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74.000 Feuer seit Januar Was die Amazonas-Brände so gefährlich macht

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Tausende Brände wüten im Amazonas-Gebiet - so wie hier im Naturpark Chapada dos Guimaraes.

(Foto: dpa)

Das Amazonas-Gebiet steht in Flammen: Im größten Regenwald der Welt wüten so viele Feuer wie noch nie. Das führt nicht nur in der internationalen Politik zu Streit, sondern wirkt sich auch auf das weltweite Klima aus. Warum brennt es im Amazonas überhaupt und wieso betrifft uns das auch in Europa? Hier finden Sie die Antworten.

Welches Ausmaß haben die Brände am Amazonas?

Das brasilianische Weltraumforschungsinstitut INPE registrierte seit Beginn des Jahres mehr als 74.000 Waldbrände in Brasilien, das sind 83 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Neben brennenden Flächen im Privatbesitz brechen auch immer wieder Feuer auf Ländereien der indigenen Bevölkerung und in Naturschutzgebieten aus. Der durch die Brände ausgelöste Rauch sorgte vor wenigen Tagen sogar dafür, dass sich im 3000 Kilometer entfernten São Paulo der Himmel verdunkelte. In anderen Städten wie Cuibá, Manaus und Rio Branco ist regelmäßig kein blauer Himmel mehr zu sehen. Auch in Peru und Bolivien wüten die Flammen. Die Regierungen beider Staaten haben inzwischen den Notstand ausgerufen.

Warum ist das Löschen der Feuer so schwierig?

Brasilien ist ungefähr 22 Mal so groß wie Deutschland und die enorme Zahl von Bränden verteilt sich auf ganz unterschiedliche Orte. Viele der Brandgebiete sind zudem sehr schwer zugänglich: Laut RTL-Wetterexperte Oliver Scheel gibt es teilweise nur wenige Straßen, so dass Rettungskräfte nur mit Booten über die Flüsse zu den Bränden gelangen können. Hinzu kommen unterirdische Feuer, die zunächst unentdeckt vor sich hin lodern.

Warum brennt es überhaupt?

"Alle Brände im Amazonasgebiet werden auf die eine oder andere Weise von Menschen verursacht", sagt Ricardo Mello, Leiter des Amazonasprogramms der Umweltorganisation WWF. So werden Brandrodungen im brasilianischen Regenwald seit Langem eingesetzt, um Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung zu schaffen - hauptsächlich für Rinderfarmen oder den Anbau von Soja. Anfang August etwa hatten Landwirte und Viehzüchter im Bundesstaat Pará den "Tag des Feuers" ausgerufen und in einer koordinierten Aktion große Flächen entlang der Landstraße BR-163 angezündet. Kurz darauf wurde ein sprunghafter Anstieg von Bränden in der Region registriert. Laut der Zeitung "Folha de S. Paulo" wurden sie durch Aussagen des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro gegen Umweltschützer zu ihrer Aktion ermutigt. Der Klimawandel und die damit verbundene Trockenheit und Dürre verschlimmern die Situation zusätzlich und sorgen dafür, dass sich die Brände rasch ausbreiten.

Welche Rolle spielt der Machtwechsel in Brasilien?

Seit dem Amtsantritt von Präsident Bolsonaro Anfang des Jahres ist die Zahl der durch Brandrodung ausgelösten Brände im Amazonas-Gebiet geradezu explodiert. Bolsonaro, der den menschgemachten Klimawandel anzweifelt, fördert Bergbau und Landwirtschaft im Amazonas-Gebiet und fährt Projekte zum Schutz des Regenwaldes zurück. Umweltschützer werfen ihm vor, mit seinen umweltfeindlichen Aussagen Holzfäller, Bergleute und Bauern am Raubbau im Amazonas-Gebiet zu ermutigen. So dringen diese auch in bislang streng geschützte Gebiete vor. Indigene Völker, Kirchen und NGOs berichten laut "Tagesschau" übereinstimmend, dass seit Anfang 2019 keine Kontrollen mehr stattfinden und dass die Umweltbehörde IBAMA und die FUNAI-Behörde für Indigene weitgehend entmachtet wurden. Bolsonaro wiederum beschuldigt Umweltschützer, die Brände gelegt zu haben, um seiner Regierung zu schaden.

Worüber wird auf internationaler Ebene gestritten?

Der französische Präsident Emmanuel Macron will die Waldbrände auf die Agenda des G7-Gipfels am Wochenende setzen - und zwar als allerersten Punkt, bevor über andere Dinge gesprochen wird. "Unser Haus brennt. Wortwörtlich", twitterte er. Bolsonaro dagegen verbittet sich Ratschläge aus dem Ausland. Den Waldbrand auf dem G7-Gipfel zu diskutieren, ohne andere Länder der Region zu beteiligen, "lässt auf eine kolonialistische Denkweise schließen", schrieb er auf Twitter. "Ich bedauere, dass Präsident Macron versucht, interne Angelegenheiten Brasiliens und anderer Länder der Amazonasregion zum eigenen politischen Vorteil zu instrumentalisieren."

Ungeachtet dessen droht Irland, das EU-Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten zu blockieren, wenn Brasilien den Regenwald am Amazonas nicht besser schützt. Zudem ist ein Streit um den Amazonas-Fond entbrannt, der die Brandbekämpfung im brasilianischen Regenwald mitfinanziert. Hauptgeldgeber Norwegen etwa fror seine Mittel ein, weil die Abholzung des Regenwaldes unter Bolsonaro stark zugenommen hatte.

Warum ist der Amazonas-Regenwald so bedeutend?

Der Amazonas-Wald ist der größte tropische Regenwald der Welt; er umfasst mehr als die Hälfte der verbliebenen Tropenwälder. Weil er damit der größte CO2-Speicher der Erde ist, wird er auch "die grüne Lunge der Welt" genannt. Mehr als 20 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes werden hier gebunden. Wissenschaftler des Woods Hole Research Center, das sich mit dem Klimawandel beschäftigt, sprechen von 90 Milliarden Tonnen gebundenen Kohlenstoffs.

Welche Auswirkungen haben die Brände für uns in Europa?

Als gigantischer CO2-Speicher ist der Regenwald unerlässlich für das Klima auf der ganzen Welt. "Wir brauchen ihn zum Überleben", sagt RTL-Wetterexperte Scheel. "Wir können es uns schlicht nicht leisten, ihn zu verlieren." Neben der Aufnahme von CO2 lenke der Regenwald Meeresströmungen und Winde und reguliere die Temperatur. Die Folge: Ohne den Amazonas würde es zu einem unkontrollierten Klimawandel kommen. "Was da unten in Brasilien passiert, hat einen weltweiten Effekt", so Scheel.

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Quelle: n-tv.de

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