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Mittwoch, 14. Februar 2018

Sicherheitsreport 2018: Terror ist die größte Angst der Deutschen

Wo auch immer derzeit das Sicherheitsgefühl der Deutschen abgefragt wird - überall herrscht Angst. Das Vertrauen in die Truppe schrumpft und die USA wird als Bedrohung für den Frieden wahrgenommen. Die größte Sorge bereitet jedoch der IS-Terror.

Nach den Anschlägen in Berlin und anderen europäischen Städten war die Angst vor Terror in den vergangenen Jahren gestiegen. Aktuell machen sich die Bundesbürger insgesamt deutlich weniger Sorgen um ihre Sicherheit als noch 2016, dennoch bewege sich die Angst vor Terrorismus und Gewaltverbrechen weiterhin auf sehr hohem Niveau, heißt es im aktuellen Sicherheitsreport, den das "Centrum für Strategie und Höhere Führung" bereits zum siebten Mal in Auftrag gegeben hat.

Mehr als jeder Dritte (36 Prozent) fühlt sich demnach persönlich durch Terroranschläge bedroht, 28 Prozent befürchten Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, und 27  Prozent der Deutschen sorgen sich vor Einbrechern. Entsprechend hoch sei die Bereitschaft der Bevölkerung, dem Staat für Terrorabwehr und Verbrechensbekämpfung nach richterlicher Genehmigung den Zugriff auf private Daten zu erlauben: 86 Prozent der Deutschen befürworten dies, ermittelte das Institut für Demoskopie Allensbach in einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage.

Für die Zukunft gehen die Bürger mehrheitlich von zunehmenden Risiken aus - darunter Altersarmut, Naturkatastrophen und Datenmissbrauch.

Als größte Bedrohung für die äußere Sicherheit sehen 74 Prozent der Bevölkerung die Terrormiliz IS, obwohl in der Bekämpfung Fortschritte erzielt wurden. Mit weitem Abstand folgt das Risiko durch den Nordkorea-Konflikt. Allerdings ist die Angst vor Krieg zurückgegangen, nur noch 18 Prozent der Befragten machen sich Sorgen, dass Deutschland in militärische Auseinandersetzungen verwickelt werden könnte, heißt es.

Schlechte Noten für die Truppe

Entsprechend wenig Bedeutung messen die Bundesbürger der Bundeswehr zu. "Das Bild, das die Deutschen von der Bundeswehr haben, ist der Umfrage zufolge bedenklich: Nur 22 Prozent halten die Truppe für einsatzfähig und gut ausgerüstet, nur noch 45 Prozent haben Vertrauen in die Bundeswehr, und eine deutliche Mehrheit lehnt weitere Investitionen ins Militär ab. Die Bundeswehr hat ein massives Imageproblem," sagt Klaus Schweinsberg vom Centrum für Strategie und Höhere Führung.

Zunehmende Bedrohungen erwarten viele Bundesbürger auch, wenn es um Altersarmut und Pflegebedürftigkeit, um Naturkatastrophen, sowie um Datenmissbrauch und -betrug im Netz geht.

Die Mehrheit der Bevölkerung erwartet ein größeres Engagement, wenn es um die Bekämpfung von Terror und Kriminalität, auch Cyberkriminalität, geht. Höhere Investitionen in die Ausstattung der Polizei werden der Umfrage zufolge mehrheitlich befürwortet. Gleichzeitig wird das staatliche Gewaltmonopol zunehmend hochgehalten. "Trotz des aktuell immer noch verbreiteten Gefühls der Bedrohung durch Terrorismus und Verbrechen ist die Akzeptanz eines Einsatzes privater Sicherheitsdienste zur Entlastung der Polizei im langfristigen Vergleich deutlich zurückgegangen. Die Bevölkerung sieht es zunehmend als genuin staatliche Aufgabe, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen", sagt Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach.

Ja zur Nato, Nein zu Kim

Das Vertrauen in die Nato ist in den letzten Jahren indes gewachsen, so dass heute 45 Prozent der Bundesbürger großes oder sogar sehr großes Vertrauen in das westliche Verteidigungsbündnis haben. Als wichtigster militärischer Bündnispartner gelten der Bevölkerung weiterhin die Vereinigten Staaten: 41 Prozent der Bevölkerung beurteilen das so. Allerdings wird Frankreich derzeit fast genauso häufig als wichtigster Partner Deutschlands bei der äußeren Sicherheit gesehen (37 Prozent). Gleichzeitig bestehen in der Bevölkerung inzwischen aber verbreitet Zweifel an der Zuverlässigkeit der USA als Bündnispartner Deutschlands. Nur 24 Prozent der Bürger schätzen die USA als verlässlichen Bündnispartner ein.

Wenn es um den Frieden in der Welt geht, sehen die Deutschen zu 73 Prozent und damit mit Abstand am häufigsten in Nordkorea die größte Bedrohung. Auf dem zweiten Platz folgen bemerkenswerterweise die USA mit 40 Prozent, noch vor dem Iran, der Türkei, Syrien, Russland, Afghanistan und Israel.

Beachtlich ist hier die unterschiedliche Wahrnehmung der Bevölkerung im Westen und im Osten der Republik: Während in den östlichen Bundesländern fast die Hälfte der Bevölkerung die USA als eines der Länder nennt, von denen in den kommenden Jahren die größte Bedrohung für den Weltfrieden ausgeht, urteilen im Westen Deutschlands nur 38 Prozent der Bevölkerung so. Und im Westen der Republik wird sehr viel häufiger eine Bedrohung des Friedens durch Russland als durch die Ukraine wahrgenommen, im Osten Deutschlands werden die beiden Länder dagegen gleich häufig als Bedrohung für den Frieden wahrgenommen.

Für den Sicherheitsreport 2018 wurden von Anfang bis Mitte Januar mehr als 1200 Interviews mit einem einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung der Bundesrepublik ab 16 Jahre durchgeführt.

Quelle: n-tv.de