Erste "First Lady" der Gen Z?Rama Duwaji, die "Prinzessin" des sozialistischen Demokraten
Von Sabine Oelmann
Sie wird mit Jackie Kennedy und Audrey Hepburn verglichen, doch das allein wäre ein wenig dürftig und wird ihr auch nicht gerecht. Nachdem Rama Duwaji nun vor allem für ihren Stil und ihre Anmut, ihre Ausstrahlung und ihre Eleganz gepriesen wird, ist es an der Zeit, sich die 28-Jährige etwas genauer anzuschauen.
Allein das Äußere wird die junge "First Lady" von New York - ob sie diesen Begriff mag? - nicht durch die Amtszeit ihres Mannes Zohran Mamdani tragen. Und es wird auch nicht reichen. Denn Rama Duwaji ist nicht nur eine Künstlerin oder eine schöne junge Frau auf Instagram, sie ist die Ehefrau des Mannes, der eine Art Zeitenwende in New York veranstalten möchte: kostenlose Busse, kostenlose Kinderbetreuung und Mietpreisbremse. Das ist ein Brett, und dafür braucht man - im übertragenen Sinne - wahrlich keine Pumps, sondern Laufschuhe.
Da muss auch mehr her als eine bezaubernde Frau an der Seite eines demokratischen Politikers mit sozialistischen Ideen, denn solche Vorhaben können ganz schnell zu einem Ritt auf der Rasierklinge werden, wenn man sich nicht vorwerfen lassen möchte, am Ende doch nur ein Salon-Sozialist zu sein. Also - Rama Duwaji ist ganz sicher nicht nur eine Projektionsfläche für hungrige Demokraten, Journalisten und Modeinteressierte, die sich verständlicherweise nach einem anderen Typ Frau als dem aktuell in den USA angesagten Maga-Modell sehnen.
Rama Duwaji ist Tochter wohlhabender syrischer Eltern, aufgewachsen in Dubai, beschreibt sich auf ihrem Instagram-Account als "illustrator und animator from damascus, nyc", obwohl in Houston, Texas, geboren. Sie ist die bislang jüngste und erste muslimische Ehefrau eines Bürgermeisters in der Geschichte der US-Metropole. Seit der Wahl ihres Mannes und vor allem seit seiner Vereidigung inklusive Schwur auf den Koran wird sie - nicht nur - von der Modewelt als Ikone gefeiert. Und das, obwohl sie noch gar nicht viele Auftritte hatte.
Man will, was sie hat
Duwaji studierte an der Virginia Commonwealth University School of the Arts in Katar, bevor sie an die University of Richmond wechselte, um ihr Studium abzuschließen. Ihren Master in Illustration erwarb sie 2024 an der School of Visual Arts in New York. Laut Wikipedia engagiert sie sich für die Opfer des Bürgerkriegs im Sudan, die Anerkennung Palästinas und die Rechte der Menschen im Gazastreifen.
Auch wenn Duwaji Illustratorin und keine Politikerin ist erklärte sie im Interview mit dem Magazin "The Cut", der Modeausgabe des "New York Magazine", sie wolle dennoch über Palästina, Syrien und den Sudan sprechen. Und offenbar will sie das nicht nur durch ihre Kunst, sondern auch mithilfe der Mode: Am ersten Tag des neuen Jahres sah man sie in einem braunen, mit Kunstpelz besetzten Mantel, dem Entwurf einer palästinensisch-libanesischen Designerin, der von Frauen im Libanon angefertigt wurde. Genau wie Michelle Obama nutzt Duwaji ihre neue Prominenz, kleinere Labels zu unterstützen. Aber auch, um eine Botschaft zu übermitteln, die über Mode hinausgeht.
Gern älter, gern gebraucht
Fashionjournalistinnen sagen Duwaji eine Begeisterung und Vorliebe für Cowboystiefel, Spitzenkleider, Corsagen-Oberteile und Second Hand nach – von diesem Stil dürfte sich vor allem die Generation Z angesprochen fühlen. Als ihr Mann seinen Amtseid in einem New Yorker U-Bahn-Schacht auf den Koran schwor, trug Duwaji einen Vintage-Mantel von Balenciaga (ausgeliehen aus der Albright Fashion Library, wie die "Vogue" weiß), Zohran Mamdani einen darauf abgestimmten Samtanzug mit einer goldbestickten Krawatte eines, wie der österreichische "Standard" berichtet, in Neu-Delhi ansässigen Designers.
Ralph Lauren und Donna Karan müssen sich wohl etwas einfallen lassen, um die junge Frau auf ihrer Reise zwischen Sozialismus und High Society von ihren Entwürfen zu begeistern. Denn auch, wenn viele sie als eine Art "Prinzessin vom Big Apple" vereinnahmen wollen - Duwaji scheint ihren eigenen Kopf mit trendiger Kurzhaarfrisur zu haben.
Und ja, die Modewelt stand bereits Kopf, als Duwaji Ende vergangenen Jahres für "The Cut" posierte: Von einer First-Lady mit erkennbar eigenem Stil war die Rede, die altehrwürdige "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bezeichnete das künstlerische Shooting gar als "die beste Modestrecke des Jahres". Aber das war letztes Jahr. Fokussieren wir uns auf 2026 und das, was abseits des schönen Äußeren noch zu Rama Duwaji zu sagen ist. Auf Instagram folgen ihr immerhin 1,6 Millionen Menschen.
Ist es verwerflich?
Duwaji, die hauptsächlich digitale Illustrationen anfertigt, arbeitet für die "Washington Post", die "Vogue" oder auch das "New York Magazine". Ihren Fokus hat sie bisher auf Gaza und Palästina gelegt, wie die "Jüdische Allgemeine" konstatiert, und fragt: "Ist es verwerflich, wenn eine Politikerfrau und Illustratorin sich leidenschaftlich für ein bestimmtes Volk einsetzt?" Sie beantwortet sich die Frage selbst mit: "Natürlich nicht". Es sei allerdings die Art und Weise, wie sich dieses Engagement gestalte. "New York ist der Ort mit der größten jüdischen Bevölkerung auf der Welt außerhalb Israels (…) und Mamdani ist ein langjähriger Unterstützer der antisemitischen BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen), die Israel wirtschaftlich isolieren will."
Pikant: Duwaji unterstützte ihren Mann bereits mit einem Werbefilm, "mit israelischen Drohnen und Blut, das aus Händen tropft, um angebliche israelische Kriegsverbrechen zu illustrieren". Das Blatt sieht darin nicht nur eine Unterstützung eines antisemitischen Narrativs, sondern geradezu eine "künstlerische Raffinesse", da "Dujawis visuelle Sprache eine sanftere ist" und damit junge, liberale Menschen anspreche.
Verführung per Illustration?
Gegen eine sanfte (Bild-)sprache ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Duwaji betont mit ihren Illustrationen das Leid palästinensischer Frauen und setzt sich damit immerhin von anderen Künstlern ab, die viel plakativer arbeiten - indem sie Juden in Cartoons beispielsweise Naziuniformen verpassen. In den Posts zu ihren Bildern jedoch spricht sie durchaus vom "Genozid" an den Palästinensern. Sie fordert ihre Leser auf, sich zu wehren: "resist". Da mag sich nun jeder selbst ein Bild von machen, die "Jüdische Allgemeine" findet ihre überwiegend in Schwarz-Weiß gehaltenen Zeichnungen eher "simpel. Die Figuren tragen oft ein Kopftuch und einen wütenden, kämpferischen Ausdruck". Die "Zeit" schreibt, etwas milder: "Zuversichtlich tröstend schlingen sie oft die Arme um ihren eigenen Körper oder den von anderen."
Einmal im Monat lässt Rama Duwaji ihre Follower daran teilhaben, was sie inspiriert, um sich ihrer Kunst zu widmen. Sie sagt, dass Kunst grundsätzlich politisch sei und ihre Arbeit eine Reaktion auf die Welt um sie herum. Sie übersetzt persönliche Erfahrungen in kollektives Erleben und zeigt Szenen von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Auf ihren Selfies wirkt Duwaji meist fröhlich, ist mit Freundinnen unterwegs und sieht aus wie viele andere junge Frauen, die sich ihrer Schönheit und Stärke bewusst sind.
Duwaji hat bereits ein Buch über ein Mädchen, das mit seinem Körper unzufrieden ist, geschrieben, sie liebt Käsekuchen und leitet hin und wieder Töpferworkshops. Von Zohran Mamdani übrigens kaum eine Spur auf ihrem Account bis zu seiner Vereidigung - den Ehemann auf dem Account zu zeigen, gilt in gewissen Kreisen als absolut unmodern. Auch dann, wenn der eigene Erfolg und das gesteigerte Interesse eventuell nur mit ihm zu tun haben könnten. Aber das ist natürlich eine Unterstellung und reine Spekulation.
Powerpaar, wohin geht die Reise?
Dieser Ehemann nun steht in den ersten Wochen des jungen Jahres im Fokus und setzte bereits einige seiner Ankündigungen sofort in die Tat um. So unterzeichnete er laut "New York Times" bereits mehrere Verordnungen, mit denen er Anordnungen seines Vorgängers wieder aufhob. Unter anderem zwei Anordnungen, die zur Unterstützung Israels gedacht waren. Viele beobachteten Mamdanis offene Israel-Kritik bereits während des Vorwahlkampfes mit großer Sorge. Auf der anderen Seite gewann er jedoch die Stimmen derer, die sich an seinen Ansichten zum Nahen Osten nicht stören, darunter auch jüdischstämmige und vor allem prominente New Yorker mit Einfluss. Er versprach, die Sicherheit der jüdischen New Yorker zu schützen.
Dieses Paar wird uns in den nächsten Wochen und Jahren begleiten, denn viele Amerikaner sahen in Mamdani bereits vor seinem Amtsantritt mehr als einen einfachen Bürgermeister: Nicht wenige empfinden den in Uganda geborenen Sohn indischer Eltern als generelle Nachwuchshoffnung der Demokratischen Partei.
Und auch Rama Duwaji wird New York und alle, die über den Tellerrand schauen wollen, in Atem halten: Mit ihrer Kunst, mit ihrer Kleidung, mit ihren Ansichten. Beide, sowohl Mamdani als auch Duwaji, sind in wohlhabenden Elternhäusern geboren - ewig wird der "sozialistische Bürgermeister" wohl kaum mit der U-Bahn zu seinen Terminen fahren, und seine Frau wird sich für mehr engagieren müssen als einfach nur "gegen etwas" zu sein.
Dabei sollten beide darauf achten, sich nicht von ihren eigenen Schlagwörtern umhauen zu lassen, zum Beispiel, wem die Stadt gehört: "Den Reichen und gut Vernetzten – oder denjenigen, die unsere U-Bahnen reparieren, Parks aufräumen und Essen servieren?" fragt Mamdani immer wieder. Am besten allen, denn ohne die Reichen werden die Armen nicht umsonst U-Bahn fahren können, keine Jobs bekommen, es wird keine Investitionen in der Ostküstenmetropole geben. Als Bürgermeister aller New Yorker, der er sein will, sollte Mamdani auf Verständigung und Versöhnung, nicht auf Spaltung, setzen. Dabei kann Rama Duwaji ihm eine mächtige Stütze sein.