Panorama

Specht beurteilt Omikron-Lage "Zahlen werden in drei Wochen deutlich fallen"

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Deutschlandweit werden aktuell täglich Hunderttausende Corona-Tests gemacht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland verzeichnet mehr als 92.000 Corona-Neuinfektionen, die Sieben-Tage-Inzidenz springt auf einen Rekordwert. Grund zur Panik? Nein, sagt Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht im Interview. "Wir müssen aufhören, wirklich immer nur diese Inzidenz ins Auge zu fassen." Man könne vorangegangene Zahlen nicht mit den jetzigen vergleichen.

ntv.de: Wird man aus der Sieben-Tage-Inzidenz noch schlau?

Christoph Specht: Wir haben ja den Eindruck, dass wir die Zahlen vergleichen könnten. Einmal innerhalb eines Landes, wenn wir vergangenen Zahlen jetzige gegenüberstellen. Und wir haben den Eindruck, wir könnten sie zwischen den Ländern vergleichen. Das ist aber nicht gegeben. Wir können sie nicht im Land und übers Land hinaus vergleichen.

Warum denn nicht?

Es wird unterschiedlich getestet, die Leute gehen unterschiedlich zu den Tests, manche Länder haben kostenlose, in anderen Ländern muss man sie bezahlen. Wir hängen in Deutschland wahrscheinlich etwas hinten dran bei der Erfassung der Zahlen. Aber die Omikron-Variante wird sich weiter durchsetzen, die Zahlen werden noch deutlicher steigen. Wir müssen aufhören, wirklich immer nur diese Inzidenz ins Auge zu fassen.

Was genau stört Sie daran?

Wir hatten vor sechs Monaten Einigkeit darüber, dass die Inzidenz nicht helfen würde. Damals war von Omikron noch gar nicht die Rede, jetzt machen wir wieder genau das gleiche: Wir schauen nur auf die Inzidenz. Das ist ein Fehler.

Haben Sie den Eindruck, dass Politik und Medizin in Deutschland zu vorsichtig agieren?

Es hat sich ein bisschen das Gefühl breit gemacht, wir Menschen müssten virenfrei sein, und zwar nicht nur Sars-CoV-2 virenfrei, sondern auch frei von andere Viren. Das ist aber nicht der Fall. Wir haben jeden Tag mit Viren zu tun. Wenn wir auf andere Viren testen würden, auch solche, die schon länger bei uns sind, dann würden wir in der Bevölkerung immer positive Testzahlen haben. So wird das mit Sars-CoV-2 zumindest in den kommenden Wintern auch sein. Davon müssen wir uns frei machen. Es ist prinzipiell nicht schlimm, mit Viren zusammenzuleben, das tun wir seit Tausenden von Jahren. Auch mit dem Sars-CoV-2 werden wir prima leben können. Wir haben jetzt die Chance, in diese Phase einzutreten.

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Also wird die Gefahr aktuell überschätzt?

Man darf Omikron nicht unterschätzen, es werden auch künftig Menschen daran sterben. Das war auch bei anderen Virusinfekten so und das wird in Zukunft hier auch so sein. Nur überhaupt nicht mehr in den Größenordnungen, die wir bisher gesehen haben.

Wann entspannt sich die Lage?

Die Zahlen werden zum Frühjahr hin fallen. Ich rechne sogar damit, dass die Omikron-Zahlen bei uns schon in den nächsten zwei bis drei Wochen deutlich fallen werden.

Mit Christoph Sprecht sprach Daniel Schüler

Quelle: ntv.de

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