Panorama

Verrückte Ideen in Corona-Zeiten So wollen Narren den Karneval retten

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Eine Karnevalistin bei der Vorstellung des Düsseldorfer Prinzenpaares - so könnte Karneval in Corona-Zeiten aussehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gemeinsames Schunkeln und Feiern ohne Distanz - das sind wesentliche Zutaten für Fastnacht und Karneval. Inmitten der Corona-Pandemie ist das so nicht möglich. Weil die närrische Zeit trotzdem nicht ausfallen soll, arbeiten die Organisatoren an teils kuriosen Ideen.

Es ist gerade mal ein halbes Jahr her, da machte eine Karnevalsfeier in Heinsberg in Nordrhein-Westfalen ungewollt Schlagzeilen - als Superspreader-Event. Mitte Februar hatten sich dabei viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert, der ganze Kreis wurde in der Folge zu einem der ersten Corona-Hotspots in Deutschland. Virologen warnen davor, dass sich so ein Ereignis wiederholt - dann könnte die Pandemie zumindest regional schnell außer Kontrolle geraten.

Normalerweise würden Millionen Zuschauer zu den Rosenmontagszügen allein im Rheinland erwartet. Rosenmontag ist 2021 am 15. Februar. Doch Bilder von Arm in Arm schunkelnden Menschen, Bonbons, die in Menschenmengen fliegen oder Bützchen (Küsschen) verteilenden Narren sind wegen der Corona-Ansteckungsgefahr nicht vorstellbar. Und dann noch der Alkohol ...

Also am besten doch radikal durchgreifen und alle Karnevals- und Fastnachtsfeiern absagen? So hatte es Gesundheitsminister Jens Spahn vor wenigen Tagen in den Raum gestellt. "Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie, schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es", wurde er von der "Rheinischen Post" zitiert.

Karnevalisten prüfen Alternativen

Von einer Komplettabsage halten die Narren in den Hochburgen jedoch nichts. Fastnacht sei ein Feiertag wie Ostern, das könne ja nicht einfach ausfallen, sagt der Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins, Michael Bonewitz. "Man muss halt überlegen, was man macht stattdessen?" Zwar ist bis zum 11. November und dem offiziellen Startschuss für die "Kampagne" oder "Saison" noch ein bisschen Zeit, aber die gebotenen Hygiene- und Abstandsregeln stellen Karnevalisten jetzt schon vor Herausforderungen und führen zu teils ungewöhnlichen Ideen.

Eine davon: Beim Rosenmontagsumzug könnten Wagen und Musiker auf der Straße stehen bleiben, während die Zuschauer links und rechts vorbeimarschieren. Dieses Szenario gehört in den närrischen Hochburgen am Rhein tatsächlich zu den ernsthaft diskutierten Vorschlägen, wie man trotz Corona Fastnacht oder Karneval feiern könnte.

In Mainz arbeiten der Carneval-Verein und die Stadt an einem Konzept, das weit über den Rosenmontag hinausgeht. Schließlich gibt es ja auch noch die Fastnachtssitzungen in Sälen, bei denen die Menschen üblicherweise dicht an dicht sitzen und schunkeln. Das ist diesmal ausgeschlossen. Für Bonewitz ist denkbar, dass weniger Zuschauer in die Säle gelassen werden. "Wobei da die Frage ist: Lohnt sich das überhaupt noch?" Die Sitzungen sind eine wichtige Einnahmequelle für die Vereine, aber eben auch ein finanzielles Risiko - Saalmiete, Technik, aber auch Büttenredner müssen bezahlt werden.

Karnevalssitzung online streamen?

Alternativ wird auch über Veranstaltungen im Freien oder reine Online-Streaming-Angebote nachgedacht. Bonewitz rechnet frühestens im November mit einer Entscheidung, ob und wie Veranstaltungen stattfinden könnten. Auch bei der von Millionen Menschen verfolgten Fernsehfastnachssitzung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" ist nach Angaben des SWR noch ungewiss, ob sie 2021 über die Bühne gehen kann.

Auch in Köln gehen die Überlegungen in Richtung von Alternativen zu großen Events. "Der Straßenkarneval, der Kneipenkarneval, das sind so Elemente, die wir uns nicht vorstellen können", sagte der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, dem Radiosender WDR2. Anders sei es bei Karnevalssitzungen mit Hygienekonzept. Man könne ja auch mit Maske in ein Restaurant gehen und diese dann am Platz abnehmen.

Die NRW-Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen haben gemeinsam eine Art Leitfaden erarbeitet, an dem sich feiernde Karnevalisten orientieren sollen. Die Landesregierung soll diese Empfehlungen nun prüfen. Dabei geht es um ganz konkrete Fragen: Welchen Abstand haben Büttenredner zum Publikum? Wie weit müssen die Bläser im Orchester von den anderen Musikern und den Gästen im Saal entfernt sitzen? Wie viele Menschen dürfen in einen Saal? Wo könnte getanzt werden? Was auch immer dabei herauskommt - unbeschwerte Karnevals- und Fastnachtsfeiern werden wohl erst nach Ende der Corona-Pandemie wieder möglich sein.

Quelle: ntv.de, Jan Brinkhus, dpa