Panorama

Macht und Geschlechterrollen Partnergewalt ist ein Gesellschaftsproblem

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Häusliche Gewalt richtet sich überwiegend gegen Frauen.

(Foto: imago stock&people)

Ein Partner ist im Normalfall die Person, die einen liebt und unterstützt. In unzähligen Fällen ist es aber die Person, die einen demütigt und schlägt, manchmal sogar umbringt. Lange wurde das Problem verharmlost.

147 Frauen sind im vergangenen Jahr durch ihre Partner oder Ex-Partner gestorben. Anders als viele gern glauben möchten, sind die Täter keineswegs nur Migranten oder Männer, die von Hartz IV leben. Die Straftaten geschehen in allen sozialen Schichten und überall in Deutschland. Das belegen die aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamtes zu Gewalttaten in Partnerschaften. Oft ist dem Mord über einen längeren Zeitpunkt psychische oder physische Gewalt vorausgegangen.

Da rutscht nicht einfach mal jemandem die Hand aus, weil er ein bisschen zu viel Alkohol getrunken hat. Da fängt sich auch nicht eine Frau eine, die ihren Partner wahrscheinlich provoziert hat. Wenn von Gewalt in der Partnerschaft die Rede ist, dann geht es um: systematische Beschimpfungen und Demütigungen, Verfolgung, Isolation und Kontrolle, erzwungene sexuelle Handlungen, Ohrfeigen, Würgen, Verbrühungen, Tritte oder den Einsatz von Waffen. Nichts davon ist Teil einer gesunden Beziehung. Trotzdem erlebt ein Viertel aller Frauen in Deutschland im Lauf des Lebens genau das.

Allein fast 140.000 Fälle aus dem Jahr 2017 sind dokumentiert, in mehr als 80 Prozent sind Frauen die Opfer. Das eigene Zuhause wird zum gefährlichsten Ort der Welt, der selbst gewählte und geliebte Partner zur möglicherweise tödlichen Bedrohung. Wer meint, die Frauen könnten doch einfach gehen, hat die Dimension dieser Gewalt noch nicht einmal im Ansatz verstanden. Oft sind die Opfer durch die jahrelangen Übergriffe und Versöhnungen zermürbt. Viele sind isoliert, voller Scham und Angst, was passiert, wenn sie den Täter tatsächlich verlassen. Was wird mit den gemeinsamen Kindern? Was, wenn aus Drohungen wirklich Taten werden? Partnergewalt zerstört Freundschaften, das Selbstbewusstsein, das Vertrauen in andere, die eigene Persönlichkeit. Und sie wirkt auch in die nächste Generation, wenn Kinder Zeugen werden.

Meine Frau, mein Eigentum?

Es ehrt Familienministerin Franziska Giffey, wenn sie jetzt die Hilfen für Frauen ausbauen will, weil die Zahlen seit Jahren gleichbleibend hoch sind. Das ist auch gut und richtig. Entscheidend aber wird etwas anderes sein. Die Ursachen für die Übergriffe liegen für die Experten klar auf der Hand: Dazu gehören Gewalterfahrungen in der Kindheit des Täters ebenso wie Suchterkrankungen. Die Hauptursache ist jedoch ein traditionelles Verständnis von Geschlechterrollen und die sich daraus ergebenen Abhängigkeiten. Wenn die Frau sich trennt, wird dieses Rollenverständnis, das oft als Eigentumsverhältnis angesehen wird, infrage gestellt. Mit immer wieder tödlichen Folgen für die Frauen und oft auch für die Kinder.

Je größer das gesellschaftliche Machtungleichgewicht zwischen Männern und Frauen ist, desto größer sei die Gefahr für Frauen, Opfer von Partnergewalt zu werden, sagt die Forschung. Umgekehrt bedeutet das aber auch: Je kleiner das Machtungleichgewicht wird, desto kleiner wird auch die Gefahr. Wenn Frauen bei Bildung, Status oder Einkommen völlig selbstverständlich mit Männern gleichauf liegen, wenn Männlichkeitsbilder sich nicht mehr an Überlegenheit orientieren, wenn Partnerschaften gleichberechtigt geschlossen und aufgelöst werden, erst dann wird es weniger Frauenmorde geben.

Quelle: n-tv.de

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