Panorama

Schlimmste Einzeltat in US-Geschichte Schütze von Orlando bekannte sich zu IS

50 Menschen sterben im Kugelhagel in einem Schwulenclub in Florida. Nach anfänglichem Rätselraten bestätigt sich nun: Der Täter war ein Unterstützer der Terrormiliz IS. Deren offizielle Nachrichtenagentur bestätigt die Tat.

Der mutmaßliche Attentäter von Orlando hat sich laut Medienberichten vor der Bluttat zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. Das habe der Schütze kurz vor der Tat in einem Anruf unter der Notrufnummer 911 gesagt, berichteten die Fernsehsender CNN und NBC unter Berufung auf die Justizbehörden. Den Informationen zufolge hatte das auch FBI Omar Mateen als einen von vielen hundert Unterstützern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf dem Radar.

Laut der zum IS gehörenden Nachrichtenagentur "Amaq" war der Attentäter ein "Kämpfer des Islamischen Staates. Das verlaute aus einer "Quelle" innerhalb der Terrororanisation. Ein bei vergleichbaren Anschlägen übliches direktes Bekenntnis mit einer Rechtfertigung der Tat liegt bislang nicht vor. Ob Mateen in direktem Kontak mit der Führung der Miliz stand, ist weiter unklar. Zunächst hatte es geheißen, es gebe keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob die Tat von Orlando politisch oder religiös motiviert war oder es sich um ein Verbrechen aus Schwulenhass handelte.

Der 29-jährige Mateen kommt aus einer afghanisch-stämmigen Familie. Der Vater des mutmaßlichen Attentäters nannte gegenüber Journalisten Hass auf Schwule als mögliches Motiv, wollte religiöse Beweggründe allerdings nicht erkennen. "Dies hatte nichts mit Religion zu tun", sagte Mir Seddique dem Nachrichtensender CBS News. Sein Sohn, Omar Seddique Mateen, sei kürzlich über eine Paar Männer aufgebracht gewesen, die sich vor seiner Frau und seinem Sohn geküsst hätten.

"Wir wussten von nichts, wir sind ebenso schockiert wie das ganze Land", sagte Seddique, der im Namen der ganzen Familie für die Geschehnisse um Entschuldigung bat.

Notstand soll Ermittlungen erleichtern

Orlandos Bürgermeister hatte die Zahl der Opfer zuvor deutlich nach oben korrigiert. 50 Menschen seien getötet und mehr als 50 seien verletzt worden, sagte Buddy Dyer. Für seine Stadt rief er den Notstand aus. Er habe den Gouverneur von Florida gebeten, dies auch für den gesamten Staat zu tun, sagte Dyer am Sonntag vor Journalisten. Diese Ausnahmeregelung sollen die Ermittlungen erleichtern, an denen sowohl örtliche als auch Bundesbehörden beteiligt sind.

*Datenschutz

Ein Schütze war in den frühen Morgenstunden in die Diskothek eingedrungen und hatte wild um sich geschossen. Etwa drei Stunden nach Beginn der Tragödie wurde der Angreifer in einem Feuergefecht mit Polizisten getötet. Er hatte der Polizei zufolge zuvor Dutzende Geiseln genommen. Ein Vertreter des US-Bundeskriminalamts FBI sagte, das Verbrechen werde als ein möglicher "Akt des Terrorismus" untersucht.

US-Präsident Barack Obama nannte das Massaker ein "Akt des Terrorismus und ein Akt des Hasses". Obama sagte im Weißen Haus, es sei das schlimmste Verbrechen eines einzelnen Schützen in der Geschichte der USA gewesen. Es mache einmal mehr klar, wie leicht man in den USA an verheerende  Waffen komme.

Der sichtbar erschütterte Präsident sprach den Opfern und Hinterbliebenen sein tief empfundenes Beileid aus. Er ordnete an, die Flaggen auf dem Weißen Haus und auf allen öffentlichen Gebäuden auf halbmast zu setzen. Es war das etwa 20. Statement Obamas zu einem der so genannten "shootings" in seiner Amtszeit.

Spezialkräfte befreien Geiseln

Der Polizei zufolge hatte der Täter gegen 2.00 Uhr mit einer sturmgewehrähnlichen Waffe im Club "Pulse" im Herzen der Stadt zu schießen begonnen. Zunächst habe sich ein einzelner Polizist, der in dem Club als Wachmann arbeitete, mit ihm ein Feuergefecht geliefert, dann seien zwei weitere Beamte hinzugekommen. Einer von ihnen sei verletzt worden. Der Schütze habe dann Geiseln genommen.

Die Polizei habe sich nach ungefähr drei Stunden zu einer gewaltsamen Befreiung entschieden. Polizeichef Mina zufolge verschafften sich die Einsatzkräfte mit Hilfe eines Sprengsatzes Zugang. Der Täter sei in der Nähe einer Eingangstür gewesen und in einem Feuergefecht getötet worden. "Mindestens 30 Geiseln konnten durch die Aktion gerettet werden", sagte Mina.

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Viele "Pulse"-Besucher schaffen es rechtzeitig ins Freie und sind schockiert.

(Foto: AP)

Wie der Polizeichef weiter mitteilte, trug der Täter eine "verdächtige Vorrichtung" am Körper, die untersucht werde. Über den Schützen sagte er lediglich, dass er nicht aus Orlando stamme. Allem Anschein nach sei er "sehr gut organisiert und vorbereitet gewesen".

Es gab nach Minas Worten zunächst keine Hinweise darauf, dass der Schütze aus Hass gegen Homosexuelle handelte, aber natürlich werde auch in dieser Richtung ermittelt. Der Club war Mina zufolge in der Nacht gut besucht. Er sprach von mehr als 300 Menschen. Medienberichten stand eine "Latin Night" auf dem Programm, eine Nacht mit lateinamerikanischer Musik.

"Verlasst Pulse und rennt."

Nach Augenzeugenberichten fielen die Schüsse kurz vor der Schließung um 2.00 Uhr, viele Menschen seien noch am Tanzen gewesen. Der Club selber rief auf Facebook zur Flucht auf: "Verlasst Pulse und rennt." Augenzeugen berichteten von Dutzenden Schüssen in schneller Reihenfolge - mindestens 40 seien es gewesen, sagte Clubbesucher Christopher Hansen dem Sender CNN. "Ich dachte zuerst, es war Musik. Dann warfen sich die Menschen auf den Boden, und ich auch."

"Ich sah keinen der Schützen. Ich sah nur Körper fallen", berichtete Hansen, der zu Beginn der Schießerei gerade an der Bar ein Getränk bestellte. Er sei mit anderen Besuchern zum Hinterausgang gekrochen, um sich in Sicherheit zu bringen. "Als ich auf die Straße gelangte, waren da Leute, überall Blut", sagte Hansen.

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Blutflecken auf dem Kleid: Viele Club-Besucher erlebten schreckliche Szenen.

(Foto: dpa)

Der Augenzeuge Ricardo Negron sagte im Sender Sky News, als die Schüsse begannen, hätten sich die Leute auf den Boden geworfen. Offenbar habe der Angreifer in die Decke geschossen. Glas zerbrechender Lampen sei herabgefallen. "Dann gab es eine kurze Pause bei den Schüssen, und einige von uns sind aufgestanden und zum Hinterausgang gerannt", sagte Negron.

Gelände weiträumig abgesperrt

Viele flohen aus dem Gebäude. Das Fernsehen zeigte Opfer, die von Clubbesuchern aus dem Gebäude gebracht und auf die Ladeflächen von Kleinlastern gelegt wurden. Manche hatten Blut auf ihrer Kleidung. Vor mehreren Krankenhäusern warteten Freunde und Angehörige der Opfer. Eine Mutter sagte weinend: "Mein Sohn ist hier. Ich weiß nicht, wie es ihm geht."

Das Gelände des Clubs war sofort nach den Schüssen weiträumig abgesperrt worden. Auch Bombenspürhunde wurden auf dem Gelände eingesetzt. Bürgermeister Buddy Dyer sprach von einem "sehr schrecklichen" Verbrechen. "Wir müssen stark bleiben", rief er die Einwohner der Stadt auf.

Der Vorfall ereignete sich keine zwei Tage, nachdem in Orlando die Sängerin Christina Grimmie nach einem Konzert erschossen worden war. Laut der Polizei tötete ein 27-Jähriger die 22-jährige Musikerin am Freitagabend bei einer Autogrammstunde, bevor er sich selbst das Leben nahm. Seine Motive waren unklar. Grimmie war durch die US-Castingshow "The Voice" bekannt geworden. Polizeichef Mina schloss aber jede Verbindung zwischen den beiden Verbrechen aus.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa/AFP

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