Panorama

Zwei Tote in NiederbayernSturmtief "Elli" ist da - mit Glätte und Schnee

09.01.2026, 06:32 Uhr
Ein-Mitarbeiter-vom-Winterdienst-raeumt-mit-einem-Besen-einen-Gehweg-im-Hintergrund-steht-ein-Raeumfahrzeug-an-einer-Ampel-Sturmtief-Elli-sorgt-bundesweit-fuer-Beeintraechtigungen
"Elli" sorgt bundesweit für Beeinträchtigungen. (Foto: picture alliance/dpa)

Züge und Schulen fallen aus, Meteorologen warnen Autofahrer vor spiegelglatten Straßen: Wintersturm "Elli" trifft weite Teile Deutschlands. Ein Unfall in Niederbayern geht für zwei Menschen tödlich aus. Im Landkreis Passau stürzt zudem ein Baggerfahrer in die Donau. Er hat Glück im Unglück.

Wintersturm "Elli" zieht mit geballten Schneeladungen über Deutschland. Viele Straßen und Schienenverbindungen sind betroffen. In der Mitte Deutschlands blieben etliche Lkw im Schnee stecken und blockierten Autobahnen. Für weite Teile Norddeutschlands gelten Unwetterwarnungen, viele Schulen sind dicht. So sieht die Lage im Einzelnen aus:

Glätte und Unfälle:

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor spiegelglatten und verschneiten Straßen in etlichen Regionen. In etlichen Städten wurde der Busverkehr vorsichtshalber eingestellt. Auf einigen Straßen war es so ruhig wie selten, weil viele Autofahrer wegen der Glättewarnungen zu Hause geblieben waren.

In Niederbayern starben zwei Autoinsassen bei einem Frontalzusammenstoß. Wie ein Polizeisprecher sagte, war eines der Autos auf einer Staatsstraße bei Reisbach ins Schleudern geraten - vermutlich wegen des Winterwetters. Das Fahrzeug geriet daraufhin auf die Gegenspur, es kam zum Zusammenstoß mit dem entgegenkommenden Auto. Ein Fahrer und sein Beifahrer erlitten tödliche Verletzungen, der Fahrer des anderen Wagens wurde schwer verletzt.

Im Landkreis Passau fiel bereits am Donnerstag ein Baggerfahrer wegen der Glätte mitsamt seinem Bagger in die Donau und versank dort. Der 52 Jahre alte Mann konnte sich selbst aus der Kabine befreien und ans Ufer schwimmen. Er erlitt leichte Verletzungen, war unterkühlt und kam in ein Krankenhaus. Bei Calw in Baden-Württemberg rutschte ein Linienbus einen Hang hinunter, dabei verletzten sich drei Menschen leicht.

Erhebliche Behinderungen gibt es auf mehreren Autobahnen: In Osthessen sind laut Polizeipräsidium drei Autobahnen in beide Richtungen blockiert, die A7, die A4 und die A5. Grund sind nach Angaben eines Sprechers festgefahrene und querstehende Lastwagen. "Das Problem ist der Schwerlastverkehr", sagte der Sprecher. Lkw-Fahrer werden aufgefordert, die Autobahnen zu verlassen und Rastplätze anzufahren. Räumfahrzeuge und das Technische Hilfswerk sind im Einsatz.

Etwa zwei Dutzend Lastwagen fuhren sich auf der schneebedeckten Autobahn 7 im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen fest. Wie ein Polizeisprecher sagte, rückte in der Nacht unter anderem das Technische Hilfswerk (THW) zum Freischleppen aus. Ein brennender Lastwagen sorgte auf der Autobahn 2 bei Garbsen in der Nähe von Hannover für Verkehrsbehinderungen. Warum sich der Lastwagen auf glatter Straße drehte und Feuer fing, war zunächst nicht bekannt.

Wetterlage:

"Ich würde es nicht als ein Jahrhundert-Event einordnen. Das ist es auf gar keinen Fall", sagte DWD-Meteorologe David Menzel am Morgen. "Es ist ein winterlicher Sturm und - wenn man das große Ganze betrachtet - nichts sonderlich Außergewöhnliches." Dennoch: Für weite Teile Deutschlands, vor allem für den Norden die Mittelgebirge, gelten Unwetterwarnungen des Wetterdienstes.

Der DWD sagte "von Südwesten aufkommende, teils kräftige Schneefälle" voraus, die sich bis zur Elbe ausbreiten. Bei stürmischem Ostwind sind Schneeverwehungen möglich, was zu größeren Behinderungen auf den Verkehrswegen führen kann. Im Süden und Westen Deutschlands soll der Schnee - bei ebenfalls stürmischem, aber aus südwestlichen Richtungen wehendem Wind - in Regen übergehen. Dann wird es sehr glatt.

Von der Nordsee bis in den Osten können verbreitet um die 10 bis 15 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Den meisten Schnee erwartet der Deutsche Wetterdienst für die sogenannten Staulagen der Mittelgebirge. An den Seiten der Berge, die dem Wind zugewandt sind, können 20 Zentimeter Neuschnee fallen. Und: "Ein Großteil des Schnees fällt dabei innerhalb von drei bis 6 Stunden - gebietsweise Unwetter!", so der DWD. Am Nachmittag und Abend sollen die Schneefälle dann allmählich nachlassen.

ntv-Meteorologe Björn Alexander warnt vor Schneeverwehungen durch den mitunter starken bis stürmischen Wind. Auch die Gefahr von Wind- und Schneebruch ist damit deutlich erhöht. Andererseits mischt sich aber auch mildere Luft mit unter, so dass auch gefrierender Regen und Glatteis zu erwarten ist.

Bahnverkehr:

Die Bahn geht davon aus, dass bis Samstag Verspätungen und Zugausfälle im Fernverkehr möglich sind. Wer kann, sollte seine Reise verschieben. Schon gekaufte Tickets könnten auch zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden. Mancherorts wurden vorsorglich Verbindungen gestrichen: So stellt die Bahn den Zugverkehr im Großraum Hannover an diesem Freitag vorübergehend ein. Dies hat Auswirkungen auf zahlreiche Verbindungen.

Bahnsprecher Achim Stauß sagte im "ZDF-Morgenmagazin", Sicherheit habe für die Bahn weiterhin oberste Priorität. "Wir wollen natürlich auch nicht in unsicheren Situationen Züge auf die Strecke schicken, die dann vielleicht das Ziel nicht erreichen oder nicht wieder zurückfahren können." Da sei es besser, den Zug am Bahnhof zurückzuhalten.

Derzeit komme es vor allem auf Strecken in Richtung Norden zu Einschränkungen, unter anderem an die Nordsee sowie nach Kiel, Rostock und Rügen. Als Vorsichtsmaßnahme habe die Bahn dort bereits rund die Hälfte der Züge aus dem Verkehr genommen. Fahrgäste würden darüber über die Auskunftssysteme informiert.

Der Geschäftsführer des Verbands der privaten Güterbahnen, Peter Westenberger, kritisiert, dass "in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas" der Zugverkehr eingestellt werden muss: "Güterzüge stranden mitten auf den Strecken, der finanzielle Schaden für die Unternehmen und ihre Kunden ist immens. Es dürfte bereits jetzt Wochen dauern, bis der großflächige Rückstau dieser Betriebseinstellung sich wieder ganz auflöst."

Flugverkehr:

Das Winterwetter hat zunächst keine größeren Auswirkungen auf den Betrieb am Frankfurter Flughafen. Am frühen Morgen gab es keine Einschränkungen bei Starts und Landungen.

Die Wetterlage werde im Tagesverlauf weiter sorgfältig beobachtet, vor allem mit Blick auf den Wind. "Wir werden situativ entscheiden, wie es weitergeht", sagte die Sprecherin am größten deutschen Airport. Am Donnerstag mussten wegen des Winterwetters am größten deutschen Flughafen rund 200-mal Flugzeuge enteist werden. 25 Enteisungsfahrzeuge waren im Einsatz - "ruhiger Winterbetrieb", wie Fraport mitteilte.

Fährverkehr:

Der Fährverkehr an der niedersächsischen Nordseeküste ist weitgehend zum Stillstand gekommen. Mehrere Inseln sind derzeit nicht per Schiff erreichbar - darunter Langeoog, Spiekeroog, Norderney und Wangerooge. Problematisch ist vor allem der erwartete starke Ostwind. Er drückt das Wasser von der Küste weg, Fähren können dann nicht oder nur eingeschränkt fahren.

Schulen:

Schneefrei, zumindest für manche Schüler: In Hamburg, Niedersachsen, Bremen und in Teilen Schleswig-Holsteins fällt der reguläre Schulbetrieb flächendeckend aus. Nach Angaben der zuständigen Behörden gibt es teilweise Distanzunterricht und Notbetreuung für jüngere Kinder. Grund für die Schließung ist meist, dass die Schulbusse nicht fahren und eine sichere Anreise nicht gewährleistet werden kann.

Auch in Regionen in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin fällt teils der Präsenzunterricht aus oder Eltern können ihre Kinder vom Unterricht entschuldigen. Mancherorts sind auch Kitas und Kindergärten betroffen.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa

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