Wind und Regen kommenWaldbrand im Hohen Venn bleibt "unberechenbar"

Gut zwei Kilometer vor der deutschen Landesgrenze lodern immer noch Flammen im Hohen Venn. Die Feuerwehr kann auf das Wetter hoffen, Regen ist angesagt - allerdings auch starker Wind.
Im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn dauert der Kampf gegen die verheerenden Flächenbrände an. Beteiligt sind auch deutsche Einsatzkräfte, die von der Eifelstadt Monschau aus agieren. Ein besonderes Augenmerk hat die Feuerwehr auf das Wetter. Monschaus Feuerwehr-Einsatzleiter Philipp Krüger rechnet mit starken Winden und Böen aus Richtung Südwest, weshalb man sich nun auf eine "ganz neue Lage" vorbereite, sagte er am Montag. Für heute sagt der Deutsche Wetterdienst für Monschau aber auch mehr Regen als am Vortag voraus.
Schon am Vortag hatten günstige Wetterbedingungen die Ausbreitung des Brandes stark verlangsamt, so der belgische Innenminister Bernard Quintin. Allerdings sei das Feuer unberechenbar, sagte er der Nachrichtenagentur Belga. Selbst wenn es unter Kontrolle gebracht worden sei, müsse man das Gebiet unter Wasser setzen, um ein erneutes Aufflammen zu vermeiden. Die Nachlöscharbeiten dürften demnach Wochen dauern.
Die Brandlinie war nach Angaben der Feuerwehr Monschau am Montagabend rund 2,3 Kilometer von der deutschen Landesgrenze entfernt. In mehreren Schichten waren demnach insgesamt 240 deutsche Einsatzkräfte von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, Rettungsdiensten und Polizei im Einsatz. "Wir müssen auf jeden Fall die ganze Nacht hier agieren und uns Bereiche freihalten", sagte der Sprecher der Feuerwehr Monschau, Tobias Schell.
Der Waldbrand im Hohen Venn ist einer der größten in der belgischen Geschichte. Am Sonntagabend hatte er sich der deutschen Grenze so weit genähert, dass in Monschau-Kalterherberg etwa 30 Einwohner aus Sicherheitsgründen ihre Häuser verlassen mussten. Nach Angaben des Feuerwehrsprechers sind keine weiteren Evakuierungen geplant.
"Man kann einen Wald nicht absperren"
Zu Verboten, Waldstücke bei großer Brandgefahr zu betreten, äußerte sich der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Karl-Heinz Banse, skeptisch. Theoretisch sei es möglich, dies zu untersagen, sagte Banse dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Aber es lässt sich in der Praxis kaum durchsetzen", betonte er. "Man kann einen Wald nicht absperren oder einzäunen." Die Polizei könne auch nicht für Kontrollen im Wald patrouillieren. Von höheren Strafen für Brandstiftung in Wäldern hält Banse ebenso wenig. Die könnten vielleicht sensibilisieren, seien aber kein Allheilmittel, so Banse. Zumal sich die Brandursache bei großen Flächen ohnehin nur schwer ermitteln lasse.
Der Verbandspräsident forderte stattdessen mehr Vorbeugung. "Wichtig wäre es, die Menschen stärker dafür zu sensibilisieren, wie gefährlich bestimmtes Verhalten im Wald sein kann - zum Beispiel in den Nachrichten, in Schulen oder über soziale Medien." So könnten etwa Lagerfeuer, illegales Grillen oder weggeworfene Zigaretten große Feuer auslösen. Auch die Ausbildung bei der Feuerwehr müsse sich ändern und die Bekämpfung von Waldbränden mehr trainiert werden, forderte Banse.