Panorama

Kurz: Sommerurlaub ist möglich Österreich und Schweiz machen Hoffnung

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Blick auf die Tiroler Alpen bei St. Anton am Arlberg.

(Foto: dpa)

In diesem Sommer zu verreisen, dürfte schwierig werden. Spanien und Italien ächzen unter der Corona-Krise, in vielen anderen Ländern sieht es kaum besser aus. Doch in zwei deutschen Nachbarländern könnte es vielleicht doch klappen.

In der Corona-Krise haben Millionen Menschen das Gefühl, eingesperrt zu sein - im Vergleich zu den Tausenden Toten und den bedrohten Existenzen mag dies nicht die gleiche Bedeutung haben. Doch würde vielen gerade jetzt die Aussicht auf einen Urlaub helfen, besser mit der Situation klarzukommen. Denn niemand reist so viel wie die Deutschen. Keine griechische Insel, kein New Yorker Wolkenkratzer, kein thailändischer Traumstrand ohne Gäste aus Berlin, Bremen oder Bitterfeld. In diesem Sommer aber müssen die reich mit Urlaubstagen gesegneten Menschen im Lande ihr Fernweh ertragen. Verzicht ist angesagt. Oder doch nicht so ganz?

Zumindest keimt gerade wieder ein bisschen Hoffnung auf, dass es zumindest mit Reisen nach Österreich und in die Schweiz klappen könnte. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz sagte, Ziel müsse es sein, dass trotz Corona-Krise auch die Reisefreiheit wieder gewährt würde. Die Ansteckungszahlen in Österreich seien inzwischen deutlich niedriger als in einigen Teilen Deutschlands. "Ich gehe davon aus, dass es hier gelingen kann, dass in den nächsten Wochen entsprechende Schritte stattfinden, weil es schlicht und ergreifend auch sachlich gut begründbar ist", sagte Kurz.

Am Abend sagte er der "Bild"-Zeitung, er halte es für möglich, dass Deutsche ihren Sommerurlaub in Österreich verbringen könnten. Voraussetzung für eine Grenzöffnung sei eine positive Entwicklung in den Nachbarländern, sagte der ÖVP-Politiker. "Wenn die Situation in Deutschland und Österreich gleich ist, dann ist es relativ egal, ob sich jemand innerhalb von Deutschland bewegt oder nach Österreich wieder zurück." Er gehe "selbstverständlich" davon aus, dass Deutsche ihren Skiurlaub im kommenden Winter wieder in Tirol verbringen könnten. "Ich glaube auch, dass ein Sommerurlaub möglich ist."

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Schweiz lockert früher als geplant

Zugleich hat die Schweiz angekündigt, dass die strengen Corona-Maßnahmen schon früher als geplant spürbar gelockert werden sollen. Statt erst Anfang Juni soll der großflächige Stillstand nun schon am 11. Mai enden. Nicht nur Läden, Märkte und obligatorische Schulen, sondern auch Museen, Bibliotheken und Restaurants sollen wieder öffnen. Möglich sei dies, weil die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus rückläufig sei, teilte die Regierung mit. Die Maßnahmen hätten Wirkung gezeigt. Es gibt aber weiter Auflagen für Restaurants. Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen werden voraussichtlich nicht vor September wieder erlaubt.

Doch solange in Deutschland weiter die strengen Maßnahmen gelten, ändert sich für Reisewillige nicht viel. Reisen sind zwar nicht direkt verboten, doch rät die Regierung dringend davon ab. Im Inland sind touristische Übernachtungen untersagt, das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung für das gesamte Ausland herausgegeben, ein beispielloser Vorgang, und diese nun sogar bis Mitte Juni verlängert. Doch auch hier ein Hoffnungsschimmer: Außenminister Heiko Maas deutete an, dass es Ausnahmen geben könnte. "Aber es ist auch nicht auszuschließen, aufgrund der unterschiedlichen Verläufe der Pandemiebekämpfung in den einzelnen Staaten, dass es auch zu Differenzierungen kommen wird", sagte der SPD-Politiker.

Differenzierung kann nur bedeuten, dass Reisen in Länder zugelassen werden, in denen sich die Corona-Lage wieder entspannt hat - zumindest so weit, dass das Risiko kalkulierbar ist. Womit wir wieder bei Österreich und der Schweiz wären. Die Äußerungen von Kurz und Maas wirken ein wenig wie zwei Puzzle-Stücke, die nur noch zusammengefügt werden müssen, daher scheint die Hoffnung durchaus berechtigt zu sein. Noch gleicht sie aber nur einem zarten Pflänzchen, denn Maas drückt gleich selbst auf die Euphoriebremse: "Selbst wenn es in einigen Ländern Lockerungen gibt, (...) muss man davon ausgehen, dass es noch Wochen dauern wird, bis sich die Dinge sowohl bei uns als auch in anderen Ländern normalisieren."

Meiste Reisen im Inland

Allerdings zeigt ein Blick in die Statistik, dass die Deutschen auch die Heimat zu schätzen wissen. Zu 18,7 Millionen Reisen mit einer Mindestlänge von fünf Tagen im Inland machten sie sich 2019 auf, wie der Deutsche Reiseverband gezählt hat. Dies ist mit Abstand der höchste Wert in der Reihenfolge der beliebtesten Länder - Spanien (9 Millionen) und Italien (6,2 Millionen) folgen mit großem Abstand. Wobei man dabei natürlich nicht finanzielle Gründe vergessen darf - so schön der Bayerische Wald und Rügen auch sind, dass man dort günstiger hinkommt, spielt für viele auch eine Rolle. Urlaub in Deutschland hätte vor allem den Vorteil, dass er im Sommer wieder möglich sein könnte, in vielen Tourismusgebieten laufen bereits die Vorbereitungen.

Wie man es auch dreht und wendet - selbst wenn, man möchte fast sagen: Privatreisen nach dem Ausland - wieder möglich werden, von Normalität werden wir weiter weit entfernt sein. Denn Social Distancing bleibt angesagt und das führt zwangsläufig dazu, dass weniger Menschen sich an den Hotspots tummeln können. Möglicherweise würden auch die Preise steigen, wenn sich alles auf Österreich, die Schweiz und heimische Regionen stürzt. Aber da dieses Jahr sowieso schon alles anders ist, kann man auch mal anders reisen: Wanderungen und Radtouren werden ohne große Ansteckungsgefahren zu bewerkstelligen sein. Und eine Fahrradfahrt von Dortmund ins Sauerland, nur mit eigener Muskelkraft (oder auch elektrisch unterstützt), wie auch ein langer Marsch durch die Sächsische Schweiz, kann ein größeres Abenteuer sein, als mit dem Billigflieger auf eine Mittelmeerinsel zu fliegen und sich dort auf einem Strand abzuladen.

Quelle: ntv.de, mit dpa/AFP