Panorama

Mitten in Berlin Wo Nord- und Südkorea zusammenwachsen

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Seung Hwoe Kim und Seok Hyun Han haben die Utopie eines "paradiesischen Koreas" entworfen.

(Foto: Christian Frey )

Berlin war einst eine geteilte Stadt in einem geteilten Land und auch durch Korea läuft eine Grenze - seit mehr als 70 Jahren. In Berlin wird die koreanische Grenze nun zumindest künstlerisch für einen Sommer lang aufgehoben.

Zwischen Nord- und Südkorea stehen ein Krieg, eine jahrzehntelange politische Eiszeit, eine unüberwindbare Grenze. Doch der Traum von einem vereinten Korea bleibt. Das Kunstprojekt "Das dritte Land" hat deshalb 1500 Pflanzen aus Nord- und Südkorea nach Berlin gebracht und gemeinsam dort angepflanzt, wo einst auch eine Mauer Deutschland teilte. Auf dem Matthäikirchplatz am Kulturforum wachsen die einzelnen Pflänzchen noch bis in den November hinein zusammen - auf einem felsigen, von Nebelschwaden umwaberten Untergrund, der an das Baekdu-Daegan-Gebirge erinnert, dessen Bergkette sich in Korea vom Norden in den Süden zieht.

Pünktlich zum 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung haben die südkoreanischen Künstler Seung Hwoe Kim und Seok Hyun Han dort ihre Utopie eines "paradiesischen Koreas" entworfen. Kann das Land - wie die Natur es vormacht - Grenzen und Unterschiede überwinden? Schließlich, so findet Seok Hyun Han während des Projekts heraus, wachsen viele der typisch südkoreanischen Pflanzenarten auch in Nordkorea: "Die Vegetation ist sehr ähnlich. Es sind nur die Menschen, die irgendwo eine Grenze gezogen haben."

Künstler Seok Hyun Han, der 2017 wegen der zeitgenössischen Kunstszene nach Berlin kommt, bemerkt dort, welche Parallelen die wiedervereinigte Stadt und seine Heimat teilen. Er plant "Das dritte Land" und fängt an zu träumen, als sich Nord- und Südkorea 2018 annähern, sogar gemeinsam bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele einlaufen. Ist es da nicht auch möglich,  nach Nordkorea zu reisen und selbst Pflanzen für das Kunstprojekt zu sammeln? Der Traum zerplatzt an der internationalen Politik. Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und den USA sei auch für Südkoreaner die Tür zu, sagt Seok Hyun Han.

"Sensibles Thema"

"Wir haben kaum Informationen über das Leben in Nordkorea", sagt auch Kuratorin Keumhwa Kim von Keum Art Projects. Umso mehr soll das Projekt ein Raum sein, an dem der politische Konflikt reflektiert und zumindest temporär gelöst wird. Denn neben Unterstützung in Form von Crowdfunding erleben die Kuratorin und die Künstler auch Gegenwind. Einige in Berlin lebende Südkoreaner seien entsetzt über das Projekt gewesen. "Das ist ein sehr sensibles Thema", sagt sie. "Wir hoffen, dass das Projekt dazu beiträgt, die Nordkorea-Phobie zu überwinden."

Denn einen Unterschied zum geteilten Deutschland gibt es in Korea dann doch. "Wir haben gegeneinander gekämpft", sagt Seok Hyun Han, "die Menschen erinnern sich daran, wie Menschen getötet wurden". Die Erinnerung ist gleichzeitig das, was ihn die Hoffnung auf ein vereintes Korea aufrechterhalten lässt. "Viele haben noch Verwandte auf der anderen Seite der Grenze. Aber wir sind jetzt seit 70 Jahren getrennt. Wenn es in den kommenden zehn Jahren nicht zur Wiedervereinigung kommt, dann gibt es keine Chance mehr", sagt der Künstler. "Warum sollten wir uns wiedervereinigen, wenn jeder, der sich an das vereinte Korea erinnert, schon tot ist?" Das Projekt und die Kraft der Natur haben Keumhwa Kim und Seok Hyun Han trotzdem die Hoffnung geschenkt, dass alles möglich ist: "Ich glaube, wir werden uns eines Tages wiedervereinigen. Alles kann passieren."

Quelle: n-tv.de, ftü

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