Panorama

Noch keine Unwetter-Entwarnung Sommer im Norden, Platzregen im Süden

Erst Sonne, dann Schauer: im Süden fallen die Regengüsse aber stärker aus.

Erst Sonne, dann Schauer: im Süden fallen die Regengüsse aber stärker aus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Wochenende verspricht im Norden sommerliche Temperaturen, der Süden dagegen muss weiter mit Unwettern rechnen. Auch die kommende Woche startet schwül und nass, doch ein Ende der Regenzeit ist trotzdem in Sicht.

n-tv.de:Heftige Gewitter, Unwetter und Überschwemmungen. Björn, wie kam es dazu?

Björn Alexander: Seit Tagen liegen wir in einer extrem schwülwarmen Luft, wie es eigentlich eher den klassischen Sommermonaten Juli und August vorkommt. Problematisch ist dabei aber vor allem, dass die Wetterlage sehr stationär ist und durch Tief "Friederike" über uns angetrieben wird. Das heißt: das Schauer- und Gewitterkarussell drehte sich unaufhörlich und aufgrund der feuchten und energiereichen Luft entstanden immer wieder teils extreme, fast schon tropisch anmutende Gewittergüsse, die direkt mal ganze Monatsniederschläge binnen weniger Stunden brachten. Im Bereich Hamminkeln/Xanten/Niederrhein beispielsweise mit über 100 Litern pro Quadratmeter. Außerdem ist die Strömung relativ schwach, was dazu führt, dass die Gewitter langsam ziehen und sich so sehr ergiebig abregnen.

War es denn überall so schlimm?

Definitiv nicht. Denn während einige Regionen mit Hochwasser zu kämpfen haben, hat es von Rügen bis in den Osten und Norden Schleswig-Holsteins vielerorts seit mehr als einer Woche so gut wie gar nicht mehr geregnet. Sinnbildlich für diese krassen Kontraste lohnt zum Beispiel der Blick auf die Waldbrandgefahr. In einigen Teilen Norddeutschlands haben wir Stufe 3 von 5. In den Starkregengebieten stehen die Wälder hingegen teilweise unter Wasser.

Was ist denn in den von den Unwettern betroffenen Regionen noch zu erwarten?

Grundsätzlich ist noch keine Entwarnung zu geben. Denn auch wenn sich die Entstehung von Gewittern in den kommenden Tagen räumlich kaum genau vorhersagen lässt, so ist doch die Ausgangssituation mancherorts sehr problematisch. Die Böden und die Entwässerungssysteme sind prall gefüllt, können kein Wasser mehr aufnehmen und alles, was noch fällt, fließt direkt oberirdisch ab. Kurzum: es darf jetzt nicht mehr viel passieren.

Müssen wir uns in der Zukunft eigentlich häufiger auf Starkregen und Überflutungen einstellen?

n-tv Meteorologe Björn Alexander

n-tv Meteorologe Björn Alexander

Ein wichtiger Faktor beim Zustandekommen von Schwergewittern und Starkregen ist die Temperatur. Denn je wärmer die Luft ist, umso mehr Wasserdampf und Energie kann sie aufnehmen. Und mehr Wasser in der Atmosphäre bedeutet natürlich auch mehr potenzieller Regen. Allerdings ist das Zustandekommen von Unwettern grundsätzlich von der Wetterlage abhängig. Denn dieses enorme Wasserangebot kommt bei uns in der Regel durch das Mittelmeer zustande. Dort nimmt die Luft den Wasserdampf auf, der bei uns schlussendlich zu dieser Art von Unwettern führen kann. Also: Klimawandel plus entsprechende Wetterlage ist gleich mehr Starkregenereignisse. Und diesen Umstand sollten wir eigentlich auch beim Bebauungs- und Umweltmanagement beachten.

Warum?

Weil natürlich belassene oder renaturierte Bereiche das Wasser besser zwischenspeichern können. Bebaute Flächen, Flussbegradigungen oder der Wegfall von Auenbereichen verschlimmern dagegen die Gefahr von Überflutungen.

Wie geht es denn am Wochenende mit den Unwettern weiter?

Tief FRIEDERIKE wird sich langsam auffüllen und sich dabei allmählich etwas ostwärts verlagern. Damit setzt sich in der Nordhälfte insgesamt trockenere Luft durch. Weiter Richtung Süden bleibt es noch schwüler und länger gewittrig.

Was heißt das konkret?

Am Samstag wird’s nördlich der Mitte erst einmal oft freundlich oder sonnig bevor sich später vereinzelt Schauer und Gewitter bilden können. Häufiger und intensiver werden die hingegen von der Mitte südwärts ausfallen. Dort drohen neuerlich Platzregen, Hagel und Sturmböen. Dazu ist es im Norden fast schon hochsommerlich bei 25 bis 28 Grad. Von den Mittelgebirgen südwärts werden es schwüle 18 bis 22 Grad.

Wie wird der Sonntag?

In der gesamten Nordhälfte scheint die Sonne bei nur vereinzelten Gewittern im Bereich der Mittelgebirge. Die schlechteren Karten hat man weiter südwärts. Denn dort werden die Wolken und die Regengüsse samt Blitz und Donner häufiger sein. Auch Unwetter sind leider stellenweise nicht auszuschließen. Die Temperaturen erreichen vielfach 23 bis 28 Grad - also durchaus sommerlich. An den Alpen und bei Seewind an der Küste werden es um die 20 Grad.

Was bringt uns die nächste Woche?

Die schwülwarme und teils gewitterträchtige Luft bleibt uns vorerst wahrscheinlich noch erhalten. Am Montag und Dienstag voraussichtlich eher in der Westhälfte, während der Osten sonniger bleiben dürfte. Ab der Wochenmitte könnte sich dann aber auch im Westen und Südwesten endlich mal dauerhaft trockenere Luft durchsetzen. Dazu bringt der Wochenstart oft Tageshöchstwerte zwischen 20 und 29 Grad.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.