Panorama

Neue Spur im Fall Maddie? Polizei durchsucht Kleingarten in Hannover

Der Fall der vor 13 Jahren verschwundenen Maddie McCann führt die Ermittler in eine Kleingarten-Parzelle nach Hannover. Was sie dort genau suchen, ist noch unklar. Laut Medienbericht sind ein Mini-Bagger und Beamte mit Schaufeln und Harken im Einsatz, das Gelände wurde gerodet.

Im Fall der verschwundenen Madeleine "Maddie" McCann hat die Polizei mit der Durchsuchung einer Kleingarten-Parzelle in einer Schrebergartensiedlung im Raum Hannover begonnen. Der Einsatz stehe im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen Mordes gegen den verdächtigen 43-jährigen Deutschen, sagte nun eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Was in dem Kleingarten gesucht werde, sagte sie nicht. Über den Polizeieinsatz, bei dem auch ein Mini-Bagger benutzt und das Gelände gerodet wurde, hatte zuerst die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtet. Mehrere Beamte durchkämmten das Erdreich des Grundstücks mit Schaufeln und Harken. Auch Beamte der Spurensicherung in weißen Anzügen sowie ein Spürhund waren am Ort. Demnach startete die Polizei-Aktion in den frühen Morgenstunden in der Region zwischen Hannover-Ahlem und Seelze-Letter.

Zuvor hatte die portugiesische Polizei drei Brunnen mit der Hilfe von Tauchern in der Gemeinde Vila do Bispo abgesucht, wie die Zeitung "Correio da Manha" und der TV-Sender RTP unter Berufung auf Polizeikreise Anfang Juli berichtet hatten. Dabei sei allerdings keine Spur des britischen Mädchens entdeckt worden, hieß es. Die Ermittler in Deutschland sind überzeugt, dass das Kind tot ist. Zu dieser Annahme äußern sich die Behörden in Portugal nicht.

Pendelte zwischen Portugal und Deutschland

Der in Kiel inhaftierte 43-Jährige steht im Verdacht, 2007 die damals dreijährige Maddie aus einer Ferienanlage in Portugal entführt zu haben. Am 3. Mai 2007 soll der Mann zu "tatrelevanter" Zeit im portugiesischen Praia da Luz mit dem Handy telefoniert haben. Das BKA ermittelt nach Zeugenhinweisen bereits seit 2013 im Fall Maddie gegen den Deutschen - allerdings reichten die Indizien bisher für eine Anklage nicht aus. Der Beschuldigte wollte sich bisher nach Angaben seiner Verteidiger nicht zur Sache äußern.

Das Landgericht Braunschweig hatte den 43-Jährigen Ende 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er hatte 2005 in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Deutsche ist auch wegen sexuellen Kindesmissbrauchs vorbestraft. Die Ermittler in Braunschweig sind für den Fall zuständig, weil der Verdächtige seinen letzten deutschen Wohnsitz in der Stadt hatte.

Er verbrachte mehrere Jahre in der niedersächsischen Landeshauptstadt, Medienberichten zufolge seit 2007. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover der dpa sagte, verurteilte ihn das Amtsgericht Hannover 2010 wegen Urkundenfälschung und 2013 wegen gemeinschaftlichen Diebstahls zu Geldstrafen. In den Jahren 2013 bis 2015 pendelte er dem Sprecher zufolge zwischen Deutschland und Portugal.

Ende 2012 hatte der Verdächtige zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin einen Kiosk in Braunschweig eröffnet. Nach der Trennung führte er den Laden allein weiter, bis er ihn sowie die angrenzende Wohnung eineinhalb Jahre später aufgab. Nach Medienberichten soll die Durchsuchung des Kleingarten-Grundstückes in der Nähe des Stichkanals Hannover-Linden am Mittwoch fortgesetzt werden.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa/AFP