Panorama

Haftantrag gegen Peiniger Paul wurde wohl sexuell missbraucht

Der in Düsseldorf befreite Schweizer Junge war im Netz sehr aktiv. Dort lernte Paul auch seinen Entführer kennen. Dieser hatte wohl schon öfter Kinder bei sich. Im Haftantrag wird Werner C. vorgeworfen, sich an dem Zwölfjährigen sexuell vergangen zu haben

Rund 560 Kilometer trennen den Ort des Verschwindens von Paul S. im schweizerischen Gunzgen von jener Wohnung in Düsseldorf, wo er am Wochenende von der Polizei befreit wurde. Die Beamten verhafteten in der Wohnung einen Mann, den der Kölner "Express" als Werner C. identifizierte. Laut Markus Niesczery, Sprecher der Düsseldorfer Polizei ist C. wegen kleineren Betrugsdelikten vorbestraft, nicht aber wegen Sexual- oder Missbrauchsdelikten. Er sei Deutscher, gelernter Koch und lebe seit einigen Jahren in Düsseldorf.

Ersten Ermittlungen zufolge, war Paul acht Tage lang in dessen Wohnung. Der Koch soll den Jungen sexuell missbraucht haben, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf den Haftantrag. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main will im Laufe des Montagnachmittags weiter über die Vorwürfe informieren.

Auf die Spur des Kochs waren die Schweizer Behörden gekommen. Eine 30-köpfige Sonderkommission hatte rund um die Uhr ermittelt, selbst das FBI wurde hinzugezogen. Das Ergebnis: Paul zockte viele Stunden im Internet und ist leidenschaftlicher "Minecraft"-Spieler. Auf einer Spielplattform hatte er C. kennengelernt. Dem Schweizer "Tages-Anzeiger" hatte Paul auf mindestens vier verschiedenen Portalen ein Profil und versuchte demnach sogar einen Job als Junior-Supporter zu ergattern.

"Kreativ, flexibel, leicht reizbar"

Zwei Tage vor seinem Verschwinden stellte sich Paul auf einem Portal vor: Er spiele seit einem halben Jahr Minecraft, sei zwölf Jahre alt, wohne in der Schweiz und sei täglich eine bis fünf Stunden online. Hobbys: "Fußball/Computer/Mit Freunden gamen". Stärken: "bin kreativ und flexibel". Schwächen: "Leicht reizbar." Er wolle dafür sorgen, "dass die Serverregeln eingehalten werden und dass unter den Siedlern ein ordentliches Klima herrscht", zitiert die Zeitung eine Plattform.

Paul muss sein Abtauchen über mehrere Wochen geplant haben. Die Polizei bestätigte die Existenz einer "Strichliste": Der Junge hatte die Tage bis zu jenem Samstag heruntergezählt, an dem er verschwand. Klassenkameraden sagten aus, Paul habe ihnen gegenüber angekündigt, er werde bald nicht mehr da sein.

Wie der Junge nach Düsseldorf gekommen ist, klären die Fahnder nun ab. Laut "Express" besitzt C. keinen Führerschein. Eine Nachbarin berichtete der "Bild"-Zeitung, dass C. vergangene Woche für zwei Tage in die Schweiz geflogen sei. Möglicherweise seien C. und Paul mit dem Zug zurückgefahren.

C. soll nun dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Schweizer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Entführung. Der Straftatbestand komme bei Kindern unter 16 Jahren infrage, auch wenn diese sich scheinbar freiwillig bei einer Person aufhalten.

Quelle: ntv.de, dsi