Panorama

Sozialverband sieht Negativtrend Pflegenden Angehörigen droht Armut

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Rund 2,5 Millionen Deutsche pflegen zu Hause Angehörige.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wer sich um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmert, kann oft nicht arbeiten gehen, schon gar nicht in Vollzeit. Der Sozialverband Deutschland beobachtet, dass besonders Frauen die finanzielle Überforderung droht.

Nicht nur Pflegebedürftige, auch deren Angehörige sind nach Angaben des Sozialverbands Deutschland (SoVD) zunehmend von Armut bedroht. "Die finanzielle Überforderung treibt insbesondere pflegende Frauen in die Armut", sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer. Dies werde in zahlreichen Gesprächen in den Beratungsstellen des Sozialverbands deutlich. Um verlässliche Zahlen zu erhalten, gab der SoVD nun ein Gutachten zur pflegebedingten Armut von Frauen in Auftrag.

Rund 2,5 Millionen Menschen pflegen hierzulande zu Hause ihre Angehörigen, etwa 1,65 Millionen davon sind Frauen. "Neben der körperlichen und der seelischen Belastung tragen sie ein hohes Armutsrisiko", sagte der Verbandspräsident. "Fest steht schon heute, dass der Handlungsdruck enorm ist."

"Wir sind alarmiert, denn die Zahl der pflegenden Angehörigen, die sich an uns wenden, steigt", so Bauer weiter. In vielen Gesprächen in den Beratungsstellen des SoVD werde die finanzielle Überforderung deutlich. "Diesen ersten Anhaltspunkten wollen wir nun mit einem wissenschaftlichen Gutachten nachgehen und so eine verlässliche Faktengrundlage schaffen." Die Erkenntnisse sollten dazu dienen, "zielgerichtete Hilfsmaßnahmen vorzuschlagen". Die Ergebnisse des Gutachtens würden noch in diesem Jahr erwartet.

Viele Angehörige können nicht voll arbeiten

Bauer verwies auf den hohen Einsatz, den pflegende Angehörige erbringen - oft zu Lasten ihrer Berufstätigkeit. Im "Pflegereport" der Barmer Krankenkasse gaben 85 Prozent der Angehörigen an, die Betreuung des Pflegebedürftigen bestimme ihren Alltag. Die Hälfte der Befragten kümmert sich demnach mehr als zwölf Stunden um den Pflegebedürftigen, jeder vierte Pflegende hat seinen Beruf deswegen reduziert oder ganz aufgegeben. Befragt wurden 1900 pflegende Angehörige.

Der SoVD-Präsident verwies auf die bisherigen pflegepolitischen Initiativen seines Verbands zur Verbesserung der Situation von Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen. Als Beispiele nannte er das SoVD-Modell für eine "Solidarische Pflege-Bürgerversicherung" und das Positionspapier "Gute Pflege braucht starke Kräfte" zur Stärkung der Altenpflegekräfte.

Der SoVD sieht sich als Interessenvertreter der gesetzlich Rentenversicherten, der gesetzlich Krankenversicherten sowie der pflegebedürftigen und behinderten Menschen. Der Verband, der 1917 als Kriegsopferverband gegründet wurde, zählt nach eigenen Angaben mehr als 580.000 Mitglieder.

Quelle: n-tv.de, fhe/AFP