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Bombenattacke besorgt Nordirland Polizei verhört mutmaßliche IRA-Terroristen

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Bei dem Anschlag sind keine Personen zu Schaden gekommen.

(Foto: REUTERS)

Für den Bombenanschlag im nordirischen Londonderry soll die militante "New IRA" verantwortlich sein. Während die Polizei fünf Verdächtige verhört, wächst in dem Land die Verunsicherung. Insbesondere die zweitgrößte Stadt kommt nicht zur Ruhe.

Zwei Tage nach dem Autobombenanschlag in der nordirischen Stadt Londonderry hat die Polizei fünf Verdächtige verhört. Sie sollen alle der militanten Gruppierung "New IRA", einer Splittergruppe der irisch-republikanischen Untergrundorganisation IRA, angehören, wie die Polizei mitteilte. Demnach sollen sie vorerst in Haft bleiben.

Nordirlands stellvertretender Polizeichef Mark Hamilton bezeichnete den mutmaßlich von der "New IRA" verübten Anschlag als "den vermutlich bedeutendsten Angriff der vergangenen Jahre". Seit langer Zeit sei kein derartiger Sprengsatz mehr in der britischen Provinz gezündet worden, sagte Hamilton der BBC. "Das ist eine Hochrisiko-Taktik." Die "New IRA" sei zwar "weitgehend unrepräsentativ", aber "entschlossen, die Leute dorthin zurückzuziehen, wo sie nicht sein wollen".

Hunderte Menschen in Sicherheit gebracht

Der Sprengsatz war am Samstagabend im Zentrum der Stadt vor einem Gerichtsgebäude detoniert. Verletzt wurde niemand. Nur 15 Minuten vor der Explosion war eine Warnung eingegangen. Daraufhin begann die Polizei mit der Räumung umliegender Gebäude. Hunderte Menschen wurden in Sicherheit gebracht, darunter viele Kinder. Videoaufnahmen zeigten, wie gefährlich die Lage war: Noch wenige Minuten vor dem Anschlag ging eine Gruppe von Menschen an dem Fahrzeug vorbei.

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Die britische Ministerin für Nordirland, Karen Bradley, wertete den Anschlag als einen Versuch, nach einem 20 Jahre währenden Friedensprozess "den Fortschritt in Nordirland zum Erliegen zu bringen". Die Vorsitzende der nordirischen Unionisten-Partei DUP, Arlene Foster, sprach von einem "sinnlosen Akt des Terrors".

Derweil wächst die Sorge, dass die Turbulenzen rund um den geplanten EU-Austritt Großbritanniens militanten nordirischen Gruppen wie der "New IRA" in die Hände spielen könnten. Im Falle eines harten Brexit droht die Wiedereinführung von Grenzkontrollen zwischen der britischen Provinz Nordirland und dem EU-Mitglied Irland. Irland will eine "harte Grenze" verhindern, auch um das Karfreitagsabkommen von 1998 zu schützen. Wesentlicher Bestandteil des Abkommens ist eine Grenze ohne Kontrollen zwischen Nordirland und Irland.

Neuer Vorfall in Londonderry

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Insbesondere in Londonderry, der zweitgrößten Stadt Nordirlands, ist die Verunsicherung in den vergangenen Tagen gewachsen. Die 85.000-Einwohner-Stadt Londonderry liegt im Nordwesten der Provinz an der Grenze zur Republik Irland. Dort wohnen vor allem Katholiken, die ihre Stadt schlicht Derry nennen. Wie die Polizei mitteilte, hätten am Montagmittag drei maskierte Männer einen Transporter im Stadtzentrum entführt und einen Gegenstand in den Laderaum geworfen. Die Gegend sei daraufhin evakuiert worden. Mittlerweile sei das Fahrzeug wieder abgestellt worden, die Entführer seien noch flüchtig.

Auch 20 Jahre nach dem Karfreitagsabkommen, das den blutigen Konflikt in Nordirland beendete, kommt es immer wieder zu Streits um die Zukunft der Region. Im Bürgerkrieg standen katholische Nationalisten, die eine Vereinigung mit Irland anstreben, protestantischen Unionisten gegenüber, die weiterhin zu Großbritannien gehören wollen. Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) hatte im Nordirland-Konflikt gegen pro-britische Protestantengruppen, die Polizei und das britische Militär gekämpft.

Quelle: n-tv.de, cri/dpa/AFP

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