Panorama

Ein Jahr Corona-Ausnahmezustand Wie der Lockdown New York verändert hat

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Der sonst so belebte Times Square war wochenlang fast menschenleer.

(Foto: dpa)

Als New York am 20. März 2020 fast von heute auf morgen in den Lockdown ging, wurde die Metropole zur "Stadt, die erstmals schläft". Das zurückliegende Corona-Jahr war voller Leid und Schmerz und vieles hat sich verändert. Einiges auch zum Besseren.

Im März 2020 hätte sich fast kein New Yorker vorstellen können, dass die historischen Ausgangsbeschränkungen in der Weltmetropole ein ganzes Jahr Ausnahmezustand nach sich ziehen würden. Alle müssten wegen Covid-19 von nun an zu Hause bleiben, sagte Gouverneur Andrew Cuomo am 20. März 2020. "Das sind die drastischsten Maßnahmen, die wir ergreifen könnten."

Damals zeigten die Ticker der US-Nachrichtensender noch an, dass insgesamt 196 Menschen in den USA an Covid-19 gestorben waren. Nachdem es nun mehr als eine halbe Million Corona-Tote in den Vereinigten Staaten gibt, wird das vergangene Jahr in New York in die Geschichtsbücher eingehen. Viel Leid und Schmerz hat es gegeben, vieles hat sich verändert - aber nicht alles zum Schlechten. Ein Überblick.

Die Schere zwischen Arm und Reich

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Besonders in ärmeren Stadtvierteln explodierten die Corona-Fallzahlen.

(Foto: dpa)

"Corona betrifft alle gleich", hieß es zu Beginn der Pandemie in New York oft, oder: "Wir stecken da alle zusammen drin." Dass das dann doch nicht so ganz stimmte, wurde schnell klar: Viele reiche New Yorker - unter anderem aus Manhattan - verließen die Stadt zumindest zeitweise und quartierten sich auf dem Land oder am Strand ein - gemietet oder im Eigentum, auf jeden Fall mit mehr Platz zum Abstandhalten.

Währenddessen explodierten die Infektionszahlen in Vierteln wie Queens, der Bronx oder auch Brooklyn mit niedrigeren Durchschnittseinkommen, wo zudem meist eine Mehrheit der Menschen nicht-weiß ist und nicht von zu Hause aus arbeiten kann. Die Pandemie schien die Schere zwischen Arm und Reich zu vergrößern und gleichzeitig die Unterschiede offen darzulegen. Aber auch die Hilfsbereitschaft war und bleibt riesig. Zudem sind die Mieten teilweise etwas gesunken - und die Hoffnung ist gestiegen, dass das Offenlegen der Probleme künftig für Veränderungen sorgen könnte.

Homeoffice-Kultur

Auch wenn das Leben - und zumindest teilweise der Tourismus - 2021 scheibchenweise nach New York zurückkommt, rechnen viele Firmen und Angestellte damit, noch lange von zu Hause aus zu arbeiten. Viele Städter mögen das Homeoffice und ihre Arbeitgeber in den Türmen Manhattans haben gemerkt, dass es auch ohne Großraumbüro-Kontrolle läuft. Flexiblere Arbeit könnte auch in der Pendler-Metropole New York zum neuen Standard werden. Einige denken weiter: Firmen könnten mit verkleinerten Büros sparen, Arbeitnehmer hätten die Möglichkeit aus dem Umland - oder sonstwo - zu arbeiten.

Outdoor-Dining und Fußgängerzonen

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Draußen essen boomt: Hier speisen Menschen in transparenten Kapseln vor einem Restaurant.

(Foto: dpa)

Die New Yorker sind auf den Geschmack des Essens im Freien gekommen. Viele Straßen in Manhattan oder Brooklyn sind seit Monaten von (beheizten) Außenterrassen aus Holz gesäumt. Sie sind manchmal bunt angemalt oder mit Blumen verziert und - solange kein Schneesturm über die Stadt hinwegfegt - auch gut besucht. Einige Bewohner erinnert das neue Straßenflair mit verkehrsberuhigten Zonen sogar an Straßenrestaurants in Europa - und es könnte bleiben: "Ich möchte, dass wir dieses Modell übernehmen und es für Jahre und Generationen zu einem Teil des Lebens von New York City machen", sagte Bürgermeister Bill de Blasio.

Instagram-Restaurants

Neben den traditionellen Restaurants hat sich während der Pandemie ein weiterer Gastronomie-Zweig in New York entwickelt. Viele Köche und Bäcker verlagerten sich ins Internet, in sogenannte "Ghost Kitchens". Sie haben kein Ladenlokal, sondern kochen oder backen entweder zu Hause oder in einer speziellen Küche und liefern das Essen dann aus oder lassen es abholen. Viele konnten sich so den Lebensunterhalt sichern. Manche wurden sogar zu Gastronomie-Stars, wie etwa die 27 Jahre alte Kimberly Camara, deren von ihrer philippinischen Wurzeln geprägten Donuts via Instagram regelmäßig innerhalb von Minuten ausverkauft sind.

Comeback der Kultur

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Anstehen mit Maske und Abstand: Besucher warten vor dem Metropolitan Museum of Art in der Upper East Side von Manhattan.

(Foto: dpa)

Die berühmte New Yorker Kulturszene ist von der Pandemie mit am stärksten gebeutelt worden. Bis zu zwei Drittel aller Jobs seien - zumindest vorübergehend - weggefallen, heißt es in Studien. Die Museen waren monatelang geschlossen, die Theater des Broadway machen wohl frühestens im Herbst wieder auf, die Metropolitan Opera sogar erst 2022. Aber nach einem schwarzen Jahr gibt es nun erste Hoffnungszeichen: Seit Kurzem dürfen die Kinos wieder eingeschränkt öffnen, ab April auch erste Theater. Museen kündigen für den Sommer schon neue große Ausstellungen an, zudem soll es ein großes Kulturprogramm unter freiem Himmel geben - und auch davon könnte etwas bleiben.

Das liebe Rad

New York - eine Fahrradstadt? Trotz der mehr als 2000 Kilometer meist grüner Spuren für Radler nicht wirklich. Doch auch hier hat die Pandemie für ein Umdenken gesorgt. Fahrradverkäufer kommen mit dem Nachschub nicht hinterher und das Bike-Sharing-Angebot boomt, weil Zehntausende nicht mehr mit der U-Bahn fahren wollen. Deshalb werden zeitweise auch die über 50.000 Fahrradstellplätze im öffentlichen Raum knapp. Die Großstadt hat versprochen, mehr in die Infrastruktur zu investieren, denn das Fahrrad dürfte in New York auch in der Zukunft seinen Platz behalten.

Park auf dem Hudson

In der Pandemie war Platz und Natur gefragt und die New Yorker entdeckten wieder die Liebe zu ihren vielen Parks - ob klein oder groß, ob Central Park, Prospect Park oder Hudson River Park. Nun warten sie alle gespannt auf einen grünen Neuzugang: "Little Island", ein auf Stelzen im Hudson River gebauter und vom Medien-Mogul Barry Diller mit vielen Millionen Dollar finanzierter Park, soll noch "im Frühjahr" eröffnen.

Quelle: ntv.de, Benno Schwinghammer und Christina Horsten, dpa

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