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Kerzen brennen für die getötete Susanna.
Kerzen brennen für die getötete Susanna.(Foto: imago/Pacific Press Agency)
Dienstag, 12. Juni 2018

Polizisten sichern Friedhof: Susanna im kleinen Kreis beigesetzt

Verwandte und Freunde nehmen auf dem jüdischen Friedhof in Mainz Abschied von Susanna. Beim Mordverdächtigen Ali B. sind noch viele Fragen zu klären, zum Beispiel sein wirkliches Alter. Dabei gab es bei dem Geburtsdatum möglicherweise einen Übersetzungsfehler.

Die getötete 14-jährige Susanna ist in ihrer Heimatstadt Mainz beigesetzt worden. Die Öffentlichkeit war von der privaten Trauerfeier ausgeschlossen. Eine Polizeisprecherin schätzte die Zahl der Trauergäste auf dem Jüdischen Friedhof in Mainz auf rund 100, darunter auch Gäste im Alter der getöteten Jugendlichen. Etwa 20 Polizisten hätten das Gelände abgesichert, Zwischenfälle habe es nicht gegeben.

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Susannas mutmaßlicher Mörder Ali B. hat bei seinem Asylantrag nicht bewusst seine Identität verschleiert, davon geht die Staatsanwaltschaft Wiesbaden aus. Aus den im irakischen Konsulat vorliegenden Papieren gehe hervor, dass sein Name vier Bestandteile habe, erläuterte Oberstaatsanwältin Christina Gräf in Wiesbaden. Bei den Behörden in Deutschland habe Ali B. davon dann zwei Bestandteile angegeben: Seinen Vornamen und den Namen seines Vaters. "Das spricht nicht dafür, dass bewusst falsche Personaldaten angegeben wurden", sagte Gräf. Das irakische Konsulat halte die ihm vorliegenden Papiere für echt.

Auch bei der Verwirrung um sein Alter könne es sich um ein Missverständnis gehandelt haben. Auf den irakischen Dokumenten sei der 11.3.1997 als Geburtsdatum vermerkt, bei der Übertragung ins Deutsche sei auf dem Asylantrag dann der 3.11.1997 daraus geworden. Es könne sich also schlicht um einen Zahlendreher handeln, so die Staatsanwältin. Denn ein nur wenige Monate jüngeres Alter habe Ali B. zum damaligen Zeitpunkt keine Vorteile gebracht.

Wie alt ist Ali B.?

In dieser Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft lebte Ali B. mit seiner Familie.
In dieser Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft lebte Ali B. mit seiner Familie.(Foto: dpa)

Das irakische Generalkonsulat in Frankfurt am Main hatte sagt, Ali B wurde im März 1997 geboren und nicht wie zunächst angenommen im November 1997. Dem Konsulat lägen entsprechende Ausweisdokumente vor. Da der Staatsanwaltschaft bisher noch nichts schriftlich vorliege und die Informationen nicht überprüft worden seien, stünden sie noch unter Vorbehalt.

Falls die Auskunft stimmt, wäre der Iraker zum Zeitpunkt der ihm zur Last gelegten Tat nicht wie bisher angenommen 20, sondern 21 Jahre alt gewesen. Somit gälte er vor Gericht nicht mehr als Heranwachsender und müsste im Falle einer Verurteilung mit einer deutlich härteren Strafe rechnen, sagte die Staatsanwaltschaft . Bei einem Täter von 20 Jahren hätte das Gericht prüfen lassen können, ob er wegen "Reifemängeln" noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden kann, erläuterte die Oberstaatsanwältin Gräf. Das geht mit 21 Jahren nicht mehr - Ali B. müsste bei einer vollen Mordverurteilung mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen.

Bei der Ermittlungsarbeit der Polizei in dem Fall sieht die Staatsanwaltschaft keine Versäumnisse der Polizei Wiesbaden. Zur Arbeit der Polizei Mainz könne sie sich aber nicht äußern. Dort sei Susanna aber noch ein reiner Vermisstenfall gewesen, sagte Gräf. Die Polizeiarbeit sei am Rande Gegenstand der Ermittlungen. Der Fall Susanna sorgt seit Tagen deutschlandweit für Aufsehen, auch Kritik an der Polizeiarbeit wurde laut. Eine der Fragen ist, ob die Polizei die Leiche schneller hätte finden können, wenn sie direkt umfassender nach dem Mädchen gesucht hätte.

Sondersitzung im Landtag

Das genaue Obduktions- und das Auswertungsergebnis möglicher DNA-Spuren dauerten noch einige Tage, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Nach der Vernehmung von Ali B. müssten seine Aussagen auch mit Spuren an der Leiche abgeglichen werden. Ali B. hatte unter anderem ausgesagt, dass er aufgrund von Verletzungen im Gesicht von Susanna, die infolge eines Sturzes entstanden sein sollen, befürchtet habe, dass das Mädchen die Polizei informieren werde. Dies sei sein Motiv gewesen, sie umzubringen. Wann sich Ali B. vor Gericht für die Tat verantworten muss, ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch unklar.

Der irakische Flüchtling Ali B. wird verdächtigt, die 14-jährige Susanna in Wiesbaden vergewaltigt und getötet zu haben. Nach einer Flucht in den Irak war er am Samstag im Beisein von Bundespolizisten mit dem Flugzeug wieder nach Deutschland gebracht worden. Bei seiner Vernehmung gestand er, das aus Mainz stammende Mädchen umgebracht zu haben, bestritt aber eine Vergewaltigung. Er sitzt in Frankfurt in Untersuchungshaft.

Am Donnerstag will sich der hessische Landtag in einer gemeinsamen Sondersitzung von Innen- und Rechtsausschuss mit dem Fall Susanna beschäftigen. Dabei sollen Innenminister Peter Beuth und Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (beide CDU) die Abgeordneten der beiden Gremien über die Ermittlungen und die Festnahme des mutmaßlichen Täters im Nordirak informieren.

Quelle: n-tv.de