Panorama

Nach 33 Jahren Haft in USA Söring ist auf dem Weg nach Deutschland

33 Jahre lang saß er in den USA im Gefängnis, weil er wegen des Mordes an den Eltern seiner einstigen Freundin verurteilt worden war. Jetzt ist der Deutsche Jens Söring auf dem Weg zurück in sein Heimatland. Dort wird er wieder ein freier Mann sein - mit einer Einschränkung.

Der in den USA wegen Doppelmordes verurteilte Deutsche Jens Söring ist auf dem Weg nach Deutschland. "In diesem Moment ist Jens in der Luft. Genauso frei wie die 300 Passagiere um ihn herum, die aus dem Urlaub kommen oder ihre Familien besucht haben", hieß es auf einem Twitter-Account, der von Mitgliedern des Freundeskreises des 53-Jährigen betrieben wird.

Söring reise mit dem Linienflug UA932 und habe die Maschine von United Airlines am US-Airport Washington/Dulles am Dienstag um 3.15 Uhr deutscher Zeit (Montagabend US-Zeit) bestiegen, berichtete eine mitreisende Reporterin der RTL/n-tv-Redaktion. Das Flugzeug wird gegen 11.20 Uhr am Frankfurter Flughafen erwartet. Den Angaben nach reiste Söring in der Economy Class. Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte ein Foto des 53-Jährigen im Flieger.

Wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom im Jahr 1985 war der Deutsche zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden und hat fast 30 Jahre in US-amerikanischen Gefängnissen verbracht. Söring hatte die Morde zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen. Er beteuert bis heute seine Unschuld.

Eine offizielle Bestätigung der US-Einwanderungsbehörde ICE, dass sich Söring an Bord des Fliegers befand und das Land verlassen habe, gibt es noch nicht. Freunde und Unterstützer wollen ihn am Flughafen in Empfang nehmen. Söring will nach der Landung für ein kurzes Statement vor die Presse treten.

Nie wieder in die USA zurück

Söring hat insgesamt mehr als 33 Jahre in Haft gesessen, die meiste Zeit in den USA. Im November entschied ein zuständiges Gremium im US-Bundesstaat Virginia, ihn auf Bewährung freizulassen und abzuschieben. Begnadigt wurde er nicht. In Deutschland ist Söring ein freier Mann. In die USA darf er nie wieder einreisen. Seine Unterstützer und Freunde haben seine Rückkehr nach Deutschland vorbereitet. "Es gibt eine Wohnung, Handy, Klamotten - alles was man erst einmal braucht", sagte ein Sprecher des Freundeskreises bei RTL. Söring wolle sich kurz vor der Presse äußern und dann erst einmal Urlaub machen. Später wolle er außerdem durch Deutschland reisen, um seine Unterstützer zu besuchen.

Festgenommen worden waren Söring und Haysom 1986 in Großbritannien. Dorthin waren sie geflüchtet, als sie wegen des Mordes unter Verdacht gerieten. Großbritannien stimmte der Auslieferung Sörings an die USA nur unter der Bedingung zu, dass die Todesstrafe nicht verhängt wird. Haysom wurde wegen Anstiftung zum Mord zu zweimal 45 Jahren Haft verurteilt. Der Fall erregte in den USA und international viel Aufmerksamkeit und polarisiert noch immer.

Rund drei Wochen verbrachte Söring in Auslieferungshaft. Reporter der "Bild"-Zeitung besuchten ihn dort. Mit Blick auf das Staatsgefängnis in Virginia, wo er zuvor inhaftiert gewesen war, sagte er der "Bild": "Das Schlimmste, was man sich über Gefängnisse in Amerika ausmalen kann, war dort alles Wirklichkeit." Jeder Tag sei ein Überlebenskampf gewesen. Es habe "immer mehr Gangs, Drogen und Tote" gegeben.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa