Panorama

Nach dem Schnee kommt der Frost Scheuer fordert Reiseverzicht bis Mittwoch

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Am besten das Auto stehen lassen: Abendszene in Berlin-Tempelhof.

(Foto: imago images/A. Friedrichs)

Auf Reisen verzichten? Kommt uns bekannt vor. Doch diesmal ist nicht das Virus der Auslöser der Warnung, sondern Eis, Glätte, Sturm. Im Extremwetter gibt Verkehrsminister Scheuer den Mahner, denn der "Flockdown" hält Deutschland weiter fest im Griff: Nach dem Schnee kommt jetzt der Frost.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat an die Bürger im Norden und in der Mitte Deutschlands appelliert, angesichts der Wetterlage mindestens bis Mittwoch auf Reisen zu verzichten. "Bei solchen extremen Bedingungen können selbst die beste Weichenheizung und das beste Räumfahrzeug an ihre Grenzen geraten", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Deshalb gilt zumindest für die Mitte und den Norden vorerst weiter: Wer nicht unbedingt unterwegs sein muss, sollte zuhause bleiben."

Die schwierige Lage sei noch nicht überstanden, warnte Scheuer. In der Mitte Deutschlands würden in den Nächten auf Dienstag und Mittwoch Temperaturen von teilweise minus 18 oder sogar minus 25 Grad erwartet. Der Norden werde sich in der Nacht zum Mittwoch weiter auf kräftige Schneefälle einrichten müssen, sagte der Minister weiter. Scheuer bedankte sich dem Bericht zufolge bei allen Helfern, die "seit dem Wochenende rund um die Uhr unermüdlich im Einsatz" seien, um die Auswirkungen des Schneesturms abzufedern. Weil das Unwetter andauere, sei es schwierig, die Auswirkungen zum jetzigen Zeitpunkt zu bewerten, hieß es aus dem Bundesverkehrsministerium.

Temperaturen sinken in den "Eisfach-Bereich"

In immer weniger Regionen Deutschlands wird es in den kommenden Tagen zumindest tagsüber frostfrei sein, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) vorhersagte. Demnach klettern die Temperaturen an diesem Dienstag nur noch südlich der Donau über die Null-Grad-Marke. Ab Donnerstag sollen die Höchstwerte dann in ganz Deutschland "im Eisfach-Bereich" von minus 1 bis minus 9 Grad verharren, wie DWD-Meteorologe Martin Jonas ankündigte. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte sich also weiterhin auf rutschige Straßen gefasst machen. Heftiger Schneesturm hatte in Teilen Deutschlands bereits am Sonntag ein Verkehrschaos verursacht.

Auch am Montag war zumindest zeitweise auf etlichen Straßen kein Durchkommen. "Die Lage ist katastrophal", sagte am frühen Morgen ein Sprecher der Polizei in Fulda. Im Schnee stecken gebliebene Lastwagen hatten etwa im Norden und Osten von Hessen mehrere Autobahnen blockiert. Besonders betroffen waren dort die A7 und die A4. In vielen Bereichen stünden die Lastwagen und Autos seit sechs Stunden im Stau, es gehe weder vorwärts noch rückwärts, sagte der Sprecher.

Derweil warnte die Deutsche Bahn: "Aufgrund von extremem Unwetter kommt es in weiten Teilen des Landes zu Verspätungen und Zugausfällen." Der Fernverkehr war am Montag auf mehreren Verbindungen komplett eingestellt. So fuhren beispielsweise von Berlin keine Fernzüge in Richtung Hannover und München. Auch der Nahverkehr blieb mancherorts im Schnee stecken. In Leipzig und Erfurt versuchten mit Schneeschiebern versehene Straßenbahnen, die Gleise wieder befahrbar zu machen. Busse blieben vielerorts in den Depots - in Hessen etwa in Kassel und Marburg, wie die dortigen Stadtwerke mitteilten.

Thüringer bekommen keine Post

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fiel wegen des heftigen Winterwetters vielerorts die Müllabfuhr aus. Außerdem kamen in Thüringen nach Angaben der Deutschen Post mit wenigen Ausnahmen keine Brief- und Paketzusteller. In Jena in Thüringen blieben die Kindertagesstätten geschlossen - sie sollten auch am Dienstag noch geschlossen sein, wie es von der Stadtverwaltung hieß. Die Behörde begründete die Schließung auch damit, dass die Essenversorgung nicht gewährleistet werden könne.

In Nordrhein-Westfalen waren am Wochenende bei rund 730 Unfällen drei Menschen schwer und 63 leicht verletzt worden, wie das dortige Innenministerium mitteilte. Ein Mann starb, nachdem er mit seinem Wagen in Duisburg in einen Bach gestürzt war. In Mülheim an der Ruhr behinderten die eisigen Temperaturen am Montag die Löscharbeiten beim Brand eines leerstehenden Supermarktes. An den Helmen der Feuerwehrleute hätten sich Eiszapfen gebildet, sagte ein Sprecher. Unter der tonnenschweren Last von Schnee brach in Rheine das Dach eines Holzfachhandels zusammen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin stürzten die Schneemassen kurz vor Geschäftseröffnung gegen 9.00 Uhr in den Verkaufsraum, Menschen wurden nicht verletzt.

In Niedersachsen erschwerte das Winterwetter die Corona-Impfkampagne. Das Landesgesundheitsministerium sagte die Impfstofflieferungen für zwölf Impfzentren ab. Frühestens am Dienstag solle je nach Wetterlage damit begonnen werden, die Lieferungen nachzuholen, sagte ein Ministeriumssprecher.

Sturm an der Ostsee, Schnee in Schleswig-Holstein

An der Ostsee drückte starker Wind das Wasser an die Küste. Sturmböen ließen in Lübeck und Travemünde die Trave über die Ufer treten. Die Wasserstände lagen am Montagmittag bei rund 6,10 Metern, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Das sind etwa 1,10 Meter mehr als normal. In den Hochwassergebieten im Westen und Süden Deutschlands entspannte sich hingegen die Lage - auch am Rhein. Ab Dienstag könnte bei Köln wieder die Schifffahrt möglich sein.

In Teilen Schleswig-Holsteins soll es in den nächsten Tagen zu anhaltenden Schneefällen und Schneeverwehungen kommen. Hintergrund ist vor allem der sogenannte Lake-Effekt, wie Meteorologe Frank Böttcher erläuterte. Dabei führt der starke Wind über die Ostsee Feuchtigkeit heran, die über Land als Schnee fällt. Das Wetter ist auch in sozialen Netzwerken ein großes Thema: Dort bildete sich das Schlagwort "Flockdown", eine Wortschöpfung aus "Flocke" und coronabedingtem "Lockdown".

Die Wetter-Ereignisse des Tages können Sie in unserem Live-Ticker nachlesen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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