Panorama

Die Geschichte von #buypensWie ein Foto ein Leben ändern kann

30.08.2015, 16:46 Uhr
imageVon Benjamin Konietzny

Bei allem Elend in der Welt, schenkt da jemand einem Mann Aufmerksamkeit, der seine schlafende Tochter durch Beirut trägt und Kugelschreiber verkauft, um zu überleben? Ja: Die Welt ist manchmal aufmerksam und hat das Leben des Mannes verändert.

Die Szenerie wirkt hoffnungslos: Der Mann geht durch Beiruts Straße, auf seiner Schulter liegt seine kleine Tochter, sie schläft, der Mann versucht Kugelschreiber zu verkaufen - mitten im Verkehr der libanesischen Hauptstadt. Er sieht erschöpft aus. Wie lange läuft er dort schon, dass seine vierjährige Tochter schon schläft, mag man sich fragen. Wie viele Kugelschreiber hat er verkauft und kann er von dem Erlös überhaupt überleben?

Manchmal passieren im Internet die unglaublichsten Dinge. Und für Abdul Halim, so heißt der Kugelschreiberverkäufer, beginnt an diesem Tag eine wirklich schöne Geschichte: Der Isländer Gissur Simonarson fotografiert den 35-jährigen Halim und versendet das Bild bei Twitter. Auch er mag bei dem Anblick gedacht haben: Was für eine hoffnungslose Situation.

Doch es gibt Hoffnung: Über 5000 Mal wird das Bild weiterverbreitet und erreicht Menschen auf dem ganzen Planeten. "Ist da eine Möglichkeit, ihm zu helfen", antworten die User auf das Bild. Ein anderer schreibt: "Ich würde alle Stifte kaufen, wenn ich könnte."

Ein neues Leben für Abdul Halim

Simonarson entschied sich, herauszufinden, wer der Stifteverkäufer ist. Unter dem Hashtag #buypens recherchierte er bei Twitter. Der Isländer, der eine Webseite betreibt, auf der über Krisen- und Konfliktegebiete berichtet wird, ist gut vernetzt. Innerhalb von 24 Stunden habe er den Mann ausfindig gemacht, sagt er gegen über dem US-Sender NBC News. "Jemand brachte ihm dann ein Telefon, sodass wir mit ihm reden konnten." Simonarson und Abdul Halim, der Stifteverkäufer lernten sich kennen. Halim ist alleinerziehender Vater und war vor drei Jahren aus Syrien geflohen.

Simonarson startete eine Crowdfunding-Initiative, um dem Mann mit dem gesammelten Geld eine Perspektive zu bieten. Mittlerweile sind fast 150.000 US-Dollar zusammengekommen. Für Halim, seine Tochter Reem und seinen Sohn Abdalla beginnt ein neues Leben. Mit dem Geld will er seinen Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen. Auch seine Geschwister und Eltern, die immer noch in Syrien leben, will er unterstützen.

Gissur Simonarson ist überwältigt von der Resonanz seiner Aktion: "Ich glaube, diese Kampagne beweist, dass wir unsere Menschlichkeit noch nicht verloren haben", schreibt er bei Twitter.

Quelle: ntv.de

HashtagBeirutFlüchtlingeX (früher Twitter)CrowdfundingArmut