Zwischen Neugier und OversharingWie das optimale Onlinedating-Profil aussieht
Von Anna Kriller
Das Onlinedating-Profil ist die moderne Visitenkarte für die Liebe. Es entscheidet oft in Sekunden über Interesse oder Ablehnung. Im Gespräch mit ntv.de erklärt eine Expertin, wie man Neugier weckt, ohne zu viel zu teilen - und was gar nicht geht.
Es ist die Visitenkarte von früher, der erste Eindruck, quasi das Bewerbungsschreiben für die Liebe: das Onlinedating-Profil. Anders als beim Job muss man hier aber nicht seine fachliche Expertise, sondern sich selbst präsentieren. Und das im Idealfall so, dass man für potenzielle Partnerinnen und Partner auf den ersten Blick so interessant wirkt, dass diese einen nicht sofort wegwischen. Zu viel von sich preisgeben möchte man aber auch nicht, denn das eigene Profil, inklusive privater Fotos und Informationen, kann theoretisch jeder auf der jeweiligen Plattform sehen. Eine Gratwanderung, bei der es gilt, die Balance zu halten.
Der erste Eindruck zählt. Was im realen Leben zutrifft, verstärkt sich in der schnelllebigen Welt des Onlinedatings noch. Entsprechend wichtig ist das Profil: "Es ist das Einzige, was Menschen zur Verfügung steht, um zu entscheiden, ob sie jemanden weiter kennenlernen wollen oder nicht", sagt Love-Coach und Parship-Expertin Stella Schultner im Interview mit ntv.de. Wer sein Profil also bisher sehr schlank gehalten hat, um bloß nicht zu viel Aufwand zu betreiben oder nicht so viel von sich preiszugeben, sollte das noch einmal überdenken.
"Davon, nur ein Foto, aber keine weiterführenden Informationen einzustellen, rate ich ab, denn das kann den Eindruck erwecken, als würde man es nicht ernst genug meinen und im schlimmsten Fall sogar unseriös wirken", erklärt Schultner. Da es bei der Partnerwahl nicht nur um das Aussehen, sondern darum gehe, herauszufinden, ob Werte, Vorstellungen und Lebensziele zusammenpassen, sollte ein Profil im Idealfall ermöglichen, kurz in die persönliche Welt einzutauchen, sodass Profilbesucherinnen und -besucher spüren können, ob sie sich in diesem Leben sehen und wohlfühlen könnten.
Besonders Frauen suchen auf Onlinedating-Plattformen nach Sicherheit und Profilen, denen sie vertrauen können, weiß Schultner. Dafür brauchen sie weitaus mehr Informationen als nur die Optik, um sich für jemanden zu entscheiden. "Frauen beschäftigen sich oft intensiver mit den Profilen und suchen nach Hinweisen auf echte Kompatibilität. Männer sind hingegen meist offener, eine Frau kennenzulernen, die ihnen optisch zusagt. Selbst dann, wenn zusätzliche Informationen fehlen."
Der Sweet Spot zwischen Neugier und Oversharing
Was also braucht ein gutes Onlinedating-Profil? "Ideal sind drei bis fünf Fotos, die nicht zu alt sein dürfen", rät die Expertin. Auf starke Filter oder zu viel Make-up sollte man aber verzichten, wenn man sonst im Alltag anders aussehe. "Außerdem empfehle ich immer ein Ganzkörperfoto und ein Bild, das eine typische Hobby- oder Alltagssituation zeigt, um einen ehrlichen und realistischen Gesamteindruck zu vermitteln." Von vielen Gruppenbildern und Fotos mit Kindern rät Schultner hingegen ab.
Bei den Daten und Informationen, die man zusätzlich zu den Fotos über sich hochlade, sei es "wichtig, den Sweet Spot zwischen Neugier wecken und Oversharing zu finden, gleichzeitig aber auch nicht zu wenig Informationen preiszugeben". Grundsätzlich gelte: Je mehr wir über eine Person erfahren, desto besser könne man einschätzen, ob ein gemeinsames Leben vorstellbar sei. "Gerade Menschen mit Beziehungswunsch brauchen Orientierung und möchten verstehen, wie jemand denkt, fühlt und lebt."
Gleichzeitig zeigen Studien jedoch auch, dass zu viele Informationen überfordernd wirken können. Besser sei, es etwas spannender zu halten und Stück für Stück Einblicke in die eigene Person zu geben. "Intimität entsteht nicht durch maximale Offenheit auf einmal, sondern durch stimmige, schrittweise Selbstoffenbarung. Wenn alles sofort auf dem Tisch liegt, bleibt oft kein Raum mehr für Neugier, Entwicklung und emotionale Annäherung."
Das gelte natürlich nicht für alle Informationen: Bei Aspekten, die einem besonders wichtig sind, rät Schultner, diese in jedem Fall zu nennen, beispielsweise bei einem ausgeprägten Kinderwunsch. Ebenfalls auf dem Profil vorkommen dürfen ein paar Angaben zu Interessen oder Hobbys, ein schönes Erlebnis oder auch ein Fun Fact - das mache das Profil persönlicher.
Keine Kompromisse im Alter
Der Rat, das eigene Onlinedating-Profil möglichst persönlich zu gestalten, gelte übrigens besonders, wenn man im Alter nach einem Partner oder einer Partnerin suche. "Gerade im Alter wollen viele keine Kompromisse mehr machen und wissen oft genau, was sie wollen und was sie nicht (mehr) wollen", sagt Schultner.
Vor allem Männern rät sie darum: "Viele Frauen blühen im Alter richtig auf. In dieser Lebensphase haben die meisten bereits viel Verantwortung getragen. Entsprechend suchen sie heute häufig keine klassische Versorgungs- oder Rollenbeziehung mehr, sondern ein gemeinsames Erleben auf Augenhöhe. Sie möchten das Leben bewusst gestalten, Neues entdecken und ihre eigenen Wünsche ernst nehmen." Attraktiv wirken der Expertin zufolge daher Männer, die ein eigenes Leben haben, offen für neue Erfahrungen sind und Lust auf gemeinsame Entwicklung mitbringen. Nicht hoch im Kurs liegen hingegen Rückzug, Abhängigkeit oder eine Beziehung, die sich vor allem um Versorgung und Anpassung dreht.