Panorama

Vier Radtouristen getötet Tadschikistan gibt Iran Mitschuld an Angriff

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Emomali Rachmon regiert Tadschikistan seit den 1990er Jahren.

(Foto: REUTERS)

In einem bei Touristen beliebten Berggebiet in Tadschikistan töten Angreifer vier Radfahrer. Der Islamische Staat reklamiert die Tat für sich. Doch die Regierung des Berglandes sieht die Opposition als Schuldigen - unter Mitwirkung des Iran.

Tadschikistan hat eine verbotene islamistische Oppositionspartei für den tödlichen Angriff auf westliche Radtouristen verantwortlich gemacht. Das Innenministerium in Duschanbe warf der Partei der Islamischen Wiedergeburt Tadschikistans vor, den Angriff angeordnet zu haben, und bezichtigte den Iran, er habe den Drahtzieher ausgebildet. Die Regierung in Teheran wies die Anschuldigungen zurück.

Die Angreifer hatten am Sonntag eine Gruppe Radfahrer im Bezirk Danghara rund hundert Kilometer südöstlich der Hauptstadt Duschanbe zunächst mit dem Auto angefahren, bevor sie die Touristen mit Messern angriffen. Zwei US-Bürger, ein Schweizer und ein Niederländer wurden bei dem Angriff in dem Berggebiet getötet, ein weiterer Niederländer und ein Schweizer wurden verletzt. Ein Franzose kam unversehrt davon.

Nach Angaben des Innenministeriums stürmte bei der geplanten Festnahme der mutmaßlichen Täter dann ein Mann mit einer Axt auf einen Polizisten und verletzte diesen schwer. Bei dem anschließenden Zugriff seien alle vier Tatverdächtigen im Alter zwischen 18 und 26 Jahren getötet und mehrere Mitglieder der Wiedergeburtspartei festgenommen worden, hieß es. Gegen sie werde wegen Mordes und Destabilisierung der öffentlichen Ordnung ermittelt.

Allerdings reklamierte Stunden später der sogenannte Islamische Staat (IS) den Anschlag für sich. Die Dschihadistenmiliz veröffentlichte dazu ein Video mit den angeblichen Attentätern. Die fünf jungen Männer sind darin vor einer IS-Fahne zu sehen. Sie behaupten, die "Genehmigung Allahs" zu haben, um "Ungläubige" zu töten. Die Männer ähneln den Fotos der getöteten oder festgenommenen Verdächtigen, die zuvor vom tadschikischen Innenministerium verbreitet worden waren.

Angriff sollte Ordnung destabilisieren

Die Polizei des Landes erklärte jedoch, der Angriff sei von einem "aktiven Mitglied" der Partei der Islamischen Wiedergeburt Tadschikistans angeführt worden. Laut den Behörden sagte der 33-jährige Hussein Abdussamadow nach seiner Festnahme aus, auf Anordnung des "aktiven Parteimitglieds" Nossirchudschi Ubaidow gehandelt zu haben. Demnach gestand er zudem, 2014 und 2015 vier Mal in den Iran für ein "ideologisches und militärisches Training zur Verübung von Sabotageakten" gereist zu sein. Mit dem Angriff habe er die öffentliche Sicherheit und Ordnung destabilisieren wollen.

Der Iran wies die Vorwürfe umgehend zurück. Der Außenamtssprecher Bahram Ghasemi erklärte, der Iran habe keine Verbindungen zu dem "terroristischen Angriff" in Tadschikistan und unterhalte auch keine "militärischen Trainingslager für Terroristen". Ghasemi verurteilte die "grundlosen Vorwürfe" und versicherte die Bereitschaft der Regierung, Tadschikistan bei der Aufklärung des Angriffs auf die Touristen zu helfen.

Die Partei der Islamischen Wiedergeburt Tadschikistans hatte während des Bürgerkriegs von 1992 bis 1997 gegen die Regierung von Präsident Emomali Rachmon gekämpft, doch beteiligte sich die gemäßigte islamistische Partei nach dem Ende der Kämpfe friedlich am politischen Prozess. 2015 warf der autoritär regierende Rachmon der Partei aber eine Verschwörung gegen seine Regierung vor und ließ sie verbieten. Die Gruppe soll Schätzungen zufolge bis zu 40.000 Anhänger gehabt haben. Der Parteivorsitzende soll sich unterschiedlichen Angaben zufolge in Deutschland aufhalten.

Zahlreiche Menschen schließen sich IS an

Das Bergland Tadschikistan an der Grenze zu Afghanistan kämpft ebenso wie seine Nachbarstaaten seit Jahrzehnten gegen Bandenkriminalität, Drogenschmuggel und Extremismus. Es zählt zu den ärmsten Ländern der Region. Die Regierung unter Präsident Rachmon geht restriktiv gegen religiöse Einrichtungen und Andersdenkende vor. Radikalisierung und Extremismus ist in ganz Zentralasien ein großes Problem. Schätzungen zufolge soll der IS in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion bis zu 10.000 Anhänger haben.

Aus Tadschikistan sollen rund 1200 Menschen auf der Seite der Terrorgruppe in Syrien und im Irak kämpfen, unter anderem auch ein ehemaliger Befehlshaber der Polizei-Spezialeinheit Omon in Tadschikistan. Nach Experteneinschätzung radikalisieren sich viele Zentralasiaten vor allem in Russland, wo sie als Gastarbeiter ihr Geld verdienen und von der restlichen Gesellschaft weitgehend isoliert leben.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa