Panorama

"Nicht die Fehler wiederholen" Sorge wegen Delta-Variante wächst

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Vielerorts fällt die Maskenpflicht. Für Innenräume sollte sie aber bestehen bleiben, sagen Experten.

(Foto: dpa)

Noch ist die Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland wenig verbreitet. Doch ihr Anteil steigt. Ärzte zeigen sich alarmiert. Weltärzte-Vorstandschef Montgomery fordert die Bundesländer auf, zu prüfen, ob die angekündigten Lockerungen nicht zu weit gingen.

Ärzte sehen die als besonders infektiös geltende Delta-Variante des Coronavirus mit Sorge. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, wirft die Frage auf, ob die aktuellen Corona-Lockerungen nicht zu weit gehen. Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, riet zu "allerhöchster Wachsamkeit". Und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sorgt sich vor allem um ungeimpfte Kinder.

In Großbritannien breitet sich die in Indien entdeckte Delta-Variante rapide aus und treibt trotz hoher Impfquote die Zahl der Neuinfektionen deutlich in die Höhe. Bereits geplante weitere Lockerungen wurden aufgeschoben. In Deutschland ist diese Virusvariante noch wenig verbreitet, ihr Anteil steigt aber. Er lag laut jüngsten Bericht des Robert-Koch-Instituts bei 6,2 Prozent in der Kalenderwoche 22 (31. Mai bis 6. Juni). In der Woche davor waren es noch 3,7 Prozent.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, erwartet, dass sich die Delta-Variante in Deutschland noch schneller ausbreiten wird als die bisherigen Modifikationen. "Das Tückische bei dieser Variante ist, dass Infizierte sehr schnell eine sehr hohe Viruslast im Rachen haben und damit andere anstecken können, bevor sie überhaupt merken, dass sie sich infiziert haben", sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften und anderen Innenräumen sollten unbedingt weiterhin FFP2-Masken getragen werden, so Montgomery. Die Länder fordert er auf zu prüfen, ob die angekündigten Lockerungen nicht zu weit gingen. "Sie sollten außerdem die politische Größe haben, angekündigte Lockerungen wieder zurückzunehmen, wenn die Infektionszahlen durch die Delta-Variante wieder steigen sollten. So, wie es die britische Regierung jetzt getan hat", betont der Mediziner.

Montgomery mahnt zudem, nicht den Fehler des vergangenen Sommers zu wiederholen. 2020 habe man den Wiedereintrag des Virus durch Reiserückkehrer unterschätzt, im Herbst folgte eine neue Welle. "Diese Gefahr besteht jetzt wieder, wenn viele noch ungeimpfte Touristen von Partyurlauben in ganz Europa nach Deutschland zurückkehren."

Lauterbach sorgt sich um Ungeimpfte

"Wir müssen den Anteil der Delta-Variante an den Neuinfektionen sehr gut beobachten", sagte auch Ute Teichert, die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, den Funke-Zeitungen. Die Verbandschefin der Amtsärzte beklagt zudem, dass der Personalaufbau in den Gesundheitsämtern immer noch stockend vorankomme. Bis Ende des Jahres sollen bei den Gesundheitsämtern 1500 neue Stellen für medizinisches Fachpersonal geschaffen werden. Ein Großteil dieser Stellen sei noch nicht besetzt.

Der bayerische Gesundheitsminister Holetschek fürchtet ebenfalls, die Delta-Virusvariante könne unterschätzt werden. "Ihr Auftreten und ihr hoher Ansteckungsgrad zeigen uns, dass wir Corona trotz spürbar sinkender Inzidenzwerte noch nicht besiegt haben", sagte er der "Rheinischen Post". "Wir brauchen weiterhin allerhöchste Wachsamkeit. Vorsicht und Umsicht müssen weiter das Handeln bestimmen", betont der CSU-Politiker. Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach geht davon aus, dass die Delta-Variante in Deutschland im Herbst die dominierende Rolle spielen wird, weil sie so viel ansteckender sei. Er hoffe, dass dies nicht zu einem großen Problem ausgerechnet für die Kinder werde, die nicht geimpft seien, sagte Lauterbach in den ARD-"Tagesthemen". "Die Geimpften werden mit der Delta-Variante keine Probleme haben", so der SPD-Politiker. Gegen die eingesetzten Impfstoffe komme diese Virusvariante nicht an.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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