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Streit über brennende Windräder Wenn die Feuerwehr nicht löschen kann

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Gegen Brände in luftiger Höhe ist die Feuerwehr mit ihrem Equipment machtlos.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nur ein Viertel der Bürger befürwortet Windkraftanlagen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Die Akzeptanz derartiger Anlagen leidet auch unter Havarien, die nicht bekämpft werden können. Etwa wenn die Feuerwehr bei Bränden in 180 Metern Höhe machtlos ist.

Erst quillt schwarzer Qualm hervor, dann schlagen Flammen aus dem Gehäuse, schließlich stürzen meterlange angesengte Trümmerteile zu Boden: Wenn eine Windkraftanlage oben in Brand gerät, wird es unten ringsherum lebensgefährlich. Für die Feuerwehr bleibt dann nur die Zuschauerrolle. Kontrolliert abbrennen lassen, abgefallene Teile löschen und die Umgebung 500 Meter weit absperren - mehr können die Wehrleute meist nicht ausrichten.

In knapp 180 Metern Höhe befinden sich inzwischen die Naben der höchsten Windkraftanlagen. "An Brandherde in derart großen Höhen kommen wir nicht heran", sagt Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband in Berlin. Mit Standard-Drehleitern wären nur gut 20 Meter zu schaffen. Letztlich verhindert aber die Gefahr durch abbrechende Bauteile Löscheinsätze in der Nähe.

Fest installierte Löschanlagen könnten da helfen, sind aber längst nicht die Regel. Die gebe es "etwa als Auflage für Windkraftanlagen in Waldnähe", sagt Felix Rehwald vom Windanlagenhersteller Enercon im ostfriesischen Aurich. Betreiber entscheiden sich manchmal auch freiwillig für den Einbau von Löschanlagen, denn Feuer kann schnell zu Schäden im Millionenbereich führen.

Spektakulär verlaufen auch andere Havarien, wenn etwa ein Rotorblatt abfliegt oder eine Anlage komplett umstürzt. "Das kommt allerdings sehr selten vor", sagt Wolfram Axthelm vom Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) in Berlin. 79 Havarien an deutschen Windkraftanlagen von den Alpen bis zur Nordsee hat der Verband seit dem Jahr 2005 gezählt. Darunter waren meist Brände - verursacht durch Monteure, durch Blitzeinschläge oder Kupferdiebe. Gelegentlich stürzt auch eine ganze Gondel ab, oder Bruchstücke eines abgerissenen Flügels verteilen sich im Gelände.

Viele Bürger sind skeptisch

Viele Deutsche stehen einer aktuellen Umfrage zufolge Windrädern in ihrer Nachbarschaft eher skeptisch gegenüber. Nur ein Viertel (24 Prozent) der Bürger würde eine Anlage in der Nachbarschaft ohne Einschränkungen akzeptieren, wie das Trendbarometer für RTL und n-tv ergab. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte von Dienstag bis Freitag vergangener Woche 2008 Bundesbürger. 43 Prozent der Befragten würde es stören, 27 Prozent würden sogar aktiv protestieren, sollte ein Windrad in der Nähe ihres Wohnorts errichtet werden.

Ein gesetzliches Register für Schadensfälle an den umstrittenen Anlagen gibt es nicht. Der BWE geht von bundesweit etwa zehn Fällen pro Jahr aus. "Eine verschwindend geringe Zahl bei einer installierten Kapazität von 30.000 Anlagen", findet Axthelm. Dabei gebe es keine genauen Erkenntnisse, ob ältere Anlagen auch besonders schadensanfällig sind. Die aktuellen Sicherheitsstandards seien jedenfalls etabliert und ausreichend, die Prüfverfahren qualitativ hochwertig.

Das sieht der Tüv-Verband (VdTüv) ganz anders und zählt nach eigenen Recherchen bis zu 50 gravierende Schäden an Windkraftanlagen pro Jahr. Windkraftkritische Bürgerinitiativen kommen auf mehr als 160 Ereignisse, vom Ölaustritt bis zum tödlichen Arbeitsunfall. "Unfälle sind ein Sicherheitsrisiko für Menschen und Umwelt, zumal Windparks immer näher an Straßen und Siedlungen heranrücken", sagt Geschäftsführer Joachim Bühler vom Tüv-Verband. Für etwa die Hälfte aller deutschen Windräder seien keine Prüfungen nach einheitlichen Kriterien von unabhängigen Stellen vorgeschrieben. Der Verband fordert daher häufigere Sicherheitskontrollen wie bei Tankstellen, Aufzügen oder Druckbehältern.

Kritiker halten diese Forderung dagegen für übertrieben und wittern, dass es dem Tüv um ein neues Geschäftsmodell gehe. "Gemessen an den Millionen von Betriebsstunden der Anlagen sind große Havarien äußerst selten und liegen im Promillebereich", sagt Enercon-Sprecher Rehwald. Bei guter Wartung seien daher keine zusätzlichen Prüfungen nötig. Ein letztes Risiko bleibe aber bei jeder Technik: "Bei einem Auto kann trotz einer Tüv-Prüfung auch immer mal ein Bauteil ausfallen."

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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