Panorama

Handwerksmesse abgesagt Coronavirus in drei weiteren Bundesländern

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Die Kliniken in Deutschland müssen sich auf weitere mit dem Coronavirus infizierte Patienten einstellen.

(Foto: dpa)

Die Behörden in Dutzenden Ländern melden weitere oder erstmals Fälle von Coronavirus-Infektionen. Die EU-Kommission setzt ein Krisenteam ein. Sorgen bereitet vor allem die Lage in Italien. Bundesgesundheitsminister Spahn kündigt Einschränkungen des Alltags an bestimmten Stellen an.

Die Ansteckungsgefahr durch das neue Coronavirus wächst in Europa weiter. Die EU-Gesundheitsagentur ECDC habe das Risiko auf moderat bis hoch heraufgestuft, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Insgesamt wurden offiziell bisher rund 2100 Infektionen und 38 Todesfälle in 18 EU-Staaten nachgewiesen. In Deutschland melden mit Sachsen, Brandenburg und Thüringen drei weitere Bundesländer einen Corona-Fall. Der betroffene Rentner im sächsischen Freistaat gehört zu einer Gruppe von Busreisenden, die aus Italien zurückgekehrt war. In Brandenburg hat es einen Südtirol-Urlauber getroffen. In Berlin sind zwei weitere Menschen mit dem Virus infiziert. Beide Fälle stünden nach bisherigen Erkenntnissen nicht in Verbindung mit dem ersten nachweislich erkrankten Berliner, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit mit. In Bayern sagten die Veranstalter die Internationale Handwerksmesse (IHM) ab. Mit 1000 Ausstellern aus 60 Ländern und mehr als 100.000 Besuchern ist sie die wichtigste Leistungsschau des Handwerks in Deutschland.

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In mehreren Ländern weltweit steigen die Zahlen rasant, rund 90.000 Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 und mehr als 3000 Todesfälle sind inzwischen erfasst. Binnen etwa eines Tages wurden einzelne Nachweise in mehreren zuvor nicht betroffenen Millionen-Metropolen gemeldet, darunter Berlin, Moskau, Delhi und New York.

Insgesamt wurden nach Angaben der EU-Kommission inzwischen deutlich mehr als 2000 Sars-CoV-2-Infektionen in 18 EU-Staaten nachgewiesen. In Europa ist Italien das am stärksten von der Covid-19-Epidemie betroffene Land. Dort sind mehr als 2000 Infektionen erfasst, darunter mehr als 52 Todesfälle.

Bis zum Nachmittag waren beim Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit 157 Sars-CoV-2-Infektionen erfasst, mehr als die Hälfte davon allein in Nordrhein-Westfalen. Das RKI stufte die Risikoeinschätzung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland von "gering bis mäßig" auf "mäßig bis hoch".

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EU bildet Krisenteam

Nach Kritik an der Vielfalt von Gegenmaßnahmen in der EU präsentierte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein Team von fünf Kommissaren zur Koordination von Krisenmanagement, Gesundheitsvorsorge, Grenzkontrollen, Verkehr und zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Epidemie.

  • Unter anderem will die EU-Kommission in den nächsten Tagen über eine zentrale Ausschreibung Schutzausrüstung wie Masken oder Anzüge beschaffen, wie Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sagte. Sie will am Freitag mit allen EU-Gesundheitsministern bei einem Sondertreffen die Lage beraten.
  • Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni plant für Mittwoch eine Konferenz mit den Euro-Finanzministern und erwägt Konjunktur-Maßnahmen. "Heute ist die Zeit klarzustellen, dass die EU bereit ist, alle verfügbaren Politikoptionen zu nutzen - falls und wenn sie nötig sind -, um unser Wachstum vor den Risiken des Abschwungs zu schützen", sagte er.
  • Die für Grenzsicherung zuständige Kommissarin Ylva Johansson stellte klar, dass bisher kein Land in der Schengenzone erwäge, die eigenen Grenzen wegen der Epidemie zu schließen.

Bayerische Behörden empfehlen Messe-Absage

"An bestimmten Stellen in Deutschland wird der Alltag ein Stück eingeschränkt sein müssen", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Das betrifft zum Beispiel einzelne Schulschließungen. Für Unternehmen müsse es eine abgestufte Risikobewertung geben, sagte Spahn.  

Der Geschäftsführer der Gesellschaft für Handwerksmessen, Dieter Dohr, sagte, angesichts der Verbreitung des Coronavirus sei die Absage unumgänglich. Sie folgten damit einer Empfehlung des bayerischen Coronavirus-Krisenstabs. Stattfinden soll aber die Vollversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Abgesehen von der wirtschaftlichen Bedeutung ist die IHM Pflichttermin für viele Politiker. So trifft sich Kanzlerin Angela Merkel am Rande der Messe jährlich mit den Chefs der vier großen Wirtschaftsverbände von Handwerk, Industrie, Arbeitgebern sowie Industrie- und Handelskammer. Ob und wie das Spitzengespräch in diesem Jahr stattfindet, ist nicht klar.

Für Münchner Hotellerie und Gastronomie bedeutet die Absage entgangene Einnahmen in Millionenhöhe. In den vergangenen Wochen wurden bereits in mehreren Ländern international bekannte Messen abgesagt, darunter die Tourismusmesse ITB in Berlin, der Genfer Automobilsalon und der World Mobile Congress in Barcelona.

Neue Fälle in Afrika - Sorge bei Experten

Unterdessen gibt es in Afrika drei weitere Fälle des neuartigen Coronavirus. Neben den beiden nordafrikanischen Ländern Ägypten und Algerien meldete auch der westafrikanische Staat Senegal einen Fall. Bei dem Infizierten handele es sich um einen seit zwei Jahren im Lande lebenden Franzosen; er hatte nach der Rückkehr von einem Heimatbesuch ein Privathospital aufgesucht und wird seitdem in Quarantäne gehalten. Im Libanon stieg die Zahl der Coronavirus-Fälle auf 13, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Experten schätzen das Risiko einer Ausbreitung der Lungenkrankheit in Afrika als sehr hoch ein, da der Kontinent enge Verbindungen mit China hat und die Gesundheitssysteme in vielen Ländern eher schwach sind. Zudem leben in Ballungsräumen wie Lagos, Kairo und Algier Millionen Menschen auf engem Raum zusammen.

Auf der arabischen Halbinsel wurden ebenfalls weitere Fälle bekannt - Kuwait, Jordanien und Saudi-Arabien meldeten Fälle, teils die ersten im Land. Auch Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak hatten in den vergangenen Tagen Dutzende Fälle publik gemacht und meldeten nun weitere.

Das israelische Gesundheitsministerium teilte mit, insgesamt seien mittlerweile zwölf Personen infiziert. Mehr als 5600 Israelis befinden sich nach offiziellen Angaben in häuslicher Quarantäne, viele davon waren aus einem Italien-Urlaub zurückgekehrt.

WHO-Team  im Iran eingetroffen

Derweil bekommt das Ursprungsland China die Coronavirus-Epidemie nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dagegen immer besser in den Griff. Am Sonntag seien nur 206 neue Infektionen gemeldet worden, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Das sei die niedrigste Zahl seit dem 22. Januar. 

Am meisten Sorge bereite aktuell die Lage in Südkorea, Italien, Japan und dem Iran, wo es teils ein deutliches Plus bei den Fallzahlen gebe. Inzwischen sei ein WHO-Team im Iran eingetroffen, um bei der Bekämpfung der Krankheit zu helfen, ergänzte der WHO-Chef. Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen nach Pariser Angaben den Iran dabei mit fast fünf Millionen Euro zusätzlich finanziell unterstützen.

Die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie machen sich aber immer stärker bemerkbar. Die Industriestaaten-Organisation OECD erwartet im laufenden Jahr nur noch ein Wachstum der globalen Wirtschaft von 2,4 Prozent. Das ist ein halber Prozentpunkt weniger als zuletzt vorhergesagt. Im Vorjahr hatte die Wirtschaft weltweit noch um 2,9 Prozent zugelegt.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts