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Viele Fragen, keine konkrete Spur Warum der Fall Inga anders ist

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Inga ist spurlos verschwunden, und das schon seit vier Wochen. Die Ermittler tappen im Dunkeln, denn im Vergleich zu anderen Vermisstenfälle gibt es kaum konkrete Spuren. Jetzt durchkämmt die Polizei ein Waldstück bei Stendal.

Vor mehr als vier Wochen ist die fünfjährige Inga im Norden Sachsen-Anhalts spurlos verschwunden. Die Ermittler durchkämmten die Umgebung, befragten unzählige Zeugen, druckten Plakate, richteten eine eigene Website woistinga.de ein und starteten Fahndungsaufrufe im Fernsehen - doch es gibt immer noch keine heiße Spur von Inga. Hunderte Hinweise aus ganz Deutschland und aus benachbarten Ländern liefen ins Leere.

Für Hinweise, die zum Auffinden des Mädchens führen, setzte die Polizei nun sogar eine Belohnung in Höhe von 25.000 Euro aus. Seit Mittwochvormittag durchsuchen 350 Beamte einen 1000 Hektar großen Wald bei Stendal. Die Aktion sei aber nicht von einem konkreten Hinweis ausgelöst worden, sagt Polizeisprecher Mike von Hoff.

  • ca. 120 cm groß
  • schlanke Gestalt
  • blaue Augen
  • zarte, helle Augenbrauen und lange Wimpern
  • beide obere mittlere Schneidezähne fehlen
  • blonde bis mittelblonde Haare

Was wissen die Ermittler über Ingas Schicksal?
Wenig. "Wir wissen nicht, was ihr passiert ist", sagt Polizeisprecher Mike von Hoff auch vier Wochen nach dem Verschwinden. Ein Verbrechen? Ein Unfall? Eine Entführung? Alles ist denkbar, nichts davon konnten die Ermittler bisher ausschließen. Sicher ist: Inga verschwand am Abend des 2. Mai von einem Fleck in Stendal, der von einem 3500 Hektar großen Waldgebiet umschlossen ist. Die Ermittler hoffen weiterhin, sie lebend zu finden. Bisher liefen jedoch alle Spuren ins Leere.

Ist diese maue Spurenlage in einem Vermisstenfall normal?
Im Vergleich zu anderen Vermisstenfällen sei die geringe Zahl an konkreten Spuren sehr ungewöhnlich, sagen die Ermittler. In anderen Fällen konnten die Polizisten die Ermittlungen schneller in eine Richtung lenken, fanden verlorene Gegenstände, Handys oder Fahrräder. Manchmal führten auch verdächtige Autos weiter. Bei der Suche nach Inga haben die Ermittler diese richtungsweisenden Funde nicht. Gemeldete Beobachtungen führten bisher zu keiner heißen Spur.

Wie arbeiten die Polizisten?
Für die Suche nach Inga gründete die Polizei die Ermittlungsgruppe "Wald". 30 Kollegen umfasst sie im Kern, je nach Bedarf wird sie aufgestockt. Die Beamten nehmen Hinweise aus ganz Deutschland und Europa auf, die bisher hundertfach telefonisch, per Mail oder Brief eingingen. Sie gleichen sie mit vorherigen Hinweisen ab. Hilfe bekommen sie von Kollegen aus ganz Deutschland. Diese befragen Hinweisgeber in anderen Bundesländern, gehen Beobachtungen nach. Über weitere Ermittlungswege schweigt die Polizei aus taktischen Gründen.

Wie hoch ist der Druck auf die Ermittler?
Die Suche nach dem kleinen Mädchen belaste die beteiligten Beamten auch emotional, berichtet Polizeisprecher von Hoff. "Viele haben selbst Kinder und Enkel und versuchen daher alles, um Inga zu finden." Gleichzeitig müssten die Ermittler stets abwägen, wie viel sie über ihre Ermittlungen preisgäben.

Was könnte als Information zu dem entscheidenden Hinweis führen - und wo ist die Gefahr zu groß, mögliche Täter aufzuschrecken und das Mädchen in Gefahr zu bringen? Wie wichtig sind Hinweise aus der Öffentlichkeit auch noch vier Wochen nach dem Verschwinden?
Gerade weil den Ermittlern eine heiße Spur fehlt, sind Hinweise für sie sehr wichtig. "Jeder soll sich melden, der denkt, er hat ein blondes Mädchen mit großer Zahnlücke oder Ingas Kleidung gesehen, egal wo", appelliert Polizeisprecher von Hoff. "Jeder Hinweis kann der entscheidende sein." Derzeit gingen täglich 15 bis 20 neue Hinweise ein, sagt von Hoff. Nach den TV-Aufrufen bei "Kripo live" im MDR und "Aktenzeichen XY...ungelöst" im ZDF waren es noch mehr.

Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0391-546-1422 entgegen oder über dieses Kontaktformular entgegen.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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