Panorama

Blutige Hände nicht fotografiert Polizei-Panne im Chemnitzer Messer-Mordfall

119660005.jpg

Der angeklagte Syrer Alaa S. wird in den Gerichtssaal geführt (Archivbild).

(Foto: picture alliance/dpa)

Rechte Aufmärsche nach der tödlichen Messerattacke auf einen Deutschen erschüttern Chemnitz bis heute. Im Prozess gegen einen Asylbewerber ist die Beweislage allerdings dünn. Umso erstaunlicher, dass die Polizei es versäumt, die blutverschmierten Hände des Angeklagten zu dokumentieren.

Im Prozess um den tödlichen Messerangriff auf einen Deutschen im August 2018 in Chemnitz hat die Polizei vor Gericht eine Panne bei den Ermittlungen offenbart. Bei der vorläufigen Festnahme des Angeklagten sind dessen blutverschmierten Hände weder fotografiert noch später im Sachstandsbericht erwähnt worden. Das sagten beim Prozess des Landgerichts Chemnitz in Dresden zwei Polizisten als Zeugen aus.

Seit 18. März muss sich der Syrer Alaa S. wegen gemeinschaftlichen Totschlags vor dem Landgericht Chemnitz verantworten. Ein weiterer Zeuge sagte vor Gericht aus, er sei sich sicher, dass der Angeklagte an der Tat beteiligt war. Der Angeklagte soll zusammen mit einem Iraker, der auf der Flucht ist und weltweit gesucht wird, am 26. August 2018 in Chemnitz einen Deutschen erstochen haben. Nach der Tat war es in der Stadt zu fremdenfeindlichen Übergriffen, rechten Demonstrationen sowie zu Anschlägen auf ausländische Restaurants gekommen.

Die Beweislage wird in sächsischen Justizkreisen als "sehr dünn" beschrieben. Vom angeklagten Alaa S. haben sich weder am mutmaßlichen Tatwerkzeug, einem Messer, noch an der Kleidung des Opfers DNA-Spuren finden lassen - diese möglichen Indizien fallen also für einen Schuldnachweis aus.

Alaa S., der in der Nacht mit blutverschmierten Händen einer Polizeistreife buchstäblich in die Arme gelaufen sein soll, bleibt bei seiner Aussage: Er sei überhaupt nicht in der Nähe des Tatortes gewesen.

Zum Auftakt des 6. Verhandlungstages hatte die Verteidigung die Ablösung von Staatsanwalt Stephan Butzkies gefordert. Ihren Antrag begründete Rechtsanwältin Ricarda Lang mit einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Dresden. Die Verteidigung sehe die Gefahr der mangelnden Objektivität und dass der Staatsanwalt eine Verurteilung um jeden Preis anstrebe. Ein ehemals Tatverdächtiger hatte Strafanzeige gegen Butzkies wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung gestellt.

Die Vorsitzende Richterin teilte mit, der Antrag der Verteidigung werde an den Leitenden Oberstaatsanwalt in Chemnitz zur Entscheidung weitergeleitet. Der Prozess wird am 9. Mai fortgesetzt.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

Mehr zum Thema