Panorama

300 Stoffe werden überprüft Fischsterben gibt weiter Rätsel auf

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Über 200.000 Euro Belohnung verspricht die polnische Regierung für Hinweise auf den Verursacher der Umweltkatastrophe.

(Foto: dpa)

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100 Tonnen Fischkadaver: Das ist die jüngste Schätzung von Umweltschützern zur Katastrophe in der Oder. Was die Tiere getötet hat, ist immer noch unklar. Womöglich gibt es mehr als nur einen Grund. Auch am Stettiner Haff wachsen derweil die Sorgen.

Was hat die Fische in der Oder getötet? Hat das Massensterben eine einzige Ursache oder haben mehrere Faktoren dazu beigetragen? Verantwortliche und Bürger erhoffen sich heute Antworten auf diese Fragen. Möglicherweise lägen dann Ergebnisse vor, hatte das Bundesumweltministerium am Montag mitgeteilt. Bislang ist nur klar: Quecksilber ist laut polnischen Behörden nicht der Grund.

Nach einer Schätzung des Umweltverbandes BUND sind in den vergangenen Tagen bis zu 100 Tonnen Fisch in der Oder verendet. 500 Kilometer Flusslauf seien betroffen. Das sorgt auch für Beunruhigung in Mecklenburg-Vorpommern. Jedoch waren bis zum Montagnachmittag nach offiziellen Angaben keine Auswirkungen im Nordosten bekannt. "Das ist die gute Nachricht", sagte der Landrat von Vorpommern-Greifswald Michael Sack.

Dennoch sind die Menschen an den Ausläufern des Stettiner Haffs zur Vorsicht aufgerufen. Das Schweriner Gesundheitsministerium rät für mehrere Badestellen vom Schwimmen ab. Der Landkreis sowie das Landesumweltministerium hatten schon zuvor empfohlen, auf Angeln und Fischen oder die Entnahme von Wasser zu verzichten. Ölsperren sollen verhindern, dass sich Fischkadaver im Haff ausbreiten. Die Oder mündet in das Haff, das mit rund 900 Quadratkilometern etwa doppelt so groß ist wie der Bodensee. Es gehört zu zwei Dritteln zu Polen. Von dort verlaufen Wasserverbindungen zur Ostsee.

300 Stoffe werden im Labor überprüft

Polnische Behörden hatten nach Regierungsangaben schon Ende Juli erste Hinweise, dass in dem Fluss massenweise verendete Fische treiben. Seit vergangener Woche herrscht auch in Deutschland Alarmstimmung. Bürger sollen das Oder-Wasser nicht berühren. Freiwillige Helfer fischten tonnenweise stinkende Kadaver aus dem Wasser, die auf dem Gelände der PCK-Raffinerie in Schwedt verbrannt werden. Welche Folgen langfristig für Fische, Tiere und Pflanzen der Oderregion und der Ostsee drohen, ist nicht absehbar.

Sowohl die Bundesregierung als auch das Land Brandenburg bekräftigten am Montag ihren Unmut über fehlende Informationen aus Polen. Angaben seien nur "kleckerweise" oder "überhaupt nicht" gekommen, kritisierte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke bei einem Besuch in Lebus an der Oder, wo er sich ein Bild von der Lage machen wollte. Der SPD-Politiker bekräftigte: "Wir wissen bis jetzt nicht, was genau diese Vergiftungserscheinungen bei den Fischen verursacht hat." Der Deutsche Angelfischer- und der Deutsche Fischerei-Verband kritisierten indes die deutschen Behörden. "Von außen wirkte die Aktivität der deutschen Behörden nicht wie ein souveränes Krisenmanagement", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung. Der Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Paul Ziemiak, forderte eine "lückenlose Aufklärung". Statt um Schuldzuweisungen gehe es nun aber darum, gemeinsam "dieses gefährliche Umweltproblem" zu lösen, sagte der CDU-Politiker der Funke Mediengruppe.

Die polnische Seite sei dabei, in ihrem Zentrallabor nach 300 Stoffen zu fahnden, berichtete Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel vor Ort. Für das Fischsterben gibt es nach seiner Einschätzung wohl auch mehr als nur eine Ursache. Die Dürre und die geringe Wasserführung hätten ziemlich sicher einen Anteil daran. Das gesamte Ökosystem der Oder sei geschädigt.

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hatte am Freitag erklärt, das Fischsterben sei offenbar durch Einleitung einer "riesigen Menge" von Chemieabfällen ausgelöst worden. Die polnische Regierung setzte eine Belohnung von mehr als 200.000 Euro für die Aufklärung aus.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 16. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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