Panorama

Sechsjährige zu Tode misshandelt Stiefvater von Leonie muss lebenslang in Haft

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Der Angeklagte gibt sich im Gerichtssaal nicht zu erkennen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Mann misshandelt seine Stieftochter und seinen Stiefsohn immer wieder. Vor fast genau einem Jahr erreicht die Gewalt ihren Höhepunkt: Die sechsjährige Leonie stirbt an ihren schweren Verletzungen. Das Amtsgericht Neubrandenburg fällt nun ein Urteil.

Gebrochene Rippen, Entzündungen an der Lunge und "massive Gewalteinwirkungen gegen den Kopf" – an diesen Verletzungen stirbt die sechsjährige Leonie am 12. Januar 2019. Fast genau ein Jahr nach ihrem gewaltsamen Tod fällt im Gerichtssaal in Neubrandenburg das Urteil gegen den angeklagten Stiefvater David H.: Lebenslange Haft. H. wird wegen Mordes durch Unterlassen, Körperverletzung mit Todesfolge und schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig gesprochen.

Die Beweislage gegen H. ist erdrückend. Als der Notarzt am 12. Januar vergangenen Jahres in der Wohnung in Torgelow, Mecklenburg-Vorpommern eintrifft, ist Leonie bereits tot. Der Stiefvater behauptet, sie sei eine Treppe im Hausflur hinuntergestürzt. Laut der Rechtsmedizinerin, die später vor Gericht aussagt, ist dieser Ablauf jedoch unmöglich. Die Sechsjährige sei nach einem Hirnbluten infolge "massiver stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf" gestorben, die nicht mit einem Treppensturz erklärt werde könne, heißt es in dem Gutachten.

Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg hatte am Montag lebenslange Haft gefordert. Die Anklage lautete auf Mord, Misshandlung Schutzbefohlener und Körperverletzung mit Todesfolge. Sie beschuldigen den Angeklagten, das Mädchen mit dem Sicherungsbügel eines Puppenwagens und mit der Faust heftig geschlagen zu haben. Im Kinderzimmer wurde ein abmontierter Metallbügel eines Puppenwagens gefunden, an dem Blutspuren von Leonie gesichert werden konnten. "Es war ein langsamer Sterbeprozess", sagte die Gutachterin vor Gericht.

Kleiner Bruder schwer misshandelt

Auch Leonies damals zwei Jahre alter Bruder war nach Darstellung der Rechtsmedizinerin massiver Gewalt ausgesetzt. Er hatte unter anderem einen nicht behandelten Kieferbruch, Hämatome unterhalb der Kopfhaut, gebrochene Rippen, frische Verletzungen an den Lippen und eine Brandverletzung am Ohr. Außerdem konnten über eine Haaranalyse Schmerzmittel in sehr hoher Dosierung bei dem Jungen nachgewiesen werden. Auch bei Leonie wurde eine "erstaunliche Anzahl" an alten Verletzungen entdeckt, die nie behandelt wurden.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft, hat der Stiefvater nach der Tat lange keine Hilfe geholt, weil er die Verletzungen Leonies und des kleinen zweijährigen Bruders vertuschen wollte. Er sei zum Tatzeitpunkt alleine mit den Kindern gewesen, wie die Mutter aussagte. Als der Angeklagte den Notruf schließlich wählte, sei Leonie bereits tot gewesen, wie die Rechtsmediziner feststellten. Daraufhin rückt die Staatsanwaltschaft vom Tatvorwurf des Mordes durch Unterlassen ab und plädierte auf Mord. Gegen die Mutter wird es ein eigenes Verfahren geben.

Quelle: ntv.de