Panorama

Widersprüchliche ZeugenaussagenU-Bahn-Stoß: Verdächtiger kommt frei

02.11.2019, 19:03 Uhr
126134537
Wer den Iraner auf das Gleis der U8 geschubst hat, ist immer noch nicht geklärt. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Berliner Ermittler müssen einen Dämpfer im Fall des tödlichen Stoßes auf das Gleisbett am Kottbusser Tor verkraften. Der als tatverdächtig festgenommene Mann wird wieder entlassen. Das Videomaterial und Zeugen hatten die Fahnder offenbar getäuscht.

Nach dem tödlichen Stoß eines Mannes vor eine U-Bahn in Berlin-Kreuzberg wird ein als tatverdächtig Gefasster wieder auf freien Fuß gesetzt. Es gebe derzeit keinen dringenden Tatverdacht, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Martin Steltner. Bei den Zeugenaussagen hätten sich Widersprüche ergeben, etwa bei den Zeitangaben.

Zudem sei das Videomaterial von mäßiger Qualität. Die U-Bahn-Station Kottbusser Tor wird von Kameras überwacht. Es werde weiter intensiv ermittelt, sagte Steltner. Fahnder hatten den 30-Jährigen am Freitagabend in Eberswalde nordöstlich von Berlin festgenommen. Eine Mordkommission der Berliner Kriminalpolizei hatte nach dem Täter gesucht.

In der Nacht zu Mittwoch war ein 30-jähriger Iraner vor eine U-Bahn gestoßen worden. Er wurde durch die einfahrende Bahn in der unterirdischen Station der U8 so schwer verletzt, dass er noch vor Ort starb. Zuvor soll es auf dem Bahnsteig laut Polizei einen Streit zwischen dem Opfer und einem Begleiter sowie einer größeren Gruppe, zu der der Täter gehörte, gegeben haben.

Auswertung von Videoaufnahmen, umfangreiche Ermittlungen und Hinweise von Zeugen hatten die Ermittler auf die Spur des Verdächtigen geführt, wie es in einer Mitteilung der Polizei hieß. Beamte der Polizei Brandenburg nahmen den Mann für die Zielfahnder der Polizei Berlin gestern gegen 18.30 Uhr am Hauptbahnhof Eberswalde fest. Der Mann habe keinen Widerstand geleistet, hieß es.

Die Hintergründe der Auseinandersetzung seien nach wie vor Gegenstand der Ermittlungen. Sie könnten nach derzeitigen Erkenntnissen im Zusammenhang mit Drogenkriminalität stehen. Auch die Staatsanwaltschaft hatte von sich verdichtenden Hinweisen gesprochen, dass ein Drogengeschäft der Tat zugrunde gelegen haben könnte. Von Seiten der Polizei hieß es, das Opfer habe in Berlin gewohnt und sei der Behörde wegen Drogendelikten bekannt.

Quelle: fzö/dpa

Mord und TotschlagBerlinU-BahnPolizeiStaatsanwaltschaft