Panorama

Berliner Vermisstenfall Rebeccas Familie geht durch die Hölle

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Ein Wald nahe Storkow wurde für die Suche nach Rebecca weiträumig abgesperrt.

(Foto: www.imago-images.de)

Im Fall Rebecca können die Ermittler noch keinen Durchbruch vermelden. Dafür meldet sich die Familie erneut zur Wort. Die Eltern der 15-Jährigen und ihre beiden Schwestern sind in einer Ausnahmesituation. Der Verdacht gegen den Schwager macht es noch schlimmer.

25 Tage ist Rebecca aus Berlin nun bereits verschwunden. Die Polizei lässt keinen Zweifel an ihrer Einschätzung, dass die 15-Jährige getötet wurde. Doch Rebeccas Familie sieht dies anders. Denn noch immer setzen die Eltern und die beiden Schwestern des Mädchens offenbar auf ein Wiedersehen. "Wir hoffen so sehr, dass wir unsere Becci wiederkriegen", sagte Mutter Brigitte Reusch gerade in einem Interview mit der "Bunten". Sie sei sicher, dass ihre Tochter noch lebt und von "einem Fremden eingesperrt" worden sei.

Rebeccas Familie befindet sich seit mehr als drei Wochen in einer psychologischen Ausnahmesituation. Traumaexperten, die Eltern vermisster Kinder betreuen, berichten, dass sich in dieser Phase immer wieder Schuldgefühle mit absoluter Hilflosigkeit abwechseln. Man sei eine intakte Familie, in der die Kinder behütet aufwuchsen, hieß es auch von Rebeccas Familie. Die Angehörigen entschieden sich, die Suche nach der Tochter öffentlich zu machen. Kopierte Zettel mit Rebeccas Bild und Personenbeschreibung auszuhängen, sind möglicherweise besser als das absolute Ohnmachtsgefühl.

Trotzdem bleiben Angst und Verzweiflung. "Es gibt Tage, da breche ich innerlich vor Schmerz komplett zusammen", sagt Rebeccas Mutter. Die 52-Jährige, ihr Mann und auch Rebeccas Schwestern haben sich immer wieder gegenüber Medien geäußert. Vor allem mit der Bitte, nach Rebecca Ausschau zu halten, in Lauben oder Kellern nachzusehen, ob sie vielleicht dort sei. Dahinter steht die Hoffnung, die auch die Familien anderer vermisster Kinder selbst Jahre nach dem Verschwinden nicht aufgeben. Dass das Kind einfach wieder auftaucht, so wie Natascha Kampusch in Österreich. Kampusch war 1998 auf dem Schulweg verschwunden und wurde acht Jahre gefangen gehalten, bevor ihr 2006 die Flucht gelang.

Ein Täter aus der Familie?

Im Fall Rebecca kommt erschwerend hinzu, dass die Polizei ein Familienmitglied verdächtigt, Rebecca etwas angetan zu haben. Die 15-Jährige hatte vor ihrem Verschwinden bei ihrer Schwester übernachtet. Deren Mann sitzt in Untersuchungshaft und wird von der Polizei als Hauptverdächtiger bezeichnet. Zu der Sorge um Rebecca kommt damit noch das Gefühl, sich möglicherweise in einem geliebten Menschen jahrelang grundlegend getäuscht zu haben.

Immer wieder hat sich die Familie schützend vor Florian R. gestellt. Im "Bunte"-Gespräch sagt Rebeccas Schwester Jessica: "Ich habe einen tollen Mann und kann mir absolut nicht vorstellen, dass Florian meiner Schwester etwas angetan haben könnte." Seit acht Jahren sind die beiden ein Paar. Sie sind Eltern einer zweijährigen Tochter und haben im vergangenen Jahr geheiratet. Florian R. soll für Rebecca wie ein großer Bruder gewesen sein. Er sei ein "herzensguter Ehemann" und "rührender Vater", sagt Jessica R. über den Mann, dem die Polizei die Tötung ihrer Schwester zutraut.

Psychotherapeut und Trauma-Experte Christian Lüdke sieht die Familie im seelischen Ausnahmezustand. Der "Bild"-Zeitung sagte er: "Wenn der ­Täter ein Fremder ist, kann man die Wut nach außen projizieren. Ist es ein Familienangehöriger, schwankt man zwischen Zorn und Liebe." Die Verarbeitung zweier so unterschiedlicher Gefühle sei eine totale Überforderung. Deshalb habe sich die Familie für die Liebe entschieden.

Schon das Verschwinden eines Kindes ist eine extreme Belastungsprobe für jede Familie. Das Vertrauen ineinander wird erschüttert, zumal die Polizei jedem Ermittlungsansatz folgen muss. Im Fall der 2007 aus einer portugiesischen Ferienanlage verschwundenen Maddie wurden Mutter und Vater abwechselnd verdächtigt, das Kind betäubt, versehentlich getötet oder verkauft zu haben. Das Paar, das außerdem noch zwei weitere Kinder hat, hielt zusammen. Maddie ist bis heute verschwunden. So wie Rebecca bisher.

Quelle: n-tv.de

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