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Spiel gewordener Kindheitstraum Was vom Pokémon-Go-Hype übrig ist

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In den ersten zwei Monaten luden über eine halbe Milliarde Menschen das Spiel runter.

(Foto: picture alliance / Silas Stein/d)

In den 1990er-Jahren sitzen Pokémon-Fans vor dem Fernseher. Über 20 Jahre später erobern die Monster per Spiele-App die Smartphones. Den Reiz hat Pokémon Go auch ein Jahr nach Veröffentlichung für viele noch nicht verloren.

Als in den USA, Australien und Neuseeland bereits Millionen Smartphone-Spieler auf ihre Handybildschirme starren und in den Straßen Monster sammeln, müssen sich Pokémon-Fans in Deutschland noch gedulden. Das Smartphone-Game Pokémon Go ist eigentlich erst ab dem 13. Juli 2016 hierzulande im App-Store erhältlich. Also eine Woche später als in den USA.

Eigentlich. Denn tausende ungeduldige Spieler spielen es dank einer technischen Lücke bereits vor dem offiziellen Deutschland-Start - so auch Katrin Eckert. Die 37-Jährige verbringt täglich mindestens ein bis zwei Stunden mit Pokémon Go - und ist damit Schätzungen zufolge eine von noch fünf Millionen täglich aktiven Usern.

"Würde es mir mein Alltag erlauben, ich würde noch mehr Zeit in das Spiel investieren", sagt Eckert, die gerade eine Umschulung zur Kauffrau für Büromanagement macht, n-tv.de. Ihr diene das Spiel nicht nur als Pausenfüller. Sie gehe auch gezielt vor die Tür, um an bekannten Pokestops ein paar Monster zu fangen und Arenen zu erobern.

Erlös von über einer Milliarde Euro

Seit dem Start im vergangenen Jahr ist Pokémon Go ein weltweites Phänomen. In den ersten zwei Monaten laden über eine halbe Milliarde Menschen das Spiel herunter. Die Euphorie hält genau einen Sommer lang. Dann scheint der Hype vorbei zu sein. Von September bis Februar wird Pokémon Go nur noch 150 Millionen Mal heruntergeladen. Die App belegt aktuell im deutschen App Store von Apple Platz 115.

Beim Entwickler Niantic Labs glaubt man nicht, dass die Downloadzahlen widerspiegeln, wie beliebt das Spiel ist. Dort setzen sie darauf, aktive Spieler bei der Stange zu halten und diejenigen, die aufgehört haben zu spielen, zurückzugewinnen. Warum, ist klar: Die aktiven Spieler lassen beim Entwickler, wenn sie in der App Zusatzartikel wie mehr Speicherplatz oder Brutmaschinen für Pokémon-Eier kaufen, die Kassen klingeln. Analysten schätzen den bisherigen Erlös auf über eine Milliarde Euro.

Um die Nutzer im Spiel zu halten, hat Niantic im Februar die zweite von bisher sieben Pokémon-Generationen eingeführt und die Regeln für Arenen-Kämpfe geändert. Bei dem 22-jährigen Medieninformatik-Studenten Gezim Sadrija ist diese Taktik voll aufgegangen. Als das Spiel im Juli vergangenen Jahres auf den Markt kam, legte der Student aus Diepholz sein Handy kaum mehr aus der Hand. "Im Oktober vergangenen Jahres habe ich dann ein wenig das Interesse verloren, weil sich das Spiel nicht weiterentwickelt hat. Seit es die zweite Generation der Pokémon gibt, spiele ich wieder mehr", sagt Sadrija n-tv.de.

Wenn der 22-Jährige das Haus verlässt, macht er grundsätzlich die App auf. Schließlich könnte an der nächsten Straßenecke ein seltenes Pokémon sitzen. So kommt er auf eine effektive Spielzeit von drei bis vier Stunden am Tag. Doch der Student investiert nicht nur Zeit, sondern auch Geld in das Spiel. "Inzwischen gebe ich monatlich regelmäßig 10 bis 20 Euro für Zusatzartikel aus dem Inn-Game-Shop aus."

Viele hat der Hype abgeschreckt

Anders hält es Eckert mit den In-App-Käufen. Sie hat bis jetzt noch kein Geld für Pokémon Go ausgegeben. Nicht aus Prinzip, sondern aus finanziellen Gründen. Wenn sie in Zukunft etwas mehr Geld zur Verfügung hat, könnte sie sich sogar vorstellen, in anderen europäischen Städten auf die Jagd nach Pokémon zu gehen. "Ich habe sowieso Reisefieber und wieso soll man das nicht verbinden können?"

In Eckerts Umfeld spielen nur noch wenige Pokémon Go. Einige hielten das Spiel schon immer für Kindergarten und haben gar nicht erst damit angefangen. Andere hätten schnell wieder aufgehört. "Viele hat gerade der große Hype um das Spiel abgeschreckt und manche wollten schlichtweg nicht als Freak abgestempelt werden", so die 37-Jährige. Auf ihre noch immer vorhandene Leidenschaft reagiert ihr Umfeld bis heute ganz unterschiedlich. "Manche kennen das Spiel überhaupt nicht und sind fasziniert davon, wenn ich ihnen erkläre, worum es geht. Andere tun es als Kinderkram ab, der nichts für Erwachsene ist."

Von Sadrijas Freunden hingegen haben die meisten selbst eine Weile Pokémon Go gespielt. Viele hätten aufgehört, weil es keine Neuheiten mehr brachte, es ihnen langweilig wurde oder sie nicht so einen engen Bezug zu Pokémon hatten, sagt Sadrija. Er trainiert immer noch Pokémon und lässt sie gegeneinander antreten. "Für mich ist mit dem Spiel ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen."

Quelle: n-tv.de

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