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Missbrauchsskandal im Erzbistum Woelki gibt "systembedingte Vertuschung" zu

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Kardinal Woelki räumt auch eigene Fehler bei der Untersuchung von Missbrauchsvorwürfen ein.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool)

Bei der Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen gegen Priester gesteht Erzbischof Woelki die jahrzehntelange Geheimhaltung. Dem System Katholische Kirche fehle es nicht nur an Kontrolle, sondern auch an Mitgefühl. Der Kölner Kardinal macht sich aber auch selbst schwere Vorwürfe.

Kardinal Rainer Maria Woelki hat "systembedingte Vertuschung" im Erzbistum Köln eingeräumt. Das in der vergangenen Woche veröffentlichte Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen Priester habe dies nachgewiesen, sagte Woelki. "Das hätte so nie passieren dürfen", sagte der Chef des größten deutschen Bistums. Deshalb müsse nun "rigoros gehandelt" werden, um dies für die Zukunft zu verhindern.

Woelki räumte "Chaos in der Verwaltung" sowie ein "System aus Schweigen, Geheimhaltung und mangelnder Kontrolle" ein. "Generell fehlte es an Mitgefühl, generell fehlte es an Empathie", konstatierte der Erzbischof. Aus dem Gutachten hatte sich ergeben, dass aufgrund der noch verfügbaren Akten im Erzbistum Köln zwischen 1975 und 2018 314 Personen - meist Jungen unter 14 Jahren - Opfer von sexualisierter Gewalt geworden waren. Der Gutachter Björn Gercke stellte fest, "dass sich Jahrzehnte offenbar niemand getraut hat, solche Fälle zur Anzeige zu bringen".

Der Kölner Kardinal gestand zudem eigene Fehler im Umgang mit mutmaßlichen Missbrauchstätern. So habe er im Fall des mutmaßlichen Missbrauchstäters O. zwar seine rechtliche Pflicht erfüllt, aber er frage sich trotzdem, ob er "alles Menschenmögliche" zur Aufklärung getan habe. "Das habe ich nicht getan. Ich hätte nicht nach Rom melden müssen, aber ich hätte es tun können und auch tun sollen", erklärte Woelki. Der inzwischen gestorbene Priester O. soll Ende der 70er Jahre einen Kindergartenjungen missbraucht haben.

"Beispiel für meine persönliche Unzulänglichkeit"

Woelki nannte auch den Fall eines anderen Priesters, der in den 90er Jahren schwersten Missbrauch an Kindern begangen habe. Hier hätte er den Priester vielleicht früher suspendieren sollen, sagte der Erzbischof. Er bezeichnete dies als "beschämendes Beispiel für meine persönliche Unzulänglichkeit". Gleichwohl halte er einen Rücktritt nicht für angebracht, sagte Woelki.

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"Die Probleme würden nach meinem Weggang bleiben. So ein Rücktritt wäre nur ein Symbol, das höchstens für eine kurze Zeit hält." Mehreren Verantwortungsträgern des Erzbistums warf Gercke Pflichtverletzungen vor, so dem früheren Personalchef und heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße und dem 2017 gestorbenen Kardinal Joachim Meisner. Bereits unmittelbar nach der Präsentation des Gutachtens verloren fünf führende Geistliche ihre Ämter - darunter drei Bischöfe. So boten der in dem Gutachten stark belastete Hamburger Erzbischof Stefan Heße und der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp Papst Franziskus den Rücktritt an.

Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff wurde vorläufig freigestellt, Kirchenrichter Günter Assenmacher entbunden, der frühere Kölner Generalvikar Norbert Feldhoff zog sich aus dem Kölner Priesterrat zurück. Der trotz einer Entlastung durch das Gutachten weiter mit Rücktrittsforderungen konfrontierte Woelki kündigte zuletzt an, die Aufarbeitung weiterzubetreiben.

Quelle: ntv.de, spl/AFP/dpa

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