Panorama

Betreuer ganze Zeit am Telefon Tonaufnahme dokumentiert Polizeieinsatz in Dortmund

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Am Ort des Polizeieinsatzes haben Menschen Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Hinter dem Polizeieinsatz mit tödlichen Schüssen auf einen 16-Jährigen in Dortmund stehen noch immer große Fragezeichen. Nun taucht ein Tondokument auf, das zur Aufklärung beitragen kann. Der Todesschütze ist mittlerweile suspendiert, vier weitere Beamte werden intern versetzt.

Der Polizeieinsatz mit den tödlichen Schüssen auf einen 16-Jährigen in Dortmund ist aufgezeichnet worden. "Wir haben eine Tonaufnahme", sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Carsten Dombert. Der Betreuer der Jugendhilfeeinrichtung, der den Notruf gewählt hatte und in der Nähe des Einsatzes blieb, sei während der ganzen Zeit in der Leitung geblieben.

Das Bundeskriminalamt (BKA) werte die Aufnahme noch aus, man warte auf das Gutachten. Es seien der Betreuer und der Polizeibeamte in der Leitstelle zu hören, sagte Dombert. Im Hintergrund höre man auch Menschen sprechen und Knallgeräusche, die von Tasern oder der Maschinenpistole stammen könnten. Das BKA sei offenbar in der Lage, diese Geräusche zu extrahieren und zu bewerten.

Die Polizei war am 8. August zum Innenhof der Einrichtung gerufen worden, in dem sich der 16-Jährige ein Messer an den Bauch hielt. Der Einsatz lief zunächst als Einschreiten bei einem Suizidversuch. Die Polizisten besprühten ihn mit Pfefferspray und setzten Taser ein. Laut aktuellem Ermittlungsstand ist nicht klar, ob und wie der Jugendliche dann tatsächlich mit einem Messer auf die Beamten zugegangen ist.

Schütze könnte wegen Todschlags angeklagt werden

Ein 29 Jahre alter Polizist schoss sechsmal mit einer Maschinenpistole, vier Schüsse trafen. Der Jugendliche starb. Gegen den Schützen wird zunächst wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt, gegen vier weitere Polizisten im Zusammenhang mit Taser- und Reizgas-Einsätzen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung im Amt beziehungsweise der Anstiftung dazu. Laut dem Bericht an den Innenausschuss prüft die Staatsanwaltschaft, ob die Ermittlungen gegen den Schützen wegen Totschlags ausgeweitet werden. "Aus der Prüfung an sich darf man aber nicht den Rückschluss ziehen, dass es so ist", betonte der zuständige Oberstaatsanwalt Carsten Dombert. "Die endgültige Bewertung der Strafbarkeit bleibt immer dem Abschluss der Ermittlungen vorbehalten."

Der Schütze ist mittlerweile suspendiert worden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen. Vier weitere Beamte wurden laut Polizei Dortmund zunächst intern versetzt. Die SPD fordert unterdessen eine Sondersitzung des Rechtsausschusses, der kommende Woche tagen könnte. Die Polizei hatte die Disziplinarverfahren gegen die Beamten am Donnerstagabend publik gemacht. Es wurde aber nicht gesagt, wer von den fünf betroffenen Beamten suspendiert wurde. Auf Nachfrage machte die Polizei auch am Freitag keine weiteren Angaben.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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