Panorama

Kämpfe in Brasiliens GefängnisZahl der Toten nach Revolte steigt

16.01.2017, 12:20 Uhr
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Laut Amnesty International ist die Zahl der Häftlinge in Brasilien heute vier Mal so hoch wie vor zehn Jahren. (Foto: dpa)

Wieder bricht eine blutige Revolte in einem brasilianischen Gefängnis aus. Erst nach mehr als 13 Stunden kann die Polizei das Gefängnis stürmen. Zunächst gehen die Sicherheitskräfte von 10 Toten aus - doch es werden immer mehr.

Bei den blutigen Kämpfen zwischen verfeindeten Banden in einem brasilianischen Gefängnis am Wochenende sind mindestens 26 Menschen getötet worden. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen begannen am Samstagabend Ortszeit im größten Gefängnis des Bundesstaates Rio Grande Do Norte, Alcaçuz. Erst nach mehr als 13 Stunden konnte die Polizei das Gefängnis stürmen. Zunächst waren die Behörden von zehn Toten ausgegangen, die Zahl stieg aber weiter an.

Brasilien wird derzeit von einer Gewaltwelle in Gefängnissen erfasst. Seit Jahresbeginn starben bereits 134 Insassen bei Kämpfen zwischen verfeindeten Kartellen, die um die Kontrolle des Drogenhandels streiten. Die Haftanstalt Alcaçuz gehört zu den berüchtigsten in Brasilien und ist wie die meisten überfüllt. Die Gewalt in Alcaçuz brach aus, als Mitglieder des landesweit mächtigsten Kartells PCC in den Bereich einer verfeindeten Gang eindrangen. Die Kämpfe zwischen den Gefangenen wurden offenbar von Gangmitgliedern außerhalb der Haftanstalt unterstützt.

Brasilien steht international schon lange in der Kritik wegen menschenunwürdiger Haftbedingungen. Die Vereinten Nationen haben die Bedingungen in den Haftanstalten in einem Sonderbericht als inhuman und entwürdigend bezeichnet. Nach Angaben des Justizministeriums sitzen 622.000 Häftlinge in Gefängnissen mit einer Gesamtkapazität von nur 372.000 Plätzen ein.

Laut Amnesty International ist die Zahl der Häftlinge heute vier Mal so hoch wie vor zehn Jahren. Damit ist Brasilien weltweit eines der Länder mit den meisten Häftlingen im Verhältnis zur Bevölkerung. Eine Reihe von Gefängnissen sind de facto unter der Kontrolle von kriminellen Organisationen.

Quelle: ntv.de, npa/edp

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