Infografik

Epidemie-Lage in Deutschland Alle Daten, alle Fakten zum Coronavirus

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Belastungsprobe für das Gesundheitssystem: Wie gut kann Deutschland mit dem Coronavirus-Ausbruch umgehen?

(Foto: picture alliance/dpa)

Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung ist geimpft. Trotzdem breitet sich die Delta-Variante rasend schnell aus. Das Robert Koch-Institut mahnt zur Vorsicht. Die aktuelle Lage im Überblick.

Eine Covid-19-Impfung schützt sehr gut vor einer schweren Erkrankung nach einer Corona-Infektion - und sie senkt das Übertragungsrisiko. Indirekt trägt eine hohe Impfquote dadurch auch zur Eindämmung des Infektionsgeschehens bei. Das hat das Robert Koch-Institut (RKI) erneut in seinem aktuellen Wochenbericht herausgestellt und mit Zahlen zur Sieben-Tage-Inzidenz unter Geimpften und Ungeimpften unterlegt.

Klar ist aber auch: Geimpfte können das Virus weiterhin übertragen und selbst daran erkranken (mehr dazu hier). Zum Schutz der Hochrisikopatienten und derjenigen, die sich nicht impfen lassen können oder wollen, ruft das RKI deshalb alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, die Hygienemaßnahmen weiterhin einzuhalten und ihre Kontakte erneut zu reduzieren.

Hinweis: Karten und Infografiken werden laufend aktualisiert.

Zahlreiche andere Corona-Einschränkungen wurden hingegen bereits aufgehoben. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen: In nahezu allen Bundesländern stehen die Zeichen aktuell auf Sturm. Die Delta-Welle nimmt an Fahrt auf. Sie trifft vor allem die jüngeren Altersgruppen, die tendenziell selten schwer erkranken. Doch die Sorge vor Folgeschäden wächst, insbesondere unter Eltern, für deren Kinder es noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt.

An vielen schulen soll nun trotzdem die Maskenpflicht entfallen - angesichts der rasch steigenden Fallzahlen ist das ein hochumstrittener Schritt.

Aktuelle Fallzahlen im Überblick

Wie aus den von ntv.de ausgewerteten Angaben der Landesbehörden hervorgeht, ist die Gesamtzahl der seit Beginn der Pandemie in Deutschland erfassten Corona-Fälle am Freitag um 24.616 weitere Fälle auf insgesamt 4.567.676 laborbestätigte Ansteckungen gestiegen. Es ist der dritte Tag in Folge mit mehr als 20.000 Neuinfektionen.

Der Tageszuwachs liegt 44,7 Prozent über dem Niveau von Freitag vergangener Woche. Am 22. Oktober hatten die Landesbehörden in der Summe 17.015 neue Fälle gemeldet. Im gleitenden Sieben-Tage-Trend kommen derzeit mehr als 17.000 Fälle pro Tag hinzu. Vor einer Woche lag dieser Durchschnittswert noch bei gut 12.000 Fällen pro Tag.

Trotz regionaler Unterschiede und meldebedingter Schwankungen zieht die Sieben-Tage-Inzidenz in allen Bundesländern an, teils mit zweistelligen Tageszuwächsen. In einer wachsenden Zahl von Hotspot-Regionen sehen sich die Gesundheitsämter erneut mit einer Phase enormer Belastungen konfrontiert. In vielen Fälle können die Ansteckungswege längst nicht mehr zurückverfolgt werden.

Am stärksten betroffen sind fast überall die jüngeren Altersgruppen. Regional wurden in der Altersgruppe 0 bis 14 Jahre bereits Sieben-Tage-Inzidenzen über 900 registriert.

Täglich mehr Tote

Nach Angaben der Länder sind am Freitag erneut mehr als 100 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Insgesamt wurden 118 neue Sterbefälle registriert. Es ist der vierte Tag in Folge mit einem dreistelligen Zuwachs bei den Todesfällen. Seit Pandemie-Beginn sind damit in Deutschland nach amtlicher Zählung bisher insgesamt 95.631 Menschen im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gestorben.

Die Zahl der täglich gemeldeten Todesfälle ist im Wochenverlauf großen Schwankungen unterworfen. Die Entwicklung lässt sich daher besser anhand des gleitenden Sieben-Tage-Schnitts erkennen. Dieses mehrtägige Mittel ist im Vergleich zum Vortag leicht auf 88 übermittelte Sterbefälle pro Tag gestiegen. Vor etwa einem Jahr lag dieser Durchschnittswert bei 36.

Bei der Auswertung der Datenlage greift ntv.de auf die Melde-Angaben der Gesundheitsbehörden und Ministerien der Länder zurück. Dort werden die Zahlen zu Neuinfektionen und neu übermittelten Todesfällen - zum Teil unabhängig von den formell vorgeschriebenen Meldewegen des Infektionsschutzgesetzes - im Tagesverlauf aktualisiert und erreichen die Öffentlichkeit so in der Regel schneller als über die amtliche RKI-Statistik.

R-Wert zeigt Infektionsdynamik an

Den R-Wert gab das RKI zuletzt mit 1,25 an (Vortag: 1,2). Damit liegt die Ansteckungsrate bundesweit deutlich über der kritischen Marke von 1,0. Das bedeutet, dass 100 Infizierte im Durchschnitt 125 Personen anstecken.

Der geschätzte R-Wert gibt einen Hinweis auf die Dynamik im Infektionsgeschehen. Liegt der Wert über 1, gibt es einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen. Es handelt sich bei den aktuellen Angaben allerdings um Schätzungen, die vom RKI nachträglich korrigiert werden, sobald neuere Daten vorliegen. Außerdem unterliegt auch das so genannte 7-Tage-R den typischen Wochenschwankungen - ein statistischer Effekt, der sich aus den Verzögerungen im Meldesystem ergibt.

Aktuelle Labordaten aus dem RKI-Wochenbericht

Das zunehmende Infektionsgeschehen macht sich auch an der Laborfront bemerkbar. Der Anteil der positiven PCR-Tests ist laut den Wochendaten des RKI kräftig angestiegen: In fast 11 Prozent der in der Kalenderwoche 42 (18. bis 24. Oktober) untersuchten Proben wurde demnach der Erreger Sars-Cov-2 nachgewiesen. In der Vorwoche betrug der Anteil gut 8 Prozent.

Die Zahl der durchgeführten Tests ist im selben Zeitraum nur leicht gestiegen von 842.373 auf 895.794. Ein höherer Anteil an positiven Ergebnissen bei gleichbleibender oder sinkender Zahl der Testungen spricht für eine gestiegene Dunkelziffer. Das heißt, es bleiben viele Infektionen unerkannt. Eine Positivquote im zweistelligen Bereich gilt als besorgniserregend hoch.

Die RKI-Angaben decken sich mit den am Dienstag veröffentlichten Zahlen des Laborverbands ALM e.V.: Auch dort verzeichnet man eine steigende Nachfrage nach PCR-Tests - und mehr als jeder zehnte Befund fällt inzwischen positiv aus.

Zum Höhepunkt der Pandemie in Deutschland im Winter 2020/2021 kamen ebenfalls mehr als zehn Prozent der Abstriche mit einem positiven Ergebnis zurück. Allerdings waren damals die Antigen-Schnelltests noch nicht in der Breite verfügbar, durch die nun ein gezielterer Einsatz der sensibleren, aufwändigeren und teureren PCR-Tests möglich ist.

Die Herbstwelle startet früher und schwungvoller als 2020

Der Trend nicht mehr zu übersehen: Deutschland rauscht mit Schwung in den zweiten Pandemie-Winter. "Die diesjährigen Fallzahlen sind deutlichhöher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres", konstatiert das RKI in seinem letzten Wochenbericht für Oktober. Zwar sind mittlerweile große Teile der Bevölkerung geimpft, dafür hat es die Pandemie-Abwehr mit Delta mit einer ansteckenderen Virusvariante zu tun.

Die Schutzwirkung der Impfung lässt zudem insbesondere bei den früh geimpften höheren Altersgruppen nach sechs Monaten bereits wieder nach. Booster-Impfungen können und sollten den Immunschutz der Frühgeimpften rasch wieder auffrischen. Vor allem in den jüngeren Altersschichten klaffen abgesehen davon noch immer eklatante Impflücken - freiwillige und unfreiwillige.

Die Gesundheitsämter gehen davon aus, dass sich unter den Ungeimpften mit engem Kontakt zu Infizierten ausnahmslos alle anstecken. Das RKI schätzt das Gesundheitsrisiko für die nicht oder nur einmal geimpfte Bevölkerung in Deutschland daher weiterhin als "hoch" ein. Für vollständig Geimpfte spricht das RKI dagegen von einer nur noch "moderaten" Gefährdungslage.

Holpriger Start für die Hospitalisierungsinzidenz

Dank der Impfungen gibt es - anteilig an den Infektionen - weniger ernsthafte Erkrankungen. Die früheren Schwellenwerte bei der Sieben-Tage-Inzidenz wurden daher aus den Infektionsschutzverordnungen gestrichen oder durch andere Kennzahlen ergänzt.

Insbesondere die Lage in den Krankenhäusern soll künftig in die Situationsbewertung einfließen. Zu diesem Zweck wurde die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz als neuer "Leitindikator" eingeführt. Sie gibt die Zahl der als hospitalisiert gemeldeten Covid-19-Fälle innerhalb von sieben Tagen je 100.000 Einwohner an. Bereits seit Juli veröffentlicht das Robert-Koch-Institut eine bundesweite Hospitalisierungsinzidenz in seinem werktäglich erscheinenden Situationsbericht.

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(Foto: Robert-Koch-Institut - RKI-Wochenbericht vom 21.10.2021, S. 14)

Zumindest in ihrer bisherigen Form hat die Hospitalisierungsinzidenz aber einen entscheidenden Nachteil: Die tagesaktuelle Lage lässt sich damit nicht abbilden. Die nachträglichen Korrekturen der vorläufigen Werte sind oft erheblich, da die meisten Fälle erst mit deutlicher Verzögerung in die Statistik eingehen. Deshalb hat das RKI im Wochenbericht vom 14. Oktober 2021 erstmals ein Nowcasting für die Hospitalisierungsinzidenz veröffentlicht. Ziel sei, "den Trend der Anzahl von Hospitalisierungen und der 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz besser bewerten zu können", weshalb die "berichtete Hospitalisierungsinzidenz um eine Schätzung der zu erwartenden Anzahl an verzögert berichteten Hospitalisierungen ergänzt" wird.

Wie hoch ist die Hospitalisierungsinzidenz wirklich?

Anhand dieses bislang nur als Grafik veröffentlichten Nowcastings wird deutlich, "dass der rückläufige Trend seit Mitte September in ein Plateau übergegangen". Und weiter: "Seit dem 7. Oktober beobachten wir einen Wiederanstieg der adjustierten Hospitalisierungsinzidenz." Vorerst plant das Robert-Koch-Institut, dieses Nowcasting immer am Donnerstag im Wochenbericht als Grafik zu veröffentlichen, berechnet für die bundesweite Hospitalisierungsinzidenz. Ob neben der Grafik künftig auch die Daten veröffentlicht und das Nowcasting in die werktäglich aktualisierten Covid-Trends des RKI integriert werden könnten, müsse erst noch geprüft werden.

Um die in allen Bundesländern erheblichen nachträglichen Korrekturen besser abbilden und den tagesaktuell veröffentlichten Wert besser einschätzen zu können, finden Sie an dieser Stelle zusätzlich zwei neue ntv.de Grafiken: eine Grafik, die für Deutschland gesamt sowie jedes Bundesland das Ausmaß der nachträglichen Korrekturen zeigt, auswählbar per Dropdown-Menü.

Coronavirus7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz

In einer zweiten Grafik bildet ntv.de für jede Region ab, wie stark die veröffentlichten 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenzen in den vergangenen 28 Tagen im Schnitt korrigiert werden musste (Angabe in Prozent). Auf Basis dieser Korrekturen lässt sich ein Schätzwert errechnen, der dem veröffentlichten Wert gegenübergestellt wird.

Unabhängig von den offensichtlichen methodischen Problemen mit dem neuen "Leitindikator" bleibt es den Ländern überlassen, wie sie den neuen Indikator in ihre Strategie einbetten, welche Grenzwerte sie festsetzen oder welche Maßnahmen sie daran knüpfen. Wie sich die Umsetzung auf den Alltag auswirken wird, muss sich vielerorts erst noch zeigen. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht, es existieren mittlerweile allerdings Vorschläge, die das RKI im Rahmen der überarbeiteten Control-Covid-Strategie vorstellte.

Sieben-Tage-Inzidenz bleibt wichtig

Vertraute Kennzahlen wie die Inzidenzwerte bleiben weiterhin wichtig. Sie können als Frühwarnsystem dienen und dazu führen, dass Bürgerinnen und Bürger ihr Verhalten entsprechend der Gefahrenlage anpassen. Auch Krankenhäuser können sich unter Berücksichtigung der tagesaktuellen Daten besser personell auf eine ansteigende Zahl an Covid-19-Patienten einstellen.

"Die Sieben-Tage-Inzidenz ist (...) weiter wichtig, um die Situation in Deutschland zu bewerten und frühzeitig Maßnahmen zur Kontrolle zu initiieren", fasst das Robert-Koch-Institut (RKI) die Einschätzung der Fachleute zusammen. "Generell gilt: Je mehr Fälle auftreten, desto mehr schwere Verläufe (Krankenhauseinweisungen) und Todesfälle werden - mit etwas Zeitverzug - registriert. Gleichzeitig steigt die Belastung des Gesundheitssystems. Eine steigende Sieben-Tage-Inzidenz geht dieser Entwicklung voraus. Es ist der früheste aller Indikatoren."

Unklar ist, welche Vorkehrungen im Fall weiter steigender Inzidenzwerte getroffen werden müssen. Das Coronavirus breitet sich derzeit vor allem unter ungeimpften Erwachsenen und den Kindern aus, für die es noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt (Link zur Grafik). Langfristig lässt sich kaum verhindern, dass das Infektionsgeschehen auch zu den älteren Bevölkerungsgruppen und Risikopatienten "durchsickert".

Geht der Impfkampagne die Luft aus?

Beim Aufbau des gesamtgesellschaftlichen Impfschutzes kommt Deutschland derzeit nur noch vergleichsweise langsam voran. Rund drei Viertel der Bevölkerung im impffähigen Alter sind bereits vollständig geschützt. Die verbliebenen Ungeimpften scheinen nur schwer zu erreichen und von den Vorteilen einer Impfung zu überzeugen zu sein.

Im gleitenden Durchschnitt werden derzeit etwa 130.000 verabreichte Impfdosen pro Tag registriert. Davon entfallen aber mehr als 50.000 auf Booster-Impfungen. Gegen Ende Oktober haben fast zwei Millionen Menschen in Deutschland ihre dritte Dosis eines Covid-19-Vakzins erhalten.

Die vom RKI veröffentlichten Impfzahlen stellen die Mindestmenge der in Deutschland geimpften Personen dar. Die ebenfalls vom RKI veröffentlichte Covimo-Studie kommt regelmäßig zu weit höheren Impfquoten. Leider handelt es sich nur um eine Umfrage unter rund 1000 Personen, die Erheber selbst weisen auf verzerrende Faktoren hin.

Einerseits sei es wahrscheinlich, "dass mit Impfbefürworter:innen häufiger ein Interview abgeschlossen wird als mit weniger impfbereiten Personen". Ungeimpfte dürften also systematisch unterrepräsentiert sein. Zudem schließt die Befragung Menschen aus, die kein Deutsch sprechen. Auch dadurch dürfte die von der Covimo-Studie erfragte Impfquote höher liegen als in der Gesamtbevölkerung.

Auch wenn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unter Bezugnahme auf die in der Covimo-Studie präsentierten Impfquoten für einen Rückbau der Corona-Maßnahmen im Freien aussprach: Die vom RKI veröffentlichte Meldestatistik stellt die wesentlich verlässlicheren Zahlen bereit und dürfte auch für die neue Bundesregierung Entscheidungsgrundlage in der Pandemie sein.

Diese Zahlen zeigen deutlich, dass sich eine Impfquote von 85 oder sogar 95 Prozent in den relevanten Altersgruppen nicht mehr rechtzeitig erreichen lässt. Dabei hatte das Robert Koch-Institut (RKI) schon im Juli beispielsweise in Modellrechnungen dargelegt, dass eine hohe Impfquote bei den 18- bis 59-Jährigen den Verlauf der vierten Welle deutlich abmildern könnte.

Die Bundesregierung setzt weiter auf Eigenverantwortung - und sie betont: Den Menschen, die eine Impfung ablehnen, müsse klar sein, dass sie sich im weiteren Verlauf der Pandemie sehr wahrscheinlich mit dem Coronavirus anstecken werden und sich dem Risiko einer schweren Erkrankung aussetzen.

Wochenbericht: Das Alter der Covid-Patienten

Vor allem unter den jüngeren Menschen im impffähigen Alter sind noch etliche ungeimpft. Gleichzeitig verbreitet sich das Virus hier besonders schnell. Die Infektionen werden aber mit dem Anschwellen der vierten Welle auch immer weiter in höhere Altersgruppen durchgereicht.

Schon im vergangenen Sommer waren vor allem Jüngere für den Großteil der Infektionen verantwortlich, bevor dann im Verlauf der zweiten Welle das Virus immer öfter auch auf Ältere übersprang.

Die Altersstruktur der Infizierten spielt eine wichtige Rolle bei der Bewertung der aktuellen Lage. So geht man beispielsweise davon aus, dass eine Coronavirus-Infektion bei jüngeren Menschen seltener zu einem schweren Krankheitsverlauf oder zum Tod führt. Doch die Behandlung zieht sich unter Umständen länger hin. Viele Betroffene leiden - selbst nach einem sogenannten "milden" Verlauf - noch lange an den Folgeschäden ihrer Infektion.

In den RKI-Daten zeichnet sich bei der Altersstruktur der Infizierten und schwer Erkrankten ein klarer Trend ab: Seit Jahresbeginn sanken sowohl der Altersmedian aller registrierten Corona-Fälle, als auch der der hospitalisierten Fälle um 20 Jahre oder mehr. Seit Mitte August steigt das mittlere Alter der Infizierten und schwer Erkrankten wieder an.

Für die Corona-Fälle sank er zeitweise von 48 auf 27 Jahre, für die ins Krankenhaus eingewiesenen Viruspatienten sogar von 77 auf zwischenzeitlich 47 Jahre. Aufgrund der schrumpfenden Grundgesamtheit (es werden insgesamt weniger Betroffene ins Krankenhaus gebracht), können hier von Woche zu Woche größere Schwankungen auftreten. Insgesamt jedoch kommen mittlerweile auch wieder vermehrt stärker gefährdete Covid-Patienten im hohen Alter ins Krankenhaus.

So ist die Lage auf den Intensivstationen

Das DIVI-Intensivregister gibt in seinen täglichen Lageberichten einen Einblick in die Situation auf den deutschen Intensivstationen. Ein Abgleich der Zahlen mit dem Verlauf der Sieben-Tage-Inzidenz macht schnell deutlich: Eine hohe Impfquote kann offensichtlich zahlreiche schwere Erkrankungen verhindern - aber eben nicht alle.

Es besteht immer noch ein deutlicher, zeitlicher Zusammenhang zwischen den Infektionsraten und der Zahl der Krankenhauseinweisungen. Dabei ist nur zu beachten, dass die Kennzahlen der Kliniken, also Neuaufnahmen und Intensivbettenbelegung, den Infektionsmeldungen in der Regel mit zwei bis drei Wochen Verzögerung folgen.

Wochenbericht: Die Delta-Variante dominiert

Das aktuelle Infektionsgeschehen in Deutschland steht nahezu vollständig unter dem Einfluss der Delta-Variante. Laut den RKI-Auswertungen ist Delta zu fast 100 Prozent der analysierten Befunde für das Infektionsgeschehen verantwortlich.

Epidemiologen und Mediziner gehen davon aus, dass sich die Delta-Variante so rasch durchsetzen konnte, weil sie ansteckender ist und sich schneller und effektiver ausbreitet. Binnen weniger Wochen hat diese Variante damit alle übrigen Sars-CoV-2-Erreger aus dem Feld verdrängt. Das muss nicht so bleiben: Es gibt keine Garantie, dass nach Delta nicht noch weitere Virus-Varianten mit vielleicht noch ganz anderen Eigenschaften in Deutschland auftreten.

Mit Blick auf die verbliebenen Impflücken in den Industriestaaten und den riesigen Impfdefiziten in Schwellen- und Entwicklungsländern scheint es nur eine Frage der Zeit, bis weitere "Besorgnis erregende Coronavirus-Varianten" (VOC) auf dem Radar auftauchen.

Vor allem für die Risikogruppen wäre es wichtig, sich bald durch eine abgeschlossene Corona-Schutzimpfung gegen den Erreger zu wappnen.

Wie gefährlich ist Covid-19 für Kinder?

Zwar kann es zu Impfdurchbrüchen kommen, also zu Coronavirus-Infektionen trotz vollständiger Schutzimpfung. Doch mit steigender Impfquote werden schwere Krankheitsverläufe seltener. Das Virus verliert seinen Schrecken - und wird endemisch. Das bedeutet auch: Langfristig wird sich wahrscheinlich nahezu jeder in Deutschland mit Sars-CoV-2 anstecken - möglicherweise auch mehrmals.

Für Kinder und Jugendliche gilt Covid-19 als weniger gefährlich. Ganz ohne Risiko ist eine Infektion jedoch nicht. RKI-Chef Wieler warnte davor, die Gefahr zu unterschätzen. Auch wenn es bei infizierten Kindern meist weniger schwere Krankheitsverläufe gebe, zeigten Studien, dass auch hier sogenannte Long-Covid-Symptome auftreten könnten. Dazu gehörten Atem-, Konzentrations- und Erschöpfungsprobleme, sagte Wieler.

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Eine Durchseuchung der jüngeren Altersgruppen könnte vor diesem Hintergrund schnell zum Problem werden: Kinder unter 12 Jahren können in Deutschland bisher noch überhaupt nicht geimpft werden. Für Kinder und Jugendliche über 12 hingegen ließ die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) am 28. Mai den Impfstoff von Biontech/Pfizer zu. Am 23. Juli erfolgte die Zulassung für den mRNA-Impfstoff von Moderna.

Erst im August hat sich auch die Ständige Impfkommission (STIKO) für eine generelle Impfung 12- bis 17-Jähriger ausgesprochen. Davor sollten lediglich Kinder mit Vorerkrankungen geimpft werden.

Lehren aus der Pandemie

Gerade wenn es um den Schutz der Kinder geht, werde Debatten um die richtigen Corona-Maßnahmen oft erbittert geführt. Der Ausgleich verschiedener Interessen bleibt auch im zweiten Jahr der Pandemie ein schwieriger Balanceakt. Und trotz der verfügbaren Impfungen verursacht das Coronavirus noch immer Krankheit und Leid, wirtschaftlichen Schaden und gesellschaftliche Verwerfungen.

Doch immerhin scheint ein Ende der Gesundheitskrise nun in Sicht. Wie schnell es näher rückt, hängt zumindest derzeit noch vor allem von der Impfbereitschaft der erwachsenen Bevölkerung ab.

Das ändert sich vielleicht schon bald: Laut dem Hersteller des Biontech-Vakzins könnte eine speziell für Kinder entwickelte Version des Impfstoffes noch in diesem Jahr auf den europäischen Markt kommen. Das Zulassungsverfahren läuft bereits.

Deutschland hat sich gegen eine sogenannte No- oder Zero-Covid-Strategie entschieden, wie sie beispielsweise in China mit zum Teil drastischen Mitteln durchgesetzt wird. Stattdessen gilt es, das Infektionsgeschehen so weit zu kontrollieren, dass eine Überlastung des Gesundheitssystems abgewendet werden kann. "Flatten the Curve" - die Welle flach halten - so lautete etwa das Motto der ersten Infektionswelle.

Hinweis: Alle Karten, Daten und Infografiken zur internationalen Pandemie-Lage mit Detailstatistiken zu diversen Ländern finden Sie hier in diesem Überblicksbeitrag.

Die Erfahrung hat seither hat gezeigt: Das Virus lässt sich schon durch simple Vorsichtsmaßnahmen aufhalten. Und Impfen schützt nicht nur die Geimpften vor schweren Krankheitsverläufen, sondern im Fall einer hohen Impfquote auch die gesamte Gesellschaft. Das Verhalten der breiten Öffentlichkeit und das Verhalten jedes Einzelnen entscheiden, wie viele Chancen sich dem Erreger bieten - und wie lange die Welt noch unter der Coronavirus-Pandemie leiden muss.

Quelle: ntv.de, mit Material von dpa, rts und AFP

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