Panorama

Kriegsszenen in Rio de Janeiro Soldaten marschieren in Favela ein

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Eine verängstige Anwohnerin von Rocinha versucht den Soldaten aus dem Weg zu gehen.

(Foto: AP)

Ein Jahr nach Olympia gerät die Sicherheitslage in Rio de Janeiro zunehmend außer Kontrolle. Während am Vortag zwei britische Popstars auf offener Straße überfallen werden, herrschen im größten Armenviertel der Stadt Zustände wie im Bürgerkrieg.

In der größten Favela von Rio de Janeiro ist die Gewalt zwischen Drogenbanden und den Sicherheitskräften eskaliert. Nachdem die Behörden anordneten, dass 950 Soldaten in das Armenviertel Rocinha mit geschätzt mehr als 70.000 Einwohnern einrücken sollen, wurde von Gewehrsalven und verängstigten Menschen, die vor Schüssen Schutz suchen, berichtet. Die Soldaten wurden auf Anforderung des Gouverneurs des Bundesstaates Rio de Janeiro, Luiz Fernando Pezao, eingesetzt.

Der brasilianische Verteidigungsminister Raul Jungmann sagte im Fernsehen: "Wir werden dort die ganze Nacht bleiben, mindestens bis morgen." Ein großes Polizeiaufgebot schützte auch eine nahe der Favela gelegene Metrostation, damit tausende Musikfans zum Festival "Rock in Rio" im Stadtteil Barra anreisen konnten. Auch in Favelas im Norden der Stadt kam es zu Feuergefechten, zwei Jugendliche wurden verletzt.

Nachdem viele Armenviertel in den vergangenen Jahren erfolgreich mit den sogenannten UPP-Polizeieinheiten (Unidade de Polícia Pacificadora) befriedet werden konnten, gerät die Lage in Rocinha zunehmend außer Kontrolle. Hubschrauber kreisten über der Favela. In den Schulen der Umgebung wurde der Unterricht abgesagt.

Soldaten sollen Drogenbanden bekämpfen

Seit den Olympischen Spielen vor rund einem Jahr hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Bereits Ende Juli waren 8500 Soldaten entsandt worden, um in der 6,5-Millionen-Metropole die Machtzunahme von Drogenbanden zu bekämpfen. Im ersten Halbjahr wurden im Bundesstaat Rio de Janeiro 2723 Menschen getötet - 10,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Aufgrund der prekären Sicherheitslage sind auch die Tourismuszahlen eingebrochen. Die Auslastung der Hotels in Rio lag laut der Tourismusbehörde zuletzt bei unter 50 Prozent. Sorgen bereitet auch die Alltagskriminalität und immer neue Berichte bezüglich Raubüberfällen in der Stadt.

Rio kämpft mit enormen Finanzproblemen, was zu Sparmaßnahmen auch bei der Polizei und zur Reduzierung von Unterstützungsmaßnahmen in den Armenvierteln führt. Viele der Favelas sind quasi rechtsfreie Räume. Kriminelle Banden steuern von hier den Drogen- und Waffenhandel und finanzieren sich darüber. Den größten Einfluss in der Szene hat dabei das "Comando Vermelho", das "Rote Kommando".

Quelle: ntv.de, lou/dpa

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