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Virologin Brinkmann bei ntv "Test-Knappheit ist tatsächlich ein Problem"

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Melanie Brinkmann, hier im Gespräch mit ntv-Moderatorin Tamara Bilić, ist Virologin an der Universität Braunschweig und Mitglied des 19-köpfigen Corona-Expertenrats der Bundesregierung.

Schon jetzt erreichen die Testkapazitäten in Deutschland mancherorts ihre Grenzen. Virologin Melanie Brinkmann rechnet damit, dass pragmatische Lösungen nötig sein werden: Wer sich krank fühlt, sollte dann einfach so zu Hause bleiben und sich isolieren, erklärt sie bei ntv.

ntv: Das RKI meldet heute über 80.000 Neuinfektionen. Sind wir jetzt mittendrin in der Omikron-Welle?

Melanie Brinkmann: Ich glaube, wir müssen uns für die nächsten Tage und Wochen daran gewöhnen, dass die Zahlen weiterhin steigen. Und irgendwann werden wir gar nicht mehr genug Testkapazitäten haben und die Zahlen werden steigen, ohne dass wir es wirklich sehen können. Ich hoffe, dass wir uns weiterhin an die Maßnahmen, die jetzt gelten, halten, um dieser Welle entgegenzuwirken.

Reichen die aktuellen Maßnahmen aus?

Wir brauchen alle Maßnahmen, die wir zur Verfügung haben. Dazu zählt, dass wir wirklich unsere Kontakte so gut es geht reduzieren, dass wir zum Beispiel weiterhin im Homeoffice bleiben, keine großen Zusammenkünfte haben, dass wir die Masken wirklich konsequent tragen und dazu zählen die FFP2-Masken. Was weiterhin sehr gut wirkt, ist ein OP-Nasen-Schutz und man kann auch zwei davon übereinanderziehen. Das geht sehr gut und ist für manche einfacher als eine FFP2-Maske. Auch weiterhin kann ich einfach nur appellieren, dass man sich boostern lässt.

Müssen wir uns auf weitere Beschränkungen gefasst machen, vielleicht sogar auf einen Lockdown?

Ich hoffe nicht. Trotzdem kann man das nicht ausschließen. Die Omikron-Variante ist ein anderes Virus als die Delta-Variante und wir verstehen es einfach noch nicht sehr gut. Was wir wissen, ist, dass es anscheinend leichtere Verläufe verursacht und das ist eine gute Nachricht. Das heißt aber nicht, dass Menschen nicht schwer erkranken an dieser Variante.

Auch Geimpfte tragen jetzt wieder zum Infektionsgeschehen bei und daher kommt diese Wahnsinnsdynamik, mit der wir jetzt klarkommen müssen. Das Problem ist, dass viele Menschen zur gleichen Zeit infiziert werden und deshalb - und das geht auch aus der Stellungnahme des Expertenrates eindeutig hervor - müssen wir uns darauf vorbereiten, dass am Arbeitsplatz viele Menschen zur gleichen Zeit ausfallen können. Das mag nicht durch schwere Symptome sein, dass sie ins Krankenhaus müssen, aber es reicht ja, wenn man zu Hause mit Fieber liegt und nicht zur Arbeit gehen kann. Daher ist es wichtig, dass wir weiterhin versuchen, das Virus so gut es geht einzudämmen.

Machen Sie sich Sorgen um die medizinische Versorgung in Deutschland?

Ja, wir sehen bislang auch schon, dass gerade in den kritischen Bereichen wie den Krankenhäusern viele Menschen erkranken. Nicht unbedingt schwer, aber so, dass sie nicht zur Arbeit gehen können. Und da mache ich mir tatsächlich Sorgen, dass die medizinische Versorgung aufrechterhalten werden kann. Ich glaube aber schon, dass das gelingen kann, wenn wir uns jetzt konsequent an die Maßnahmen halten, wie die 2G-plus-Regel und das konsequente Masketragen. Ich hoffe, dass das reicht.

Wie stehen Sie zu der generellen Impfpflicht?

Ich bin eine große Freundin der Impfung, denn die Daten, die wir haben, deuten alle eindeutig darauf hin, dass die Impfung uns nach wie vor sehr gut schützen kann vor schweren Verläufen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass sich viele Menschen noch dazu entschließen, sich impfen zu lassen, dass wir weiterhin ein sehr niedrigschwelliges Angebot haben für die Impfung, sehr gute Aufklärung. Und wenn das alles nicht reicht, muss man vielleicht tatsächlich zu weiteren Schritten greifen. Das sind aber politische Entscheidungen, wo ich nicht wirklich das Sagen habe.

Ist eine Knappheit der Tests in der jetzigen Situation fatal?

Das ist tatsächlich ein Problem. Ich glaube, wir werden an einen Punkt kommen, wo wir klar sagen, wer Symptome hat, kann relativ sicher sein oder es ist höchst wahrscheinlich, dass er mit der Omikron-Variante infiziert ist. Das Beste ist dann, zu Hause zu bleiben, sich so gut wie möglich zu isolieren und niemanden anzustecken. Das sollte man wirklich machen, wenn man schon leichte Kopfschmerzen hat. Die Antigen-Schnelltests sind weiterhin ein sehr gutes Mittel. Da gibt es, glaube ich, noch keine akute Knappheit. Sie detektieren die Omikron-Variante noch. Wer sicher sein will, der kann auch diese Tests noch machen.

Mit Melanie Brinkmann sprach Tamara Bilić

Quelle: ntv.de

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