Panorama

Gastronomen, Lehrer, Handwerker Verbände kritisieren neue Corona-Beschlüsse

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Die Gastrobranche sieht sich nicht als Infektionstreiber.

(Foto: imago images/Sabine Gudath)

Während der Einzelhandel von den neuen Corona-Maßnahmen verschont bleibt, trifft der Teil-Lockdown die Gastronomie und viele Dienstleister. In diesen Branchen macht sich Frust breit, ebenso wie an den Schulen. Die bleiben zwar geöffnet, Gewerkschaften bemängeln jedoch fehlenden Schutz für Lehrer.

Mehrere Verbände haben die von Bund und Ländern beschlossenen massiven Beschränkungen im Kampf gegen die Corona-Krise kritisiert. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga bezeichnete die Schließung aller gastronomischen Betriebe als "bitter für die Mitarbeiter wie die Unternehmer". "Ebenso bitter ist das Verbot aller touristischen Übernachtungen", sagte Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). "Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand, die Verzweiflung wächst", warnte sie vor den Folgen der beschlossenen Corona-Schutzmaßnahmen.

Der Verband prüfe bereits rechtliche Schritte dagegen. Das kündigte Sachsen-Anhalts Dehoga-Chef Michael Schmidt an. "Es ist eine große Enttäuschung, das ist wirklich dramatisch für uns", sagte Schmidt. "Wir sind nicht der Treiber der Pandemie." Klagen könnten nur die Gastronomen selbst. Hartges sagte am Abend in der ARD, es hätten sich schon Mitglieder gemeldet, die klagen wollten.

Die Hauptgeschäftsführerin begrüßte allerdings die von der Bundesregierung angekündigten Hilfen, die bis zu 75 Prozent des Umsatzes im November 2019 umfassen sollen: "Die zugesagte außerordentliche Wirtschaftshilfe, die betroffene Unternehmen für finanzielle Ausfälle im November entschädigen soll, ist zu begrüßen", sagte sie den RND-Zeitungen. "Wir verbinden dies mit der Erwartung, dass die Hilfen für alle Unternehmen der Gastronomie, Hotellerie und der Cateringwirtschaft schnell und unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden."

"Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich leider bestätigt", erklärte indes die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Systemgastronomie, Andrea Belegante, zu den Bund-Länder-Beschlüssen. "Unsere Branche wird erneut in einen Lockdown geschickt, obwohl unsere Restaurants keine Infektionstreiber sind und unter strengsten, behördlich genehmigten Hygienekonzepten arbeiten", kritisierte sie.

Wenig Anerkennung für ausgeklügelte Hygienekonzepte

Auch Wirtschaftsverbände kritisierten die beschlossenen massiven Beschränkungen. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer erklärte: "Es ist gut, dass Bund und Länder einen pauschalen Wirtschafts-Lockdown erkennbar vermeiden wollten, gleichwohl ist das nicht durchgängig gelungen und ein harter und bitterer Tag für viele Handwerksbetriebe." Die großen Anstrengungen und Investitionen vieler Betriebe in den vergangenen Monaten, mit ausgeklügelten Hygienekonzepten Kunden und Mitarbeiter zu schützen, hätten mehr Anerkennung verdient. "Manche Handwerksbereiche sind teils unmittelbar, teils mittelbar von den nun anstehenden Schließungen substanziell betroffen." Der nun vereinbarte Teil-Lockdown treffe die Betriebe besonders, die durch den ersten Lockdown bereits massiv angeschlagen seien.

Aus Sicht des Handelsverbands Deutschland werden viele Handelsunternehmen auf die zugesagte staatliche Hilfe angewiesen sein. Positiv sei, dass in den Geschäften nun statt ursprünglich vom Bund geplant einem Kunden pro 25 Quadratmeter, zumindest ein Kunde pro 10 Quadratmeter Verkaufsfläche zugelassen sein solle. "Der faktische Lockdown gefährdet jedoch viele Einzelhändler in der Innenstadt."

"Weiter so" darf es an Schulen nicht geben

Während zahlreiche Betriebe im November schließen müssen, bleiben Schulen und Kitas geöffnet. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert einen besseren Schutz der Angestellten. Ein "Weiter so" dürfe es nicht geben, hieß es am Mittwochabend in einer Mitteilung der Gewerkschaft. "Wenn offene Schulen und Kitas höchste Priorität aus sozialen Gründen haben sollen, müssen Lehrkräfte und Erzieherinnen besonders geschützt werden."

"Die GEW schlägt vor, dem Rat des Robert-Koch-Instituts zu folgen und in der Schule in kleineren Gruppen zu unterrichten", sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Marlis Tepe. Sie forderte einen Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht ab der fünften Klasse, wenn der sogenannte Inzidenzwert die Marke von 50 erreicht. "So können die Gruppen verkleinert und Abstände eingehalten werden", sagte Tepe. Zusätzlich müsse gesichert sein, dass in den Klassenzimmern regelmäßig und konsequent gelüftet werde. "Räume, in denen Lüften nur eingeschränkt möglich ist, müssen umgehend mit wirksamen Luftfiltern ausgestattet werden." Tepe sprach sich dafür aus, die Grundschulen so lange wie möglich geöffnet zu lassen.

Für die Kitas verlangte die GEW-Vorsitzende "passgenaue und wirksame Hygienepläne" und Betriebsärzte zur Beratung und gegebenenfalls Freistellung von Beschäftigten aus Risikogruppen. Zudem sprach sie sich für freiwillige, kostenfreie Coronatests und eine Grippeschutzimpfung für die Beschäftigten aus. "In Einrichtungen, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, ist ein Betrieb der Kita nicht zu verantworten." Kitaschließungen dürften nicht ausgeschlossen werden, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse nahelegten, dass Kitas eine Rolle bei der Verbreitung des Coronavirus spielen oder es ein erheblich erhöhtes Risiko für die Beschäftigten gebe.

Quelle: ntv.de, mba/AFP/dpa