Panorama

Hohe Impfrate drückt Fallzahlen Wann erreichen Bundesländer Inzidenz 50?

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Treffen die Prognosen zu, kann der Sommer recht entspannt werden.

(Foto: imago images/Rupert Oberhäuser)

Wissenschaftler rechnen in den kommenden Wochen mit stark sinkenden Inzidenzen, was vor allem an der steigenden Impfrate liegt. Der Covid-19-Simulator zeigt, wann Deutschland oder einzelne Bundesländer die 50er-Grenze ungefähr erreichen könnten - ein motivierender Ausblick.

Nachdem man in Deutschland lange Zeit nur bange auf die steigenden Corona-Fallzahlen geblickt hatte, haben Wissenschaftler jetzt gute Nachrichten verkündet. Sie denken, dass der Höhepunkt der dritten Welle überschritten ist. Wegen der wachsenden Impfraten macht Physikerin Viola Priesemann sogar Hoffnung, dass schon bald Inzidenzen unter 50 erreicht werden könnten - zu Recht, wie der Covid-19-Simulator der Universität des Saarlandes zeigt.

Die Wissenschaftler um Projektleiter Thorsten Lehr haben ihrem Modell kürzlich auch die Impfraten hinzugefügt, sodass es jetzt noch zuverlässiger in die nähere Zukunft blicken kann. Derzeit berücksichtigt es nur vollständige Impfungen, in der kommenden Woche soll es dann auf Erstimpfungen verfeinert werden. Deshalb kann man aktuell auch erst ab dem 6. Juni eine angenommene höhere Rate einstellen. Ebenso müsse man den R-Wert wegen der seit Kurzem geltenden Notbremse noch leicht nachjustieren, sagte Thorsten Lehr ntv.de.

Trotzdem kann man mit dem Instrument schon jetzt sehen, dass Priesemanns Optimismus durchaus berechtigt ist. Und wenn man annimmt, dass im Mai und Juni nochmal deutlich mehr als jetzt geimpft werden kann, könnte die Entwicklung ohne unerwartete Rückschläge sogar noch etwas schneller vorangehen. Auch kleine Veränderungen des R-Werts könnten die Kurven etwas steiler nach unten gehen lassen. Insofern ist der Covid-19-Simulator eine gute Motivation, sich jetzt noch einmal etwas zusammenzureißen, um dann tatsächlich einen relativ unbeschwerten Sommer genießen zu können.

Deutschland Anfang Juli unter 50?

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So berechnet der Covid-19-Simulator derzeit die Entwicklung der deutschlandweiten Inzidenz.

(Foto: CoSim Online)

Lässt man die vorgegebenen Werte des Simulators unverändert, gehen die Fallzahlen in den kommenden Wochen stetig zurück. Deutschland würde dem Modell nach um den 10. Juni herum die 100er-Marke erreichen und Anfang Juli unter eine 7-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner fallen.

Dort, wo die Situation schon jetzt entspannter ist, geht es entsprechend schneller voran. In anderen Teilen der Bundesrepublik ist der Weg zu niedrigen Inzidenzen zwar noch etwas länger, aber auch dort ist der Silberstreifen am Horizont schon deutlich zu sehen. Und aktuell höhere Fallzahlen bedeuten nicht automatisch ein späteres Erreichen der Grenzwerte. Auch dieser Aspekt kann eine große Motivation sein, durchzuhalten.

Mit einer 7-Tage-Inzidenz von rund 211 hat Sachsen derzeit die höchste Inzidenz und seine Impfrate ist niedriger als deutschlandweit. Allerdings haben dort schon 9,8 Prozent der Bevölkerung beide Impfdosen erhalten, während es im Bundesdurchschnitt nur bei 7,7 Prozent der Fall ist. Deshalb könnte Sachsen der Simulation zufolge auch schon Mitte Juni unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche kommen. Und die 50er-Grenze ist dort ebenfalls Anfang Juli in Sicht.

Thüringen holt schnell auf

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Das Beispiel Thüringen zeigt, dass man von hohen Inzidenzen auch schnell wieder herunterkommen kann, wenn man sich anstrengt.

(Foto: CoSim Online)

Noch besser sieht es in Thüringen aus, das mit einem Wert 210 aktuell praktisch gleichauf mit Sachsen ist. Thüringen hat mit elf Prozent derzeit die Höchste Quote der Zweitimpfungen und der Abwärtstrend ist deutlicher als insgesamt in Deutschland. Deshalb könnte das Land der Simulation zufolge bereits Anfang Juni unter 100 Neuinfektionen sein und die 50er-Schwelle schon drei Wochen später erreicht haben.

Baden-Württemberg hat in den vergangenen Wochen einen sehr starken Anstieg der Fallzahlen bis auf eine Inzidenz von knapp 204 erlebt. Erst in den vergangenen drei Tagen ist sie auf rund 186 zurückgegangen, was in Deutschland immer noch der dritthöchste Wert ist. Auch bei den Impfquoten ist das "Ländle" nur Durchschnitt. Deshalb könnte es dem Modell nach erst einen Monat nach Thüringen unter 100 kommen, und erst um den 20. Juli weniger als 50 Neuinfektionen zählen.

Bayern war auch schon auf dem Weg zu einer 200er-Inzidenz, kriegte aber am 21. April die Kurve und zeigt jetzt bei einem Wert von knapp 154 einen klaren Abwärtstrend. Laut Modell wird dieser in den kommenden Wochen fortgeführt, weshalb der Freistaat Mitte Juni die 100 hinter sich lassen und wie Deutschland insgesamt Anfang Juli die 50 sehen sollte.

Berlin könnte einen schönen Sommeranfang haben

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Für eine Großstadt mit rund 3,65 Millionen Einwohnern macht Berlin seine Sache aktuell ziemlich gut.

(Foto: CoSim Online)

Die Hauptstadt schlägt sich in der dritten Welle bisher ziemlich gut und hat mit rund 126 eine der niedrigsten Inzidenzen Deutschlands. Auch beim Impfen ist Berlin recht gut. Das "belohnt" der Covid-19-Simulator mit einer steilen Abwärtslinie, auf der die 100er-Marke schon am 25. Mai erreicht und die 50er-Inzidenz zum Sommeranfang unterschritten werden könnte.

Eine starke Impf-Performance zeigt das Saarland. Mit 11 Prozent wurden dort bisher die meisten Menschen zweimal gepiekst, bei den Erstimpfungen (8,6 Prozent) rangiert es auf Platz 5. Mit einer Inzidenz von derzeit knapp unter 145 liegt das Saarland im bundesdeutschen Median und zeigt dem Simulator zufolge in den kommenden Wochen eine dazu passende Entwicklung. Die 100 knackt das Saarland demnach Ende Mai und erreicht ungefähr zeitgleich mit Berlin die 50er-Inzidenz.

Hamburg strebt die 25 an

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Schleswig-Holstein und Hamburg haben zwar jetzt schon weniger als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche, trotzdem ist es interessant, was das Modell für die beiden "Corona-Streber" berechnet. Hamburg startet bei einem Wert von rund 93 und könnte Anfang Juni schon die 50er-Marke knacken. Den Sommeranfang feiert die Hansestadt dann vielleicht schon mit einer Inzidenz unter 25.

Schleswig-Holstein hat aktuell mit einem Wert von rund 63 klar die niedrigste Inzidenz Deutschlands. In rund drei Wochen könnten die Fallzahlen dort schon unter 50 sein, und etwa sieben Tage vor Hamburg sollte im nördlichsten Bundesland die 25 unterschritten werden.

Quelle: ntv.de

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