiedlichen Ausmaßen betroffen: In Nordrhein-Westfalen bewegt sich die Sieben-Tage-Inzidenz laut RKI derzeit sogar "deutlich" über dem bundesweiten Durchschnitt. Mit Mecklenburg-Vorpommern gab es zeitweise ein ganzes Bundesland, in dem das Fallaufkommen bis auf 0,0 gedrückt werden konnte.

Weiterhin muss auch mit steigenden Totenzahlen gerechnet werden. Noch immer befinden sich vielerorts Covid-19-Patienten stationär in Behandlung. Die Gefahr einer flächendeckend drohenden Überlastung im Gesundheitssystem konnte jedoch vorerst abgewendet werden. Im Vergleich zu anderen schwer getroffenen Staaten konnte in Deutschland die Kurve der Neuansteckungen wirkungsvoll abgeflacht werden.

Als besonders wirkungsvoll erwies sich dabei neben den Maßnahmen zur sozialen Distanzierung offenbar auch die Absage von Veranstaltungen aller Art. Schließlich haben alle Ausbrüche der vergangenen Tage und Wochen gemein, dass eine größere Zahl an Personen in geschlossenen Räumen in engeren Kontakt kam, sei es bei der Arbeit, während eines Gottesdienstes, in Heim- und Pflegeeinrichtungen oder im eigenen Wohnumfeld.

Die durch die Corona-Auflagen gewonnene Zeit konnte nach Angaben der Behördengenutzt werden, um die Kapazitäten im Gesundheitssystem auszuweiten. Trotz all dieser Erfolge in der Pandemie-Abwehr muss sich die Öffentlichkeit auch in Deutschland weiter auf die "neue Normalität" einstellen. Das öffentliche Leben und die Wirtschaft sind vielerorts wieder angelaufen, und auch die Schutzmaßnahmen werden längst nicht mehr überall so gewissenhaft befolgt, wie von Medizinern und Virologen empfohlen.

Klar ist, dass unter den Bedingungen weiter schwelender Ansteckungsherde im Land jede größere Menschenansammlung - und theoretisch auch jede Nachlässigkeit im Umgang mit der Infektionsgefahr - dazu beitragen kann, dass sich der Erreger erneut ausbreiten kann. Die Öffentlichkeit muss sich auf dauerhaft geltende Vorsichtsmaßnahmen einstellen. Selbst wenn es gelingen sollte, überregionale Ansteckungswellen zu verhindern, dürfte es mit dem zunehmenden Austausch und internationalen Kontakten immer wieder zu neuen Infektionsereignissen kommen.

Solange es weder lebensrettende Medikamente für schwer erkrankte Covid-19-Patienten gibt noch einen verlässlichen Impfstoff, bleiben einfache Maßnahmen wie das Distanzgebot, die Maskenpflicht und die allgemeinen Hygieneregeln das einzige wirksame Mittel zur Vermeidung einer neuen Ansteckungswelle.

Ob es bis zur erhofften Massenimmunisierung eine zweite Pandemie-Welle in Deutschland geben wird, ist noch vollkommen offen. Sicher ist bislang nur, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland und der Welt dem Coronavirus noch weitgehend schutzlos ausgesetzt ist.

Entsprechend besorgt zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt darüber, dass manche Bürger die Verhaltensregeln in der Corona-Pandemie nicht mehr ernst nehmen. "Ich werde unruhig, wenn zum Beispiel Menschen glauben, wir brauchen die Abstandsmaßnahmen nicht mehr. Die brauchen wir", sagte Merkel.

Das Tragen von Gesichtsmasken in Situationen, in denen die Abstandsregeln nicht eingehalten werden könnten, sei ebenfalls "absolut notwendig", betonte sie. "Das wird so bleiben, solange wir keinen Impfstoff haben und kein Medikament haben."

Zu einer möglichen zweiten Welle der Pandemie sagte Merkel, sie glaube nicht, "dass es sich genau so wiederholt, wie es war". Es könne jetzt "viel eher" reagiert werden als beim ersten Auftauchen des neuartigen Coronavirus. Auf die Frage, ob sie Angst vor einer zweiten Welle habe, sagte die Kanzlerin: "Angst ist das falsche Wort." Sie sei "unglaublich aufmerksam, das immer zu beobachten, Tag für Tag".

Das Vorgehen bei lokal begrenzten Ausbrüche folgt den Vorgaben des Infektionsschutzes. Unter der Leitung der zuständigen Gesundheitsämter vor Ort wird dabei versucht, eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern und mögliche Übertragungswege zu unterbrechen.

Dazu werden in Deutschland Infizierte und Verdachtsfälle isoliert sowie möglichst rasch auch alle Kontaktpersonen ermittelt. Die Gesundheitsämter ermitteln zusätzliche Informationen, bewerten den Fall und leiten die notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen ein. Bei Bedarf stehen Teams des Robert-Koch-Instituts zur Verfügung, um vor Ort bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen zu helfen.

Das Coronavirus ist in Deutschland bestenfalls eingedämmt, aber noch lange nicht besiegt. Die verschiedenen lokalen Infektions-Vorfälle stehen bisher in keinem erkennbaren Zusammenhang. Allem Anschein nach reicht es für eine Ansteckung schon aus, wenn einzelne Infizierte - die mitunter keine Symptome zeigen und nicht ahnen können, dass sie bereits ansteckend sind - für eine gewisse Zeit zusammen mit anderen Menschen in Kontakt kommen.

Der Aufenthalt in Innenräumen scheint bisherigen Erkenntnissen zufolge das Ansteckungsrisiko zu erhöhen - was eine ungünstige Perspektive im Hinblick auf die anstehenden Herbst und Wintermonate eröffnet. "Es wäre schön, Ihnen jetzt sagen zu können: Das war's, wir sind durch", hatte die Kanzlerin die Lage in ihrer Ansprache zu Pfingsten zusammengefasst. Aber "ohne wirksame Medikamente, ohne Impfstoff" könne das "noch niemand ernsthaft sagen".

Die Deutschen hätten in den zurückliegenden Monaten "viel geschafft", betonte sie. "Ich könnte auch sagen: Wir haben uns viel erspart", sagte Merkel. "Unsere gemeinsame Leistung ist nämlich das, was bei uns glücklicherweise nicht eingetreten ist." Von Anfang an sei es darum gegangen, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, erklärte die Kanzlerin. Jeder einzelne Erkrankte sollte eine "angemessene und würdige Behandlung" erhalten. "Und auch das haben wir bis heute erreicht."

"Mancher glaubt jetzt, weil das große massenhafte Leid nicht eingetreten ist, sei auch die Gefahr wohl nie so groß gewesen". Dies jedoch sei, so Merkel, ein "Irrtum". Ein Blick in schwer getroffene Nachbarländer zeige, "was leicht hätte sein können".

Die Deutschen leben mittlerweile seit dem 23. März unter den Bedingungen des Pandemie-Ernstfalls. In Teilen der Gesellschaft drohen die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungswelle immer weiter an Rückhalt und Unterstützung zu verlieren.

Das Lagebild, das sich aus den einzelnen Pandemie-Parametern ergibt, zeigt selbst den Experten nur eine Momentaufnahme. Das tatsächliche Infektionsgeschehen ist darin nur eingeschränkt und mit der beschriebenen zeitlichen Verzögerung zu erkennen.

Als wichtigste Gegenmaßnahmen pocht das RKI weiterhin auf die frühzeitige Entdeckung und Isolierung aller infizierten Personen, die strikte Quarantäne aller betroffenen Kontaktpersonen sowie die soziale Distanzierung in der übrigen Bevölkerung.

Nur auf diese Weise, sagen die Experten könne die "Infektionsketten" unterbrochen werden und die weitere Ausbreitung des Virus eingedämmt werden. Das Robert Koch-Institut empfiehlt dazu mittlerweile auch eine Ausweitung der Coronavirus-Tests. Auch bei leichten Symptomen solle sofort getestet werden, je früher desto besser, wie RKI-Präsident Lothar Wieler Anfang Mai erklärte. Eine generelle Testung der Bevölkerung ohne Symptome sei jedoch nicht ratsam.

Abhängig von der Situation sei es aber sinnvoll, Risikogruppen durch häufigere Tests besser zu schützen - zum Beispiel in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Denn Infizierte könnten das Virus ausscheiden, bevor sie Symptome spürten.

Dass die Fallzahlen bei ntv.de in der Regel über den vom RKI ausgewiesenen Werten liegen, hat leicht nachvollziehbare Gründe: Bei der Auswertung der Datenlage greift ntv.de auf die Angaben der Gesundheitsbehörden und Ministerien der Länder zurück. Dort werden die Zahlen - unabhängig von den formellen Meldewegen des Infektionsschutzgesetzes - teils mehrfach täglich aktualisiert und erreichen die Öffentlichkeit so schneller als über die amtliche RKI-Statistik.

Diese Angaben wertet ntv.de aus, gleicht sie mit den Zahlen des RKI ab und bezieht im Fall aktueller Entwicklungen auch einzelne Mitteilungen von Landesregierungen oder Ministerien mit ein. Auf dieser Basis entsteht ein aktuelles Gesamtbild, das die tagesaktuelle Entwicklung schneller abbildet als die Veröffentlichungen des RKI.

Ausschlaggebend für die medizinische und politische Beurteilung der Lage sind jedoch allein die amtlich bestätigten RKI-Zahlen. Dort werden die täglich bis Mitternacht eingehenden Meldungen überprüft und, so weit möglich, den jeweiligen Vortagen zugeordnet.

Hinweis: Die aktuellen Fallzahlen aus den USA finden Sie hier.

Im RKI ist man sich sehr wohl bewusst, dass es auf dem Weg vom Gesundheitsamt vor Ort bis nach Berlin Verzögerungen gibt, insbesondere an und nach den Wochenenden. Die Experten dort gehen aber davon aus, dass es sich lediglich um einen zeitlichen Verzug handelt, der allein der Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Meldeverfahren geschuldet ist.

In der Datenübersicht bei ntv.de ergibt sich die Angabe der "aktuell Infizierten" aus der Summe der über den gesamten Zeitverlauf bestätigten Infektionen abzüglich der Anzahl der Verstorbenen und der Menge jener Personen, die ihre Erkrankung als geheilt und nicht mehr ansteckend überstanden haben. Wenn Bundesländer eigene Schätzungen zur Zahl der Genesenen veröffentlichen, werden diese Daten berücksichtigt. Dies ist derzeit bei 14 der 16 Bundesländer der Fall.

Die beiden Ausnahmen stellen Hessen und Schleswig-Holstein. Dort übernehmen die Behörden die aus Berlin für ihr Land ermittelte Schätzung, während die übrigen Länder bei der Schätzung per RKI-Methode auf einen jeweils niedrigeren Wert kommen als das Robert-Koch-Institut selbst. Das RKI stellt seit 22. März auch eine eigene amtliche Schätzung zur Gesamtzahl der Genesenen in Deutschland zur Verfügung.

Für Länder wie zum Beispiel China oder Südkorea liegen dazu detaillierte Angaben vor, was wichtige Hinweise zum tatsächlichen Stand des Infektionsgeschehens ermöglicht. In Deutschland dagegen werden die geheilten Covid-19-Patienten in der amtlichen Statistik nicht zentral erfasst.

Daten darüber, ob ein Patient wieder genesen ist, werden nicht offiziell erhoben", heißt es dazu beim RKI. "Die Erhebung ist auch nicht gesetzlich vorgesehen. Das würde die ohnehin knappen Ressourcen unnötigerweise belasten, da sie dafür jeden Fall über Wochen verfolgen müssten und daraus keine weiteren Maßnahmen erfolgen."

Umfangreichere Daten zur Anzahl der Genesenen und Geheilten gibt es aus den meisten Bundesländern bisher überdies nur für die klinisch erfassten Fälle. Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, sich aber mit milden Symptomen zu Hause in Quarantäne befinden, werden nach Ablauf der Isolationsfrist bisher nicht an das RKI gemeldet. Sie gelten in den Schätzungen bisher nach 14 Tagen als genesen.

Für die Darstellung in Karten und Infografiken zur Lage außerhalb Deutschlands wertet ntv.de neben den Zahlen des RKI und den offiziell gemeldeten Fällen der Landesbehörden auch überregionale Datenbestände aus.

Die aktuellen Fallzahlen aus China und den übrigen Teilen der Welt etwa verzeichnet unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO. Auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), eine Agentur der EU, sowie das US-Pendant CDC bieten jeweils eigene Überblicke zur Verbreitung des neuen Coronavirus.

Hinweis: Karten, Daten und Infografiken werden weiterhin regelmäßig aktualisiert. Abweichungen zu älteren Angaben im Text sind möglich.

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Die breite Öffentlichkeit steht den Risiken der Coronavirus-Pandemie nicht hilflos gegenüber: Mediziner raten grundsätzlich zur generellen Vorsorge - unabhängig vom individuellen Risiko.

Wer die gängigen Hygieneratschläge beachte, heißt es, könne sich gleichermaßen vor einer Ansteckung mit der Grippe, dem Coronavirus und nahezu allen anderen ansteckenden Viren-Infektionen schützen.

Dazu zählen Gesundheitsexperten vor allem einfache Maßnahmen, die ohne aufwendige Desinfektionsmittel oder andere Vorkehrungen auskommen: Schon das regelmäßige Händewaschen, ausreichende Belüftung und die sogenannte Husten- und Nies-Etikette, heißt es, können das generelle Ansteckungsrisiko erheblich verringern.

Quelle: ntv.de, mit Material von dpa, rts und AFP