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RKI rechnet mit weiteren Fällen Nur noch Sachsen-Anhalt Coronavirus-frei

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Die meisten Infektionen meldeten bislang die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nachdem jetzt auch im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern Menschen mit dem Coronavirus infiziert sind, ist der Erreger in ganz Deutschland außer in Sachsen-Anhalt nachgewiesen. Angesichts der verbreiteten Sorge warnen deutsche Ärzte eindringlich vor unnötigen Praxisbesuchen.

Das Coronavirus breitet sich auf weitere Bundesländer in Deutschland aus. Nach Sachsen, Thüringen, Brandenburg am Vortag wurden nun auch die ersten Fälle aus dem Saarland und aus Mecklenburg-Vorpommern gemeldet. Damit ist der Erreger nun in allen Bundesländern außer in Sachsen-Anhalt nachgewiesen. Bis zum Nachmittag stieg die Zahl der Infektionen nach Angaben des Robert Koch Instituts deutschlandweit auf rund 200. Angesichts der weiteren Ausbreitung wurde derweil die Leipziger Buchmesse abgesagt. Nicht bestätigt hat sich der Infektionsverdacht auf einem deutschen Kreuzfahrtschiff in Norwegen.

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Am Montagnachmittag hatte die Zahl der Infektionen noch bei 157 gelegen. Über das Wochenende hatte die sich Zahl der Infektionen fast verdreifacht. Am stärksten legte die Zahl der Infektionen in Nordrhein-Westfalen und Bayern zu, dort gibt es auch die meisten Fälle. Von den bestätigten 37 Infektionsfällen sind aber 14 bereits wieder geheilt. "Mit weiteren Fällen, Infektionsketten und auch Ausbrüchen in Deutschland muss gerechnet werden", sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade. Die Gefahr für die Bevölkerung werde in Deutschland aktuell weiter als "mäßig" eingeschätzt.

Ärzte warnen vor Ansturm auf Praxen

Unterdessen warnen Deutschlands Kassenärzte eindringlich vor unnötigen Praxisbesuchen, die aus Sorge vor dem neuen Coronavirus unternommen werden. "Umfangreichere Testung von klinisch Gesunden ist medizinischer Unfug", sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, in Berlin.

Wenn jemand bei sich selbst einen Verdacht auf das Coronavirus habe, dann sollte er nicht gleich eine Praxis aufsuchen, mahnte Deutschlands oberster Kassenarzt Gassen. Sinnvoll seien Tests nur, wenn jemand Symptome einer Erkrankung der oberen Atemwege aufweise und womöglich Kontakt zu Infizierten gehabt habe. Auf jeden Fall sollten Menschen, die eine eigene Infektion befürchteten, laut KBV zunächst bei der Praxis oder der Arzthotline 116 117 anrufen. Denn in den meisten Fällen verliefen Infektionen mit dem Coronavirus milde.  Wenn ein Infizierter gleich eine Praxis aufsuche, könne diese zudem vom zuständigen Gesundheitsamt aus Gründen des Seuchenschutzes vorübergehend geschlossen werden, hieß es.

Die Berliner Charité hat derweil eine eigene Untersuchungsstelle für mögliche Coronavirus-Infektionen eröffnet, vor der Menschen schnell Schlange standen. Das Pilotprojekt soll Vorbild für andere Krankenhäuser sein, sagte der Ärztliche Direktor Ulrich Frei.

Leipziger Buchmesse abgesagt

In Sachsen fällt wegen des Coronavirus die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr aus. "Die Stadt Leipzig und die Leipziger Messe haben gemeinsam entschieden, die Buchmesse abzusagen", sagte ein Stadtsprecher. Es handele sich um eine "Präventionsmaßnahme", damit sich das Virus in Deutschland nicht weiter ausbreiten könne. Die Leipziger Buchmesse ist ein Publikumsmagnet mit jährlich fast 300.000 Besuchern.

Die Entscheidung sei gemeinsam von Oberbürgermeister Burkhard Jung, dem Gesundheitsamt und der Messe getroffen worden, sagte der Sprecher. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer twitterte: "Gesundheit und Sicherheit gehen in diesem Fall ganz klar vor." Ziel sei es, die sächsische Bevölkerung zu schützen und eine Ausbreitung des Coronavirus so weit wie möglich einzudämmen und zu bekämpfen. "Dafür gilt es, konsequent, präventiv und verantwortungsbewusst zu handeln", schrieb Kretschmer.

Entwarnung gab es derweil für rund 1200 Kreuzfahrer: Der Coronavirus-Verdacht auf dem deutschen Kreuzfahrtschiff "Aida Aura" vor Norwegen hat sich nicht bestätigt. Die Tests von zwei deutschen Passagieren seien negativ gewesen, teilt Aida Cruises mit. Das Schiff, das über Nacht im Hafen von Haugesund geblieben war, könne die Reise fortsetzen. Zuvor war einer der beiden Betroffenen durch Behörden in Deutschland darüber informiert worden, dass bei Personen in seinem Arbeitsumfeld das Coronavirus nachgewiesen wurde. Der Passagier und seine Begleitperson seien deswegen vorsorglich untersucht worden. Alle Passagiere mussten bis zu den Ergebnissen an Bord bleiben.

Fed senkt überraschend Leitzins

In den USA senkte die Notenbank Fed überraschend den Leitzins, um die ökonomischen Auswirkungen der Epidemie zu bremsen. Auch die sieben führenden Industriestaaten bekräftigten ihre Bereitschaft, die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie zu begrenzen. Konkrete Maßnahmen nannten sie nach einer Telefonkonferenz der Finanzminister und Notenbankchefs allerdings nicht. Der japanische Finanzminister Taro Aso sagte, denkbar seien geldpolitische Reaktionen oder höhere Ausgaben der Staaten. Letztlich werde die Antwort von Land zu Land aber unterschiedlich ausfallen.

Weltweit sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 90.900 Fälle bekannt, der Großteil davon mit gut 80.300 in China. Die Dynamik der Neuinfektionen verlagere sich zunehmend aus China in den Rest der Welt, sagte Schaade. Auf globaler Ebene handele es sich weiterhin um eine sehr dynamische und ernstzunehmende Situation. Südkorea ist mit rund 5000 Krankheitsfällen das Land außerhalb Chinas, das am stärksten von der Epidemie betroffen ist. Die meisten Todesfälle außerhalb Chinas gibt es indes im Iran mit 77. Dort wurden bislang mehr als 2300 Infektionen gemeldet. Weltweit sind bislang mehr als 3100 Menschen an der Atemwegserkrankung gestorben.

Quelle: ntv.de, jki/dpa/AFP/rts