Panorama

Nach "Verräter"-Äußerungen Türkischem Moderator droht Haftstrafe

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Ausblick von der Galata Brücke in Istanbul, die zu Cihangir gehört.

(Foto: picture alliance / Michael Kappe)

In seiner Frühstückssendung lässt sich ein türkischer Moderator über die Militäroffensive in Afrin und "Verräter" in liberalen Vierteln Istanbuls aus. Dafür muss er zurücktreten. Für den Sender ist es der zweite Skandal in wenigen Wochen.

Ein türkischer Fernsehmoderator ist abgetreten, nachdem er mit einem scharfen Angriff auf liberale Landsleute für Empörung gesorgt hatte. Der Moderator Ahmet Keser des regierungsnahen Senders Akit TV hatte die Einwohner liberaler Viertel in Istanbul als "Verräter" bezeichnet. Auch das Parlament sei voll von ihnen, sagte Keser. Die Äußerungen wurden allgemein verurteilt; Keser droht nun eine mehrjährige Haftstrafe.

Der Moderator wies am Vortag in seiner Sendung "Gün Basliyor" (Der Tag beginnt) Vorwürfe zurück, die türkische Armee töte bei ihrer Offensive gegen kurdische Einheiten im syrischen Afrin auch Zivilisten. "Wenn wir Zivilisten töten würden, dann würden wir mit Cihangir, Nisantasi und Etiler anfangen, da gibt es haufenweise Verräter", sagte er dann. "Und es gibt sie auch im türkischen Parlament."

Cihangir, Nisantasi und Etiler sind drei besonders säkulare, liberale Stadtteile Istanbuls, deren Einwohner mehrheitlich die Opposition gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan unterstützen. Die Äußerungen des Moderators stießen über die Parteigrenzen hinweg auf Kritik. Ein Sprecher der regierenden AKP sprach von einer "offenen Provokation" und einer "dummen Sabotage der Einheit der Türkei".

Sender sorgte bereits für Empörung

Akit TV erklärte, es billige die Äußerungen nicht und verkündete den Rücktritt Kesers. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft legte eine Anklageschrift wegen Aufrufs zu Hass und Feindschaft vor. Keser drohen laut Medienberichten bis zu vier Jahren Haft. Der Abgeordnete Eren Erdem von der oppositionellen CHP, der zuerst Anzeige erstattet hatte, forderte eine rasche Verurteilung.

Die türkische Medienaufsicht RTÜK kündigte an, dass Kesers Sendung drei Mal ausgesetzt werde und Akit TV die in einem solchen Fall zulässige Höchststrafe zahlen müsse. Der Sender hatte vor zwei Wochen schon einmal für Empörung gesorgt, als einer seiner Moderatoren gesagt hatte, dass es "religiös zulässig" sei, Journalisten der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" zu ermorden.

Die Offensive gegen die kurdische YPG-Miliz in Afrin genießt großen Rückhalt in der Türkei und hat zu einer nationalistischen Welle der Begeisterung für die Armee geführt. Präsident Erdogan sah sich aber Kritik in den sozialen Medien ausgesetzt, als er am Samstag bei einer Rede ein kleines Mädchen in Uniform auf die Bühne holte und ihr versprach, sie werde in eine türkische Fahne gehüllt, wenn sie als "Märtyrer" sterbe.

Quelle: ntv.de, lri/AFP