Panorama

Eine für alleOhne Kerosin nach Kreta?

29.04.2026, 17:23 Uhr

Katherina Reiches Beschwörungsformel "Ist von allem noch genug da" wirkt unglaubwürdig, wenn die nächste Meldung heißt: "Touristen müssen sich auf knappes Kerosin und hohe Ticketpreise einstellen. Was denn nun? Der Sommer steht vor der Tür und riecht irgendwie nach Corona.

So - Sommerkleidchen, Sonnencreme und -brille, das ist meist eigentlich alles, was wir brauchen, wenn es in den heiß ersehnten Urlaub geht. Wir ärgern uns über Verspätungen beim Abflug, wir fürchten Streiks beim Bodenpersonal und den Piloten, und wir erinnern uns an die Zeit, in der wir gar nicht fliegen konnten. Nicht durften. Corona. Jetzt droht eine weitere Gefahr, neben der für viele existierenden Flugangst: Angst, gar nicht fliegen zu können. Denn wir Flugtouristen - so Sie denn nicht zu denen gehören, die diese Art zu reisen sowieso ablehnen - müssen sich im bevorstehenden Sommer auf weiter steigende Ticketpreise einstellen. Und wer bisher bei Hormus eher an Hummus gedacht hat, der weiß jetzt, dass dieses Nadelöhr der Casus Knaxus ist, an dem Ihre Träume von Urlaub unter Palmen scheitern könnten. Die Kerosinknappheit infolge des Iran-Krieges treibt die Kosten in die Höhe und verengt das mögliche Angebot, ging kürzlich aus einer Branchen-Studie des Kreditversicherers Allianz Trade hervor. Und während die Krisenregion Nahost als Reiseziel sowieso ausfällt, werden Reisen nach Asien und Australien wegen der fehlenden Umsteigekapazitäten am Persischen Golf deutlich teurer.

Und wat is mit Malle? Wohl dem, der sich ein Ferienhäuschen zugelegt hat, das nicht mit dem Flugzeug erreicht erden muss. Sicher, Bahn und Schiff gingen auch, aber dieses flotte, fahrlässige Fliegen von vor Corona, das ist vorbei. Wird sich der Markt wieder erholen? Sollten wir intensiver an Elektroflugzeugen arbeiten? Sollten wir unser Zuhause mehr schätzen lernen? Die Uckermark, die Eifel und die Lüneburger Heide? Das werden wir sehen.

Tipp: Mit der Kreditkarte buchen. Da ist die Wahrscheinlichkeit, sein Geld zurückzubekommen, am höchsten. Hundertprozentige Sicherheit wird es nicht geben, aber wo gibt es die schon im leben? Wer jetzt einen günstigen Flug bei Lufthansa bucht, kann ihn trotzdem gestrichen bekommen. Wer jetzt bei Ryan-Air schaut, sollte das nicht zu weit im Voraus tun, wer weiß, wie lange die noch an Ihrem Flughafen abheben? Hauptstädter wissen ein Lied davon zu singen.

Verstehen Sie mich nicht falsch - die Zeiten, wo wir eben mal schnell für zwei Tage nach Mallorca geflogen sind oder nach Sylt oder München, die sind wohl vorbei. Manches ist nicht schlecht daran, das Gehirn muss sich andere Wege überlegen, die schnelle Ex-und Hopp-Gesellschaft muss sich weiterentwickeln und wieder etwas besinnen. Doch worauf nur? Das entscheidet jeder für sich allein.

Profitieren könnten süd- und südwesteuropäische Ziele wie Spanien, Portugal, Griechenland und Italien, wenn Fernreise-Pläne aufgegeben werden. "Buchungsdaten deuten aktuell auf einen Nachfrageanstieg von 32 Prozent im Jahresvergleich für Spanien und von rund 20 Prozent für Italien, Griechenland und Portugal hin", sagt Allianz-Trade-Expertin Maria Latorre. Einigen Menschen vergehe angesichts steigender Energiepreise, Inflation und schwacher Konsumstimmung aber auch die Reiselust. Der deutsche Inlandstourismus werde daher nicht automatisch von einem Schub profitieren.

"Für Reisende in Deutschland wird Fliegen erst einmal spürbar teurer", sagt Latorre. "Selbst wenn sich die Lage im Nahen Osten rasch entspannt, bleiben die Effekte auf Preise und Angebot über die Ferienzeit hinaus bestehen." Die internationalen Flugpreise hätten sich bereits um 5 bis 15 Prozent erhöht und zusätzlich hätten viele Gesellschaften wieder separate Kerosinzuschläge eingeführt und verlangten höhere Preise für Nebenleistungen wie Gepäck oder Reservierungen. Die bislang verkündeten Streckenstreichungen seien eher als Netzoptimierung denn als systematische Kürzung anzusehen.

Selbst bei einer baldigen Öffnung der Straße von Hormus würde es nach Schätzungen der Allianz Trade drei bis sechs Monate dauern, bis Förderung und Raffinerieauslastung im Mittleren Osten wieder weitgehend normalisiert sind, warnt Allianz Trade. Deutschland gehört neben Großbritannien zu den größten Importeuren von Kerosin. Einfuhren aus den USA könnten die Ausfälle aus dem Mittleren Osten nicht annähernd kompensieren. "Die Folge: Die Vorräte bauen sich schnell ab und das Risiko physischer Knappheit im Frühsommer steigt."

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Transportrouten für Öl weltweit. Kommt es dort zu Engpässen oder politischen Spannungen, steigen die Preise für Rohöl – und damit auch für Kerosin. Fluggesellschaften wollen die steigenden Kosten dann zumindest teilweise an Reisende weitergeben. Wir erklären, ob und wann Sie Preisaufschläge akzeptieren müssen und mit welchen Problemen Reisende gegebenenfalls noch konfrontiert sein können.

Dennoch wäre eine weltweite Besinnung am komfortabelsten. Und am dringlichsten.

Quelle: ntv.de