Panorama

Experten klären auf Warum Panik vorm Coronavirus unnötig ist

22007acf3636de922f46c8599318a3b7.jpg

Einen Mundschutz zu tragen ist derzeit nicht notwendig.

(Foto: imago images/Rolf Kremming)

Mit jedem neuen Infektions- oder Verdachtsfall steigt in Deutschland derzeit die Sorge vor einer Coronavirus-Epidemie. Doch Experten beruhigen: auch wenn viele Fragen zum neuartigen Erreger noch offen sind, ist die Gefahr für die Bevölkerung gering.

Das Coronavirus ist in Deutschland angekommen und die Auswirkungen sind deutlich spürbar. Im nordrhein-westfälischen Heinsberg bleiben nach mehreren Infektionsfällen die Kitas und Schulen geschlossen. Die Bundesregierung hat einen Krisenstab eingerichtet. Und an der Frankfurter Börse werden Anleger vorsichtiger: Am Morgen sackte der Dax um rund 250 Punkte ab. Viele Menschen sind verunsichert. Denn über die Frage, wie gefährlich das Virus ist, herrscht weiter Unklarheit. "Jede Aussage, die man zum Coronavirus trifft, hat zunächst einmal nur Gültigkeit für den Moment, danach kann schon wieder alles anders sein", sagt ntv-Medizinexperte Christoph Specht. "Wir haben eine Situation, die sich recht schnell entwickelt."

*Datenschutz

Mit der Nachricht von einer Japanerin, die zum zweiten Mal positiv auf das Coronavirus getestet wurde, gewinnt die Debatte neue Nahrung. Bisher war davon ausgegangen worden, dass Erkrankte nach ihrer Genesung immun gegen den Erreger sind. Geht es um Sars-Cov-2, wie das Virus getauft wurde, liegt derzeit noch vieles im Dunkeln. Dennoch warnt Virologe Jonas Schmidt-Chanasit im ntv-Interview vor Panik. "Im Regelfall ist das eine leichte Erkrankung - wie ein Schnupfen. Den übersteht man einfach", so der Experte. Gefährdet seien lediglich ältere Menschen mit Vorerkrankungen. "Bei ihnen können diese schweren Verläufe auftreten." Kinder seien dagegen kaum betroffen. "Da kann man nahezu Entwarnung geben", erklärt Schmidt-Chanasit.

Auch die Ansteckungsgefahr ist in Deutschland derzeit nicht sehr groß. Zwar sind mittlerweile 26 Infektionsfälle dokumentiert, von den Patienten aus Bayern sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) mittlerweile aber wieder fast alle gesund. "Momentan ist es nicht so, dass jemand mit einer Maske draußen herumlaufen müsste", sagt Medizinexperte Specht. "Es gibt Fälle hier und es gibt auch sicherlich mehr Fälle, die aber einfach nicht als solche identifiziert wurden." Weil die Erkrankung aber nicht selten ohne auffällige Symptome verläuft, ist eine Einschätzung darüber, wie schnell sich das Virus verbreitet, nur schwer möglich. "Deswegen bringt auch die Quarantäne nichts", ergänzt Virologe Schmidt-Chanasit. "Man erkennt die Leute ja nicht, wenn sie nicht erkranken."

Kliniken sehen sich gut gerüstet

Zwar halten Experten eine weitere Ausbreitung des Virus hierzulande für wahrscheinlich. Die Gefahr, die von Sars-Cov-2 für die Bevölkerung ausgeht, schätzt das RKI aber dennoch als "gering bis mäßig" ein. Laut aktuellem Stand erkrankten 15 von 100 Corona-Infizierten schwer, sagt Lothar Wieler, Leiter des RKI. Das sei recht viel. Bei ein bis zwei Prozent der Infizierten verlaufe die Erkrankung tödlich. Dass ganze Städte, wie in Italien, abgeriegelt werden, hält er aber für unnötig. Wichtig ist laut RKI im Moment, sich bestmöglich auf eine weitere Verbreitung des Virus vorzubereiten - etwa, indem mehr Informationen über die Eigenschaften des Virus gesammelt und Risikogruppen rechtzeitig identifiziert würden. Auch die Behandlungskapazitäten in den Kliniken zu erhöhen, müsse ein Ziel sein.

Sollte sich das Virus tatsächlich weiter ausbreiten, sieht der Marburger Bund die deutschen Krankenhäuser derzeit gut vorbereitet. Die Kliniken verfügten über klare Strukturen dazu, was im Fall von Infektionen zu tun sei, sagt die Vorsitzende des Ärzteverbands, Susanne Johna. "Wir sind in Deutschland gut aufgestellt." Johna schränkt aber auch ein, dass es schwerer werden könne, die Krankheit einzudämmen, wenn das "Infektionsgeschehen außer Kontrolle gerät und Infektionsketten nicht sicher nachvollzogen werden können." Um die Klinken nicht an ihre Kapazitätsgrenzen zu bringen, muss laut RKI vor allem das Zusammentreffen eines Ausbruchs mit der Grippewelle vermieden werden. Deshalb gehe es aktuell vor allem darum, Zeit zu gewinnen.

"Ein Impfstoff wird noch dauern", ergänzt Christoph Specht. "Normalerweise dauert eine Entwicklung zwischen sechs und zwölf Monaten und dann muss es noch in großen Mengen hergestellt werden." Die beste Schutzmaßnahme ist deshalb die richtige Hygiene. Hände waschen, direkte Nähe zu Erkrankten vermeiden - und vorsichtshalber zu Desinfektionsmittel greifen.

Quelle: ntv.de, mit dpa