Panorama

Fragen und Antworten Warum finden die Helfer die achtjährige Julia nicht?

Blaulichter leuchten auf dem Dach eines Polizeifahrzeugs. Foto: Carsten Rehder/dpa/Symbolbild

Hunderte Einsatzkräfte suchten nach der Achtjährigen.

(Foto: Carsten Rehder/dpa/Symbolbild)

Seit Sonntag ist Julia verschwunden. Vermutlich hat sich das Kind auf einer Familienwanderung verlaufen, doch in dem unwegsamen Gelände finden die zahlreichen Suchhelfer und Hunde bisher keine Spur von der Achtjährigen. Fragen und Antworten zu dem Vermisstenfall.

Seit wann ist die achtjährige Julia verschwunden?

Das Kind war am Sonntag beim Spielen im Wald am Berg Cerchov verschwunden. Julias Eltern waren dort mit ihren beiden Kindern und einem Neffen wandern. Die Kinder spielten und entfernten sich von den Eltern. Als sie nicht mehr auffindbar waren, verständigte die Familie die Rettungskräfte. Der sechsjährige Sohn und der neunjährige Neffe des Paares wurden schließlich gefunden, die achtjährige Tochter blieb vermisst.

Wo liegt das Suchgebiet?

Der auf Deutsch Schwarzkopf genannte Gipfel liegt etwa zwei Kilometer von der deutsch-tschechischen Grenze entfernt, etwa in der Mitte eines Dreiecks der Orte Waldmünchen, Furth im Wald und Domazlice. Die grenznahe Gegend war während des Kalten Krieges militärisches Sperrgebiet.

Gibt es Anzeichen für ein Verbrechen?

Nach den bisherigen Informationen verloren die Erwachsenen die drei Kinder, die im Wald spielten, aus den Augen. Die Polizei geht von keinem Verbrechen aus und vermutet, dass sich die Achtjährige verlaufen habe. Was Bruder und Cousin zum Verschwinden sagten, wollte der Sprecher "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht sagen. "Es ist ein schwieriges Gelände, ringsherum ist tiefer Wald", sagte die tschechische Polizeisprecherin Dana Ladmanova.

Welche Suchmaßnahmen wurden ergriffen?

Die Polizei veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie Einsatzkräfte in einer langen Reihe den Wald durchkämmen. Zudem war ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera im Einsatz. Mehrere hundert Einsatzkräfte - Polizisten, Bergwachtler und Feuerwehrleute - suchten in den vergangenen Stunden mit Hundestaffeln nach der Schülerin in dem Gebiet. Auch die tschechische Polizei ist in die Suche eingebunden. Beteiligt sind zudem Förster und Mitarbeiter des Nationalparks Böhmischer Wald (Sumava), die sich in dem unwegsamen und teils felsigen Terrain auskennen. Der Nationalpark Sumava grenzt an den ältesten deutschen Nationalpark im Bayerischen Wald. Ein Polizeisprecher kündigte an, dass die sogenannte Alpine Einsatzgruppe helfen wird. Die speziell für Einsätze im Gebirge geschulten Polizisten kämen aus dem südlichen Oberbayern in die Oberpfalz, so der Sprecher.

Kann man bei der Suche helfen?

Die Behörden riefen alle Bürger auf, die am Sonntag zwischen 15.00 und 19.00 Uhr auf dem Berg Cerchov und in seiner Umgebung gewesen waren, sich umgehend beim Polizeinotruf zu melden. Die Polizei beider Länder bittet jedoch darum, von privaten Suchaktionen abzusehen. "Wir bitten darum, nicht den Aufstieg in den Berg zu wagen, sondern hier unten zu bleiben auf den Straßen und in den umliegenden Gemeinden die Augen offen zu halten, einfach um sich hier nicht selber in Gefahr zu begeben", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz. "Nicht, dass es dann gegebenenfalls dazu kommt, dass wir noch weitere Personen aus dem Berg bergen müssen oder sogar suchen müssen."

Warum finden die Suchhunde das Kind nicht?

Susanne Melichar von der Rettungshundestaffel Bayerwald mit Sitz in Cham sagte der "Passauer Neuen Presse", Flächensuchhunde und Personenspürhunde, sogenannte Mantrailer, würden versuchen, die vermisste Julia zu wittern. Flächensuchhunde seien in der Lage, innerhalb einer Stunde 100.000 Quadratmeter unwegsames Gelände abzukämmen. Sie bildeten zusammen mit dem Besitzer ein Team, so die Lehrerin. "Der Hund sucht frei um ihn herum nach jeglicher menschlicher Witterung." Ein Mantrailer dagegen brauche Geruchsartikel der Vermissten, etwa einen Schlafanzug oder eine Haarbürste. Er starte am "gesicherten letzten Aufenthaltsort" der Verschwundenen mit seiner Suche. "Der Mantrailer verfolgt die Spur der Person, genau so wie die Person gegangen ist." Der Mantrailer könne dabei differenzieren, ob eine Geruchsspur jünger oder bereits älter sei. Optimal wäre es, so Melichar, "wenn Mantrailer das Gebiet vorgeben und Flächenhunde dieses absuchen". Allerdings gebe es mögliche Fehlerquellen, beispielsweise wenn die Haarbürste auch der Bruder benutzt hat oder die Mutter den Schlafanzug der Tochter zusammengelegt hat. "Dann ist auch der Geruch von ihnen dran." Mantrailer hätten am Nachmittag teils Spuren aufgenommen, sagte Polizeisprecher Josef Weindl am Montag. Die Suche in der Fläche habe aber zu keinem Ergebnis geführt.

Müssten Wärmebildkameras aber nicht anzeigen, wo das Mädchen ist?

Die dichten Baumkronen im Böhmerwald an der bayerisch-tschechischen Grenze erschweren die Suche. "Wärmebildkameras kommen nicht durch die Baumkronen", sagte ein Sprecher der Polizei. Sie seien zwar bis zum Morgen im Einsatz gewesen - "aber leider ohne Ergebnis".

Wie gefährlich ist die Lage für Julia?

Das stark bewaldete Gelände mit Felsen und Schluchten gilt als unwegsam und teilweise auch als gefährlich. Inzwischen spricht die Polizei von einem Wettlauf gegen die Zeit. "Die Chancen des Mädchens sinken von Stunde zu Stunde", sagte Polizeisprecher Weindl der "Passauer Neuen Presse". "Ohne Essen und Trinken schafft es ein Kind über zwei Tage", sagte er. Die Kälte sei das große Problem. In den vergangenen Nächten hätten sich die Temperaturen um den Gefrierpunkt bewegt. Möglicherweise habe das Kind in einer Höhle etwas Schutz gefunden. "Jede Stunde ist wichtig", so Weindl.

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Wer kümmert sich um die Familie?

Die Familie des Mädchens wird von Psychologen betreut. "Es geht ihnen den Umständen entsprechend." Mitarbeiter von Kriseninterventionsteams geben ihnen unter anderem den neuesten Informationsstand weiter und halten den Kontakt zur Einsatzleitung. Georg Stadler, Teamleiter des Kriseninterventionsteams Freyung-Grafenau beschrieb in der "Passauer Neuen Presse", dass es oft darum gehe, zuzuhören oder auch einfach nur da zu sein.

Quelle: ntv.de, sba

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