Panorama

Zahl der Sturmtoten steigt Südeuropa versinkt im Wetterchaos

Seit Beginn der Unwetter befinden sich Italiens Rettungskräfte im Dauereinsatz. Etliche Menschen sind ohne Strom, wichtige Verkehrsadern blockiert. Während das Land gegen die Sturmfolgen kämpft, erreicht Franzosen und Spanier ein plötzlicher Wintereinbruch.

Nach den schweren Unwettern in Italien ist die Zahl der Opfer weiter angestiegen. Seit Montag kamen mindestens zehn Menschen ums Leben, wie die Behörden mitteilten. In vielen Teilen des Landes blieben die Schulen auch am heutigen Dienstag geschlossen. Am Flughafen von Genua wurde der Betrieb bis 14 Uhr eingestellt. Seit Beginn der Unwetter zählte die Feuerwehr rund 7000 Einsätze.

Unweit von Rom und Neapel wurden am Montag vier Menschen durch umstürzende Bäume getötet. Entwurzelte Bäume führten auch zum Tod eines Mannes in Venetien und eines Feuerwehrmannes in Südtirol. Nahe der ligurischen Hafenstadt Savona wurde eine Frau durch ein herabfallendes Fassadenteil erschlagen. In der nördlichen Provinz Trentino wurde die Leiche einer Frau gefunden, deren Haus von einer Mure getroffen wurde. Im Badeort Cattolica an der Adriaküste wurde ein Kitesurfer von einer Sturmböe gegen einen Felsen geschleudert und erlag seinen Verletzungen. Vor der Küste Kalabriens wurde ein Segler vermisst, sein verwaistes Boot wurde auf einem Felsen entdeckt.

Wegen der Unwetter blieben in der nordwestlichen Region Ligurien alle Häfen vorerst geschlossen. Ankommende Schiffe müssten auf See auf ein Ende des Sturmes warten, teilte Regionalpräsident Giovanni Totti in Genua mit. Acht bis zehn Meter hohe Wellen brachen sich an der Küste der italienischen Riviera.

Im Küstenort Rapallo, rund 30 Kilometer südöstlich von Genua, riss der Sturm Luxusjachten aus ihren Vertäuungen und schleuderte sie ans Ufer. Mehrere Dutzend Jachten wurden zerstört, meldete die Zeitung "La Repubblica". "Es ist ein starker Eindruck, im Dunkeln die Silhouetten der Jachten vorbeiziehen zu sehen, die dann zerschellen", sagte ein Augenzeuge Ansa. In ganz Ligurien waren 22.000 Haushalte ohne Strom.

Tausende Menschen ohne Strom

Im Hafen von Savona westlich von Genua wurde das Auto-Terminal überflutet. Nach einem Kurzschluss in zwei Lagerhallen brach Feuer aus. Einige Hundert Autos - die meisten der Luxusmarke Maserati -, die für den Export in den Nahen Osten bestimmt waren, seien zerstört worden, meldete Ansa.

Am Stilfser Joch, Italiens höchstem Gebirgspass an der Grenze zur Schweiz, saßen rund 170 Touristen und Hotelangestellte nach heftigen Schneefällen auf 2700 Metern Höhe fest, wie italienische Medien berichteten. Rund 23.000 Bewohner der nordöstlichen Region Friaul-Julisch Venetien waren unterdessen ohne Strom, dort waren zudem viele Straßen unpassierbar. Starkregen und Böen mit einer Windstärke von bis zu 180 km/h sorgten auch in anderen Teilen des Landes für schwere Verkehrsstörungen.

Die Bahnstrecke zum Brennerpass war am Dienstagmorgen unterbrochen, die Brennerautobahn nach den Murenabgängen des Vortages weiterhin nur einspurig befahrbar. In Dimaro in der Provinz Trient trat ein Wildbach über die Ufer, 200 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Betroffen von den Sturmfolgen war auch die Hauptstadt Rom, in der viele umgestürzte Bäume die Straßen blockierten. Dort rückte die Feuerwehr allein in der Nacht zum Dienstag rund 100 Mal aus, für den Tag rechnete sie mit Hunderten weiteren Einsätzen.

In Venedig hatte der starke Scirocco-Wind im Zusammenspiel mit Hochwasser in der Lagune die als "Acqua Alta" bekannten Überschwemmungen ausgelöst. Der berühmte Markusplatz stand am Montagnachmittag 1,56 Meter tief unter Wasser und blieb für mehrere Stunden komplett gesperrt. Der Wetterdienst sagte für die nächsten Tage weiteren Regen vorher, doch dürfte sich die Lage im ganzen Land langsam wieder bessern.

Schnee überrascht Franzosen und Spanier

Frankreich und Spanien wurden unterdessen von einem frühen Wintereinbruch überrascht. Im südfranzösischen Zentralmassiv blieben mehr als 2000 Fahrzeuge im Schnee stecken, im Departement Haute-Loire verbrachten rund 950 Menschen die Nacht in Notunterkünften. Im Bahnhof von Lyon übernachteten Hunderte Passagiere in zwei Schnellzügen, deren Verbindungen ausgefallen waren. Insgesamt waren 195.000 Haushalte in Frankreich ohne Strom. Im Laufe des Tages dürfte der erste Schnee auch die Champagne, die Ardennen und den Osten der Ile de France erreichen.

Heftiger Schneefall und Unwetter stürzten in Spanien viele Regionen ins Chaos. Auf der Mittelmeerinsel Menorca mussten rund 30.000 Haushalte aufgrund eines Tornados, der die Balearen-Insel am Wochenende heimgesucht hatte, bereits seit knapp 48 Stunden ohne Strom ausharren, wie die Regionalbehörden mitteilten. Das Versorgungsunternehmen Endesa werde zur Behebung des Problems im Laufe des Tages rund 60 Generatoren installieren, hieß es.

Nach schweren Stürmen fielen auch in Bayern viele Züge aus. Vor allem in Oberbayern komme es im Laufe des Tages zu Beeinträchtigungen, da Bäume in die Oberleitung gestürzt seien, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. In Oberbayern musste die Polizei in der Nacht zu Dienstag zu über 100 Einsätzen ausrücken, da umgestürzte Bäume Straßen blockierten und heruntergerissene Stromleitungen mehrere Kleinbrände auslösten. Am Alpenrand kann es weiter schwere Stürme geben. Laut n-tv Meteorologe Björn Alexander muss in Föhntälern mit Sturm- und Orkanböen gerechnet werden. Auf einigen Gipfeln seien Orkanböen um 160 km/h nicht ausgeschlossen.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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