Panorama

Nach Anschlag in Halle Wohnung von möglichen Mitwissern durchsucht

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Der mutmaßliche Täter versuchte, in die Synagoge in Halle einzudringen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während ein Mann in Halle um sich schießt und zwei Menschen tötet, stellt ein anderer ein sogenanntes Manifest ins Internet. Die Ermittler machen zwei Männer ausfindig und durchsuchen am Morgen ihre Wohnung. US-Behörden liefern den entscheidenden Hinweis.

Zwei Männer aus Mönchengladbach werden verdächtigt, das sogenannte Manifest des mutmaßlichen Attentäters von Halle im Internet verbreitet zu haben. Die Wohnung der Beschuldigten sei durchsucht worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach, Jan Steils. Es bestehe der Verdacht, dass sie Dokumente mit volksverhetzendem Inhalt zeitnah zum Attentat von Halle verbreitet hätten. Auf die Frage, ob es sich dabei um das "Manifest" des Attentäters handele, sagte Steils, das treffe zu. Gegen die 26 und 28 Jahre alten Männer werde wegen Volksverhetzung ermittelt.

"Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen kann ich mich zum Sachverhalt derzeit nicht äußern", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach, Jan Steils, den Berichten zufolge. Gegen die Männer wird laut den Medienrecherchen offenbar wegen Verdachts der Volksverhetzung ermittelt.

Die mit der Aufklärung des Anschlags in Halle betrauten Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) konnten die Verdächtigen aus Mönchengladbach demnach durch einen Hinweis aus dem Ausland identifizieren. US-Behörden sollen zuvor die IP-Adressen des genutzten Computers übermittelt haben.

Einer der beiden Männer soll der Polizei bereits am Wochenende bereitwillig seinen Computer ausgehändigt haben. Er soll zudem erklärt haben, B. nicht zu kennen. Politisch sei er selbst eher "links". Die BKA-Ermittler gehen den Berichten zufolge dem Verdacht nach, dass der Mönchengladbacher mit dem Attentäter von Halle an der Saale in Verbindung gestanden haben und über die geplante Tat informiert gewesen sein soll.

In der Wohnung sicherten die Beamten den Angaben zufolge zahlreiche elektronische Geräte und Speichermedien. Deren Auswertung sowie die weiteren Ermittlungen dauerten an, erklärten LKA und Staatsanwaltschaft.

Attentäter soll schon 2015 Waffe besorgt haben

Stephan B. soll sich bereits 2015 im "Darknet" eine Schusswaffe besorgt haben. Das berichteten mehrere Teilnehmer einer nicht-öffentlichen Sitzung des Innenausschusses des Bundestages unter Berufung auf Generalbundesanwalt Peter Frank. Im versteckten Teil des Internets soll der Täter auch Bauteile für die Waffen, die er selbst gebaut hat, bestellt haben.

Der Attentäter hatte bei der Bundeswehr Ende 2010 Wehrdienst geleistet. Ein Chemie-Studium brach er ab. Im September 2018 hatte er sich erneut bei der Bundeswehr beworben. Das wurde aus einer nicht-öffentlichen Sitzung des Innenausschusses des Bundestages, an der auch der Generalbundesanwalt Peter Frank teilnahm, bekannt. Den Angaben zufolge zog er seine Bewerbung allerdings später wieder zurück. Weshalb er sich anders entschied, ist noch nicht bekannt.

B. sitzt in Untersuchungshaft. Er soll am Mittwoch vergangener Woche vergeblich versucht haben, in die Synagoge von Halle einzudringen, um aus antisemitischen und rechtsextremistischen Motiven die dort versammelten Gläubigen zu töten. Nachdem ihm das Eindringen misslang, soll er eine 40-jährige Frau und einen 20 Jahre alten Mann erschossen haben.

Die TVNOW-Doku "Terror in Halle - die Chronologie" beleuchtet die Ereignisse des rechtsextremen Terroranschlags mit zwei Toten.

Quelle: ntv.de, joh/AFP/dpa