Panorama

Iran tötet am häufigsten Zahl der Hinrichtungen geht deutlich zurück

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Die meisten Hinrichtungen gab es im Iran, in Ägypten, im Irak und in Saudi-Arabien.

(Foto: picture alliance / Paul_Buck/EPA)

Die Zahl der Hinrichtungen ist auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Ein Grund zur Entwarnung sei das aber nicht, sagt Amnesty International. Die Menschenrechtsorganisation beobachtet insbesondere die Lage in einem wichtigen Partnerland Deutschlands mit Sorge.

Auch während der Pandemie wurden Menschen auf der ganzen Welt hingerichtet - allerdings seltener. Die Zahl der dokumentierten Hinrichtungen ist im vergangenen Jahr um mehr als ein Viertel auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik 2007 gesunken. Nach den Jahreszahlen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurde die Todesstrafe in 18 Ländern insgesamt mindestens 483 Mal vollstreckt - 26 Prozent weniger als 2019. Die Zahl der erfassten Todesurteile sank sogar um 36 Prozent auf 1477 in 54 Ländern.

Die Statistik hat allerdings eine gewaltige Lücke: China wird darin nicht berücksichtigt, da dort die Hinrichtungen geheim gehalten werden und eine genaue Dokumentation nicht möglich ist. Amnesty schätzt die Zahl der Hinrichtungen dort auf mehrere Tausend.

In einem Land nahm die Zahl der Tötungen deutlich zu: In Ägypten wurden drei Mal so viele Menschen wie im Vorjahr hingerichtet. Außerdem haben die asiatischen Länder Indien und Taiwan sowie die Golfstaaten Katar und Oman die Vollstreckung der Todesstrafe wieder aufgenommen. Die Zahlen bewegen sich zwischen einer und vier Exekutionen pro Land. "Menschen inmitten einer weltweiten Gesundheitskrise hinzurichten, unterstreicht die Absurdität der Todesstrafe", sagte der Generalsekretär von Amnesty Deutschland, Markus Beeko.

Vier Länder waren zusammen für 88 Prozent der registrierten Hinrichtungen verantwortlich: Der Iran (mindestens 246), Ägypten (mindestens 107), der Irak (mindestens 45) und Saudi-Arabien (mindestens 27). Im Irak und in Saudi-Arabien wurde allerdings ein starker Rückgang verzeichnet.

Todesstrafe nicht nur für Kapitalverbrechen

Die Lage in Ägypten bereitet den Menschenrechtlern von Amnesty International besonders große Sorgen. Mindestens 23 Menschen seien dort im Zusammenhang mit politischer Gewalt zum Tode verurteilt worden. Einige Todesurteile hätten auf erzwungenen "Geständnissen" basiert oder seien trotz weiterer schwerer Menschenrechtsverletzungen einschließlich Folter und Verschwindenlassen ergangen. Ägypten ist strategischer Partner Deutschlands und war im vergangenen Jahr zweitgrößtes Empfängerland deutscher Rüstungsgüter.

In der Asien-Pazifik-Region wurde die Todesstrafe für Straftaten verhängt, die nicht im Zusammenhang mit vorsätzlicher Tötung standen, zum Beispiel für Drogendelikte. In Bahrain, Belarus, Japan, Pakistan, Singapur und Sudan wurden 2020 anders als im Vorjahr keine Exekutionen registriert. Einzelne Länder haben die Vollstreckung der Todesstrafe wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt.

In China wurde allerdings mindestens ein Todesurteil gegen jemanden verhängt und vollstreckt, dem die Beeinträchtigung von "Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19" vorgeworfen wurde. In den USA hat die damalige US-Regierung unter Präsident Donald Trump im Juli 2020 nach 17 Jahren wieder begonnen, Hinrichtungen auf Bundesebene zu vollziehen. In nur sechs Monaten wurden zehn Männer exekutiert.

Von den rund 200 Ländern der Welt haben 108 die Todesstrafe per Gesetz für alle Straftaten und weitere 36 außer Vollzug gesetzt. "Eine Welt ohne Todesstrafe rückt näher", sagt Beeko. Mittlerweile unterstützten von den 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen 123 die Forderung der UN-Generalversammlung nach einem Hinrichtungsmoratorium. Das seien mehr Länder als je zuvor. "Damit wächst der Druck auf die Länder, die weiterhin an der Todesstrafe festhalten."

Quelle: ntv.de, ino/AFP

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