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Fünf Tote, zwei Tatorte Was wir über den Armbrust-Fall wissen

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Ein Mitarbeiter der Spurensicherung am Tatort in Wittingen.

(Foto: dpa)

Am Samstagmorgen macht ein Zimmermädchen in einer Pension in Passau eine grausige Entdeckung: In einem Zimmer des Gasthauses liegen drei Tote, hingerichtet durch die Pfeile einer Armbrust. Kurz darauf finden Ermittler in der Wohnung von einer der Toten im niedersächsischen Wittingen zwei weitere Leichen, die zur selben Gruppe gehören. Nun versucht die Polizei zu rekonstruieren, wer die Opfer sind und was sich an den beiden Tatorten abspielte.

Wer sind die Toten?

Mittelpunkt der Gruppe war offenbar der 53-jährige Torsten W. Er betrieb im rheinland-pfälzischen Hachenburg einen Mittelalterladen. Zuletzt lebte er mit der 33 Jahre alten Kerstin E. in einem Einfamilienhaus in der Nähe. Die beiden wurden in der Passauer Pension zusammen mit der 30-jährigen Farina C. tot aufgefunden. C. war vor ihrem Tod laut Polizei Verkaufsleiterin in einer Bäckerei. Die Toten in Wittingen sind die 35-jährige Grundschullehrerin Gertrud C. und eine 19-Jährige. Bei Letzterer soll es sich um die seit mehreren Jahren vermisste Carina U. handeln. Die offizielle Bestätigung steht zwar noch aus, die Eltern gehen aufgrund der Tatumstände laut RTL aber davon aus, dass die tote 19-Jährige ihre Tochter war. Nachbarn zufolge waren die Frauen meist ganz in Schwarz gekleidet.

In welcher Beziehung standen die fünf Personen?

Kerstin E. war offenbar die Partnerin von Torsten W.: Die beiden wohnten zuletzt gemeinsam in einem Haus im Westerwald. Farina C. und Gertrud C. waren ebenfalls ein Paar und lebten in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft in der Wohnung in Wittingen. Wie Farina C. soll auch Carina U. den 53-jährigen Torsten W. über einen Kampfsportclub kennengelernt und kurz darauf den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen haben. Das berichten laut RTL die Eltern von Carina U.

2017 lebten mindestens drei der Frauen laut "Bild"-Zeitung für einige Monate mit Torsten W. auf einem alten Gutshof im niedersächsischen Wietze. W. soll die Frauen dort herumkommandiert haben. "Die Körpersprache der Frauen war devot, Kopf nach unten. Er hat Befehle gegeben", so Vermieter Alexander Krüger zur "Bild"-Zeitung. "In kurzen Imperativsätzen: 'Hast du auch sauber gemacht? Aber zackig!'". RTL-Recherchen zufolge scharten sich die Frauen möglicherweise in einer Art Sexzirkel um Torsten W. Eine in den Medien diskutierte Verbindung in die Mittelalterszene wurde von der Staatsanwaltschaft bislang nicht bestätigt.

Wie starben die fünf Personen?

Den Ermittlungen zufolge tötete Farina C. zunächst Torsten W. und Kerstin E. mit einem Armbrust-Schuss ins Herz. Da es keine Kampf- oder Abwehrspuren gibt und die Toten Hand in Hand in einem Bett lagen, geht die Polizei davon aus, dass sie auf Verlangen getötet wurden. Danach richtete sich Farina C. mit einem Schuss in den Hals selbst hin. Sie wurde auf dem Fußboden des Pensionszimmers gefunden. Wie und wann genau die beiden Frauen in Wittingen starben, ist noch unklar. Laut Obduktion sind sie schon seit einigen Tagen tot; die Leichen weisen keine Zeichen von äußerer Gewalt auf. Die Armbrust als Tatwaffe scheidet hier also aus.

Welches Motiv steckt hinter der Tat?

Offenbar schieden die Opfer freiwillig aus dem Leben. Neben den fehlenden Kampfspuren an den Leichen sprechen auch die in der Pension gefundenen Testamente von Torsten W. und Kerstin E. dafür, dass sie auf Verlangen getötet wurden. Auf der Suche nach dem Warum tappen die Ermittler aber bislang im Dunkeln.

Warum hielten sich die späteren Opfer in Passau auf?

Auch das ist unklar, frühere Verbindungen der Opfer in die Stadt sind bislang nicht bekannt. Der Staatsanwaltschaft Passau zufolge waren sie zuvor in Österreich - eine Quittung belegt, dass sie dort eine der Armbrüste kauften, die später zur Tatwaffe wurden.

Quelle: n-tv.de

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